Nächste Ungehorsamkeitsrunde

Der Aufruf zum Ungehorsam der österreichischen Pfarrerinitiative erregt weiterhin Aufsehen. Die Debatten darüber konnten bisher nicht gestoppt werden.


Als sich nun am Gründonnerstag 2012 Papst Ratzinger dazu äußerte, ging die Sache in die nächste Runde. Ratzinger kritisierte den Aufruf zum Ungehorsam und die Forderung nach weiblichen Priestern, zur Forderung nach Abschaffung des Zölibats sagte er nichts, ebenso schwieg er zu den wiederverheirateten Geschiedenen. Kardinal Schönborn sah sich danach veranlasst, Schüller neuerlich aufzufordern, den Ungehorsamsaufruf zurück zu nehmen: Das Wort "Ungehorsam" könne nicht stehen bleiben.

Unter den österreichischen Bischöfen gibt es auch unterschiedliche Ansichten dazu.
Während der Grazer Bischof Kapellari klar gegen die Pfarrerinitiative ist und als drohende Kirchenspaltung sieht, ist der Kärntner Bischof Alois Schwarz nicht dieser Meinung, redet aber sonst bloß herum. In einem Interview meinte er zu den Forderungen der Pfarrerinitiative, er sei mit Vertretern der Initiative im Gespräch, wenn man herausschäle, "was wirklich die Probleme der Leute sind, können wir Antworten geben, die dem Evangelium, der Lehre der Kirche entsprechen und den Menschen gerecht werden. Man muss gemeinsam nach Lösungen suchen". Das heißt in der Praxis, reden wir darüber, aber tun wir nix. Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz ließ sich immerhin dazu hinreißen, Änderungen beim Zölibat anzusprechen, "da es sich um kein Gottesgebot, sondern um ein Gebot der Kirche handelt". Außerdem will er ein Mitspracherecht bei den Bischofsernennungen, eine Forderung der Reformgruppe "Wir sind Kirche". Der St.Pöltner Bischof Küng besteht darauf, dass die "Treue zu Christus" unabdingbar auch die Treue zur Kirche bedeute. Er wird in seinen kirchlichen Zukunftsaussichten ganz konkret: "Wir werden die Notwendigkeit verspüren, nach dem Beispiel Jesu nicht ungehorsam zu sein, sondern gehorsam. Jesus war gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz".

Helmut Schüller, der Sprecher der Pfarrerinitiative, reagierte am 7.4.2012 auf die Forderung Schönborns, den Ungehorsamsaufruf zurück zu nehmen, ablehnend. Die Initiative habe bisher schon zweimal vergeblich versucht, mit dem Vatikan Kontakt aufzunehmen, da der Papst in seiner Predigt am Gründonnerstag die Initiative direkt angesprochen habe, wolle man nun mit den Papst sprechen. Schüller konkret: "Wir sehen in diesem Ungehorsam nichts Anstößiges", die 393 Initiative-Priester hätten bei ihrem Weiheversprechen nicht gelobt, ihr Gewissen künftig nicht mehr zu benutzen, "ein Gehorsam ohne Gewissen ist ein gefährlicher Gehorsam".

Jetzt müsste als Echo eine Belehrung Schüllers erfolgen, dass sein Gewissen offenbar falsch gebildet ist. Zwar steht im 1782 des katholischen Katechismus: "Der Mensch hat das Recht, in Freiheit seinem Gewissen entsprechend zu handeln, und sich dadurch persönlich sittlich zu entscheiden. Er darf also nicht gezwungen werden, gegen sein Gewissen zu handeln. Er darf aber auch nicht daran gehindert werden, gemäß seinem Gewissen zu handeln, besonders im Bereiche der Religion."

Aber im Glaubensgesetzbuch geht es weiter, im 1785 heißt es: "Bei der Gewissensbildung ist das Wort Gottes Licht auf unserem Weg. Wir müssen es uns im Glauben und Gebet zu eigen machen und in die Tat umsetzen. Auch sollen wir unser Gewissen im Blick auf das Kreuz des Herrn prüfen. Wir werden dabei durch die Gaben des Heiligen Geistes und das Zeugnis und die Ratschläge anderer unterstützt und durch die Lehre der kirchlichen Autorität geleitet." Die einzige real existierende Institution für die Gewissenbildung ist die "kirchliche Autorität"!

Also keine Chance fürs eigene Gewissen. Weil das muss sich nach den Lehren der kirchlichen Autorität richten. Konkret gilt für Schüller & Co der 1792:
"Unkenntnis über Christus und sein Evangelium, schlechte Beispiele anderer Leute, Verstrickung in Leidenschaften, Anspruch auf eine falsch verstandene Gewissensautonomie, Zurückweisung der Autorität der Kirche und ihrer Lehre, Mangel an Umkehrwillen und christlicher Liebe können der Grund für Fehlurteile im sittlichen Verhalten sein."

Streng katholisch betrachtet haben somit Kapellari und Küng recht. Das was die sagen, das ist katholisch. Aber wer katholisch ist, ist selber dran schuld.

Nachtrag vom 9.4.:
In der Kronenzeitung hat am 8.4. der berühmte Briefschreiber "Jeannee" einen Brief an Pfarrer Schüller abdrucken lassen. Da man selbst von "Jeannee" selten solche Ausgeburten zu sehen bekommt, sei er hier wiedergegeben:

PS: mit der "österreichischen Krawallzeitung" ist das Blatt "Österreich" gemeint, über diese Zeitung kann man problemlos sagen, das ist die schrecklichste Zeitung Österreichs. Aber einen" Jeannee" haben sie dort nicht! Es ginge also auch in "Österreich" noch schlimmer!