Papst zieht Klage zurück

Fortsetzung zur Info Nr. 1030.
Presseerklärung der Satirezeitschrift TITANIC vom 30.8.2012:

Termin vor Landgericht Hamburg abgesagt / Papst-Mittelaltermarkt findet trotzdem statt

Einen Tag vor Beginn des Prozesses hat die Deutsche Bischofskonferenz erklärt, daß der Apostolische Stuhl die einstweilige Verfügung gegen das Juli-Titelbild des Satiremagazins TITANIC zurückzieht. Die für den morgigen Freitag angesetzte Hauptverhandlung vor dem Landgericht Hamburg entfällt damit. Die Nachricht erreichte die Redaktion, als sie sich gerade in einer Protestaktion am Hamburger Michel neben dem Standbild Martin Luthers festkettete.
In einer spontanen Stellungnahme erklärte Chefredakteur Leo Fischer: "Wir sehen uns in einer Tradition mit Giordano Bruno, Galileo Galilei und Margot Käßmann, die alle im Nachhinein Recht bekommen haben. Ob das 500 Jahre oder fünf Monate gedauert hat, ist vor der Ewigkeit ohne Bedeutung."
Trotz der Absage laden TITANIC und die Partei Die PARTEI die Hamburger am Freitagvormittag zum angekündigten Papst-Mittelaltermarkt mit Pranger und Hexenverbrennung (symbolisch) am Sievekingplatz vor dem Landgericht ein.

Die Aussendung der deutschen Bischofskonferenz betreffend Zurückziehung der Verfügung hatte gelautet:


In Wikipedia heißt es zur "einstweiligen Verfügung":
Die einstweilige Verfügung ist die vorläufige Entscheidung des Gerichts im Eilverfahren, die der Sicherung eines nicht auf Geld gerichteten Anspruchs bis zur endgültigen Entscheidung dient.

Somit bedeutet das, dass Titanic sein Titelbild vom Juli wieder verbreiten kann. Welche Schritte der Vatikan nun unternehmen wird, ist nicht absehbar, vielleicht hat man auch gemerkt, dass es klüger gewesen wäre, das Bild zu ignorieren. Die "Würde des Papstes und der katholischen Kirche" ist in Deutschland nicht besser geschützt als die Würde anderer Personen oder anderer Weltanschauungen.

Wie domradio.de am 30.8. berichtet, hatte das Papstbild mit der angebrunzten Soutane beim "Deutschen Presserat" bloß 175 Beschwerden verursacht, da wird man sich schwer tun, im Sinne des §166 "Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen" die notwendige Störung des öffentlichen Friedens nachzuweisen.

Auf kath.net hieß es am 31.8. zur Vatikanentscheidung: "Einige Medienexperten hatten von Anfang an gewarnt, dass der Heilige Stuhl sich mit der Klage in das genaue Gegenteil einer Win-Win-Situation hinein manövrieren würde. Gewinnen, so ihr Argument, konnte immer nur die «Titanic": Gäbe das Gericht den Satiremachern recht, wäre das ein triumphaler juristischer Erfolg eines Zwergs gegen den übermächtigen Goliath in Rom. Wenn aber «Titanic» verlöre, geriete der Vatikan in die unvorteilhafte Position einer mächtigen Institution, die - ähnlich wie Putin gegen die Punkerinnen in Moskau - per Gerichtsurteil Zensur durchsetzt. Wiederum wären die Frankfurter Satiriker als Helden aus Hamburg heimgekehrt."