Umstrittener Papst Wojtyla

Presseaussendung "Wir sind Kirche" vom 15.4.2014

Heiligsprechung darf nicht die kritische Auseinandersetzung mit Papst Johannes Paul II. verhindern!
Internationale Reformgruppen zur Heiligsprechung am 27. April 2014

Die gleichzeitige Heiligsprechung der beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. am 27. April 2014 ist als Versuch von Papst Franziskus zu würdigen, zwei sehr unterschiedliche Flügel innerhalb der römisch-katholischen Kirche miteinander zu versöhnen. Doch darf die Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. nicht die kritische Auseinandersetzung mit ihm verhindern. Dies fordern kirchliche Reformgruppen aus der Schweiz, aus Österreich und aus Deutschland in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Während das Kirchenvolk Johannes XXIII. längst als Heiligen verehrt, der durch die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils der römisch-katholische Kirche den Weg in die Moderne bereitet hat, wird das Wirken von Johannes Paul II. auch nach seiner Heiligsprechung umstritten bleiben. Deshalb begrüßen kirchliche Reformgruppen die kritische Auseinandersetzung mit diesem Papst und seinem Verständnis vom Papstamt, die der polnische Religionsphilosoph Zbigniew Kaźmierczak jetzt vorgelegt hat.

Ohne Zweifel hat Johannes Paul II. in seinem lange dauernden Pontifikat vieles getan, das hohe Achtung verdient. Doch liegt die Tragik von Johannes Paul II. in der großen Diskrepanz zwischen seinem Einsatz für Reformen und für Dialog in der Welt und dem unter seiner Verantwortung vollzogenen innerkirchlichen Rückfall in zentralistische und autoritative Strukturen.

Johannes Paul II. war ein charismatischer Kommunikator des Christentums, predigte eindrücklich gegen das Elend der Welt, suchte das Gespräch mit den großen Religionen und setzte sich ein für die Menschenrechte. Nicht zu übersehen ist aber, dass er " und der unter seiner Verantwortung handelnde damalige Glaubenspräfekt Kardinal Joseph Ratzinger " eben diese Menschenrechte engagierten Bischöfen und Nonnen, Theologinnen und Wissenschaftlern verweigerten. Mit autoritärem Dogmatismus haben beide Christinnen und Christen anderer Kirchen sowie mündige Katholikinnen und Katholiken, besonders aber Frauen und Reformbewegungen vor den Kopf gestoßen, Gräben aufgerissen und eine gehörige Hoffnungskrise verursacht. Mit seiner Inflation von Heiligsprechungen, seinem rückwärtsgewandt-zentralistischen Kirchenbild, seinem unbiblischen Personenkult, Pomp und Klerikalismus wurde Johannes Paul II. deshalb zum widersprüchlichsten Papst des 20. Jahrhunderts.