Religiozän bald am Ende

Publiziert am 9. Februar 2015 von Wilfried Müller auf wissenbloggt.de

religionpracticeDie Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) schrieb am 23.1. über den Rückgang des Kirchenzuspruchs von 2002 bis 2012 bei der evangelischen Kirche, Anzahl der Gottesdienstbesucher sinkt weiter.

Am 30.1. macht DIE WELT daraus Mitgliederschwund – Deutsche verlassen in Scharen die Kirchen: Bei Katholiken wie Protestanten zeichnet sich ein dramatischer Zuwachs der Kirchenaustritte ab. Hauptgrund: das neue Verfahren bei Kirchensteuern auf Kapitalerträge. Geschätzte Austrittszahl: 200.000 für 2013 bei der evangelsichen Kirche allein, das ist ein knappes Prozent der Mitglieder.

Die Austritte liegen aber nicht nur an den Steuern. Bei ShortNews wurde schon am 17.1. eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos zitiert, nach der es in den Niederlanden erstmals mehr Atheisten als Gläubige gebe, Erstmals mehr Atheisten als Gläubige in den Niederlanden: Fast ein Viertel der Bevölkerung sieht sich als Atheist. Nur knappe 17 Prozent gaben an, an einen Gott zu glauben. Allerdings glauben nach Ipsos 53 % der Bevölkerung an eine Art von Leben nach dem Tod.

Die internationale Statistik von WIN-GALLUP (Link von yuku) zeigt schon für 2012 einen überwiegenden Abfall von der Religion zwischen 2005 und 2012 (Bild unten: WIN-GALLUP INTERNATIONAL GLOBAL INDEX OF RELIGION AND ATHEISM, 2012). Die statistischen Zusammenhänge dazu nach Stephen Bullivant:
die Eltern sind die maßgeblichen Faktoren für die Religiosität der Kinder, siehe auch Indoktrinierung wirkt
wenn die Eltern aktiv eine Religion ausüben, haben die Kinder eine 50%-Chance, auch religiös zu werden
wenn die Eltern nicht religiös sind, haben die Kinder nur eine 3%-Chance religiös zu werden.

Die slippery slope der fallenden Religiosität macht neue Entwicklungen möglich. Die Macht der Glaubenskonzerne kann irgendwann gebrochen werden. Wenn das Religiozän zu Ende geht, ist Raum für eine soziale, moralische, ethische und spirituelle Neufokussierung. Dann sind die Humanisten gefragt, um das ethische Vakuum zu füllen, das die Religion hinterlässt.

Anmerkung atheisten-info: Für eine Zeit von bloß sieben Jahren ist das eine enorme Entwicklung! Östererich hat nach dem Schaubild in diesen sieben Jahren um die zehn Prozent erniedrigt, die unabhängig davon, ob am religiösen leben teilnehmen oder nicht teilnehmen, sagen, dass sie ein religiöser Mensch sind. Da müssten die Katholiken bis 2050 ziemlich gar (für deutsche Leser: "alle") werden.