Homophobe Homo-Kleriker

"Mein Name ist Krzysztof Charamsa, Monsignore Krzysztof Charamsa. Ich bin ein Funktionär der Kongregation für die Glaubenslehre, zweiter Sekretär der Internationalen Theologischen Kommission, Theologe, Lehrer und ich bin schwul. (..) Ich verlange, dass die Kirche Homosexuelle ernst nimmt und uns auf Augenhöhe behandelt. Die Stigmatisierung muss ein Ende haben. Die Zeit ist gekommen, dass die Kirche ihre Augen vor gläubigen Schwulen öffnet und begreift, dass die Lösung, die sie vorschlägt - die totale Abstinenz vom Liebesleben - unmenschlich ist."

Screenshot von polnischem YouTube-Clip

So äußerte sich am 3.10.2015 der Theologe und Priester Krzysztof Olaf Charamsa gegenüber polnischen Medien. Was selbstverständlich sofort heftige vatikanische Reaktionen hervorrief. Denn Homosexualität ist in der katholischen Kirche immer noch eine sehr schwere Sünde und keine Veranlagung.

Charamsa legte nach und verkündete zehn Gebote für den kirchlichen Umgang mit Homosexuellen:
1. Es muss Schluss sein mit Homophobie und Diskriminierung durch den Vatikan
2. Die Strafbarkeit von Homosexualität soll durch die Kirche offiziell verdammt werden
3. Die Kirche darf sich nicht mehr in demokratische, gesetzgeberische Prozesse von Staaten einmischen
4. Der Papst muss im Katechismus all die Stellen überarbeiten lassen, die zu Diskriminierung von Homosexuellen genutzt werden und dem grundsätzlichen Gebot des Mitgefühls mit ihnen entgegenstehen
5. Die Passagen, die dazu führen, dass offen schwule Männer nicht Priester werden dürfen, müssen sofort gestrichen werden
6. Ein interdisziplinärer Diskurs über die moralische Bewertung menschlicher Sexualität muss begonnen werden.
7. Eine Revision der interpretatorischen Vorgaben für die Stellen in der Bibel, die sich mit Homosexualität beschäftigen
8. Die Eröffnung eines ökumenischen Dialogs mit den protestantischen und anglikanischen Kirchen über Homosexualität
9. Die Kirche muss um Vergebung für ihre Taten gegen Homosexuelle bitten
10. Die Kirche muss die Verschiedenheit menschlicher Sexualität und die Verschiedenheit der Gläubigen anerkennen und muss ihre Vorstellungen davon, wie Sexualität innerhalb eines christlichen Lebens zu beurteilen ist, aufgeben.

Die katholische Kirche hat ja überhaupt ein Problem mit der Sexualität. Was klarerweise mit dem Zölibat zusammenhängt: Wenn sich ein Priester von der Sexualität fernhalten muss, dann muss die Sexualität was Unreines, was Schmutziges, was Sündiges sein!

Der katholische Zölibat wurde vor 1000 Jahren in der Zeit des Erblühens des Feudalismus deswegen eingeführt, damit sich keine kirchlichen Feudalstrukturen mit Erbfolge bilden konnten, also der Herr Kardinal nicht wie der Fürst seine Position und seinen Besitz an seinen Sohn vererben konnte, der Herr Bischof dasselbe nicht mit seiner Diözese tun durfte, was der Graf mit seiner Grafschaft tat und die Pfarrer nicht wie kleine Adelige oder freie Bauern ihren Besitz in der Familie halten konnten. Damit war die päpstliche Macht und die Einheit der Kirche gesichert, der Papst hatte Durchgriffsrecht, eine Fehde um Besitztümer zwischen Bistümern war damit auch eher auszuschließen und die Pfarrer blieben den Bischöfen ausgeliefert.

Der Apostel Paulus, schrieb im 1. Brief an Timotheus im Kapitel 3, 1ff über die Eigenschaften, die ein Bischof haben müsste: "Das ist gewisslich wahr: Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt eine hohe Aufgabe. Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau, nüchtern, maßvoll, würdig, gastfrei, geschickt im Lehren, kein Säufer, nicht gewalttätig, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig, einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und gehorsame Kinder hat in aller Ehrbarkeit." Somit keine Rede davon, dass Kleriker ehelos bleiben müssten.

Als biblische Quelle für den Zölibat verwendete man die Stelle, wo Jesus die Ehescheidung verbietet und seine Jüngern meinen, dann wäre es besser, gar nicht zu heiraten:
Matthäus 19, 9-12: Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe. Da sprachen seine Jünger zu ihm: Steht die Sache eines Mannes mit seiner Frau so, dann ist's nicht gut zu heiraten. Er sprach zu ihnen: Das Wort fasst nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist. Denn es sind etliche verschnitten, die sind aus Mutterleibe also geboren; und sind etliche verschnitten, die von Menschen verschnitten sind; und sind etliche verschnitten, die sich selbst verschnitten haben um des Himmelreiches willen. Wer es fassen kann, der fasse es!"

Als Leitsatz hat man den letzten Satz verwendet, "wer es fassen kann, der fasse es!" Die laut Bibel von Jesus genannte Voraussetzung für ehelose Männer, nämlich "verschnitten", also kastriert zu sein, spielte bei der Einführung des Zölibats keine Rolle.
Kein Priesterkandidat musste vor der Priesterweihe zur Hodenamputation.

In der Praxis spielte dieser Umstand aber sehr wohl eine Rolle: Asexuelle hatten sicherlich keine Probleme mit dem katholischen Priestertum, für Hetero-Priester sei wieder einmal das aus dem 17. Jahrhundert stammende Volkslied "Es wollt ein Bauer früh aufstehen" eingefügt, das Lied besingt die einschlägige zölibatäre Praxis:


Und die Homos? Also in den Zeiten wo die Homosexualität in unseren Breiten als Verbrechen galt und mit Haftstrafen bedroht war, war diese sexuelle Variante ein Tabuthema. Heranwachsende brauchten einige Zeit bis sie - wisper, wisper - davon erfuhren, dass es sowas auch gibt. Darum hatten junge Männer mit starkem Glauben und Distanz zu allem Sex-Gerede wohl auch keine Ahnung davon, warum sich manche von ihnen von Frauen so überhaupt nicht angezogen fühlten: Priester zu werden, war ihnen darum kein Problem. Irgendwann merkten sie dann wohl, dass es Ministranten oder Priesterkollegen oder andere Klosterbrüder waren, denen sich ihre Gefühlswelt zuwandte.

Und darum ein letztes Zitat von Krzysztof Charamsa, der polnischen Ausgabe der "Newsweek" hatte er gesagt, der Klerus sei "überwiegend homosexuell und traurigerweise auch homophob bis zur Paranoia, weil es an Akzeptanz der eigenen sexuellen Orientierung mangelt". Homos sind Schwersünder, darum hasse ich die Homos, speziell wenn ich den Verdacht habe, selber einer zu sein. So dürften homophobe katholische Homo-Kleriker denken.

Im Standard war vor einigen Jahren eine dazu passende Karikatur:


Wenn nun ein Vatikan-Kleriker aus der Schule plaudert, dann gibt's dazu natürlich nichts Süßes, sondern Saures. Weil die größte katholische Tugend war und ist die Heuchelei. Die homophoben Homos werden jetzt besonders entsetzt und empört sein, denn dieser Charamsa stört ja ihre wunderbaren Heuchlerkreise. Darum verurteilte der Vatikan diese Äußerungen von Charamsa als "sehr schwerwiegend und unverantwortlich" - speziell wo sie zum Beginn der bischöflichen Sex-Synode platziert worden sind...