Böswort "Gutmensch"

Das erwählte Böswort des Jahres 2015 ist das Wort "Gutmensch"

Die Rechtspopulisten haben das Wort als Beschimpfung für alle Leute aufgebracht, die sich hilfeleistend in Bereichen betätigen, in denen sich Rechtspopulisten nie betätigen täten.

Aber so klar liegt die Sache nicht. Denn ein guter Mensch sein zu wollen, kann zu einer Manie werden. Gutmenschen suchen dann nach Betätigungsfeldern, um ihre hohe Moral real zu verwirklichen und je mehr sie sich betätigen, desto bessere Menschen werden sie. Was dann durchaus nicht immer nur positiv wahrzunehmen ist.

Denn ein Gutmensch ist oft jemand, der außerhalb des realen Lebens der Masse der Bevölkerung steht, der meist gebildet und gutsituiert ist, der seine Selbstbestätigung eben im Gutmenschsein findet. Goethe sagte, "edel sei der Mensch, hilfreich und gut" und ist gibt einige Tausend, die nehmen das wortwörtlich und wollen der Welt zeigen, dass sie die Edelsten, die Hilfreichsten und die Besten sind. Ohne Rücksicht auf Verluste! Und blicken in den Zauberspiegel: "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der/die Edelste, Hilfreichste, Beste im ganzen Land?" Und jede/r hört, "Du bist ein Gutmensch!"

Die moralische Grundlage dieser Gutmenschen ist oft die political correctness. Nie würde der Gutmensch auf die Gutmenschin vergessen, er/sie spricht das gelebte Binnen-I, es gibt keinen Maikäfer ohne Maikäferin.

Es ist klarerweise sinnvoll, wenn soziale Einrichtungen geführt werden, wenn sich Leute solidarisch einsetzen, speziell in Zeiten, wo es zwar noch eine ÖGB-Zeitschrift mit dem Namen "Solidarität", aber keine aktive Bewegungen mehr gibt, die sich wahrnehmbar für die arbeitenden Menschen einsetzen.

Das tun nämlich die Gutmenschen auch nicht, sie befassen sich zwar mit den Kollateralschäden des Neoliberalismus, aber nicht mit Gesellschaftspolitik, "sozial", das kennen sie, "Sozialismus" haben sie nie gehört, aber sie produzieren etwas, das man als "Herz-Jesu-Sozialismus" bezeichnen könnte, Gutmenschen haben nämlich das Almosenwesen wiedergeboren. Sie kennen den schönen Spruch von Bischof Dom Helder Camara nicht, der seinerzeit gesagt hat, "wenn ich den Armen Essen gebe, nennen sie mich einen Heiligen. Wenn ich frage, warum sie arm sind, nennen sie mich einen Kommunisten". Denn Gutmenschen wollen Heilige sein.

Dazu gehört auch, alles zu heiligen, was von rechts kritisiert wird. Zum Beispiel den Islam.
Jede/r GutmenschIn weiß: der Islam gehört zu einer von weither zugewanderten Minderheit und wird z.B. von der FPÖ kritisiert. Also muss der Islam geheiligt werden! Unabdingbar! Wenn im Islambereich etwas passiert, das objektiv nicht als positiv gewertet werden kann, dann hat das entweder nichts mit dem Islam zu tun oder zumindest ist es nichts, was alle Muslime tun oder was alleine im Islam passiert.

Die politisch korrekten Gutmenschen haben jedoch seit dem Kölner Sex- und Raubskandal ein gewisses Problem: alle Schönredereien sind geplatzt, zuletzt wurde nun bekannt, dass es ähnlich Vorfälle auch in anderen Ländern, u.a. auch bei Popkonzerten gegeben hat, sogar in Österreich musste die Polizei die Vertuschung solcher Geschehnisse eingestehen, das BKA in der BRD geht außerdem jetzt davon aus, dass sich die Täter per Internet verabredet hatten.

Man muss nun klarstellen: auch Muslime begehen Sexualstraftaten, aber nicht alle Muslime! Aber Nichtmuslime begehen ebenfalls Sexualstraftaten! Alles wieder paletti?

Oder doch noch nicht? In Österreich machten sich laut Meinungsumfragen vom Dezember 2015 bereits 85 % der Bevölkerung Sorgen wegen des aktuellen Flüchtlingszustroms. Aber das kommt nur von der FPÖ-Propaganda. Man muss die Menschen aufklären, es gibt keine Probleme und ein guter Mensch muss zu allen gut sein, die nach guten Taten fragen. Alle die das nicht tun, sind Bösmenschen. Schrecklich.

Zurzeit geistert diese Karikatur durchs Internet:

Das ist klarerweise keine Wiedergabe der Realität, sondern eine recht starke Übertreibung. Aber die Karikatur karikiert eine reale Tendenz...