Schweden führt sächlichen Gott ein!

Aus einer Meldung von https://de.sputniknews.com vom 24.11.2017:

"Die Schwedische Kirche wird auf die Bezeichnungen wie 'Herr' bzw. 'er' in Bezug auf Gott verzichten. Dies berichtete die Zeitung 'The Independent' am Freitag.
Demnach ist ein entsprechender Vorstoß eine von mehreren Initiativen, die von der nationalen evangelisch-lutherische Kirche unternommen werden, um das 31-jährige Handbuch zu aktualisieren, in dem die Richtlinien für Gottesdienste entworfen sind, in Bezug auf die Sprache, Hymnen und andere Momente.
'Vom theologischen Gesichtspunkt aus wissen wir, dass Gott jenseits ;unserer Geschlechtsdeterminationen ist, Gott ist kein Mensch', erläuterte die Chefin der Schwedischen Kirche, Erzbischöffin Antje Jackelen.
Die neuen Richtlinien sollen am 20. Mai 2018, also zu Pfingsten präsentiert werden." (..)

Soweit Sputniknews! Dann kann man gespannt sein! Das berühmteste Christengebet finge dann wohl so an: "Eltern unser im Himmel, geheiligt werde euer Name. Euer Reich komme. Euer Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden..."
Und beim Kreuzzeichen müsste gesagt werden: "Im Namen der Eltern und der Kinder und der Heiligen GeisterIn, amen".

Aber es gibt ja noch mehr Probleme! Laut Bibel hat Gottvater mit Hilfe des Heiligen Geistes mit der Jungfrau Maria den außerehelichen Sohn Jesus gezeugt! Warum er den Jesus nicht wie den Adam einfach aus Lehm geformt und ihm dann eine Gotteskindseele eingehaucht hat, blieb unklar!

Aber andererseits ist es natürlich klar! Warum sollte ein Schöpfergott ein Geschlecht haben? Das Gott und das Jesus und das heilige Geisterlein wäre die richtige Sichtweise! Und das zölibatäre Papst wäre dann das Stellvertreterlein vom Gotteskind Jesus!

Wie wird man dann in Schweden sagen, wo man bisher "Oh Herr!" gerufen hat? "Oh, meine Dame und mein Herr"? Oder "Oh göttliches Dingsbums!"?

Das Vaterunser könnte man dann auch in "Dingsbumsunser" umbenennen oder sonst einen sächlich-neutralen Begriff verwenden! Sächlich, das ist gut! Aber das geht nur, wenn auf schwedisch "die Sache" als "das Sache" übersetzt wird! Schauen wir auf dem Googleübersetzer nach! Schwedische Artikel werden nicht vor das Hauptwort gestellt, sondern hinten angehängt, "-en" ist der, "-an" ist die, "et" ist das!

Auf schwedisch heißt "der Gott" darum "guden", der reformierte geschlechtsneutrale Gott müsste ab Pfingsten 2018 "gudet" heißen!

Könnte man das nicht auch bei uns machen? Statt "Gott" dann jeweils "GottIn" schreiben? Das Kreuzzeichengebet wäre dann viel kürzer: "Im Namen aller drei GottInnen, amen!"

Dass Gott ein Mann ist, hat sich erst aus dem Patriarchat ergeben, das sich in der menschlichen Gesellschaft entwickelte, als die gesellschaftliche Produktivität soweit gestiegen war, dass aus Kollektiven geschichtete Gruppierungen entstanden. Der vorherige Zustand wurde auch als "Matriarchat" bezeichnet, weil das Sammeln von Pflanzen und Früchten wichtiger war als die Jagd. In den vorpatriarchalen Zeiten wurde die Herkunft über die mütterliche Linie definiert und es gab in den Urreligionen deshalb auch göttliche Ahnfrauen oder eine Große Göttin als oberste transzendente Gestalt.

"Der Gott" als transzendente Großfigur kam erst mit der Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht unter die Menschen, der Übergang spiegelte sich in den alten Götterwelten wieder, die babylonische Obergöttin Ischtar trat z.B. im Laufe der Zeit dann in weiblicher UND in männlicher Form auf!

In heutigen Zeiten der Emanzipation könnte nun das dritte Geschlecht das oberste in den religiösen Welten werden, denn "das Gott" wäre eine neutrale Sache. Und schließlich ist es ja egal, welches Geschlecht eine Fiktion hat...

PS: die evangelisch-lutherische schwedische Kirche ist von 2000 bis 2016 von 7.360.825 auf 6.100.000 Mitglieder geschrumpft, der Anteil an der Bevölkerungszahl ging von 82,9 % auf 61,7 % zurück, in den letzten Jahren gingen im Schnitt pro Jahr 86.000 Mitglieder verloren, das ist proportional etwa ein Drittel mehr als die katholische Kirche in Österreich jährlich Mitglieder verliert, aber die Schweden haben ja ein bisschen was aufzuholen, die katholische Kirche bei uns liegt schon bei nur noch knapp 59 % ...