Medientipps - ergänzt am 24. 2. 2017

Anmerkung: angeführt sind in der Regel die österreichischen Ladenpreise

Heinz-Werner Kubitza - Der Glaubenswahn - Von den Anfängen des religiösen Extremismus im Alten Testament - ISBN 978-3-8288-3849-9 - 350 Seiten, Hardcover - Tectum Verlag 2017, Euro 19,95
Der Gott des Alten Testaments ist ein Problem. Denn der biblische Jahwe ist nicht der friedliebend barmherzige Vater, als den ihn die Kirchen gerne verkünden. Stattdessen tritt er – für Gläubige irritierend – immer wieder als Kriegsgott auf, als gnadenloser Rachegott und übler Ausländerfeind, ja sogar als Massenmörder oder sexueller Gewalttäter. Ein Gott mit fast schon faschistoiden Zügen.
Bei seinen Expeditionen in die Untiefen des Alten Testaments und die moderne Forschungslage liefert Heinz-Werner Kubitza Antworten auf die Frage, wer diesen Gott so grausam gemacht hat. Und macht plausibel, dass die von den Kirchen wie Helden verehrten Propheten als die ersten historisch greifbaren Vertreter eines religiösen Extremismus gelten müssen.
Kubitza zeigt: Kirchen und Gläubige blenden mit den dunklen Seiten ihres Gottes im Alten Testament auch die Anfänge des religiösen Extremismus aus.
Dr. theol. Heinz-Werner Kubitza ist Inhaber des Tectum Wissenschaftsverlags in Marburg. Mit diesem Band beschließt er seine religionskritische Trilogie (Der Jesuswahn, 2011; Der Dogmenwahn, 2015). Kubitza ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung, die sich für Aufklärung und eine humanistische Ethik einsetzt, und gefragter Vorträger und Interviewpartner zu religionskritischen Themen.

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Sean Michael Wilson (Autor), Hunt Emerson (Illustrator) - Goodbye Gott? - Wissenschaft contra Religion. Eine illustrierte Auseinandersetzung. Tibia-Verlag 2016, 120 Seiten, Euro 16,50
"Was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, war natürlich eine Lüge, und zwar eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen personalen Gott und habe das auch nie geleugnet, sondern es deutlich zum Ausdruck gebracht. Wenn etwas in mir ist, das als religiös bezeichnet werden kann, dann ist es die uneingeschränkte Bewunderung für die Struktur der Welt, soweit unsere Wissenschaft sie offenbaren kann." (Albert Einstein)
Der Glaube an einen Gott, an das Paradies kann trösten. Aber der Preis, der dafür gezahlt werden soll, ist oft sehr hoch. Die Drohung, dieses Paradies zu verpassen, treibt Menschen zu den wahnwitzigsten Handlungen. - Jede monotheistische Religion ist im Kern intolerant und "Ungläubige" ausschließend. Unterdrückung, Verfolgung und Ermordung Andersgläubiger, ob direkt von der Kirche oder im Namen der Kirche, haben Millionen von Opfern gefordert. Auch wissenschaftliche Erkenntnisse und Welterklärungen rühren an das Fundament des Glaubens, "setzen sich an Gottes Stelle". Wissenschaftler sind bis heute keine besten Freunde der Gottesleute, sondern eher Konkurrenten in Fragen der Welterklärung.
Nicht durch Scheiterhaufen und Bücherverbrennung aber mit scharfer Argumentation setzt sich dieses Buch mit den Angriffen gegen die Evolutionstheorie, mit der Vermischung von Gläubigkeit und Wissen und mit religiös-fundamentalistischem Wahn auseinander. Ein aufgeklärter Sachcomic.

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Dagmar Fenner - Religionsethik: Ein Grundriss (Ethik – Grundlagen und Handlungsfelder) Verlag Kohlhammer, 304 Seiten, Euro 30,85
"Religionsethik" befasst sich wie alle anderen Disziplinen der Angewandten Ethik (wie z. B. "Medizinethik" oder "Wirtschaftsethik") mit einem spezifischen Handlungsfeld: Ihr Gegenstand ist der Bereich religiöser Praxis. Sie erörtert unabhängig von konkreten Glaubensinhalten und Wahrheitsansprüchen verschiedener Religionen ethische Fragen im Zusammenhang mit der Religionsausübung: Was können Religionen zum persönlichen guten Leben (Individualethik) und zum gerechten Zusammenleben (Sozialethik) beitragen? Sind religiöse Menschen glücklicher als nichtreligiöse und inwiefern ist unsere Gesellschaft auf Religion als moralische Ressource angewiesen? Dürfen der Religionsfreiheit Grenzen gesetzt werden, wenn Religionen gesellschaftliche Probleme und Konflikte (mit) verursachen? Das Buch analysiert die verschiedenen Argumente bezüglich Fundamentalisierung, Burkaverbot, Schwangerschaftsabbruch und Religions- oder Ethikunterricht, und hilft, aktuelle gesellschaftliche Diskussionen zu strukturieren.

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Samuel Schirmbeck - Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen: Warum wir eine selbstbewusste Islamkritik brauchen - 288 Seiten, Verlag Orell Füssli 2016, Euro 20,50
»Der Umgang mit Muslimen war bislang eher neurotisch denn normal. Islamkritik bedeutet aber mitnichten, Muslime anzugreifen, sondern Schutz vor seinen menschenverachtenden Auswüchsen, die sich gegen Frauen, Homosexuelle, eigenständig Denkende und sogenannte Ungläubige richten ? also auch gegen Millionen von Musliminnen und Muslimen.« Samuel Schirmbeck
Radikale Islamkritik tut sich hierzulande schwer, wird sie doch des Rassismus und des Fremdenhasses verdächtigt. Der Autor findet diese Haltung unbegreiflich, ja skandalös. Dieses Buch ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Islam und eine scharfzüngige Abrechnung mit der Linken, die allzu oft jede Islamkritik des Rechtspopulismus verdächtigt. Zudem ist es eine offene und selbstkritische Auseinandersetzung eines renommierten Nordafrika-Korrespondenten mit dem Islam, dessen langjähriger Aufenthalt in arabischen Ländern ihn langsam zum Islamkritiker werden ließ.
»Die Islamisten haben die absolute Waffe gefunden: den Vorwurf der Islamophobie. Wenn wir uns dagegen nicht wehren … werden wir wie stumme Schafe, die man ins Schlachthaus führt. Deshalb sollte dieses Buch gelesen werden.« Boualem Sansal (Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2011)

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Horst Groschopp: Pro Humanismus. Eine zeitgeschichtliche Kulturstudie. Mit einer Dokumentation. Reihe Humanismusperspektiven, Bd. 1. Alibri 2016. 287 Seiten, kartoniert, Euro 20.50
Die Monographie ist die erste umfängliche Kulturstudie zum Humanismus in der "säkularen Szene" und über den Humanistischen Verband. Vorgestellt werden die Diskussionen am Beispiel einiger Streitfragen wie Säkularisierung, Weltanschauung, Bekenntnis, Freidenkertradition, Ethik, "Konfessionalität", Demokratie, Pazifismus und Verbandspolitik. Der Band enthält eine umfängliche Dokumentation.

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Hamed Abdel-Samad - Der Koran. Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses. Droemer Knaur Verlag 2016. 240 Seiten, 20,60 Euro
Die Bürgerkriege innerhalb der islamischen Welt und die Konfrontation mit dem Westen sind die Grundkonflikte unserer Zeit. Im Koran selbst liegen die Wurzeln dieser Auseinandersetzungen, denn einerseits birgt er eine Botschaft der Toleranz und des Mitgefühls, andererseits ist er ein religiöser Text, der Brutalität und Mord legitimiert. Dieser Widerspruch rührt von der Person und dem Leben Mohameds her, dem anfangs friedlichen Prediger und späteren Warlord. Hamed Abdel-Samad stellt zentrale Suren vor, leitet sie ein und kommentiert sie mit Blick auf Entstehungsumstände und Rezeption. Er zeigt, warum sich friedliebende Muslime ebenso auf den Wortlaut des Korans stützen, wie dies gewalttätige Islamisten tun, und welche Konflikte daraus erwachsen.

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Michael Schmidt-Salomon - Die Grenzen der Toleranz - Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen - Piper, 2016, 224 Seiten, kartoniert, Euro 10.30
Die offene Gesellschaft hat viele Feinde. Die einen streiten für "Allah", die anderen für die Rettung des "christlichen Abendlandes", letztlich aber verfolgen sie das gleiche Ziel: Sie wollen das Rad der Zeit zurückdrehen und vormoderne Dogmen an die Stelle individueller Freiheitsrechte setzen. Wie sollen wir auf diese doppelte Bedrohung reagieren? Welche Entwicklungen sollten wir begrüßen, welche mit aller Macht bekämpfen? Michael Schmidt-Salomon erklärt, warum grenzenlose Toleranz im Kampf gegen Demagogen auf beiden Seiten nicht hilft und wie wir die richtigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Freiheit zu verteidigen.

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Gerhard Vollmer - Im Lichte der Evolution: Darwin in Wissenschaft und Philosophie - Verlag Hirzel 2016, 616 Seiten, Euro 40
Evolution ist überall. Viele wissenschaftliche und philosophische Disziplinen wurden durch den Evolutionsgedanken wesentlich bereichert; das wird in diesem Buch an mehr als 50 Disziplinen deutlich. In den Wissenschaften reicht das Spektrum von Evolutionären Algorithmen bis zur Frage nach einer Evolutionären Theologie, in der Philosophie von der philosophischen Anthropologie über die Evolutionäre Erkenntnistheorie bis zur Zukunft des Menschen. Allerdings ist der Bezug zur Evolution dabei nicht immer derselbe: Es kann sich um biologische Evolution handeln, aber auch um Evolution in einem weiteren Sinne, manchmal sogar nur im Sinne einer Metapher.
Die einzelnen Kapitel dieses Sachbuchs sind für jeden Interessierten, also auch für Fachfremde lesbar. Es ist ein Buch zum Schmökern, in dem man unendlich viel Wissenswertes, Überraschendes, manchmal auch Kurioses erfährt.

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Rennee Schroeder und Ursel Nendzig - Die Erfindung des Menschen - wie wir die Evolution überlisten, Residenz-Verlag 2016, 224 Seiten Euro 22.60
Vor 70.000 Jahren war der Mensch zum ersten Mal in der Lage, etwas zu denken, was es nicht gibt. Was banal klingt, ist die Geburtsstunde der menschlichen Kultur und der Startschuss für eine Reihe von Erfindungen, die den Menschen geprägt und nicht nur zum Besseren verändert haben. Er erdenkt Mythen, Religionen, erfindet Sprache, Geld und Rassismus. Jetzt steht der Mensch kurz vor seiner größten Erfindung: sich selbst. Denn die Wissenschaft ermöglicht es ihm, seine Evolution selbst fortzuschreiben. Renée Schroeder blickt auf die kurze Zeit, die der Mensch bisher gelebt hat, macht einen Ausflug in seine Genetik und ruft eine neue Aufklärung aus.

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Heinz Oberhummer, Martin Puntigam, Werner Gruber - Das Universum ist eine Scheißgegend - Wissenschaftlich fundiert und voller schwarzem Humor erklären die Science Busters das Weltall, Hanser Verlag 2015, 328 Seiten, Euro 20,50
Das Universum riecht komisch, klingt komisch und ist so gut wie leer. Fast überall wird man entweder verstrahlt, bekommt keine Luft oder verbrennt. Und das sind noch die schönsten Plätze. Mit anderen Worten: Das Universum ist eine Scheißgegend. Oder, um mit Gerhard Polt zu sprechen: "Dort fahren wir nicht mehr hin." In diesem Buch geben die Science Busters - die beiden Physiker Prof. Heinz Oberhummer und Werner Gruber sowie der preisgekrönte Satiriker Martin Puntigam - eine Reisewarnung und erklären, warum der Kosmos kein Streichelzoo ist, wo man gegen außerirdische Bakterien unterschreiben kann, was sich Sternschnuppen wünschen, wenn sie einen Menschen sehen, wie das Universum endet - und wer das dann alles zusammenräumen muss.

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Die Bilder des Zeugen Schattmann - das Schicksal jüdischer Bürger im faschistischen Deutschland - 4 Teile, DDR 1971, ca. 330 Min, Box mit zwei DVDs 2015, ab ca. 17.- Euro
Nach dem autobiographischen Roman von Peter Edel. 1963 - Frank Schattmann soll vor dem Obersten Gericht der DDR in der Verhandlung gegen Hans Globke aussagen, der eng mit der Umsetzung der gegen die Juden gerichteten Nürnberger Gesetze befasst und in der BRD als Staatssekretär tätig war. Frank Schattmann lässt sein Leben Revue passieren - das Jahr 1942: Seine große Liebe und Frau Esther, die letzte Sabbatfeier der Familie, aktiver Widerstand, Deportationen bis zum KZ Auschwitz. Durch das Wiedererleben seiner unerträglichen Erlebnisse in der Nazizeit findet er nach einer Zeit von knapp 20 Jahren zu sich selbst.

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Macht ohne Kontrolle - Die Troika, Doku-Film von Harald Schumann, Arpad Bondy und Axel Schneppat, 90 min, Edition Salzgeber 2015, ab Euro 9,80
Die Armen werden ärmer und die Reichen reicher. Ist das Europas Politik? Leidenschaftlich fordert Wirtschaftsjournalist und Bestseller-Autor Harald Schumann mehr Transparenz und Verantwortung für ein soziales Europa. Die Technokraten der drei Institutionen IWF, EZB und Europäische Kommission - der Troika - agieren ohne parlamentarische Kontrolle. Sie zwingen Staaten zu Sparmaßnahmen, die das soziale Gefüge gefährden. Harald Schumann reist nach Irland, Griechenland, Portugal, Zypern, Brüssel und in die USA, und befragt Minister, Ökonomen, Anwälte, Bänker, Betroffene. "Wer Geld hat, lebt, wer kein Geld hat, stirbt", sagt der Arzt Georgios Vichas. Genauso absurd wie die Gesundheitspolitik ist die Mindestlohnpolitik, die die Troika den verschuldeten Ländern abverlangt. Dass Sparen so nicht funktionieren kann, erklärt der Nobelpreisträger Paul Krugman. Nach dem mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten Film "Staatsgeheimnis Bankenrettung" fragen Árpád Bondy und Harald Schumann nun: Was passiert mit Europa im Namen der Troika?

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Boualem Sansal - 2084: Das Ende der Welt - Merlin Verlag 2016, 288 Seiten, Euro 24,70
In Abistan, einem riesigen Reich der fernen Zukunft, bestimmen die Verehrung eines einzigen Gottes und das Leugnen der Vergangenheit das Herrschaftssystem. Jegliches individuelle Denken ist abgeschafft; das Eingeschworensein auf ein allgegenwärtiges Überwachungssystem steuert die Ideen und verhindert abweichendes Handeln. Offiziell heißt es, die Bevölkerung lebt einvernehmlich und im guten Glauben.
Doch Ati, der Protagonist dieses Romans, der ausdrücklich anknüpft an Orwells Klassiker "1984", hinterfragt die vorgegebenen Direktiven: Er macht sich auf die Suche nach einem Volk von Abtrünnigen, das in einem Ghetto lebt, ohne in der Religion Halt zu suchen ...
Während George Orwell in seinem Zukunftsroman das totalitäre Regime Stalins vor Augen hatte, entwirft Boualem Sansal in seinem Roman das Szenario eines Regimes, das auf der religiösen Überhöhung einer Ideologie beruht. Es ist ein Regime, das sich die gegenwärtige Vereinzelung des Individuums auf der Suche nach persönlichem Glück und Wohlergehen auf erschreckende Weise zunutze und zum Motor der Gemeinschaft macht. In Abistan sind Fragen oder Diskussionen gänzlich überflüssig geworden: Eine kleine Gruppe von Herrschenden sorgt für die Gemeinschaft ebenso wie für das Wohlergehen des Einzelnen, wobei den Regeln des Staates folgend das Streben nach spiritueller Erleuchtung den Alltag eines jeden Bürgers diktiert.

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Richard Dawkins - Die Poesie der Naturwissenschaften - Autobiographie, Ullstein-Verlag 2016 - 730 Seiten, gebunden, Euro 39.-
Richard Dawkins erzählt die Geschichte seines Lebens — von der Kindheit im kolonialen Afrika über sein Studium in Oxford bis zur Karriere als einer der einflussreichsten Wissenschaftler weltweit. Er berichtet von seiner Ankunft im Flower-Power-Kalifornien der 60er Jahre, von der Party zum 42. Geburtstag seines Freundes Douglas Adams, den freundschaftlichen Streitgesprächen mit dem Erzbischof von Canterbury, von bahnbrechenden Erkenntnissen in der Evolutionsbiologie und seiner großen Liebe zur Lyrik. Richard Dawkins ist nicht nur ein herausragender Naturwissenschaftler, er ist auch ein begnadeter Erzähler. Anhand seines weitverzweigten Familienstammbaums erklärt er die Vererbungslehre, und die Entwicklung der Theorie des egoistischen Gens wird bei ihm zum Wissenschaftsthriller. Wenn er beschreibt, wie er vom Gläubigen zum Atheisten wurde, versteht man, welche Rolle Religion für den Menschen spielt.

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Hamed Abdel-Samad / Mouhanad Khorchide - "Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren" - Ein Streitgespräch, Herder 2016, 127 Seiten, gebunden, Euro 15,40
Das erste Buch der neuen Reihe im Herder Verlag enthält ein muslimisches Religionsgespräch zwischen dem Islamkritiker Hamed Abdel-Samad und dem Professor für Islamische Religionspädagogik Mouhanad Khorchide, der für einen liberalen Islam einsteht. Dabei gehen sie in Kapiteln auf verschiedenste Fragestellungen und Aspekte ein, zum Beispiel, ob der Islam ein Gewaltproblem hat, welche Rolle der Prophet Mohammed und der Koran im Islam spielen oder spielen sollten und wie dem "Islamischen Staat" ihrer Meinung nach zu begegnen ist. Darüber hinaus wird der Islam auch in seiner Einbettung in eine deutsche, demokratische Kultur betrachtet und die Frage aufgeworfen, ob ein liberaler Euro-Islam in Europa eine Chance hat.

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Wilfried Stütz - Die Fraglichkeit von Religion und Moral - Eine systematische Untersuchung und eine kurze Geschichte moderner Ethik, Tectum Verlag 2015, 552 Seiten, Paperback, Euro 25,70
Es ist das Dilemma der Philosophie, dass es so viele unterschiedliche Philosophien gibt. Und gerade auf dem Gebiet der praktischen Philosophie ist die Vielfältigkeit, ja Widersprüchlichkeit der philosophischen Positionen unverkennbar. Sollten wir also deshalb auf eine Klärung der Grundlagen unseres Handels verzichten? Wilfried Stütz antwortet mit einem klaren Nein. Sein Buch bietet einen verständlichen und anregenden Einstieg in die Geschichte der neueren ethischen Konzeptionen von Kant bis Peter Singer. Dabei gilt sein Interesse vor allem auch der Frage, welche Berechtigung und Bedeutung die Religion und eine religiös bestimmte Moral haben und haben dürfen. Stütz ist davon überzeugt, dass wir auch in religiösen und moralischen Fragen sehr viel mehr Klarheit gewinnen können als allgemein angenommen. Und er erklärt einleuchtend, wie es zur Vielzahl ethischer Entwürfe kommen konnte. Dadurch vermittelt sein Buch ein echtes Verständnis philosophischen Denkens.

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Sahra Wagenknecht, Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten, Campus-Verlag 2016, 292 S., 20,50 Euro
Sahra Wagenknecht  ist eine der letzten marxistischen Linken, sie sagt, es ist Zeit, sich vom Kapitalismus abzuwenden. Denn der Kapitalismus ist längst nicht mehr so innovativ, wie er sich gibt. Bei der Lösung der großen Zukunftsfragen - von einer klimaverträglichen Energiewende bis zu nachhaltiger Kreislaufproduktion - kommen wir seit Jahrzehnten kaum voran. Für die Mehrheit wird das Leben nicht besser, sondern härter.
Sahra Wagenknecht fordert
- eine andere Verfassung des Wirtschaftseigentums,
- die Demokratisierung des Zugangs zu Kapital und
- die Entflechtung riesiger Konzerne, deren Macht fairen Wettbewerb und Demokratie zerstört.
- Talent und echte Leistung zu belohnen und Gründer mit guten Ideen ungeachtet ihrer Herkunft zu fördern.
Mit ihrem Buch eröffnet Wagenknecht eine politische Diskussion über neue Eigentumsformen und die vergessenen Ideale der Aufklärung. Sie legt eine scharfsinnige Analyse der bestehenden Wirtschaftsordnung vor und zeigt Schritte in ein demokratisch gestaltetes Gemeinwesen, das niemandem mehr erlaubt, sich zulasten anderer zu bereichern.
In ihrer Partei, der LINKEN, ist sie umstritten, weil dort hat man sich auch zum almosenverteilenden Herz-Jesus-Sozialismus degeneriert. Was auch wiederum den Rechtspopulisten hilft, weil die erwecken zumindest den Anschein von Opposition...

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Richard Dawkins: Die Poesie der Naturwissenschaften. Autobiographie. Ullstein 2016, 731 Seiten, 40,20 Euro
Richard Dawkins erzählt die Geschichte seines Lebens - von der Kindheit im kolonialen Afrika über sein Studium in Oxford bis zur Karriere als einer der einflussreichsten Wissenschaftler weltweit. Er berichtet von seiner Ankunft im Flower-Power-Kalifornien der 60er Jahre, von der Party zum 42. Geburtstag seines Freundes Douglas Adams, den freundschaftlichen Streitgesprächen mit dem Erzbischof von Canterbury, von bahnbrechenden Erkenntnissen in der Evolutionsbiologie und seiner großen Liebe zur Lyrik. Richard Dawkins ist nicht nur ein herausragender Naturwissenschaftler, er ist auch ein begnadeter Erzähler. Anhand seines weitverzweigten Familienstammbaums erklärt er die Vererbungslehre, und die Entwicklung der Theorie des egoistischen Gens wird bei ihm zum Wissenschaftsthriller. Wenn er beschreibt, wie er vom Gläubigen zum Atheisten wurde, versteht man, welche Rolle Religion für den Menschen spielt.

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Martin Urban / Ach Gott, die Kirche!: Protestantischer Fundamentalismus und 500 Jahre Reformation, Taschenbuch, 272 Seiten, dtv Verlagsgesellschaft 2016, 15,30 Euro
Das ist kein atheistisches Buch, Martin Urban stammt aus einer evangelischen Theologenfamilie. Die Austrittszahlen steigen bei den seit Jahren, der Kirche laufen die Menschen davon. Und daran, so Urban, ist die evangelische Kirche auch selbst schuld: Sie hat vergessen, dass sie eine Kirche der Aufklärung ist. Stattdessen wird sie immer konservativer und fundamentalistischer. Immer mehr Intellektuelle kehren ihr den Rücken, womit jeglicher intelligente Dialog verloren geht. Doch nicht nur die Protestanten bekommen ihr Fett ab, Urban rechnet mit den Kirchenoberen beider großen Konfessionen in Deutschland ab. Er entlarvt die Rückwärtsgewandten und die Evangelikalen weltweit und beschreibt deren Einfluss bis in die höchsten Kreise der Politik. Anhand vieler Beispiele und Zitate zeigt er auf, wie weltfremd und hanebüchen sich Kirchenvertreter oft verhalten, und ruft zu ideologischer Selbstkritik auf.

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Elias Hirschl - Meine Freunde haben Adolf Hitler getötet und alles, was sie mir mitgebracht haben, ist dieses lausige T-Shirt. Roman Taschenbuch, 200 Seiten, Milena Verlag 2016, Euro 18,40
Sonst ist es hier nicht üblich, die Bücher abzubilden, bei diesem Buch ist es notwendig. Als in einem riesigen Red-Bull-Sport-Event die Weltformel errechnet wird, stürzt die Welt in totale Unlogik. Sämtliche Thesen des Philosophen Johannes Getting stellen sich als wahr heraus, die Terrorgruppe IRF (Ironisch Revolutionäre Fraktion) verwüstet auf möglichst kreative Weise die Wiener Innenstadt, Germanistik wird plötzlich zu einem prestigeträchtigem Studium und wildgewordene Zeitreisetouristen stürmen in Massen nach Braunau, um Adolf Hitler zu töten. Überhaupt werden Zeitreisen zum neuen Volkssport: Die einen wollen Jesus besuchen, die anderen Shakespeare (haben die beiden überhaupt gelebt? Elias Hirschl gibt darauf geniale Antworten). Und während die Welt schön langsam im Chaos versinkt, versucht Sandra Virtanen ruhig zu bleiben und ihre Bachelorarbeit über Thomas Bernhard zu vollenden. Ebenfalls unter Zuhilfenahme von Zeitmaschinen der österreichischen Methode der Geschichtsaufarbeitung...

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Gernot Beger - Die zehn größten Irrtümer des Neuen Testaments - Tectum Verlag 2016, 249 Seiten, Paperback, österr. Preis 18,50 Euro, ISBN 978-3-8288-3711-9, auch direkt beim Verlag erhältlich
Die christlichen Kirchen behaupten, die alleinige Wahrheit zu besitzen. Sie berufen sich dabei auf das Neue Testament. Aber sind diese Schriften denn überhaupt verlässlich?
Gernot Beger hinterfragt mit viel historischem Sachverstand den Wahrheitsgehalt der heiligen Schriften. In zehn Kapiteln begleitet sein Buch den biblischen Jesus von seiner Geburt bis zu seinem Tod am Kreuz. Dabei kommen aus kritischer Sicht ernüchternde Ergebnisse zutage: Dem christlichen Glauben brechen reihenweise die Fundamente weg.
Aufgelockert wird Begers kundige und seriöse Darstellung durch seine ungewöhnliche Co-Autorin und sprechende Hündin Chaka, die mit einer Prise Humor oftmals die entscheidenden Fragen stellt.

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Sepp Rothwangl / Endzeit: Die Geschichte der christlichen Jahreszählung (Religion kontrovers) - broschiert, 232 Seiten, Verlag: edition innsalz 2015, 19,80 Euro
In diesem Buch klärt der Kalenderexperte, Archäoastronom und Kirchenkritiker Sepp Rothwangl über die Hintergründe verschiedener Zeitrechnungssysteme auf. Der Waldbauer und Autodidakt liefert hier das Opus Magnum zur Anno Domini Zeitrechnung ab. Wie rechneten die frühen Christen die Zeit und haben sie auf Grund von Weltuntergangsphantasien und alten Weltanschauungen nach tatsächlichen Gestirnskonstellationen manipuliert? Und wie kann ein Kalender ohne Religion funktionieren? Das Buch öffnet mit einer Vielzahl von Originalzitaten und zahlreichen Bildern die Augen und macht den Blick offen für eine neue Epoche der Zeitrechnung.
"Beeindruckend, wie sich der Autor auch als Zeit-Forscher betätigt, denn er bringt gänzlich neue, unerwartete Aspekte und Erkenntnisse in das Zeitwesen ein. Die Zeit, genauer gesagt die Zeitrechnung, geht uns alle an. Dieses wichtige Werk beschreibt einen grundlegenden, unverzichtbaren und unentrinnbaren Teil unseres Lebens. Es bietet nicht bloß ein vermutlich namhaft erweitertes Wissen darüber, wie sich die Menschen den Zeitenlauf erschlossen haben, sondern auch mannigfache bisweilen sogar etwas verstörende Informationen darüber, auf welch tönernen Füßen die heute von uns angewendete Zeitrechnung steht." - Univ.-Prof. Dr. Ronald Weinberger, i. R., Astronom und Schriftsteller

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Amer Albayati: Auf der Todesliste des IS - broschiert oder als ebook, Seifert-Verlag 2016, 232 Seiten, 19,95 bzw. 9,99 Euro
Auf die Todesliste des IS brachte Amer Albayati sein Eintreten gegen Radikalismus und Terror, für Freiheit, Menschenrechte und einen liberalen Islam europäische Prägung. Dennoch verfolgt er trotz 15 Morddrohungen unbeirrt sein Ziel. Seine Geschichte rüttelt auf. Sie ist ein Aufruf zu Wachsamkeit und ein mutiges Bekenntnis zu Aufklärung, Demokratie und Friedfertigkeit. Dieses Buch zeigt uns nicht nur die Wurzeln des Dschihadismus und Terrors, sondern auch Auswege aus dem Dilemma der westlichen Welt.
Terrortote. Terrorangst. Terror, ausgehend vom Islamischen Staat (IS). Wie ein Flächenbrand das bestimmende Thema der Medien. Amer Albayati hat gelernt, damit zu leben. Mit bisher 15 polizeilich angezeigten Morddrohungen durch die Schergen des IS mit tausenden gefährlichen Anhängern in Europa wurde der Autor zu einer der bestgeschützten Personen Österreichs. Immer wieder führt er ein Leben auf der Flucht, wechselt Quartiere und Gewohnheiten. Für wen ist dieser Mann so gefährlich? – Für die radikalen Islamisten, die Muslimbrüder und ihre vielfach dubiosen Organisationen in Österreich. Amer Albayatis Engagement für einen liberalen Islam europäischer Prägung ist für sie Grund für eine Kriegserklärung. Aber Albayati geht unbeirrbar den Weg der Aufklärung. Seine Geschichte ist informativ, sie ist spannend – und sie ist heute in Europa aktueller denn je. Dieses Buch lehrt uns Verständnis für die Wurzeln des Dschihadismus und Terrors und zeigt Auswege aus dem Dilemma, das Europa in seinen Werten, seiner Offenheit und seiner Vision zu sprengen droht. Die Gefahr der radikalen Islamisten ist nämlich längst mitten unter uns.

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Peter Kamleiter - Der entzauberte Glaube - Eine Kritik am theistischen Weltbild aus naturwissenschaftlicher, philosophischer und theologischer Sicht, Tectum Verlag 2016, Paperback, 370 Seiten, Euro 20,50
Während schon vor fast 50 Jahren Menschen zum Mond geflogen sind, sind im 21. Jahrhundert noch mehr als zwei Milliarden Menschen Anhänger eines christlichen Gottes- und Menschenbildes, das in seinen Ursprüngen bis weit in die Antike zurückreicht. Wie plausibel kann aber das christliche Weltbild noch sein, angesichts der Erkenntnisse der modernen Natur- und auch Geisteswissenschaften? Wirkt ein transzendenter Schöpfergott nicht wie ein Fremdkörper in einer Welt, deren Geheimnissen man immer mehr auf die Spur kommt?
Ohne eine radikal-atheistische Position zu vertreten, versammelt Peter Kamleiter die Erkenntnisse von Kosmologie, Evolutionsbiologie, Hirnforschung, der Philosophie, ja sogar einer mittlerweile auch selbstkritischen Theologie, um die Unvereinbarkeit althergebrachter Mythen und Vorstellungen mit moderner Wissenschaft zu belegen. Und Kamleiter fragt: Welche Existenzberechtigung und welcher gesellschaftliche Einfluss darf Kirche und Religion in Schulen, Medien und Politik beispielsweise in Fragen der Moral überhaupt noch zugestanden werden?
Der Autor: Dr. Peter Kamleiter hat in Würzburg Philosophie, Musikwissenschaft und evangelische Theologie studiert. Seine Auseinandersetzung mit Erkenntnistheorie, Kosmologie und Hirnforschung brachte ihn zu einem agnostischen Naturalismus. Mit seinen Vorträgen und Veröffentlichungen sucht er die freiheitlichen Ideen der Aufklärung gegen einen alten und neuen Irrationalismus zu stärken.

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Andreas Edmüller - Die Legende von der christlichen Moral: Warum das Christentum moralisch orientierungslos ist - Tectum Verlag 2015, 250 Seiten, Euro 18,50
Sind Kirchen und christliche Religion tatsächlich moralisch so kompetent, wie sie immer behaupten? Ist das nicht Wunschdenken? Denn wie kann es sein, dass zu fast jeder moralisch wichtigen Frage durchaus gläubige wie kompetente Christen so gut wie jede mögliche Antwort ernsthaft vertreten und vertreten haben: Christen plädieren für Pazifismus und Kriegsbereitschaft, für Sozialismus und Kapitalismus, für die Gleichberechtigung und die Unterordnung der Frau, für und gegen gleichgeschlechtliche Liebe und homosexuelle Ehe, Empfängnisverhütung und Sterbehilfe. Wie ist diese moralische Orientierungslosigkeit einer Religion zu erklären, die sich hartnäckig immer wieder selbst als Hüterin der Moral versteht? Andreas Edmüller kommt in seinem Buch zu einem überraschenden Ergebnis: Eigentlich verfügt das Christentum über keinerlei ernstzunehmende Morallehre. Denn was man findet, ist lediglich ein in sich unstimmiges und unsystematisches Konglomerat an Geboten und Verboten, Gleichnissen und biblischen Erzählungen, sind Appelle an Autoritäten, antike Präzedenzfälle, Missverständnisse und oft kaum haltbare Interpretationen der angeblich heiligen Schriften. Und selbst wenn da mehr wäre – es ließe sich nicht vernünftig begründen. Das ganze Gebilde der christlichen Moral hängt wie eine esoterische Pseudo-Lehre in der Luft. Edmüllers Fazit: Die moralische Relevanz des Christentums ist im Rahmen verantwortungsvoller und vernünftiger Diskussion vernachlässigbar, ja oft genug sind christliche Positionen sogar schädlich.

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Helge Bergmann - Trübes Wasser: Der esoterische Wassermarkt, Alibri-Verlag 2015,  173 Seiten, Euro 15,50
Wasser ist eine unverzichtbare Lebensgrundlage, es gilt auch im übertragenen Sinne als Urquell des Lebens. Alle Menschen teilen das Interesse, Zugang zu Wasser in bester Qualität zu haben. Heute gibt es zahlreiche Angebote, die Wasserqualität im eigenen Haushalt zu verbessern. Wasser soll Informationen speichern oder durch bestimmte Verfahren "vitalisiert" oder "energetisiert" werden können. Dadurch, so wird versprochen, wirke Wasser positiv auf unsere Gesundheit.
Helge Bergmann hat die wichtigsten Methoden, normales Trinkwasser angeblich in ein Wunderelixier zu verwandeln, unter die Lupe genommen. Sachlich und leicht verständlich erörtert der Autor, ob die behaupteten Wirkungen tatsächlich auftreten oder sich als leere Versprechungen herausstellen. Das Buch ermöglicht, mit mehr eigenem Wissen und damit kritischer an die Fragen rund um esoterisches Wunderwasser heranzugehen.

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Carsten Frerk - Kirchenrepublik Deutschland - Christlicher Lobbyismus. Eine Annäherung, 303 Seiten, kartoniert, Alibri Verlag 2015, Euro 18,50
Dr. Carsten Frerk, langjähriger Leiter des Humanistischen Pressedienstes (hpd), beschreibt, wie die Kirchen in Deutschland systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Dabei zeigt sich, dass katholische und evangelische Stellen in einer Weise in Gesetzgebungsverfahren eingebunden sind wie keine zweite zivilgesellschaftliche Kraft.
Das Buch untersucht - erstmalig für Deutschland - die Arbeit der kirchlichen Büros und ihre Kontakte in die Ministerialbürokratie. Dabei stößt es auf interessante personelle Überschneidungen und Karriereverläufe. Es stellt dar, über welche Kanäle die Kirchen ihre Informationen erhalten und welche Strukturen begünstigen, dass politische Entscheidungen im Sinne der Kirchen ausfallen.
Als Fazit kommt Carsten Frerk zu der Einschätzung, dass die Kirchen - wo es um ihre ureigenen Belange als Organisationen geht - die erfolgreichsten Lobbyisten der Republik sind.
Das Buch schafft Problembewusstsein für Ämterverquickung und "Seitenwechsler". Es fordert Befangenheitsregeln für Parlamentarier und thematisiert den durch die Kirchen "gekaperten Staat".

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Michael Ley - Der Selbstmord des Abendlandes - Die Islamisierung Europas, Hintergrund-Verlag Osnabrück 2015. Paperback, 254 Seiten, Euro 19.50
Aus der Einleitung: Die Diskussionen um den Islam in Europa nehmen geradezu groteske Formen an: Auf der einen Seite steht eine unerbittliche intellektuelle Phalanx, die die Utopie einer multikulturellen bzw. diversen Gesellschaft als zukunftsweisende Überwindung von Nationalismus und Rassismus propagiert und auf der anderen Seite werden in der Gesellschaft die Ängste vor einer zunehmenden Islamisierung stetig größer. Die Eliten der Gesellschaft werden nicht müde, große Teile ihrer eigenen Bevölkerung des Rassismus und der Xenophobie zu bezichtigen, während große Teile der Bevölkerung längst das Vertrauen in die vermeintlichen politischen und medialen Vordenker verloren haben. (..) Die politischen und intellektuellen Eliten stehen den Integrationsproblemen hilflos gegenüber und würden den Scherbenhaufen, den sie angerichtet haben, am liebsten verschweigen. Eine öffentliche Debatte über die Zukunft der europäischen Einwanderungsländer wird von ihnen deshalb so weit wie möglich vermieden.

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Michael Lüders - Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet - 175 Seiten, C.H.Beck 2015, Euro 15,40
Wer den Wind sät, wird Sturm ernten - Michael Lüders beschreibt die westlichen Interventionen im Nahen und Mittleren Osten seit der Kolonialzeit und erklärt, was sie mit der aktuellen politischen Situation zu tun haben. Sein neues Buch liest sich wie ein Polit-Thriller - nur leider beschreibt es die Realität. Eine Geschichte erscheint in unterschiedlichem Licht, je nachdem, wo man beginnt sie zu erzählen. Und wir sind vergesslich. Das iranische Verhältnis zum Westen versteht nur, wer den von CIA und MI6 eingefädelten Sturz des demokratischen Ministerpräsidenten Mossadegh im Jahr 1953 berücksichtigt. Ohne den Irakkrieg von 2003 und die westliche Politik gegenüber Assad in Syrien lässt sich der Erfolg des "Islamischen Staates" nicht begreifen. Wer wissen will, wie in der Region alles mit allem zusammenhängt, der greife zu diesem Schwarzbuch der westlichen Politik im Orient.

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Philippe Buc - Heiliger Krieg: Gewalt im Namen des Christentums - 432 Seiten, Verlag Philipp von Zabern 2015, Euro 41,10
'Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns': Mit dieser biblischen Paraphrase suchte George W. Bush Verbündete hinter sich zu versammeln und seinen Angriff auf den Irak zu legitimieren. Ist er damit ein heiliger Krieger? Der Historiker Philippe Buc, ausgewiesener Experte auf dem Gebiet mittelalterlicher religiös motivierter Gewalt, nimmt in seinem großen historischen Essay eine ungewohnte und provozierende Perspektive ein. Er untersucht, wann und unter welchen Bedingungen Konflikte christlich geprägter Gesellschaften zu manichäischen Kriegen wurden, zur Konfrontation von Gut und Böse. Die theologisch motivierte Legitimation von Terror und Krieg lädt Konflikte nicht nur auf, sie erschwert oder verhindert auch die Möglichkeiten von Friedensschluss und Versöhnung. Philippe Buc deckt mit großer Quellenkompetenz und ausgeprägtem Aktualitätsbezug die historischen Wurzeln des Geflechts der gegenwärtigen weltpolitischen Verwerfungen auf - ein gänzlich neuer Ansatz.

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Sabatina James - Scharia in Deutschland, Knaur Taschenbuch 2015, Paperback, 144 Seiten, Euro 13,40
Sabatina James (Pseudonym) wird 1982 als Muslimin in Pakistan geboren und wächst in Österreich auf. In ihrer Familie erlebt sie psychische und physische Gewalt. Als sie vor der Zwangsheirat mit ihrem Cousin flieht und zum Christentum konvertiert, wird 2001 über sie von ihrer Familie ein Todesurteil ausgesprochen. Seitdem lebt die Autorin an geheimem Ort und wird von der Polizei beschützt. Mit ihrer Organisation Sabatina e. V. hilft sie Frauen aus islamischen Ländern, wenn sie aus Angst vor einer Zwangsehe oder gar einem Ehrenmord vor ihrer Familie fliehen müssen. Islamunterricht an deutschen Schulen. Öffentliche Aufrufe zum Mord an Andersgläubigen. Forderungen, auch in Deutschland die Scharia einzuführen. Greifen radikale Islamisten immer mehr unsere demokratische Ordnung an? Sabatina James, Aktivistin und Publizistin, warnt vor den Folgen grenzenloser Toleranz und erklärt, warum genau das gravierende Folgen haben kann.

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Horst Herrmann - Befreit Gott von den Gläubigen!  Eine Liebeserklärung an Gott, 328 Seiten, Paperback Tectum Verlag 2015, Euro 19,50
Der Ankündigungstext des Verlages:
Dieses Buch ist eine kleine Sensation. Horst Herrmann ist einer der bekanntesten und profiliertesten Religions- und Kirchenkritiker Deutschlands. Doch in seinem neuen Buch bekennt er sich, für viele überraschend, zu einem positiven Gottesbild. Und kann sogar von Gottesfreundschaft sprechen. Mit dem "Amtsgott" der Kirchen, einem patriarchalen Herrscher- und Kontrollgott, der seinen Sohn blutig am Kreuz opfert, hat dieser Gott jedoch nicht das Geringste zu tun.
Der Autor plädiert in seinem außergewöhnlichen Buch für einen konsequenten Paradigmenwechsel und fordert ein befreites wie befreiendes Gottesbild, das Gott als Freund und Freundin auf Augenhöhe erkennt. Gott muss von seinen Verwaltern wie auch von seinen Gläubigen erlöst werden.
Herrmanns provokantes Werk Befreit Gott von den Gläubigen! ist die Liebeserklärung an einen lebendigen Gott. Es ermutigt, sich kritisch mit sich und seinem Glauben oder Nicht-Glauben auseinanderzusetzen.
So einfach ist das also: man schöpft sich einen neuen Gott und diesmal vorsichtshalber einen guten! Das ist zwar schon längst Standard in den meisten Christenkirchen, Stellen im Evangelium wo der böse Jesus die Leute zum Heulen und Zähneknirschen ins ewige Höllenfeuer schmeißt, werden nimmer gepredigt oder zumindest bei der Auslegung umgedeutet oder kurzerhand ignoriert. Hermann deklariert 85 % der Jesusworte für erfunden, darunter sind wohl alle bösen Worte. Den 75-jährigen Horst Herrmann drückt möglicherweise seine kindliche religiöse Abrichtung und er bastelt sich darum seinen privaten neuen Jesus. Gemildert wird das durch die Ansicht, die Menschen sollten bibelfrei aufwachsen, aber seinen lieben Privatgott nimmt er ernst, er hat jetzt also auch seinen unsichtbaren Freund Harvey und will damit anscheinend Menschen zu kirchenfreien Götterschöpfereien motivieren. Wer sich für solche Spintisierereien interessiert, mag das Buch lesen. Für Atheisten macht das keinen Sinn.

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Tania Kambouri - Deutschland im Blaulicht: Notruf einer Polizistin, 224 Seiten, Piper Paperback 2015, Euro 15,40
Tania Kambouri hatte genug. Wieder einer dieser Einsätze, bei denen ihr kein Respekt entgegengebracht, sondern sie stattdessen wüst beschimpft und beleidigt wurde. Der türkischstämmige Mann, der die Polizei um Hilfe gerufen hatte, war empört: Was wollte diese »Bullenschlampe« von ihm? Warum kam eine Frau - und kein Mann - zum Einsatzort? Vorkommnisse dieser Art erleben Polizisten im Einsatz immer öfter. Als Polizistin und Frau griechischer Abstammung ist Tania Kambouri den Angriffen auf der Straße besonders häufig ausgesetzt. Jetzt setzt sie sich zur Wehr: »Ich will den Finger in die Wunde legen, auch wenn mir bewusst ist, wie explosiv das Thema ist«.

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CHARB - Brief an die Heuchler und wie sie den Rassisten in die Hände spielen, Klett-Cotta 2015, broschiert, 96 Seiten, Euro 12,30
Das politische Vermächtnis des Chefredakteurs von Charlie Hebdo. CHARB beendete diese Streitschrift am 5. Januar 2015, zwei Tage vor seiner Ermordung. Als Chefredakteur leitete er Charlie Hebdo, die wichtigste Satirezeitschrift Frankreichs. Charb schuf als Zeichner nicht nur Zerrbilder, er gab selbst das beste Feindbild für radikale Muslime ab. Aber auch für Andersgläubige, und an die adressierte er seine letzte Streitschrift. Ihr Titel lautet "Brief an die Heuchler und wie sie den Rassisten in die Hände spielen". Das französische Original bezeichnet die Adressaten des Briefs genauer als "escrocs de l’islamophobie" (Islamophobie-Schurken), und es ist dieses Phänomen, dessen sich Charb in seiner Philippika annimmt. Islamophobie ist für ihn eine Schimäre, die allein der Stimmungsmache dient. "Warum stellen Leute, die aufrichtig gegen den Rassismus zu kämpfen scheinen, eine Zeitung wie 'Charlie Hebdo' als rassistisch dar? Eine Zeitung, die für das Wahlrecht der Einwanderer eintritt, die für eine Legalisierung der Situation von Ausländern ohne Aufenthaltspapiere kämpft und für antirassistische Gesetze eintritt ... Müssten wir nicht Seite an Seite stehen? Gewiss, aber dabei gerät in Vergessenheit, dass sich diese Leute nicht wirklich für den Kampf gegen den Rassismus interessieren, sondern für die Förderung des Islams."

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Manfred Clauss: Ein neuer Gott für die alte Welt. Die Geschichte des frühen Christentums, 544 Seiten, Rowohlt 2015,  Euro 35,90
Als vor Jerusalem ein Wanderprediger am Kreuz starb, ahnte niemand, dass damit ein neues Zeitalter anbrach. Vier Jahrhunderte später wurde das christliche Bekenntnis zur römischen Staatsreligion. Manfred Clauss erzählt die aufregende Geschichte dieses frühen Christentums - von den versprengten Urgemeinden bis ins 6. Jahrhundert - und entwirft ein überraschendes, archaisch-schillerndes Panorama: Da wird aus heidnischen Sonnwendfeiern das Weihnachtsfest, Märtyrer sehnen sich nach dem Tod, ein neues, prägendes Lebensideal der Askese bildet sich heraus. Streiter für ihre Kirche wie Paulus und Augustinus propagieren ihre Lehre, schreiben gegen falsche Propheten an - und Gruppierungen wie Arianer und Doketisten bekämpfen sich bis aufs Blut. Denn es war nicht nur die Liebesbotschaft des Evangeliums, die den Erfolg brachte: Das Christentum, wie wir es heute kennen, ist nicht zuletzt das Ergebnis von Eifer, Gewalt und politischem Kalkül. Manfred Clauss zeichnet ebenso mitreißend wie gelehrt ein neues Bild unserer abendländisch-christlichen Anfänge. Die Wiederentdeckung eines verschütteten Ursprungs, der uns heute in vielem fremd ist.

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Jörn Seinsch - Ein Gott der Liebe? - Wie Theologen die Bibel verfälschen - Tectum-Verlag 2015, 314 Seiten, broschiert, Euro 20,60
Jörn Seinsch lenkt den Blick auf die unbekannten und dunklen Seiten der Bibel, über die in den Kirchen nicht gepredigt wird und die auch sonst gerne totgeschwiegen werden. Und mehr noch fragt der Autor danach, was Professoren der Theologie in ihren Bibelkommentaren aus solch inhumanen Zeilen machen, denn sie müssen sich ihnen ja irgendwie stellen. Wie sie dies tun, zeigt der Autor in diesem Buch kundig und entlarvend. Er weist nach, dass es nicht bei Strategien der Verharmlosung, vagen Entschuldigungen und wortreichem Umdeuten bleibt. Wenn Gott es befiehlt und der Aufruf dazu in der Heiligen Schrift steht, wird Mord und Gewalt in den Kommentaren sogar gerechtfertigt.

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Leo Prothmann - Kirche - Konten - Konkordat: Ansichten und Einsichten Taschenbuch, 222 Seiten, Paracelsus Verlag 2015, Euro 19,85
Bekannte Autoren aus Kunst und wissenschaftlichen Bereichen beleuchten den Einfluss der Kirchen auf Politik und Gesellschaft. Ihre Appelle richten sich an die soziale Verantwortung des Staates, seine Bürger vor den Übergriffen des institutionalisierten Glaubens zu schützen. Es geht um eine kritische Auseinandersetzung mit obskuren religiösen Lehren und den Zwang zur Finanzierung durch die Allgemeinheit.

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Karl Hepfer, Verschwörungstheorien. Eine philosophische Kritik der Unvernunft, Transprict-Verlag 2015, 189 Seiten, Euro 25,70
Ob Mondlandung, Illuminati und 9/11, ob Bielefeld-Verschwörung oder Kennedy-Attentat - wie funktionieren Verschwörungstheorien? Karl Hepfers Analyse legt zum ersten Mal die erkenntnistheoretischen Strukturmerkmale des Verschwörungsdenkens frei. Mit den Mitteln der Erkenntnistheorie und anhand zahlreicher Beispiele erhellt sie, was Verschwörungstheorien von unseren »normalen« Theorien unterscheidet und wie es ihnen oft meisterhaft gelingt, alle unsere Filter für unsinnige Erklärungen zu umgehen. Dabei zeigt das Buch, warum Verschwörungstheorien gerade heute hoch im Kurs stehen, und schärft zugleich den Blick für Argumentationsformen, die uns im Alltag auch an vielen anderen Stellen begegnen.

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Von jetzt an kein zurück - Liebe Beats und Repression, DVD 2015, 109 min, Regie Christian Frosch, Preis zurzeit ab 14 Euro
Dramatische Liebesgeschichte über ein junges Paar in den Sechzigerjahren, das auseinander gerissen und in Erziehungsanstalten untergebracht wird. Die BRD im Jahr 1967: Die Schüler Martin (Anton Spieker) und Ruby (Victoria Schulz) verlieben sich Hals über Kopf. Beide wollen aus den starren Gesellschaftsstrukturen ausbrechen und ihren Idealen folgen. Martins Wunsch ist es, Schriftsteller zu werden und mit seinen Texten die Welt zu verändern, während Ruby - eigentlich Rosemarie - leidenschaftlich gerne singt. Die beiden treffen sich heimlich, denn für Rubys streng katholischen Vater (Ben Becker) verkörpert Martin alles, was seiner Tochter an Schlechtem widerfahren könnte. Das Paar beschließt, die Provinz hinter sich zu lassen und nach Berlin durchzubrennen. Der Traum scheitert aber bald an der Realität. Ruby wird in ein Kloster gesteckt und Martin muss in ein Erziehungsheim.
Jahre später scheinen die Erfahrungen das Paar gebrochen zu haben. Martin musste einige Zeit im Gefängnis zubringen und hat sich in einen selbstzerstörerischen und zur Gewalt neigenden Mann entwickelt. Ruby hat es zwar geschafft eine mehr oder weniger erfolgreiche Sängerin zu werden, der schöne Schein trügt aber, da sie immer wieder auf Alkohol und Pillen zurückgreift. Martin und Ruby verbindet noch immer eine starke - wenngleich unmögliche - Liebe und kurz vor einem Auftritt wird Ruby von ihrer Vergangenheit eingeholt...

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Hamed Abdel-Samad - Mohamed - Eine Abrechnung, Verlag Droemer Knaur 2015, 240 Seiten, 20,60 Euro
Die Biographie Mohameds wurde 200 Jahre nach dessen Tod verschriftlicht - mit politischer Intention: Muslimische Fürsten suchten ihre Position zu sichern und dem christlichen Jesus eine eigene, die Herrschaft legitimierende Erlöserfigur entgegenzusetzen. Dennoch hat sich das ambivalente Bild eines sich radikal verändernden und unter psychischen Problemen leidenden Menschen erhalten. Hier der milde, dort der gewalttätige Mohamed. Hamed Abdel-Samad zeichnet in seiner biographischen Skizze nach, welche bis heute verhängnisvollen Folgen aus diesen Traditionen erwachsen - und weshalb radikale Islamisten mit demselben Recht den »Propheten« zitieren wie laizistische und integrierte Muslime.
Die WELT schrieb dazu: "Der deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad will Unruhe stiften, sagt er. Er fordert die Menschen auf, sich kritisch mit ihrer Religion auseinanderzusetzen, ihre als sakrosankt empfundenen Strukturen und Fundamente zu hinterfragen, sie auf die heutigen Lebensverhältnisse umzudeuten und zu adaptieren. Das hat ihm viel Ärger und viele Feinde eingebracht."

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Ulrike Margarethe Salome Röhl - Macht Religion krank? Die Frage nach den "ekklesiogenen Neurosen" - Paperback 164 Seiten, Tectum Verlag 2015, Euro 20,60
Schon lange stellt vor allem die Psychologie die Frage, ob Religion bzw. Religiosität als Ausdruck von Krankheit verstanden werden kann. Denn zweifellos werden viele psychische Krankheiten durch den dominanten und einengenden Einfluss des Glaubens und der Kirche verursacht. Man spricht in diesem Zusammenhang von "Gottesvergiftung", von "ekklesiogener Neurose" oder "toxischem Glauben". Kann und darf man aber wirklich von Religion als Krankheit sprechen? Und welche Rolle spielt der Glaube bei psychisch erkrankten Menschen? Ist der Glaube ein Indikator für das Entstehen und Fortschreiten von psychischen Krankheiten? Oder ist Religion eher ein Stabilisator, der den Genesungsprozess von psychisch Kranken beschleunigen kann?

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Bernd Galeski - Die Welt des konservativen Katholizismus - am Beispiel Joseph Ratzingers: Sind Glaube und Vernunft wirklich vereinbar? - Tectum Verlag 2014, 192 Seiten, Euro 20,50
Ein Leben ohne Gott führt zu nichts - jedenfalls zu nichts Gutem. Wenn Sie nicht glauben, sind Sie fast schon kriminell. Und ohne Gott verliert sich die Menschheit in Chaos, Anarchie und Gesetzlosigkeit. Solche und ähnlich verstörende Thesen werden heute immer noch von konservativ-katholischer Seite vertreten. Joseph Ratzinger, Papst im Ruhestand und bedeutender katholischer Theologe, ist ein Hauptexponent dieser weltfremden und selbst auf viele Katholiken antiquiert wirkenden Denkrichtung. Bernd Galeski folgt in seinem Buch den Spuren dieses stark ideologisch geprägten Denkens und legt die Wurzeln einer Weltsicht frei, die von Ratzinger und anderen ernsthaft als Heilmittel für eine bessere Welt verkauft wird. Dabei untersucht er die Frage, wieso Ratzinger und andere in ihrem Denken fehlgehen und warum deren Weltsicht in ihrem Kern unvernünftig ist.

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Hubertus Mynarek - Papst Franziskus - Die kritische Biografie - 336  Seiten, Hardcover, Tectum Verlag 2015, Euro 20,50
Die Begeisterung für Papst Franziskus scheint kaum Grenzen zu kennen.  Seine im Vergleich zu seinem Vorgänger ungezwungene und sympathische  Art nötigt selbst Kirchenfernen eine gewisse Bewunderung ab. Und  Gläubige wollen in ihm einen Reformator oder gar einen religiösen  Revolutionär sehen. Wo bleiben da die kritischen Stimmen? Hubertus Mynarek bietet mit seinem Buch eine echte Alternative zu den  zahlreichen unkritischen Papstbüchern. Ausgehend vom Werdegang  Franziskus’ fragt Mynarek: Wer ist und woher kommt dieser Papst? Was  denkt er und was ist von ihm zu erwarten? Und finden sich bei ihm wirklich  Ansätze zu einer Veränderung? Oder ist dieser Papst doch nur ein Kind der  Medien und von Wunschbildern, die Gläubige nach der eher spröden  Amtszeit von Benedikt XVI. an ihn herantragen? Mynareks Antworten auf  diese Fragen machen sein Buch über Franziskus zu einer spannenden,  ehrlichen und echten Alternative zu den vielen Lobeshymnen auf diesen  Papst.

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Siegfried R. Krebs: Problemfall Priesterkaste - Religions- und kirchenkritische Rezension 2011-2015. 224 S. kart. edition Spinoza im Verlag freiheitsbaum. Reutlingen und Heidenheim 2015. 15,50 Euro. ISBN 978-3-922589-59-4 (Direktbestellung: ed.spinoza@t-online.de)
Religion versus Vernunft: Es gibt ein nahezu unübersichtliches Spektrum an angebotenen Medien, das sich kritisch mit den Phänomenen Dogmenwahn, Klerikalismus, Fundamentalismus, Religions- und Kirchenkritik auseinandersetzt.
Siegfried R. Krebs, der diplomierte Kultur- und Theaterwissenschaftler arbeitet als freier Journalist in Weimar. Von Hause aus Atheist, ist er seit 2008 in freigeistigen Organisationen tätig und betreibt seit Ende 2010 das Internet-Portal www.freigeist-weimar.de. Erschienen sind hier seine meisten Rezensionen. Sie wurden aber auch vielfach von anderen Webseiten übernommen, so z. B. von www.hpd.de, www.humanismus-aktuell.de, www.wissen-bloggt.de oder www.nicsbloghaus.org.
Die Zahl seiner bereits veröffentlichten Rezensionen ist beachtlich. Er hat für edition Spinoza die kirchen- und religionskritische Online-Rezensionen von Januar 2011 bis zum Mai 2015 in einer Auswahl zusammengestellt. Den geneigten Leserinnen und Lesern sei dieses Kompendium als Kompass zur Orientierung im Dschungel der vielfältigen modernen Aufklärungsliteratur wärmstens anempfohlen.

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Leo Prothmann (Herausgeber) - Kirche - Konten - Konkordat: Ansichten und Einsichten - Paracelsus Verlag Salzburg 2015, 222 Seiten
Bekannte Autoren aus Kunst und wissenschaftlichen Bereichen beleuchten den Einfluss der Kirchen auf Politik und Gesellschaft. Ihre Appelle richten sich an die soziale Verantwortung des Staates, seine Bürger vor den Übergriffen des institutionalisierten Glaubens zu schützen. Es geht um eine kritische Auseinandersetzung mit obskuren religiösen Lehren und den Zwang zur Finanzierung durch die Allgemeinheit.

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Harald Specht - Das Erbe des Heidentums - Antike Quellen des  christlichen Abendlands - 700 Seiten, Paperback Tectum Verlag  2015, Euro 23,60
Das "Abendland" hat sich aus uralten, längst vergessenen Quellen  entwickelt. Der Sieg des Christentums über heidnische Kulte,  Mysterienbünde und gnostische Religionsgemeinschaften, aber vor allem  die unheilige Liaison von Staat und Religion führten zu einem jähen Bruch  mit vielen dieser antiken Traditionen.
Was okkulte Bruderschaften oder mysteriöse Orden wie Alchimisten,  Rosenkreuzer und Freimaurer als "Arcanum" hüteten oder man als  Geheimnis der Tempelritter vermutete, wurde aber seit der Antike  unauffällig auch in den Werken der Wissenschaft, Literatur und Kunst als  heidnisches Erbe tradiert. Künstler und Gelehrte der Renaissance und  Vordenker der Aufklärung wurden so zu den wahren Hütern dieses  Vermächtnisses.
Die verborgene Symbol-Sprache ihrer Werke enthält unerwartete Hinweise  auf einen lang gehüteten Wissensstrom, der die Entwicklung des  Abendlands begleitete und unterschwellig die heidnischen Weltbilder und  deren kosmologische, philosophische, naturwissenschaftliche und kulturelle Traditionen  weiterführte. Doch welche Geheimnisse wurden über die Jahrhunderte bewahrt, um diese  uralten Weisheiten und Erkenntnisse vor Vergessen und Vernichtung zu retten?
Was hat antike Himmelskunde mit Religion und biblischen Figuren wie Jesus, Johannes oder Maria zu tun?
Welche heidnischen Wurzeln verbergen sich hinter unserem abendländischen Gedankengut bis hin zu den christlichen Feiertagen?
Was verraten uns versteckte Botschaften in alten Kunstwerken, wie etwa im scheinbar harmlosen Schäferidyll "Et in Arcadia ego" des genialen Malers Nicolas Poussin?
Eine Fülle ähnlicher Fragen führt Harald Specht auf eine spannende Reise von der Antike bis hin zum aufgeklärten Europa.

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Norbert Lachner - Vernunft, Logik und Wissenschaftlichkeit im Islam - Paperback, Books On Demand  2014, ISBN-13: 978-3735727626, 506 Seiten, Euro 36,-
Dieses Buch geht den Fragen nach, - inwieweit Vernunft, Logik und Wissenschaftlichkeit grundlegende Bestandteile des Islams bilden; - wie sich die Auslegung des Islams durch die Jahrhunderte hindurch entwickelt hat; - welche Bedeutung für die islamische Praktizierung der Rechtsgelehrsamkeit zukommt; - welchen Stellenwert philosophische Denkprinzipien im Islam einnehmen; - welchem Ziel die angestrebte mystische Vereinigung im Sufismus letztlich gilt; - ob der Islam eine Religion wie andere oder vielmehr eine allumfassende Lebensordnung ist; - welches Gottes- und Menschenbild der Islam vermittelt; - welche Inhalte die islamische Lehre mit den biblischen Religionen gemeinsam hat und in welchen Bereichen sie sich von ihnen unterscheidet; - wie sich die religiöse Lehre des Islams zum Judentum und zum Christentum verhält; - welche Darstellung und Beurteilung des Judentums und des Christentums der Islam beinhaltet und welche Haltung gegenüber ihren jeweiligen Anhängern er vorschreibt.

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Karin Leukefeld - FLÄCHENBRAND Syrien, Irak, die Arabische Welt und der Islamische Staat - Verlag PapyRossa 2015, 230 Seiten, Euro 15,30
Bis vor wenigen Jahren war Syrien ein aufstrebendes, heute ist es ein verbranntes Land. Millionen Menschen haben alles verloren, die Gesellschaft ist tief gespalten. Der von außen angeheizte Krieg, die politische Isolierung und die Sanktionen von USA und EU haben ebenso die aufblühende Ökonomie zerstört wie die syrische Reformbewegung. Nicht besser sieht es im Irak aus. Gesellschaftlich zerrüttet, konfessionell zerrissen, wirtschaftlich am Boden, von Terrorismus überzogen, so lautet das Ergebnis der US-geführten Militärintervention und Besatzungspolitik. Nichtstaatliche Akteure wie der »Islamische Staat« und andere Kampfverbände bestimmen hier wie in Syrien das Geschehen. Der Krieg mit seiner Flüchtlingskatastrophe destabilisiert aber auch zunehmend die Nachbarländer. Das Buch erläutert, wie und warum die Region des »Fruchtbaren Halbmondes« - die Wiege der Zivilisation - in Flammen aufgeht, welche Auswirkungen dies auf die betroffenen Staaten und ihre Gesellschaften hat und welche Perspektiven sich abzeichnen.

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Christoph Reuter, Die Schwarze Macht. Der "Islamische Staat" und die Strategen des Terrors, Deutsche Verlags-Anstalt 2015, 352 S., Euro 20,60
Nach seinem brutalen Eroberungszug im Jahr 2014 herrscht der "Islamische Staat" heute über mehr als fünf Millionen Menschen und eine Fläche von der Größe Großbritanniens. SPIEGEL-Korrespondent Christoph Reuter zeichnet den präzise geplanten Aufstieg der Dschihadisten nach und stößt zu den Wurzeln des Terrors vor - im zerfallenden Irak, im syrischen Bürgerkrieg und in den vielfältigen Konflikten der Region, die die Strategen des Terrors geschickt für ihre Zwecke zu nutzen wissen. IS, der "Islamische Staat", ist weit mehr als die gefährlichste Terrorgruppe der Welt. Er ist eine Macht, die ein zuvor ungekanntes Maß an Perfektion zeigt - in seinem Handeln, seiner strategischen Planung, seinem vollkommen skrupellosen Wechsel von Allianzen und seiner präzise eingesetzten Propaganda.

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Heiner Jestrabek (Hrsg.): Glossar Humanistisches Freidenkertum. Reden wir mal über Begriffsbestimmungen. 44 S .m.Abb. brosch. Edition Spinoza im Verlag Freiheitsbaum 2015, Euro 5,00. Bestelladresse: ed.spinoza@t-online.de
Begriffsunklarheiten, gewollte Begriffsverwirrungen dienen den ökonomisch, politisch und medial Herrschenden immer dazu, das Wesen ihrer Herrschaft zu verschleiern und so möglichst ungetrübt über Menschen und deren Köpfe bestimmen zu können. Deshalb sollten, ja müssen, alternative Kräfte, egal ob sozialistisch gesonnen und/oder religionsfrei, sich über die "gängigen" Begriffe im Hier und Heute Gedanken machen und deutlich über deren Bestimmungen und Inhalte reden. Und nicht das nachplappern, was ihnen "von oben" vorgesetzt wird.

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Thomas Bäumler - Priester, Neffe, Tod: Gerti Zimmermann recherchiert - Krimi zum katholischen Kinderschändermilieu - Größenwahn Verlag 2015, 200 Seiten, Euro 22,50
Georg Hornberger - geachteter Theologe, Prälat und Ehrenbürger seines oberfränkischen Heimatortes - wird brutal ermordet aufgefunden. Nicht nur die Polizei steht vor einem Rätsel. Die angehende Journalistin Gerti Zimmermann, die ein Volontariat bei der Heimatzeitung absolviert, beginnt zu recherchieren. Ihre Ermittlungen, die sie bis nach Prag führen, lassen ihr keine Ruhe. Im Tagebuch des Junkies Josef, des Neffen des Ermordeten, findet sie einen erstaunlichen Hinweis: Josef wurde als Jugendlicher von seinem Onkel sexuell missbraucht. Gerti erforscht die Familiengeschichte des Ermordeten und entdeckt Geheimnisse, deren Lüftung vielen Beteiligten ein Dorn im Auge zu sein scheint. Werden ihre Ermittlungsergebnisse Gehör finden? Ist die Redaktion der Zeitung bereit, die Wahrheit zu drucken? Thomas Bäumler kreiert den ersten Fall der blutjungen Gerti Zimmermann, die noch am Anfang ihre Karriere steht. Auf der Bühne dieses ländlich geprägten fränkischen Umfeldes durchlebt eine katholische Familie ihre Tragödie. Eine sozialkritische Kriminalgeschichte mitten in Deutschland um Medienmacht, Meinungsfreiheit und Glauben. Und über sexuellen Missbrauch.

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Thomas Suddendorf - Der Unterschied - Berlin Verlag 2014, 464 Seiten, € 23,70
Was unterscheidet den Menschen von den übrigen Tieren? Wie kam es zur Entwicklung seiner besonderen Fähigkeiten? Und worin genau bestehen diese überhaupt? Der renommierte Entwicklungspsychologe und Primatenforscher Thomas Suddendorf zeigt: Nicht unsere Intelligenz an sich, erst unsere Phantasie und unser Bedürfnis, diese mit anderen zu teilen, machen den Menschen zum Menschen. Von der Psychologie und Verhaltensbiologie über die Evolutionsgeschichte bis hin zu den Neurowissenschaften verknüpft er erstmals die jüngsten Erkenntnisse aller relevanten Wissensgebiete. Suddendorf zeigt, dass die Alleinstellung des Menschen dadurch entstand, dass wir andere menschenähnliche und sogar eindeutig menschliche Spezies ausrotteten. Verblüffend ist, dass offenbar alle einzigartigen Eigenschaften des Menschen auf nur zwei grundlegende Besonderheiten zurückgehen: unsere unbändige Imaginationskraft und das Bedürfnis, unsere Gedanken mit anderen zu teilen.

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Raif Badawi - 1000 Peitschenhiebe: Weil ich sage, was ich denke - Ullstein Verlag 2015, 64 Seiten, Euro 5,10
Raif Badawi, saudi-arabischer Blogger, teilte im Internet seine Gedanken über Politik, Religion und Freiheit. Dafür wurde er zu 1000 Peitschenhieben und zehn Jahren Haft verurteilt. Diese Streitschrift versammelt die zentralen, verbotenen Texte Badawis. Sie zeigen die Spannungen zwischen einer traditionellen Auslegung des Islam und dem Anspruch auf ein selbstbestimmtes Leben in der Gegenwart. Badawi fordert Liberalismus, Toleranz, Pluralität, Meinungsfreiheit und Menschenrechte - weil sonst die arabisch-islamische Welt verloren ist. Mit einem aktuellen Text, den Raif Badawi für dieses Buch über sein Leben im Gefängnis geschrieben hat.

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Wilfried Buchta, Terror vor Europas Toren. Der Islamische Staat, Iraks Zerfall und Amerikas Ohnmacht, Frankfurt/M. 2015, 413 Seiten, Euro 23,60
Der Vormarsch der Milizen des selbsternannten Islamischen Staats gehört derzeit zu den beherrschenden Nachrichtenthemen. In ihm zeigt sich eine neue Qualität des Terrors, der mit dem Export des Heiligen Kriegs, des Dschihad, auch nach Europa überzuschwappen droht. Doch wie konnte es zu dieser bedrohlichen Entwicklung kommen? Wilfried Buchta zeichnet die fatalen Ereignisse im Nahen Osten nach. Er beleuchtet dabei die Rolle der wichtigsten Akteure und Machtfaktoren und erklärt, welche Handlungsoptionen dem Westen heute noch bleiben. Wilfried Buchta ist promovierter Islamwissenschaftler. 2005 bis 2011 arbeitete er als politischer Analytiker für die UN-Mission im Irak. Als Zeitzeuge hat der Kenner der Region und ihrer Geschichte die politischen Ereignisse, die zum Erstarken der Terrormiliz Islamischer Staat geführt haben, täglich hautnah miterlebt.

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Ayaan Hirsi Ali - Reformiert euch!: Warum der Islam sich ändern muss - Albrecht Knaus Verlag 2015, 304 Seiten, Euro 20,50
Ihre eigene Biografie und intime Kenntnis der islamischen Gesellschaften und Kultur sowie ihre Forschungen machen die aus Somalia stammenden Ayaan Hirsi Ali zu einer der wichtigsten Stimmen in der Debatte über den Islam. Ihr neues, von Optimismus getragenes Buch, kommt im richtigen Moment: Es nimmt die Terroranschläge in Paris zum Ausgangspunkt, bietet Einordnung und Hintergründe, vor allem aber bezieht Hirsi Ali klar Stellung: gegen einen erstarrten Islam und dessen Tolerierung durch den Westen. Und für eine Reformation ihrer Religion durch die Muslime!

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Heinz-Werner Kubitza - Der Dogmenwahn: Scheinprobleme der Theologie. Holzwege einer angemaßten Wissenschaft - Tectum Verlag 2015, 398 Seiten, Euro 20,50
Dogmatische Theologie ist heutzutage auch "Wissenschaft" wider besseres Wissen; Richtschnur sind wie seit Jahrhunderten allein Bibel und Bekenntnis. Doch wie passen religiöser Glaube und moderne Wissenschaft überhaupt zusammen? Und womit beschäftigen sich eigentlich hochdotierte Theologen an unseren Universitäten, wenn nicht einmal der Gegenstand ihrer Forschung bestimmt ist? Wie sachdienlich können ihre "Forschungsergebnisse" sein, wenn zum Beispiel die seit über einem Jahrhundert tiefgründig diskutierten Fragen zur Historizität Jesu gar nicht zur Kenntnis genommen werden? Was ist dran, an den schwülstig gedrechselten Aussagen und Erkenntnissen, die von verschiedenen Vertretern zahlreicher "theologischer Schulen" über Suchende, Fragende und Studierende ausgegossen werden? Und Erkenntnis und Wahrhaftigkeit sind doch Ziel aller Forschung? Oder? Diesen und ähnlichen heiklen Fragen geht Heinz-Werner Kubitza, bekannt als Verfassern von "Der Jesuswahn", penibel auf den Grund.

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Jean Ziegler und Ursel Schäfer - Ändere die Welt!: Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen - Bertelsmann Verlag 2015. 288 Seiten, Euro 20,50
"Der Kapitalismus setzt die Warenbeziehung als universelle Beziehung durch". Das ist einer der Kernsätze Zieglers und genau jene "Kannibalisierung der Welt" durch das neo-liberale Verständnis des Kapitalismus, welches Ziegler als durchgehend "an der Macht" kennzeichnet. Eine Entäußerung aller sozialer und individueller Freiheiten und Möglichkeiten, die im Lauf der letzten Jahrhunderte teuer gerade in Europa erkauft wurden und in den letzten Jahren, seit dem Zusammenbruch des "realen Sozialismus" als Teil eines "bipolaren Systems" 1991 rasant voranschreitet. Während zu Zeiten der "Blöcke" noch eine gewisse Angst und Zurückhaltung auf Seiten des enthemmten Kapitals herrschte (es bestand ja die Gefahr der Revolution zum "anderen System hin"), entfällt dieses (mangelhafte, aber vorhandene) Korrektiv seit 1991 nun.
Mit weitreichenden Folgen. Die Ziegler ruhig und sachlich beschreibt. Eine reine Funktionalisierung des "Faktors Mensch" auf den Faktor "Waren- Produktionszeit", das menschliche Sein durchdekliniert im Sinne der Wirtschaft auf seinen "Tauschwert". Bis hin zu durchgehend weiterer "Drängelei", alles zu "privatisieren" und damit als Gewinnmöglichkeit zu sichern, was nur denkbar ist. Die "beschleunigte Akkumulation und die kontinuierliche Profitmaximierung" entfremdet "alles von allem und jeden von jedem". Womit Ziegler wie nebenbei auch die Folgen für die "Besitzer der Produktionsmittel" selbst herausstellt.
Aktuell am Niedrigzins zu erkennen ist, wie ein Finanzsystem sich in dieser Hinsicht so gut wie selber zerlegt, weil die Firmen aufgrund der Rücklagen keine Kredite mehr benötigen und damit selbst "Geld" als "reale Ware" kaum mehr gefragt ist und nur noch der virtuellen Vermehrung eines abstrakten Profits zugeführt wird. Und der Mensch, die Menschheit, zunächst die ärmeren Teile der Welt, zunehmend aber auch die "Kernzonen" des Wohlstandes bleiben auf der Strecke.
Massenarbeitslosigkeit, die Wertlosigkeit des eigenen Lebens im Sinne eins "Tauschmittels", zunehmend Mangel, realer Hunger, sich auflösende Sozialgemeinschaften, all das kennzeichnet Ziegler als Folge der "modernen" Auffassung von "Leben als Gewinnstreben" und neo-liberaler "Entgrenzung" des Marktes.

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Peter Dinzelbacher - Weltuntergangsphantasien und ihre Funktion in der europäischen Geschichte, Alibri-Verlag 2014 - 210 Seiten, Euro 17.50
Der Historiker Peter Dinzelbacher spürt den Endzeitphantasien von der Antike bis in die Gegenwart nach. Im ersten Teil des Buches gibt er einen Einblick in die Vorstellungswelten der Untergangspropheten. Er zeigt, dass die Angst vor der Weltkatastrophe bereits vor der jüdisch-christlichen Apokalyptik existierte, folgt den Motiven durch das christliche Mittelalter in die Neuzeit und ordnet moderne, ökologisch begründete Schreckensszenarien in diese Tradition ein.
Im zweiten Teil erfolgt eine mentalitätsgeschichtliche Analyse. Dinzelbacher fragt nach den Beweggründen derer, die den Weltuntergang vorhersagten oder predigten, untersucht die dahinter stehenden Ängste, Wünsche und Phantasien. Und er stellt eine Frage von zentraler Wichtigkeit: Warum und zu wessen Vorteil wurden die apokalyptischen Szenarien verbreitet?

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Arzu Toker: Kein Schritt zurück - Alibri Verlag 2014, 157 Seiten, Euro 12,35
Was bedeutet Ehre im Islam? Um wessen Ehre geht es? Arzu Toker setzt sich literarisch mit dem Verständnis von Ehre auseinander.
Das ursprünglich für den Hörfunk verfasste Feature Die Balkonmädchen beschreibt den Konflikt zwischen dem Drängen junger Migrantinnen in Deutschland, frei zu leben, und den traditionellen Anforderungen ihrer Herkunftsfamilien.
In dem Prosatext Verschenkte Freiheit klagt eine Mutter voller Wut und Schmerz über den Verlust ihrer Tochter an eine islamische Sekte.
Das Nachwort ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Freiheit. Die Freiheit von religiösen Zumutungen. Die Freiheit von nationalen Fesseln. Ein Plädoyer für eine Utopie der Entwicklung gemeinsamer grenzüberschreitender Werte.

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Craig Venter - Leben aus dem Labor - Die neue Welt der synthetischen Biologie - S. Fischer Verlag 2014, 304 Seiten, Euro 20,60
Der bekannte Genetiker J. Craig Venter schafft es immer wieder in die Schlagzeilen: Nachdem er als Erster das menschliche Genom entzifferte, hat er jetzt als Erster einen künstlichen Organismus erschaffen. In seinem Buch erzählt er nun packend und anschaulich von den Rückschlägen und revolutionären Entdeckungen seiner Forschung. Gleichzeitig zeigt er, was die gegenwärtige Biologie kann und die zukünftige können wird: Sequenz für Sequenz passgenaue Organismen herstellen, die Geninformation "beamen", Modellzellen programmieren, mit denen man Versuche am Computer durchführen kann, sowie neuartige Medikamente erstellen und mit Lichtgeschwindigkeit auf der Welt verteilen. Ein Bericht von der vordersten Front der Wissenschaft und ein so faszinierender wie nachdenklich stimmender Einblick in die neue Welt der synthetischen Biologie.

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Harald Lesch / Josef M. Gaßner - Urknall, Weltall und das Leben - Komplett-Media Verlag, überarbeitete und erweiterte Neuauflage 2014, 408 Seiten, Euro 30,80
Ein Universum entsteht aus dem Nichts und lädt ein zum Staunen. Der ewige Kreislauf aus Strukturbildung und kosmischen Katastrophen lässt faszinierende Objekte werden und vergehen. Sternengeburt und Sternentod reihen sich aneinander, bis hin zu einer wundersamen Metamorphose der Selbstorganisation von toter Materie zu lebenden Organismen. Dieses Leben wird sich seiner selbst bewusst und stellt Fragen: Wie konnte Alles aus dem Nichts entstehen und was war davor? Was ist Materie und was hält die Welt im Innersten zusammen? Was sind Sterne, Quasare, Pulsare, Jets, GRB, UHECR, Magnetare, Schwarze Löcher, Super- und Hypernovae, Galaxien und der Rest? Wie ist das Leben entstanden und sind wir allein? Wohin führt unsere kosmische Reise / welche Bedrohungen erwarten uns? Was ist Dunkle Materie, Dunkle Energie, Supersymmetrie, Eichsymmetrie und spontane Symmetriebrechung? Was bringt uns das Higgsboson und wie geht´s jetzt weiter am LHC? Die Weltformel: Stringtheorie oder Schleifenquantengravitation? Woher wissen wir das alles und wo ist die Grenze unserer Erkenntnis? Das anthropische Prinzip - ist noch Platz für Gott in unserem Weltbild? Harald Lesch und Josef M. Gaßner begeben sich auf die Suche nach ­Antworten und präsentieren im kurzweiligen Dialog den aktuellen Stand der Wissenschaft so verständlich wie nur möglich, bis an die Grenzen ihrer eigenen Vorstellungskraft.  

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Uwe-Christian Arnold / Michael Schmidt-Salomon - Letzte Hilfe - Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben - Rowohlt, 2014, 240 Seiten, Euro 19,50
Selbstbestimmung darf nicht enden, wenn es um das Sterben geht. Dies ist das Credo des Berliner Arztes Uwe-Christian Arnold. Seit vielen Jahren begleitet er schwer leidende Menschen, die beschlossen haben, selbstbestimmt aus dem Leben zu gehen. Er kennt ihre Schicksale und ihre Motive. Dieses Buch ist ein Bericht aus erster Hand für alle, die sich über das heikle Thema Sterbehilfe eine Meinung bilden wollen. Ein leidenschaftliches Plädoyer für das Recht auf Letzte Hilfe.

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Benjamin Kunkel - Utopie oder Untergang - Ein Wegweiser für die gegenwärtige Krise - Suhrkamp 2014, 246 Seiten, Euro 18,50
Nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus kam die Parole vom "Ende der Geschichte". Ebenfalls aus den USA kommt dieses Buch, das nun das Ende des Neoliberalismus anzukündigen versucht. Der Autor ist im neoliebralen Zeitalter aufgewachsen und reflektiert nun darüber, indem er Texte über Autoren wie Fredric Jameson, David Graeber und Slavoj Žižek verfasst, woraus sich ein Panorama linken Denkens formiert. Er scheribt, dass wir in einer Zeit leben, in der "die Konstruktionsfehler des globalen Kapitalismus so deutlich zutage getreten" sind, dass Hoffnung aufkommt, sich gegen dieses Zwangsregime zur Wehr setzten zu können. Denn: "Ein entscheidender Faktor für eine echte Renaissance marxistischen Denkens und marxistischer Kultur dürfte die Tatsache sein, dass der Kapitalismus bei vielen, die heute unter dreißig sind, jeden Anspruch auf Loyalität verwirkt hat."
Passend zur aktuellen Diskussion in Österreich über die Einführung einer Vermögenssteuer für Millionäre meint Kunkel, dass sich die herrschende Klasse einer Vermögensteuer unterwerfe, sei weniger wahrscheinlich als eine sozialistische Revolution. In Österreich ist allerdings eine sozialistische Revolution noch weitaus weniger wahrscheinlich als ein Bundeskanzler Strache. An dessen Karriere arbeiten ja weiterhin SPÖ und ÖVP mit größtem Eifer Hand in Hand.

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Hamed Abdel-Samad - Der islamische Faschismus: Eine Analyse -Droemer Verlag 2014, 224 Seiten, Euro 18,50
Der Islamismus entstand parallel zum italienischen Faschismus und zum Nationalsozialismus. Sein faschistoides Gedankengut allerdings reicht viel weiter zurück - es ist bereits im Ur-Islam angelegt. Hamed Abdel-Samad schlägt in seiner Analyse einen Bogen von den Ursprüngen des Islam bis hin zur Gegenwart. Die Grundzüge des Faschismus scheinen überall durch; in der Organisationsstruktur ebenso wie in der Religion, die stets über dem Menschen steht.
Ein wichtiges Buch, dessen Thesen Hamed Abdel-Samad eine Todes-Fatwa einbrachten. Allein das entlarvt den Islamismus.

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Ich Axel Cäsar Springer - Erklärung eines Wunders, Tatsachen und Deutungen - fünfteiliger DDR-TV-Film auf 5 DVDs, produziert 1968/1970, Preis je nach Anbieter ab ca. 20 Euro
Wie bei ähnlichen DDR-Produkten wurden sehr gut recherchierte Hintergründe zu einem Agitationsprodukt geformt, das aber auch heute noch sehenswert ist. Es mögen einige Fakten überstrapaziert und einige Personen in dem Film etwas satirisch überzeichnet wirken, aber gerade diese Methodik trifft den wesentlichen Kern der Funktion Springers und vermittelt den Habitus der bis heute herrschenden Kreise in der BRD. Springer war der passende Mann der den Eliten des untergegangenen Nazi-Deutschlands einen geräuschlosen Übergang in die BRD ermöglichte ohne grundlegende Positionen aufzugeben und somit dazu beitrug ihre Herrschaft abzusichern. Und auf diese heute gerne verschwiegene Geschichte geht der Film in voller Ausführlichkeit ein. Dass man sich bis heute dieser Tradition im Hause Springer bewusst ist, zeigt der große Empfang für Rosemarie Springer durch ihre Nachfolgerin an der Seite Axels, Friede Springer, im Mai 2012 zum 100. Jahrestag des Verlegerhauses. Rosemarie Springer ist eine Tochter des SS-Obergruppenführer Lorenz und ehemalige Frau eines Nazi-Industriellen aus deren Umkreis nach 1945 Geld in Richtung Springer floss. Dass die DDR Springer eine solche mediale Aufmerksamkeit widmete, ist bis heute nachvollziehbar. Kein Aufmacher in den Nachrichtenformaten, keine Kampagne in der BRD, keine Beeinflussung der Massen im bürgerlichen Sinne verläuft ohne diesen Konzern. Deshalb wird man diesen Film wohl auch nie im öffentlichen Fernsehen zur besten Sendezeit erleben, seine Veröffentlichung als DVD-Box darf als Überraschung gesehen werden, im Begleitheft hat man sich allerdings geziemend vom Film distanziert, was aber seine Aktualität eher bestätigt als diskreditiert...

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Robert Pleyer, Axel Wolfsgruber - Der Satan schläft nie: Mein Leben bei den Zwölf Stämmen - Knaur Verlag 2014, 280 Seiten, Euro 15,45
Geschlagen, gedemütigt und entmündigt: Mit diesen Worten beschrieb der Focus im Mai 2012 die Lebensverhältnisse bei den Zwölf Stämmen, eine Sekte, die seit Jahren in den Schlagzeilen ist. Als Robert Pleyer vor mehr als zwanzig Jahren in diese Sekte aufgenommen wurde, fühlte sich das zunächst wie eine Befreiung an. Doch bald zeigte sich, in welche Abhängigkeiten er geraten war. Denn bei den Zwölf Stämmen gelten allein die Regeln der Sektenführer, die ihre Macht auf umfassende Kontrolle stützen.
Vor drei Jahren beschloss Robert Pleyer, die Gemeinschaft mit seinen Kindern zu verlassen. Nun schildert er zum ersten Mal in allen Einzelheiten sein Leben bei den Zwölf Stämmen: die gottgleiche Stellung der Ältesten, die Entmündigung der Frauen, die Gewalt an den Kindern. Sein Bericht offenbart das Unmenschliche einer Sekte, deren Mitglieder kein Privateigentum besitzen, für ihre Arbeit keinen Lohn erhalten und Ärzte nur im äußersten Notfall aufsuchen dürfen.

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Thomas K. Luther - Jahwe Christus Allah - Projektion des Wahns und Anker der Macht - Verlag epubli GmbH 2014, 348 Seiten, Euro 25,60
Religiosität bedeutet: Bekenntnis zum Glauben an überirdische Mächte, die den Menschen beherrschen, die alles Materielle geschaffen haben; die richten, belohnen oder bestrafen. Doch rationales Denken und Erkenntnisse der Wissenschaft widerlegen diesen Glauben, degradieren die Erfinder der Götter und entlarven die geschäftigen Scharlatane der religiösen Machtapparate. Religionen sind Relikte archaischer Einfalt - sind nichts weiter, als Disziplinierungs- und Herrschaftssysteme, die allerdings seit Urzeiten funktionieren.

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Joachim Kahl, Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott, Tectum-Verlag 2014, 216 Seiten, 18,50 Euro
Erstmals erschien 1968 mit "Das Elend des Christentums" ein kritisches Werk eines promovierten Theologen, der durch sein Studium zum Atheisten geworden war. Joachim Kahls Klassiker der modernen Christentumskritik liegt jetzt in einer Neuausgabe für eine neue Lesergeneration vor. Fragt man nach den bedeutsamsten christentums- und kirchenkritischen Bücher der Nachkriegszeit, so dürfte man direkt nach Karlheinz Deschners "Abermals krähte der Hahn" Joachim Kahls Buch nennen.
Im Haupttext problematisierte er zunächst, dass Schwierigkeiten zu verbindlichen Aussagen über das Christentum bestünden, denn: "Die Christen wissen selber nicht, was christlich ist." Dann widmete Kahl sich der "Realbilanz der Kirchengeschichte" bezogen auf – so lauten die Kapitelüberschriften - “Die Kirche als Sklavenhalterin", "Die blutige Verfolgung der Heiden", "Die blutige Verfolgung der Juden", "Die blutige Verfolgung der Christen untereinander" und "Die Verteufelung der Sexualität und die Diffamierung der Frauen". Das Besondere in diesen Ausführungen besteht darin, dass Kahl mit Hinweisen auf Textpassagen aus dem Neuen Testament einen Kontext von theologischen Grundlagen und menschenverachtender Praxis deutlich machen konnte.
Dem folgend ging es um die "Unerkennbarkeit des historischen Jesus", liegen doch in der Tat über sein Wirken keine aussagekräftigen nicht-theologischen Quellen vor. Ausführlich thematisierte Kahl danach das "Chaos im Dogma" anhand der Theologiegeschichte vom Neuen Testament bis in die seinerzeitige Gegenwart. In dem "Programm der Entmythologisierung" zeitgenössischer progressiver Theologen erblickte er nur einen romantischen "Versuch einer Ehrenrettung des christlichen Glaubens". Und schließlich plädierte Kahl für eine "postchristliche Perspektive" für die Religionsfreiheit mit seinen Forderungen nach konsequenter Trennung von Staat und Kirchen, Universität und Kirchen und Schule und Kirchen.

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Holy Flying Circus - Voll verscherzt - Film von Owen Harris (2011), DVD, Preis je nach Anbieter unterschiedlich
Die berühmten Monty Pythons John Cleese (Darren Boyd), Eric Idle (Steve Punt) und Terry Jones (Rufus Jones) kämpfen nach den Dreharbeiten ihres in religiösen Kreisen berüchtigten Films "Das Leben des Brian" gegen Sittenwächter, religiöse Gruppen, öffentliche Zensur und selbst ernannte Moralapostel. Die Kontroversen um die Veröffentlichung des Films finden ihren Höhepunkt beim legendären BBC-Interview, das John Cleese und Michael Palin am 9. November 1979 in der Sendung "Friday Night, Saturday Morning" mit einem Bischof und einem christlichen Autor führten. - Film nach dem wirklichen Geschehen mit einem sehr gut auf die Monty Pythons getrimmten Schauspielerteam!

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Und dann der Regen - Film, Regie Icíar Bollaín, Drehbuch Paul Laverty, DVD, Preis je nach Anbieter unterschiedlich
Der junge spanische Regisseur Sebastián will den großen, wahrhaftigen Film über Kolumbus drehen: nicht den heroischen Entdecker zeigen, sondern die brutale Eroberung eines Kontinents. Weil das Budget äußerst knapp ist, hat Sebastiáns Produzent Costa das bolivianische Cochabamba als Drehort ausgewählt. Die Produktionskosten sind äußerst günstig, sogar die Gagen der indianischen Statisten für die spektakulären Massenszenen kann man sich hier leisten. Die Dreharbeiten laufen ausgezeichnet, bis in Cochabamba soziale Unruhen ausbrechen. Die Wasserversorgung der Region wurde an einen internationalen Konzern verkauft, der nach rigorosen Preiserhöhungen nun sogar das Auffangen von Regenwasser untersagt hat. Die Proteste der lokalen Bevölkerung eskalieren zum offenen Aufstand. Die spanische Filmcrew um Sebastián und Costa kann den aktuellen Konflikten nicht ausweichen: Ausgerechnet ihr indianischer Hauptdarsteller Daniel ist einer der Anführer des Wasseraufstands. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen, aber diesmal unter anderen Bedingungen...

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Franz M. Wuketits, Was Atheisten glauben, Gütersloher Verlagshaus 2014, 191 Seiten, Euro 20,60
Franz M. Wuketits gibt in seinem neuen Buch eine umfassende Antwort: Er zeigt, wie Atheisten das Leben sehen, wie sie dem Tod begegnen und wie sie in einer objektiv sinnlosen Welt doch einen Sinn in ihrem Leben finden. Atheismus ist ein Lebensentwurf, »Gottlosigkeit« führt keineswegs zu Nihilismus und Amoralismus. Atheisten sind eben auch Humanisten, die durchaus auf moralische Prinzipien bauen - allerdings bedürfen sie dabei keiner höheren, gottgegebenen Werte.

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Hermann Josef Schmidt - "Dem gilt es den Tod, der das gethan" Nietzsches frühe Entwicklung und einige ihrer Folgen - Alibri Verlag 2014, 251 Seiten, kartoniert, Euro 20.60
Der Band enthält acht Aufsätze, die zusammen ein rundes Bild des Christentumskritikers Nietzsche liefern. Hermann Josef Schmidt, bekannt für seinen "genetischen Ansatz", sein Bemühen, Nietzsches Philosophie in ihrer Entwicklung zu begreifen, setzt auch hier bei Texten aus der Kindheit an: er untersucht, wie der Knabe Nietzsche das Sterben seines Vaters und die Gespräche darüber in seinem Elternhaus erlebte; er folgt dessen Griechenbegeisterung und spürt den Begegnungen des Heranwachsenden mit dem verfemten und gescheiterten Vormärz-Dichter Ernst Ortlepp nach. Seine Hypothesen bieten Schlüssel zu Nietzsches späten Werken, zu seiner zunehmend radikaleren Ablehnung des Christentums, das er als verlogen und lebensfeindlich ansah, und zu mancher oft zitierten Sentenz.

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Walter Gerhardt: An ihren in alle Ewigkeit wahren und unveränderbaren 245 Dogmen krankt und stirbt die Katholische Kirche, Frankfurter Verlagsgruppe, 162 Seiten,  Euro 16,30
"Mit Diskussionen, Kirchentagen, Bischofssynoden schafft die katholische Kirche keinen neuen Aufbruch zum Glauben, denn sie hält betriebsblind an ihren antiquierten, von Klerikaljuristen formulierten Glaubenswahrheiten fest. Neue Erkenntnisse passen nicht in ihr realitätsfernes Weltbild. Wollte der ursprüngliche Jesus diese Kirche schaffen?" So der Klappentext. Dass ein historisches Jesus sicher keine katholische Kirche schaffen wollte, ist wohl klar und es ist für Atheisten auch egal, ob die katholische Kirche ihre Dogmen ändert, weil auch geänderte Dogmen den ständig zunehmenden Säkularismus nicht beeinträchtigen können. Aber vielleicht wäre ein katholischer Blick in die katholische Dogmenwelt trotzdem unterhaltsam?

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Michael Schmidt-Salomon - Hoffnung Mensch - Eine bessere Welt ist möglich, Piper Verlag 2014, 368 Seiten, Euro 20,60
Ist der Mensch tatsächlich nur ein »fataler Irrläufer der Natur«, um den es nicht schade wäre, würde er von der Erde verschwinden? Nein, sagt Philosoph und Bestsellerautor Michael Schmidt-Salomon: Denn die biologische und kulturelle Entwicklung unserer Spezies zeigt, dass wir das Potential haben, immer besser, immer »humaner« zu werden. Ein beeindruckendes, augenöffnendes Plädoyer für den Glauben an die Menschheit. Der Mensch ist das mitfühlendste, klügste, fantasiebegabteste, humorvollste Tier auf diesem Planeten. Er hat Kunstwerke von atemberaubender Schönheit hervorgebracht und raffinierteste Methoden entwickelt, um die Geheimnisse des Universums zu lüften. Nie zuvor gab es ein Lebewesen, das sich so aufopferungsvoll um Kranke und Schwache kümmerte, das so unermüdlich für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfte ᄁ trotz aller Niederlagen. Über die dunkle Seite der Menschheit ist viel geschrieben worden, ihre Sonnenseite fiel meist unter den Tisch. Dieses Buch zeigt sie auf. Eine Liebeserklärung an unsere oft verkannte Spezies, die es wert ist, dass wir uns für sie engagieren, statt vorauseilend vor der Irrationalität der Welt zu kapitulieren.

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Peter Baumann, Die Freiheit zum Sterben: Menschliche Autonomie am Ende, Chronos 2014, ISBN 3034012462, 23,70 Euro
"Der Psychiater ist mit der Suizidproblematik besonders vertraut. Auch mit dem medizinischen Wissen über gewolltes und ungewolltes Sterben. Ich kenne die Sterbehilfepraxis in der Schweiz seit vielen Jahren und habe ihre Abhängigkeit von der Rechtsprechung hautnah erlebt. Nachdem ich verurteilt und begnadigt worden bin, kann ich in meinem Alter ohne Furcht um die berufliche Existenz sagen und schreiben, was ich für richtig erachte."
Es war Peter Baumanns (1935ᄁ2011) Überzeugung, dass das Reden über Selbsttötungsabsichten und das Thematisieren sicherer, nicht aggressiver Sterbemethoden die beste präventive Tätigkeit gegen Suizid und gegen missliche Sterbesituationen sei. Als Psychiater kämpfte er vehement für die Anerkennung der Autonomie und gegen die Bevormundung sterbewilliger Menschen. Er selbst starb, bevor er den Vorsatz, seine Erfahrungen und Reflexionen nochmals in einem Buch festzuhalten, vollenden konnte. Er betraute Jakob Weiss mit der Aufgabe, früher Aufgeschriebenes und das in den letzten Monaten Erwogene und Besprochene herauszugeben. Daneben enthält der Band Beiträge von Angehörigen und Freunden, in denen die Person des Autors in den Vordergrund tritt.

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Kurt Schmid - Die Bibel / Tora / Koran - Für Jugendliche ungeeignet: Religionskritisches Argumentarium - Books on Demand 2014 - ISBN 978 373 220 5554 - 486 Seiten, Euro 35.00 - als Kindle-ebook bei Amazon um 26,99
Dieses Buch richtet sich an Menschen die eine kritische Distanz zur Religion haben, es soll helfen den Unterschied von Beschriftung und Inhalt der Religionspropaganda zu erkennen. Es ist kein wissenschaftliches Werk, aber geschrieben von einem Autor der lange Erfahrung als aktiver Atheist und als Präsident einer Atheistischen Organisation gesammelt hat. Das Buch zeigt offen die kaum zu übersehenden Wiedersprüche der Weltreligionen auf. Es zeigt die Absurditäten, der Kreationisten, dem katholischen Kompendium des Katechismus, dem Anspruch der Zionisten auf das Land ihrer Väter, dem Verständnis von Demokratie und Menschenrechten der Piusbrüderschaft, geht der Frage nach, ob die Ikone der Güte und Friedensnobelpreisträgerin Mutter Theresa wirklich so gütig war, wie Ultra religiöse Juden, evangelikale Christen und Muslime die Rechte und Würde der Frauen immer mehr beschneiden. Es zeigt auch auf, wie sich immer mehr Gläubige von ihrer Mutter Kirche verabschieden, dafür aber ihr Heil in den Armen obskurer esoterischen Zirkeln suchen. Entzaubert auch die Mythen des einen, alleinigen Gottes für alle Menschen, wie auch das Leben und Wirken des Jesus von Nazareth. Es zeigt ebenfalls auf, wie der Faktor Angst immer noch die entscheidende Rolle spielt im Orchester der Religionsführer.

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Kurt Schmid - Das verstümmelte Mädchen - ein spannender Religionskrimi - Books on Demand 2014 - ISBN 978 373 220 4335 - 184 Seiten, Euro 14.00 - als Kindle-ebook bei Amazon um 9,99
Der zweite Krimi des Schweizers Kurt Schmid handelt von einem der schlimmsten Verbrechen, die wir Menschen zufügen kann. Ihnen die Sexualität zu rauben, sie werden verkrüppelt und auf das Schlimmste geschunden. Auch hier, wie fast immer im Einflussbereich der Religionen, sind die Opfer Mädchen und Frauen. Geschätzte 150 Millionen Frauen weltweit sind genitalverstümmelt. Ein Thema, das die Exklusivität des Exotischen längst verloren hat und auch bei uns zur gelebten Realität geworden ist. Nach UNICEF leben bereits über 10.000 genitalverstümmelte Frauen in der Schweiz, Tendenz steigend. Auch in der Schweiz sind Mädchen von diesem Verbrechen betroffen, auch hier werden Mädchen verstümmelt und für den Rest ihres Lebens verkrüppelt. Diese Tatsache war der Anlass, dieses Thema in Form eines Krimis aufzugreifen.

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Kurt Schmid - Der rote Gatter: Religionskrimi - Books on Demand 2. Auflage 2014 - ISBN 978 373 220 5905 - 208 Seiten, Euro 15.00 - als Kindle-ebook bei Amazon um 9,49
Religionskrimis? Wie und warum soll sich ein Religionskrimi von einem üblichen Krimi unterscheiden? Es gibt viele Facetten von Unrecht das unter dem Mantel der Religionen begangen wird. Die patriarchalischen Machtstrukturen der Religionen sind die Ursache, dass auch heute noch Millionen Menschen Opfer werden im Namen ihres Glaubens. Die Betroffenen sind meistens Frauen, gelten diese doch immer noch bei vielen Männern als Menschen zweiter Klasse. Im Katholizismus sind sie die Ursache für die Erbsünde, in anderen Religionen werden sie verstümmelt, oder mit dem verstorbenen Ehemann als Opferbeigabe verbrannt. Die Frauen vereinigen fast alle negativen Attribute auf sich: Die Frau als Sünderin, als Verführerin, als Hure; sie gilt als unrein, im Gegensatz zum Mann. Der rote Gatter, nicht gemeint das Gatter einer Weidenumzäunung, bei diesem roten Gatter handelt es sich um eine Kapelle, die im fünfzehnten Jahrhundert eine wichtige Rolle spielte. Sie ist heute noch Bestandteil eines Gebäudes von nationaler Bedeutung. Sie repräsentiert einen fast allmächtigen Katholizismus, der auf Unterdrückung und allgegenwärtige Macht ausgerichtet war.
Dieser Krimi spielt heute, er handelt von einer Splittergruppe des Katholizismus, die sich mit den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 ᄁ 1965) unter Johannes XXIII nicht einverstanden erklären konnte und damit ein Schisma auslöste. Diese Gruppierung, die weltweit 300‘000 bis 500‘000 Anhänger hat, sehnt die Zeit der Allmacht der Kirche zurück. In diesem Umfeld und gedanklichem Mittelalter handelt dieser Roman.

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Sebastian Bartoschek / Alexa Waschkau - Ghosthunting - Auf Spurensuche im Jenseits - Alibri 2013, 178 Seiten, Euro 14.40
"Ghosthunting" ist ein verbreitetes Phänomen, auch in Deutschland gibt es zahlreiche Gruppen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, "Geistern" nachzustellen, wenn berichtet wird, dass irgendwo derartige Wesen ihr Unwesen treiben. Die beiden Autoren stellen die Geschichte der Geisterjagd dar, analysieren Motivation und Intention der Geisterjäger und präsentieren natürliche Erklärungen für Spukphänomene. Exemplarisch wird eine "Paranormale Untersuchung" durchgeführt, mittels derer überprüft werden kann, ob ein Phänomen vorliegt, das den Erkenntnishorizont der Wissenschaft übersteigt. Daneben kommen in 11 Interviews Ghosthunter selbst zu Wort.

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Emmerich Tálos - Das austrofaschistische Herrschaftssystem. Österreich 1933 ᄁ 1938, LIT Verlag 2013, 632 Seiten, 34,90 Euro
In den 1930er Jahren vollzogen sich in Österreich, wie in anderen europäischen Ländern, einschneidende politische Veränderungen. Sie kummulierten in der Etablierung des Austrofaschismus. Dieses Herrschaftssystem wird von Emmerich Tálos, einem ausgewiesenen Kenner, erstmals einer umfassenden Untersuchung unterzogen. Analysiert werden: Konstituierungsprozess, ideologisches Selbstverständnis, die politischen Strukturen, zentrale Akteure, die Um- und Neugestaltung der wesentlichen Politikfelder, die politische Stimmungslage, die folgenreichen Beziehungen zu Italien und Deutschland. Der Austrofaschismus weist insbesondere Ähnlichkeit mit dem italienischen Faschismus auf. Eine angemessene Interpretation des "Anschlusses" (im März '38) kann nur vor dem Hintergrund des Austrofaschismus erfolgen.

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Im Kältefieber" ᄁ Februargeschichten 1934: Erich Hackl, Evelyne Polt-Heinzl (Hg.), 330 Seiten, Picus Verlag, 22,90 Euro
2014 jährt sich der österreichische Bürgerkrieg zum achtzigsten Mal. Der Aufstand der Arbeiterschaft und des Republikanischen Schutzbunds gegen das austrofaschistische Regime am 12. Februar 1934 wurde von den Heimwehrverbänden und dem Militär brutal niedergeschlagen. Der kaltblütige Beschuss der Arbeiterwohnhäuser stellt eine entscheidende politische Zäsur auf dem Weg zum März 1938 dar. "Im Kältefieber" ist die bislang umfangreichste Anthologie zu den Februarkämpfen, mit vielen literarischen Entdeckungen österreichischer ebenso wie ausländischer Autorinnen und Autoren und Texten, die hier erstmals auf Deutsch publiziert werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kämpfenden, Arbeiter und deren Frauen und Familien, die sich nicht nur in Wien, sondern auch in anderen Städten und abseits der Zentren Österreichs der Zerschlagung der Demokratie entgegenstellten. Die Texte gehen über das unmittelbare Kampfgeschehen hinaus und beleuchten ebenso dessen Vorgeschichte wie dessen Konsequenzen.
Mit Beiträgen von: Jean Amery, Erich Barlud, Ulrich Becher, Willi Bredel, Melitta Breznik, Veza Canetti, Tibor Dery, Ilja Ehrenburg, Reinhard Federmann, Walter Fischer, Martha Florian, Oskar-Maria Graf, John Gunther, Michael Guttenbrunner, Erich Hackl, Alfred Hirschenberger, Franz Höllering, Franz Kain, Kurt Kläber, Rudolf Jeremias Kreutz, Miroslav Krleza, Franz Leschanz, Naomi Mitchison, Robert Neumann, Margarete Petrides, Margarete Rainer, Otto Roland, Anna Seghers, Jura Soyfer, Franz Taucher, Josef Toch, Alois Vogel, Prezihov Voranc, Karl Wiesinger.

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Ulf Faller - Der Kruzifixstreit oder Warum Schule säkular sein muss: Hintergründe einer notwendigen Debatte - 196 Seiten, Tectum Verlag 2014, 18,45 Euro
Europa wird weltanschaulich vielfältiger. Der Autor Ulf Faller sieht in der zunehmenden Vielfalt eine Chance in Zeiten wachsender globaler Herausforderungen. Das Miteinander von Menschen unterschiedlichster Religionen und Weltanschauungen allerdings muss erlernt werden. Hierbei spielt die Schule eine zentrale Rolle. Voraussetzung für das Gelingen eines weltanschaulich neutralen Staates ist, dass die gemeinsame Wertebasis eben nicht religiös definiert wird. Der immer wieder aufflammende Streit um Kreuze in Klassenzimmern zeigt deutlich die Gefahren eines "Kulturkampfes in Schulräumen". Während die Kreuz-Befürworter "unsere Kultur" als "christliches Abendland" etikettieren, zeigt Ulf Faller, dass die unsere Gesellschaft bestimmenden Grundwerte viel treffender in Antike und Aufklärung wurzeln. Dementsprechend sieht der Autor die Notwendigkeit, das Schulwesen säkular zu gestalten und zeigt praktische Konsequenzen für den Schulalltag auf. Im Besonderen unterstreicht er die Wichtigkeit eines Philosophie- und Ethikunterrichtes, an dem alle Schüler unabhängig von ihrem Bekenntnis gemeinsam teilnehmen.

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Anton A. Bucher - Der Ethikunterricht in Österreich: Politisch verschleppt - pädagogisch überfällig! - 128 Seiten, Verlag: Tyrolia 2014, 14,95 Euro
Seit dem Schuljahr 1997/1998 wird in Österreich in der Sekundarstufe II (ab 14 Jahren) Ethik als Schulversuch unterrichtet. Obwohl die erste Evaluation im Jahr 2001 positive Ergebnisse erbrachte, ist Ethik noch immer nicht in den regulären Unterricht aufgenommen worden. Einige Gründe: Uneinigkeit der politischen Parteien, das Beharren der Kirchen, den Ethikunterricht nur als Ersatzfach für diejenigen Schüler, die sich vom Religionsunterricht abmelden, anzuerkennen, Das sei ein bildungspolitischer Skandal, ist der an der Universität Salzburg lehrende Religionspädagoge und Erziehungswissenschaftler Anton A. Bucher überzeugt. Er ist von Beginn an involviert und hat 2001 die vom Bundesministerium in Auftrag gegebene Evaluation durchgeführt (Ethikunterricht in Österreich. Bericht der wissenschaftlichen Evaluation der Schulversuche, Tyrolia 2001). In diesem Buch erzählt er die "unendliche" Geschichte des Schulversuches vom Beginn an bis zum November 2013, stellt die Ergebnisse einer Studie im Frühjahr 2013 vor, wie 1800 SchülerInnen den Unterricht bewerten, was sie lernen und von ihm glauben zu profitieren. Der Autor führt die politischen Hindernisse an, erzählt vom Parteien-Hick-Hack und wie die Kirche(n) ihre Monopolstellung(en) durch Verhinderung ausnützt. Bei aller Kritik vergisst er nie aufzuzeigen, wie sich Kirche und Staat den neuen Herausforderungen stellen können, ohne dass der Religionsunterricht auf der Strecke bleibt. Zum Abschluss stellt er seine Vision eines allgemein verpflichtenden Unterrichtsgegenstandes "Ethik und Religion" vor, der idealerweise in Kooperation zwischen den Religionsgemeinschaften und dem Staat zu entwickeln wäre.
Soweit die Selbstdarstellung des Buches, Eytan Reif von der "Initiative Religion ist Privatsache" vermerkte zum obigen Schlusssatz: Auch wenn der Verfasser dieser Zeilen dem Vorschlag Buchers, die Religionsgemeinschaften in die Erstellung des Lehrplanes eines Ethik- und Religionenunterrichts miteinzubeziehen skeptisch gegenübersteht, darf nicht übersehen werden, dass das vorliegende Buch, wie kein anderes, eine liberal-laizistische Agende vertritt. Buchers Thesen, die den Interessen seines Brotgebers, der Katholischen Kirche, teilweise diametral entgegenstehen, entstammen offensichtlich einer langjährigen und ehrlichen Auseinandersetzung eines Pädagogen ᄁ und nicht eines Theologen! ᄁ mit einem hochkomplexen und politisch geladenen Forschungsgegenstand. Buchers kompromisslose Loyalität seiner eigenen Wahrheit gegenüber ist, insbesondere für österreichische Verhältnisse, beeindruckend, ja schon fast tragisch.

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Stephan Kalk - Freies Leben - Freier Glaube: Gedanken über humanistische Religion - 104 Seiten, Tectum- Verlag 2014, 10,25 Euro
Nicht wenige Katholiken und Protestanten sehnen sich nach einem Glauben ohne Hierarchie, ohne Bekenntnisse und ohne Dogmenzwang. Doch nur wenige werden bisher von der Existenz von freien religiösen Gemeinden gehört haben. Und doch gibt es sie seit bald 200 Jahren. Doch was wird in ihnen geglaubt? Stephan Kalk ist seit fast 30 Jahren hauptamtlich als Pfarrer, Religionslehrer und Seelsorger in freien Religionsgemeinden tätig. Sein Buch schenkt Einblicke und Ansatzpunkte für eine kritische Auseinandersetzung mit dem traditionellen Christentum einerseits wie für ein modernes und freies humanistisches Religionsverständnis andererseits. Ein Buch für alle, die mit den Problemlösungsversuchen der altbekannten Religionen noch an kein Ende angelangt, sondern weiterhin Suchende geblieben sind. Soweit der Cover-Text. Interessant ist das Buch für jemanden, der aus einer ähnlichen Erfahrung kommt: Sozusagen Religion als eine Art "Lebensmittel" erlebt hat und dann die realen Religionslehren nimmer glauben konnte und nach einer Art gottfreien Ethik sucht, die ihre Religionsbezüge nicht abgestreift hat.

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Gerhard Czermak - Problemfall Religion, Ein Kompendium der Religions- und Kirchenkritik - Tectum-Verlag 2014, 476 Seiten, Euro 25,60
Seneca: "Religion gilt dem gemeinen Mann als wahr, dem Weisen als falsch und dem Herrschenden als nützlich". Wenn Religion zum Problem wird: Skandale um maßlose Verschwendung oder sexuellen Missbrauch, unzeitgemäße Einstellungen zur Rolle der Frau, Verhütung oder Homosexualität, beschämende Positionierung im Nationalsozialismus und anderen faschistoiden Diktaturen die Kirchen stecken tief in der Krise. Die ununterbrochene Kette gravierender Desaster macht es unmöglich, das angebliche überstrahlende Gute zu sehen. Gerhard Czermak geht mit dem Problemfall Religion hart ins Gericht: Seine Anklage gegen insbesondere die christlichen Kirchen ist so breit aufgestellt wie bestürzend konkret untermauert. Dabei wirbelt er nicht bloß Staub aus längst vergangenen Zeiten auf, sondern bringt auch aktuelle Fakten ans Licht, die selbst Gläubigen noch gänzlich unbekannt sein dürften. Aber wen wundert das schon die Kirchen leben eben von der Unkenntnis ihrer Anhänger.

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Emmanuele Bernheim, "Alles ist gutgegangen", Hanser 2014, 208 Seiten, Euro 18,90
"Die Diagnose ist nicht berauschend." 88-jährig erleidet Andrᅡernheim, Kunstsammler in Paris, schillernd, charmant, vital, einen schweren Schlaganfall. Nichts, was sein Leben ausmachte, ist ihm nun mehr geblieben, und so bittet er seine Tochter, ihm den Freitod zu ermöglichen. Mit literarischer Intensität, dicht und präzise, erzählt Emmanu¥ Bernheim, welche unendliche Zumutung dies für die Familie ist, wie sie sich trotz unauflösbarer Gewissenskonflikte gemeinsam auf den Tod zubewegt. Mit großer Offenheit spricht sie über eine der letzten tabuisierten Fragen unserer Zeit und eine sehr persönliche Entscheidung – sie berührt damit jeden von uns. Ein großes Buch über das Glück des Lebens und die Freiheit zu sterben.

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Reza Aslan: Zelot - Jesus von Nazaret und seine Zeit, Rowohlt, 2. Auflage 2013, 384 Seiten, Euro 23,60
Das Buch Zelot richtet sich nicht an den Experten, sondern vielmehr an eine interessierte Leserschaft ohne spezielle altertumswissenschaftliche oder theologische Vorkenntnisse. In typisch amerikanischer Manier schafft Aslan es hier, ein praktisch voraussetzungsloses, sehr gut und spannend geschriebenes Buch zu präsentieren. Das Werk von Reza Aslan eignet sich hervorragend dazu, dem christlich geprägten Leser ein realistischeres Christusbild zu vermitteln. Die radikalen Konsequenzen dieser Forschungsergebnisse werden vom Autor nicht gezogen.

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Alfred Binder, Jahwe, Jesus und Allah. Eine kurze Kritik der monotheistischen Götter, Alibri-Verlag 2013, 165 S. 10,30 Euro
Das Buch setzt sich mit den Religionen auseinander, die uns tagtäglich begegnen: Christentum, Islam und Judentum. Während der erste Band der Reihe, Religion, die grundsätzliche und allgemeine Kritik an Religion zusammenfasste, wendet sich Alfred Binder nun verstärkt konkreten Fragen und spezifischen Problemen der monotheistischen, "abrahamitischen" Religionen zu. Binder stellt den Wahrheitsanspruch der monotheistischen Religionen auf den Prüfstand, untersucht ihre phantastischen Behauptungen und erläutert, warum diese noch immer viele Menschen ansprechen und manche sogar in psychische Abhängigkeiten führen. Der Band macht auch deutlich: Intoleranz war und ist in das Fundament dieser Religionen eingezogen.

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Bruno Tellia / Berthold Löffler - Deutschland im Werte-Dilemma. Kann der Islam wirklich zu Europa gehören? Olzog 2013; 270 S.; Euro 28,70
Prof. Dr. Bruno Tellia ist Professor für Industriesoziologie an der Universität Udine und Mitglied eines europaweiten Netzwerkes zur Förderung einer europäischen Staatsbürgerschaft. Arbeitsschwerpunkte: Soziologie der Industrie, des Arbeitsmarktes, des Unternehmertums und der Weiterbildung. Zu diesen Themen hat er auch in englischer Sprache veröffentlicht: The Entrepreneur’s Role in Building a ‚New‘ Economic and Social System und Industrial Clusters in Eastern Europe. Außerdem forscht Tellia zum Thema »Verhandlungen in Situationen mit harten und emotional besetzten Interessenkonflikten«. Aktuell beschäftigt er sich mit den Folgen von Wanderungsbewegungen auf das religiöse Verhalten und mit der Rolle der Religionen bei der Integration von Einwanderern in Italien, insbesondere mit der Rolle des Islam. Prof. Dr. Berthold Löffler M.A., Verwaltungsassessor, hat Politikwissenschaft, Geschichte, Soziologie, Öffentliches Recht in Tübingen und Warschau studiert. Seit 1995 ist er Professor für Politikwissenschaft an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Seine derzeitigen Lehrgebiete sind Integrationssoziologie und Empirische Sozialforschung; Arbeitsschwerpunkt: Probleme der Integration von Einwanderern. Zahlreiche Veröffentlichungen, u.a. verschiedene Aufsätze zu Integrationsfragen, zur Leitkultur und zu den kulturellen und rechtlichen Aspekten von Ehegattennachzug und Familienzusammenführung. 2011 erschien seine Monografie Integration in Deutschland. Zwischen Assimilation und Multikulturalismus.

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Arzu Toker: Kein Schritt zurück, 157 Seiten, Alibri-Verlag 2013, Euro 12.40
Was bedeutet Ehre im Islam? Um wessen Ehre geht es? Arzu Toker setzt sich literarisch mit dem Verständnis von Ehre auseinander. Das ursprünglich für den Hörfunk verfasste Feature Die Balkonmädchen beschreibt den Konflikt zwischen dem Drängen junger Migrantinnen in Deutschland, frei zu leben, und den traditionellen Anforderungen ihrer Herkunftsfamilien. In dem Prosatext Verschenkte Freiheit klagt eine Mutter voller Wut und Schmerz über den Verlust ihrer Tochter an eine islamische Sekte. Das Nachwort ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Freiheit. Die Freiheit von religiösen Zumutungen. Die Freiheit von nationalen Fesseln. Ein Plädoyer für eine Utopie der Entwicklung gemeinsamer grenzüberschreitender Werte.

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Stefan Graf, Darwin im Faktencheck - Moderne Evolutionskritik auf dem Prüfstand - 390 Seiten, Paperback - Tectum Verlag 2013, Euro 20,50
Ist die so fest etablierte Evolutionstheorie Charles Darwins in Wahrheit ein kapitaler Irrtum? Fußt sein Abstammungsmodell auf wissenschaftlich nicht mehr haltbaren Fehleinschätzungen? Und war Darwin selbst ein populistischer Blender, mit dem einzigen Ziel den eigenen Wohlstand zu wahren?
Diese Vorwürfe erheben Darwins Kritiker: Eine Unzahl von Zufällen im Zusammenspiel mit einem auf Mord- und Totschlag basierenden Überlebenskampf hätte doch niemals eine so stabile Koexistenz der heutigen Vielfalt an Lebensformen hervorbringen können, meint sie. Zudem habe Darwins Lehre den Gräueltaten der "Rassenhygiene" der Nazis den Weg bereitet. Es gelte ein Darwin-Komplott zu sprengen - geschmiedet von Wissenschaftskapazitäten, die wider besseres Wissen an einem völlig überholten Modell festhalten. Der Diplombiologe und Wissenschaftsjournalist Dr. Stefan Graf geht den provokanten Einwänden dieser "Antidarwinisten" unvoreingenommen, spannend und nicht ohne Humor auf den Grund und prüft ihre Argumente auf Stichhaltigkeit. Er bezieht auch den immer wieder brodelnden Konflikt zwischen Naturwissenschaft und religiösem Glauben mit ein und kommt zu klaren Ergebnissen.

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Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin: Bericht und Argumentation - 280 Seiten, Verlag: C.H.Beck, 4.(!!) Auflage Nov. 2013, erschienen im August 2013, Euro 20,50
Heute fragen sich viele Menschen, ob sie noch Christen sind. Andere wollen es wieder werden und suchen nach Wegen. Kurt Flasch erzählt - ausgehend von seiner Herkunft aus einer liberal-katholischen, kulturell und politisch engagierten Familie -, wie er ins Zweifeln am Christentum gekommen ist. Er bespricht die Hauptpunkte der christlichen Lehre in ihrer katholischen wie evangelischen Form und wendet sich an jeden Gläubigen und an jeden Ungläubigen, der seine Gründe prüfen will, warum er Christ ist.
Kurt Flasch ist Fachmann für antike und mittelalterliche Philosophie. Er hat sich ein Leben lang mit den Quellen zu dieser Zeit und deshalb auch mit dem Christentum befasst. Er erläutert argumentierend in persönlich gefärbter Darstellung, warum er kein Christ ist. Die Kritik gilt der christlichen Lehre, nicht dem Zustand der Kirchen.
Das Buch ist keine Autobiographie und keine Kampfschrift. Es bemüht sich um historische Gerechtigkeit, benennt die christlichen Überzeugungen genau und mit geschichtlichem Verständnis, bringt aber an Details nur das, was nötig ist, um zu einem sachlichen Urteil zu kommen. Flasch prüft aus den Quellen heraus die katholischen und evangelischen Varianten der christlichen Lehren und begründet, warum er von ihnen keinen weiteren Gebrauch machen wird.

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Gerd Lüdemann: Der echte Jesus. Seine historischen Taten und Worte. Ein Lesebuch. Zu Klampen Verlag 2013, 117 Seiten, Euro 10,10
Gerd Lüdemann hat in seinem großen Werk "Jesus nach 2000 Jahren" nachgewiesen, dass die meisten Taten und Worte Jesu im Neuen Testament auf Fälschungen zurückgehen. Nun präsentiert er in einem Lesebuch, welche Worte echt sind und welche Taten Jesus wirklich vollbracht hat. Jesus von Nazareth ist für das christliche Abendland die wichtigste Person. Über ihn sind Bibliotheken zusammengeschrieben worden. Die meisten Jesus-Bücher sind jedoch wertlos, da sie naiv den geglaubten Christus für den historischen Jesus ausgeben. Inzwischen ist sich die internationale kritische Forschung darüber einig, dass die meisten Worte Jesu nachträgliche Zuschreibungen und das Gros seiner Taten Projektionen sind. In seinem großen analytischen Werk "Jesus nach 2000 Jahren" legte Gerd Lüdemann vor mehr als einem Jahrzehnt den Stand der exegetischen Forschung zugrunde und fand nur wenige echte Jesustaten und -worte in den Evangelien. Er präsentiert nun diese Minderheit der echten Taten und Worte Jesu in einem neuen, handlichen Buch, das sich auf einen breiten wissenschaftlichen Konsens berufen kann, und hofft, auf diese Weise dem Mann aus Nazareth historisch näher zu kommen.

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Frank Deppe, Autoritärer Kapitalismus. Demokratie auf dem Prüfstand - VSA-Verlag 2013, 299 Seiten, Euro 25,40
Frank Deppe stellt Demokratietheorien auf dem Prüfstand, er untersucht das widersprüchliche Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie, beleuchtet die Entwicklung der Weltmächte und der demokratischen Bewegungen von unten. Die Vertreter der liberalen Demokratie verstehen diese als ein evolutionäres Zivilisationsmodell, das seine Ursprünge in der griechischen Antike hat und seit dem 16. Jahrhundert mit dem Denken des Rationalismus und der Aufklärung sowie seit dem 19 Jahrhundert mit der modernen bürgerlich-kapitalistischen Industriegesellschaft verbunden ist.
Fortschritt setzt sich danach in mehreren Demokratisierungswellen durch: die erste im Zuge der Auseinandersetzungen um das Wahlrecht, die zweite nach dem Sieg über den Faschismus in Europa, die dritte ab Mitte der 1970er Jahre nach dem Sturz der Diktaturen in Südeuropa und Lateinamerika sowie dem Ende der Systemkonkurrenz nach 1989. Offen bleibt, ob der "arabische Frühling" eine vierte Welle angestoßen hat, die bis in die Türkei und nach Brasilien reicht.
Doch Demokratie ist auch mit ganz anderen Bedeutungen besetzt von den Protagonisten einer sozialen Demokratie bis hin zu Sozialisten, die Eingriffe in die Eigentumsordnung, Umverteilung, umfassende Sozialgesetze und das Recht auf Bildung autonomer Parteien und Gewerkschaften fordern. Demokratie wurde also im Verlauf der Geschichte immer wieder von verschiedenen sozialen Kräften unterschiedlich ausgedeutet und erstritten.
Frank Deppe geht in diesem Buch der Frage nach, ob sich im 21. Jahrhundert das für die liberalen Konzeptionen konstitutive Bedingungsverhältnis von Kapitalismus, Freiheit und Demokratie erneut, aber auf neue Weise zersetzt. Präziser: Ob die Große Krise seit 2008 die Wende zu einem autoritären Kapitalismus beschleunigt hat.
Diese Fragestellung wird erweitert durch eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Entwicklung in den USA ("one dollar one vote"), in Russland (das System Putin) sowie in China und Indien als neuen Großmächten auf der Weltbühne. Abschließend wird diskutiert, wieweit demokratische Bewegungen von unten Gegengewichte gegen die autoritäre Wende mobilisieren können.

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Lawrence Wright: Im Gefängnis des Glaubens: Scientology, Hollywood und die Innenansicht einer modernen Kirche. Deutsche Verlags-Anstalt 2013, Gebundene Ausgabe, 624 Seiten, Euro 25,70
Die Sekte der Stars: Was Scientology so attraktiv und gefährlich macht - Scientology ist eine der umstrittensten sogenannten neuen religiösen Bewegungen. In Deutschland wird die Organisation vom Verfassungsschutz beobachtet. Was aber macht Scientology immer wieder attraktiv für Menschen auch in Deutschland? Warum hat Scientology so große Anziehungskraft gerade auf Hollywood?
In seinem neuen Buch begibt sich der Pulitzer-Preisträger Lawrence Wright in das Herz von Scientology. Nach jahrelangen Recherchen im Umfeld der Organisation schildert er ihre Gründung durch den Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard, die bizarr anmutenden Glaubensinhalte und die aggressiven Praktiken gegenüber Mitgliedern, Abtrünnigen und Kritikern. Seine Gespräche mit dem Filmregisseur und Ex-Mitglied Paul Haggis verschafften Wright tiefe Einblicke in die auffällig enge Beziehung gerade von Filmschaffenden – unter ihnen etwa Tom Cruise und John Travolta – zu Scientology.

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Daniel Bühling, Das 11. Gebot: Du sollst nicht darüber sprechen. Dunkle Wahrheiten über das Priesterseminar - Riva-Verlag 2013 - 224 Seiten, Euro 20,60
Ein ungeschönter Bericht aus der Welt der Scheinheiligkeit und Doppelmoral. Er ist jung und idealistisch, als er beschließt, Priester zu werden. Doch Daniel Bühling hat keine Ahnung, was ihn in seiner Ausbildung erwartet. Er gerät in die Parallelwelt des Priesterseminars, in der Homosexualität verteufelt und zugleich im Verborgenen ausgelebt wird und Psychosen und Wahnvorstellungen, perfide Machtspielchen und Alkoholmissbrauch an der Tagesordnung sind. Daniel Bühling hat den Mut, aus den Priesterseminaren der katholischen Kirche zu berichten. Er scheut sich nicht, offen kritische Fragen zu stellen, und liefert aus seiner eigenen Erfahrung bestürzende Antworten.

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Dirk Verhofstadt, Pius XII. und die Vernichtung der Juden - 448 Seiten - Alibri Verlag 2013, Euro 26,70
Dirk Verhofstadt analysiert die Politik des Vatikans während der Periode des europäischen Faschismus im Spannungsfeld von moralischem Anspruch und weltlichen Interessen. Dazu spannt er den Bogen etwas weiter und behandelt nicht nur das Verhältnis Pius XII. zum Nationalsozialismus in den Jahren des Zweiten Weltkrieges. Er untersucht die frühen Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft und die Haltung des Vatikans zu den katholisch ausgerichteten faschistischen Regimen. Und er wirft einen Blick darauf, wie die katholische Kirche sich nach 1945 mit ihrem Verhältnis zum Faschismus auseinandersetzte.
Aus dem Inhalt: Die Heiligsprechung von Pius XII.* Mörder Gottes * Was wusste der Papst? * Hat der Papst geschwiegen? * Angst vor dem Kommunismus * Die Nürnberger Rassengesetze * Gottgläubigkeit und Ahnenerbe * Der Krieg in Polen * Der Krieg in Westeuropa * Die Endlösung der Judenfrage.

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Fidelius Schmid, Gottes schwarze Kasse - Der Papst und die zwielichtigen Geschäfte der Vatikanbank, Eichborn 2013, 272 Seiten, Euro 20,60
Finanziert sich die Kirche mit kriminell erwirtschaftetem Geld? Geldwäsche für die Mafia, Beihilfe zur Steuerhinterziehung, verdeckte Parteienfinanzierung, Betrügereien, Millionen an Schmiergeldern und Schwarzgeld - bei all dem soll man nicht an die katholische Kirche denken. Tatsächlich aber gibt es im Vatikan einen Ort, an dem all dies Alltag war und teilweise bis heute ist: die Vatikanbank. Offiziell firmiert die Bank unter dem Namen "Institut für Religiöse Werke". Doch mit christlicher Moral und Wohltätigkeit hat die Realität dieser Institution, die am liebsten im Geheimen operiert, nur wenig zu tun. Dieses Buch zeigt zum ersten Mal die skandalbeladene Geschichte der Vatikanbank von ihrer Gründung bis heute. Es basiert auf umfangreichen Hintergrundrecherchen und teilweise auf neuen, bislang geheimen Dokumenten. Die Vatikanbank ist die schwarze Kasse der katholischen Kirche. Gottes schwarze Kasse.

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Boualem Sansal,  Allahs Narren: Wie der Islamismus die Welt erobert - 164 Seiten - Merlin-Verlag, Euro 15,40
Zum Autor: Boualem Sansal, geboren 1949, begann im Alter von 50 Jahren die literarische Karriere des gelernten Ingenieurs und Ökonoms. Boualem Sansals erster Roman wurde von der Kritik gefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Als Direktor im algerischen Industrieministeriums wurde er jedoch entlassen. In seinem gesamten Werk setzt sich der international renommierte Autor auf bisher ungehörte Weise mit der traumatischen Situation in Algerien auseinander und macht deutlich, dass die Situation in Nordafrika viel mit Europa zu tun hat. 2011 wurde Boualem Sansal mit dem "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" ausgezeichnet.
Eine Kundenrezension zum Buch, Verfasser ist ein aus der Elfenbeinküste vor muslimischen Mördern geflüchteter Asylant in der BRD: Dieses Buch zeigt die mangelnde Integration der Moslems in die europäische Gesellschaft und zeigt auch die ersten Opfer des Islams: die Kinder und die Frauen! Bei den schwächsten Gliedern der Gesellschaft wird der Hebel angesetzt: die Kinder werden in gehirntötende Koranschulen gesteckt, die Frauen verschleiert wie Vieh im Haus gehalten. Die neue Generation von 1 Milliarde gehirngewaschenen neuen Aspiranten steht Gewehr bei Fuß und lebt geistig noch im tiefen Mittelalter.
Ein gewaltiger Rückschritt für die gesamte Menschheit ist es, dass hier Heerscharen von bedürftigen oder schutzlosen Menschen regelrecht abgerichtet werden. Der schöne Islam mit Minaretten und Paradiesen und ehrwürdigen Gelehrten mag irgendwo existieren, aber 99% aller Gläubigen haben dazu keinen Zugang. Die Wirklichkeit sieht man auf tausenden von youtube-Filmen! Hier wird stolz, sehr stolz, im Namen Allahs gefoltert, gemordet, geschlachtet, vergewaltigt und alle finde sich toll, denn Allah findet das sicher auch ganz hervorragend, Allah al akbar- dieser Allah, dem es gefällt, dass man Menschen den Bauch aufschlitzt! Um das machen zu können, benötigt man ein langes Koranstudium - dieses Buch, das einst für Hirten der Steinzeit geschrieben wurde - und wenig Liebe zu Mitmenschen. Frauen hinter Gardinen verbergen, sie züchtigen, hungrigen Ladendieben die Hand abhacken, alle nicht Gläubigen verfolgen: ist das eine Religion unserer Welt?, fragt der Algerier Sansal mit Recht!

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Rauf Ceylan, Michael Kiefer - Salafismus: Fundamentalistische Strömungen und Radikalisierungsprävention - 180 Seiten- Springer Verlag 2013, Euro 20,60
Neo-Salafistische Gruppierungen haben in den letzten Jahren die Diskussionen über den Islam in Deutschland stark geprägt. Trotz der religionspädagogischen und integrationspolitischen Relevanz fehlen weitgehend Erfahrungen mit Präventionsmaßnahmen gegen diese Strömung. Vor diesem Hintergrund verfolgt der vorliegende Band das Ziel, einen kompakten Überblick über die historischen Wurzeln und die politisch-theologischen Ideologien dieser fundamentalistischen Bewegungen zu geben. Als zweiter Themenschwerpunkt werden spezifische Präventionsmaßnahmen für den islamischen Religionsunterricht, für die Jugend- und Gemeindearbeit vorgestellt und kritisch eingeordnet sowie auf die Defizite in den unterschiedlichen Handlungsfeldern einer Präventionsarbeit hingewiesen.

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Ulrich Kutschera, Design-Fehler in der Natur: Alfred Russel Wallace und die Gott-lose Evolution, Lit Verlag 2013, 378 Seiten, Euro 20,50
Da bei oberflächlicher Betrachtung der Natur die Pflanzen und Tiere geordnet und geplant erscheinen, haben christliche Theologen im 18. Jh. die Existenz eines "Designer-Gottes" postuliert. Ausgehend von Leben und Werk von Alfred Russel Wallace (1823 - 1913) wird dargelegt, dass es in der Natur weder eine übergeordnete Intelligenz, noch einen Plan gibt. Lebewesen sind die Produkte einer nach Zufall und Notwendigkeit verlaufenden, richtungslosen Evolution. Das "Wallace-Prinzip der Eigeninitiative und Freidenker-Mentalität" wird vorgestellt, und das populäre "Intelligent Design-Konzept" als christlich-religiöser Wunderglaube enttarnt.

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Sebastian Bartoschek / Alexa Waschkau: Ghosthunting. Auf Spurensuche im Jenseits. Alibri-Verlag, ca. 180 Seiten, kartoniert, Euro 14,40
"Ghosthunting" ist ein verbreitetes Phänomen, auch in Deutschland gibt es zahlreiche Gruppen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, "Geistern" nachzustellen, wenn berichtet wird, dass irgendwo derartige Wesen ihr Unwesen treiben.Die beiden Autoren stellen die Geschichte der Geisterjagd dar, analysieren Motivation und Intention der Geisterjäger und präsentieren natürliche Erklärungen für Spukphänomene. Exemplarisch wird eine "Paranormale Untersuchung" durchgeführt, mittels derer überprüft werden kann, ob ein Phänomen vorliegt, das den Erkenntnishorizont der Wissenschaft übersteigt. Daneben kommen in 11 Interviews Ghosthunter selbst zu Wort.

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Bernd Kramer: Erleuchtung gefällig? Ein esoterischer Selbstversuch - Ch. Links Verlag, Berlin 2013, 208 Seiten, 17,40 Euro
Pendeln, Tarot, Rutengehen und Geistheilerei - es gibt kaum etwas, woran nicht geglaubt wird. Fast 40 Prozent der Deutschen sind laut Umfragen der Astrologie gegenüber aufgeschlossen. Bis zu 25 Milliarden Euro geben die Deutschen jedes Jahr für esoterische Mittel aus. Die Esoterik ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Warum schwören so viele Menschen auf offensichtlichen Unsinn? Bernd Kramer geht diesen Fragen nach und unternimmt dafür einen esoterischen Selbstversuch. Er taucht in die Szene ein: Bei einer Reinkarnationstherapie geht er seinem früheren Leben als Mönch nach; er hat erstaunlichen Erfolg als Berater bei einer Astro-Hotline; und auf einer Esoterik-Messe repariert er mittels Rückenkratzer, Salzstreuer und in »Transzendenzzapfen« umgetauften Weihnachtsschmuck die beschädigte Aura seiner begeisterten Kundschaft. Nach dem Lesen dieser Reportage freut man sich wieder auf den gesunden Menschenverstand.

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Eva Müller, Gott hat hohe Nebenkosten: Wer wirklich für die Kirchen zahlt - 208 Seiten - Verlag Kiepenheuer&Witsch, 5. Auflage 2013, Euro 15,40
Seit neun Jahren leitet Bernadette Knecht einen katholischen Kindergarten bei Bonn. Sie ist kompetent, engagiert und beliebt. Aber als ihre Ehe zerbricht und sie sich neu verliebt, wird sie entlassen. Sie hat gegen die Moralvorstellungen der katholischen Kirche verstoßen. Die Eltern sind entsetzt – und wütend. Sie wollen ihre Kindergärtnerin behalten und gehen auf die Barrikaden. Dabei machen sie eine erstaunliche Entdeckung: Die Kirche bestimmt, aber sie zahlt nicht – der Kindergarten wird von ihnen selbst, vom Staat finanziert. Eva Müller erzählt die Geschichte einer Auseinandersetzung, die sinnbildlich für die Konflikte zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in konfessionellen Einrichtungen steht. Anhand weiterer Beispiele aus dem ganzen Land beleuchtet sie Arbeitsbedingungen von Ärzten, Pflegern und Lehrern. Dabei stellt sie fest, dass die Anzahl katholischer und evangelischer Einrichtungen immer weiter steigt, während die Zahl der Kirchenmitglieder immer weiter sinkt. Eva Müller blickt in diesem Buch hinter die Kulissen des zweitgrößten deutschen Arbeitgebers; sie schildert, wie die Kirchen den Markt dominieren, was das für Arbeitnehmer bedeutet und wer den Preis dafür zahlt. Anschaulich, informativ und kritisch: »Gott hat hohe Nebenkosten« fragt danach, welchen Einfluss die Kirchen heute haben – und welchen sie haben sollen.

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Denn ich sah eine neue Erde - Thomas Müntzer - Theologe, Reformator, Revolutionär - DDR TV-Archiv, vier Teile auf 2 DVDs, 235 min. Preis je nach Anbieter 15 bis 20 Euro
1520 droht der Papst dem deutschen Theologen Martin Luther wegen seiner ketzerischen Thesen mit der Exkommunizierung. Doch dieser verbrennt die päpstliche Bulle demonstrativ. Während sich Kurfürst Friedrich der Weise schützend vor den Reformator stellt, schickt Luther seinen Anhänger Thomas Müntzer nach Zwickau. Müntzer soll dort als Prediger die neue Theologie durchsetzen. In Zwickau sieht sich Müntzer erstmals mit der Armut und großen Not des Volkes konfrontiert. Er setzt sich in der Folgezeit immer radikaler für eine Umverteilung des Reichtums ein und zieht sich mit seinen sozialrevolutionären Schriften den Zorn Luthers zu. Im Bauernkrieg 1525 führt Müntzer die aufständischen Bauern in der Schlacht bei Frankenhausen gegen das überlegene Fürstenheer und endet wie man in den wahrhaft christlichen Zeiten eben endete, wenn man sich für die Mühseligen und Beladenen einsetzte: am Schafott. Die DDR-Version des Lebens von Thomas Müntzer ist klarerweise aus marxistischer Sicht gestaltet und zeigt dabei auch die Vielseitigkeit der Bibel, weil dort stehen auch Sprüche, die durchaus kommunistisch anmuten und von den Befreiungstheologen im selben Sinn angewendet werden wie von Müntzer, nämlich mit der Schlussfolgerung drei Jahrhunderte nach Müntzer von Georg Büchner: Friede den Hütten, Krieg den Palästen.

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Rachid Boutayeb / Michael Roes - Der eifersüchtige Gott Ein Gespräch - Alibri Verlag 2013, 91 Seiten, kartoniert, Euro 9.25
Ein philosophisches Gespräch über Religion, über Gottesbilder, Ironie, Politik und den säkularen Staat. In diesem ᄁwest-östlichenᄁ Dialog treffen sich zwei Intellektuelle mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund und reflektieren die Möglichkeit von Aufklärung.

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Robert S. Wistrich - Muslimischer Antisemitismus: Eine aktuelle Gefahr (aus der Reihe Studien zum Antisemitismus) Verlag: Edition Critic, 2. Auflage 2013, 164 Seiten, Euro 15.30
Die Political Correctness spielt ihre ganz eigene, den Westen lähmende Rolle, sobald ein Wissenschaftler oder Journalist versucht sich mit einem beliebigen Aspekt des Islam zu befassen. Selbst die fürchterlichsten Taten derer, die ohne zu zögern unschuldige Zivilisten im Namen des Jihad gegen die ᄁFeinde des Islamᄁ opferten, führten zu zweideutigen und zögerlichen westlichen Reaktionen, wenn es darum ging, die involvierten Doktrinen des Islam zu kritisieren. Der Krieg gegen Al-Qaida wurde von den Präsidenten Bush und Obama sinnentleert als ein ᄁKrieg gegen den Terrorᄁ bezeichnet, um eine Beleidigung des Islam als Religion zu vermeiden – dabei wurde doch der Islam aus politischen Gründen bereits von den Jihadisten gekapert. Das Buch ist eine gute Einführung in die antijüdische Haltung von Muslimen.

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Ulrich Kutschera - Design-Fehler in der Natur: Alfred Russel Wallace und die Gott-lose Evolution - Lit Verlag 2013, 378 Seiten, Euro 20.50
Da bei oberflächlicher Betrachtung der Natur die Pflanzen und Tiere geordnet und geplant erscheinen, haben christliche Theologen im 18. Jh. die Existenz eines "Designer-Gottes" postuliert. Ausgehend von Leben und Werk von Alfred Russel Wallace (1823 - 1913) wird dargelegt, dass es in der Natur weder eine übergeordnete Intelligenz, noch einen Plan gibt. Lebewesen sind die Produkte einer nach Zufall und Notwendigkeit verlaufenden, richtungslosen Evolution. Das "Wallace-Prinzip der Eigeninitiative und Freidenker-Mentalität" wird vorgestellt, und das populäre "Intelligent Design-Konzept" als christlich-religiöser Wunderglaube enttarnt.

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Matthias Glaubrecht - Am Ende des Archipels - Alfred Russel Wallace - Galiani-Verlag 2013, 448 Seiten, Euro 25,70
Charles Darwin und die Evolutionstheorie kennt heute (nahezu) jeder. Darwins Werk ᄁDie Entstehung der Artenᄁ erlangte Weltruhm und seine Erkenntnisse sind (zumindest in der zivilisierten westlichen Welt) vollständig anerkannt. Doch wer war Alfred Russel Wallace? Matthias Glaubrecht widmet sich in seinem neuen Buch diesem unbekannten britischen Naturforscher und leidenschaftlichen Sammler, der schon zu Lebzeiten stets im Schatten des ᄁgroßen Darwinᄁ stand. Die Biographie ist überaus gut lesbar, informativ und unterhaltsam. Detailreich, aber nie ermüdend schildert er Leben und Wirken des Mannes, der nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, dass Darwin seine Theorie überhaupt veröffentlichte. Das Manuskript lag nämlich jahrelang in der Schublade und erst als Wallace (mit dem er in Briefkontakt stand) ihm seine eigenen Erkenntnisse über den Wandel und die Entstehung von Arten bei Tieren und Pflanzen mitteilte, entschloss sich Darwin, sein Buch in Druck zu geben. Darwin wurde berühmt - Wallace vergessen.

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Martin A. Nowak mit Roger Highfield, Kooperative Intelligenz. Das Erfolgsgeheimnis der Evolution. Aus dem Englischen von Enrico Heinemann, München 2013 (C. H. Beck-Verlag), 347 Seiten, Euro 25,70
Martin Nowak, ein weltweit führender Experte im Bereich Evolution und Spieltheorie, erklärt in seinem fesselnden, zugänglichen Buch, warum Kooperation - und nicht Egoismus - der Schlüssel zum Spiel des Lebens ist. Die brillante Antwort auf Frank Schirrmachers Bestseller "Ego".
Im Spiel des Lebens treibt uns das Streben nach Erfolg an. Wir alle wollen Sieger sein. Selbst unsere Gene, so heißt es, seien egoistisch. Aber Konkurrenz erzählt nicht die ganze Geschichte der Biologie. Etwas Grundlegendes fehlt. Um zu überleben, betreiben die Geschöpfe jeder Spezies und auf jeder Stufe der Komplexität auch Kooperation. In der menschlichen Gesellschaft ist Kooperation sogar allgegenwärtig. Selbst einfachste Abläufe bestehen aus mehr Zusammenarbeit, als man meinen könnte. Dabei beschränkt sich Kooperation nicht darauf, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Kooperation bedeutet darüber hinaus, dass Menschen, die potenziell Konkurrenten sind, stattdessen beschließen, einander zu helfen. "Kooperative Intelligenz" entschlüsselt das Rätsel, wie es dazu kommt und warum auf lange Sicht Kooperation immer gewinnt. Es erweitert unser Verständnis von Evolution und Solidarität und hat das Zeug, Debatten auszulösen.

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Heiner Jestrabek (Hg.) Frühe deutsche Religionskritik. Edition Spinoza im Verlag Freiheitsbaum 2012. Reutlingen und Heidenheim 2013, 186 S. m. Abb. Klappenbroschur. 14 Euro.

Aufklärung war Ende des 17./Anfang des 18. Jahrhunderts auch in Deutschland dringend geboten, aber für deren Protagonisten äußerst gefährlich. Die clandestinen Schriften wurden verboten und öffentlich verbrannt, die Autoren scharf verfolgt und mit dem Tod bedroht. Dennoch fanden einige den Mut ihre Stimme zu erheben: Matthias Knutzen verteilte in Jena atheistische Flugschriften ("Überdies leugnen wir das Dasein eines Gottes, wir verachten die Obrigkeit und verwerfen alle Kirchen und Priester"), das anonym erschienene Buch Von den drei Betrügern unterstellte allen drei Begründern der monotheistischen Religionen (Moses, Jesus, Mohammed) Betrugsabsichten. Hermann Samuel Reimarus entlarvte in seiner Schrift (von G. E. Lessing als Fragment eines Ungenannten veröffentlicht) die Apostelgeschichten als widersprüchlich und erdichtet und plädierte eindringlich für religiöse Toleranz.

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Lawrence Wright, Im Gefängnis des Glaubens. Scientology, Hollywood und die Innenansicht einer modernen Kirche. Deutsche Verlags-Anstalt 2013, 624 Seiten, EUR 25,70
Die Sekte der Stars: Was Scientology so attraktiv und gefährlich macht. Scientology ist eine der umstrittensten sogenannten neuen religiösen Bewegungen. In Deutschland wird die Organisation vom Verfassungsschutz beobachtet. Was aber macht Scientology immer wieder attraktiv für Menschen auch in Deutschland? Warum hat Scientology so große Anziehungskraft gerade auf Hollywood?
In seinem neuen Buch begibt sich der Pulitzer-Preisträger Lawrence Wright (»Der Tod wird euch finden« über Al-Qaida) in das Herz von Scientology. Nach jahrelangen Recherchen im Umfeld der Organisation schildert er ihre Gründung durch den Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard, die bizarr anmutenden Glaubensinhalte und die aggressiven Praktiken gegenüber Mitgliedern, Abtrünnigen und Kritikern. Seine Gespräche mit dem Filmregisseur und Ex-Mitglied Paul Haggis verschafften Wright tiefe Einblicke in die auffällig enge Beziehung gerade von Filmschaffenden – unter ihnen etwa Tom Cruise und John Travolta – zu Scientology.

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Jenna Miscavige Hill / Lisa Pulitzer - Mein geheimes Leben bei Scientology und meine dramatische Flucht - btb Verlag 2013, 480 Seiten, Euro 20,60
Jenna Miscavige Hill, die Nichte des Nachfolgers von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard, David Miscavige, wuchs als Scientologin auf, verließ die kontrovers diskutierte Organisation aber im Jahr 2005. In ihrer Biographie enthüllt sie die befremdlichen und verstörenden Details ihrer Kindheit. Sie gibt einen erschütternden Einblick in ihre Erfahrungen als Mitglied der Sea Organization, das Machtzentrum von Scientology, und legt die Überzeugungen, Rituale und Geheimnisse einer Organisation offen, die bereits Hollywood-Stars wie Tom Cruise und John Travolta in ihren Bann gezogen hat. Sie erzählt, wie sie von ihrer Familie abgeschirmt wurde, und berichtet schließlich auch von ihrer mutigen Entscheidung, mit Scientology endgültig zu brechen.

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Helmut Fink (Hg) - Die Fruchtbarkeit der Evolution: Humanismus zwischen Zufall und Notwendigkeit - Alibri Verlag 2013, 296 Seiten, Euro 20,60
Seit Charles Darwin haben die Wissenschaften große Fortschritte gemacht. Der Grundgedanke einer Evolution durch Variation und Selektion hat sich dabei immer wieder als äußerst fruchtbar erwiesen. Doch woraus bezieht die Evolutionsidee ihre Erklärungskraft? Wie sehen die Evolutionsmechanismen im Detail aus? Sind sie bereichsspezifisch oder universell? Ist "kulturelle Evolution" mehr als eine bloße Metapher? Ist Evolution wirklich überall? Neben fachwissenschaftlichen Forschungsergebnissen stehen philosophische und weltanschauliche Überlegungen im Fokus dieses Bandes: Wie verändert die Erkenntnis der Evolution das humanistische Menschenbild? Setzt sich der säkulare Humanismus kulturell durch? Wo endet die Vereinbarkeit von Evolution und Religion?

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Karlheinz Deschner - Die Politik der Päpste - Vom Niedergang kurialer Macht im 19. Jahrhundert bis zu ihrem Wiedererstarken im Zeitalter der Weltkriege - Mit einem Nachwort von Michael Schmidt-Salomon, Alibri-Verlag, ca. 1.231 Seiten, gebunden, Euro 60,65
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Neuausgabe des lange vergriffenen Werkes "Ein Jahrhundert Heilsgeschichte - Die Politik der Päpste im Zeitalter der Weltkriege". In diesem Buch verfolgt Deschner den Weg der Päpste aus ihrer tiefsten Krise. Das voluminöse Werk bildet gleichsam den Schlussstein der monumentalen Kriminalgeschichte des Christentums. Deschners Darstellung beginnt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die katholische Kirche aufgrund europaweiter Demokratisierungsbestrebungen erheblich an Macht verliert und naturwissenschaftliche Erkenntnisse die Grundlagen des Glaubens weithin erschüttern. Gegen beides stemmen sich die Päpste vehement, unter anderem bestrebt, den verlorenen Kirchenstaat wiederherzustellen. Deschner führt die Untersuchung von Pontifikat zu Pontifikat: von Pius IX., dem Verkünder päpstlicher Unfehlbarkeit, zu dem hochpolitischen, wieder die Weltherrschaft erstrebenden Leo XIII.; weiter zu dem antimodernistischen und russenfeindlichen Pius X. und zu Benedikt XV., der im 1. Weltkrieg rechtzeitig die Seiten wechselt und so den Vatikan zu einem der Kriegsgewinnler macht. Pius XI, der einflussreichste Papst des Jahrhunderts, unterstützt Mussolini, Hitler, Franco, den Abessinienkrieg, den Spanischen Bürgerkrieg. Und Pius XII. setzt diesen von ihm seit langem mitbestimmten antikommunistischen Kurs fort - zur Verfolgung und Vernichtung der Juden fast ausnahmslos schweigend und die besonders grauenvolle massenhafte Hinschlachtung orthodoxer Serben durch die katholischen Ustaschen in Kroatien unter Ante Pavelic widerspruchlos duldend.
Deschner weist nach, dass die Stellvertreter Gottes, ihrem moralischen Anspruch entgegen, auch in dieser letzten großen Epoche stets auf der Seite jener Mächtigen standen, von denen sie sich Unterstützung für ihre imperialen Ziele erhofften. Auch mit Johannes XXIII. und dem II. Vatikanischen Konzil änderte sich das nicht wesentlich. Paul VI. setzte alles daran, den sogenannten Reformgeist zu zähmen, und Johannes Paul II. kehrte endgültig zur Machtpolitik unter konservativem Vorzeichen zurück. In einem Nachwort für die Neuausgabe zeichnete Michael Schmidt-Salomon die Entwicklung seit dem Ende des real existierenden Sozialismus nach.

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Uta Griechen / Johannes Schneider - Gibt es Gott, und wenn ja, warum nicht? Atheistin und gläubiger Katholik im Briefstreit - Tectum-Verlag 2013, 247 Seiten, Euro 20,50
Warum können viele Menschen nicht an übernatürliche Dinge glauben - an Götter, Wunder, Unsterblichkeit, eine absolute Wahrheit? Oder an einen "Allmächtigen", der das Weltgeschehen lenkt und dessen Sohn für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist?
Und warum sind sich andere ganz sicher, dass es einen persönlichen Gott gibt, der uns als sein Ebenbild schuf, uns eine Seele einhaucht, unserem Leben einen "höheren Sinn" verleiht und Gläubige mit ewiger Glückseligkeit im Jenseits belohnt?
Ein katholischer Theologe und eine Atheistin diskutieren solche Fragen in einem kontroversen Briefstreit, in gegenseitigem Respekt, aber auch mit knallharten Argumenten. Und beide sind ganz bei der Sache - mit Engagement, Überzeugungswillen und einem hohen Maß an Authentizität. Denn erst spät reifte der Gedanke, diesen Briefstreit um die "ewige Frage" auch zu veröffentlichen.
Herausgekommen ist ein ehrliches und spannendes Buch, das den Leser mitnimmt und ihn herausfordert, selbst Stellung zu beziehen zum Für und Wider der Frage nach Gott.

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Christian Kreiß - Profitwahn: Warum sich eine menschengerechtere Wirtschaft lohnt - 232 Seiten, Tectum-Verlag 2013, Euro 18,50
Die Finanzwirtschaft ist längst mächtiger als die Politik, in unserer Demokratie entscheidet nicht mehr der Mensch, sondern das Geld. Christian Kreiß tritt an gegen die Diktatur der Finanzmärkte und seine eigene Zunft die Wirtschaftsexperten. Sie beraten die Regierungen der Welt und beeinflussen, was der Öffentlichkeit als wissenschaftliche Wahrheit verkauft wird. Mit historischen Fakten und aktuellen Zahlen entlarvt Kreiß das zu bitterem Ernst gewordene Monopoly-Spiel der Finanzindustrie. Der Autor veranschaulicht, wie in der Vergangenheit jede wirtschaftliche Wachstumsphase in sozialem Unfrieden und Chaos endete. Seine erschreckende Bilanz: Wir selbst befinden uns am Ende einer solchen Periode. Es ist höchste Zeit für eine Gesellschaftsordnung, die Mensch und Umwelt gerecht wird. Es gibt einen Weg zwischen Kommunismus und Kapitalismus, der zu Chancengleichheit und einer wirklich freiheitlichen Gesellschaftsordnung führt. Auf dem Spiel stehen ein menschenwürdiges Dasein und echte Demokratie.

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Jakob Augstein: Sabotage. Warum wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden müssen. Carl Hanser-Verlag 2013, 304 Seiten, Euro 19,40
Was lernen wir aus der Geschichte? Bekanntlich nicht viel. Aber diese Lehre von Weimar sollten wir bedenken: Die vernachlässigte Republik ist in Gefahr. In der Finanzkrise haben wir, auch in Deutschland, den moralischen Meltdown des Systems erlebt. Doch anders als nach Fukushima hat die Politik keinen Ausstieg vorgesehen. Darum ist es an der Zeit, wieder zu kämpfen: für Gerechtigkeit, Gesetz, Gleichheit, Demokratie, Freiheit. Der Finanzkapitalismus hat uns diese Begriffe geraubt. Jetzt gilt es, sie zurückzuerobern. Bei der Bundestagswahl die Stimme abzugeben und danach zu schweigen – das ist zu wenig. Im Wahljahr legt Jakob Augstein ein Buch über die Frage vor, was uns wichtiger ist: Demokratie oder Kapitalismus.

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Rita Kuczynski - Was glaubst du eigentlich? Weltsicht ohne Religion - Ch. Links Verlag 2013, 192 Seiten, Euro 17,40
Mehr als ein Drittel der Deutschen ist konfessionslos. Dennoch spielen die Lebensansichten der Menschen ohne Religion in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle. Dabei leben sie keineswegs orientierungslos in dieser Welt. Sie haben eigene Werte und Maßstäbe und lösen ihre Gewissensentscheidungen auf ganz eigene Weise. Rita Kuczynski hat mehr als 50 Nichtreligiöse aus Ost- und Westdeutschland ausführlich befragt, woran sie denn glauben, wenn sie nicht an Gott glauben, worin sie den Sinn ihres Lebens sehen, an welchen Werten sie ihr Handeln ausrichten, wie sie Trost finden und welche Vorstellungen sie vom Tod haben. Die Philosophin und Romanautorin wertet zudem die einschlägige Literatur aus und gibt aufschlussreiche Einblicke in die große Vielfalt weltlicher Grundüberzeugungen.

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Johannes Fischler: New Cage: Esoterik 2.0 - Wie sie die Köpfe leert und die Kassen füllt - Mit einem Vorwort von Univ.-Prof. Dr. Heinz Oberhummer, theoretischer Physiker und Mitglied der bekannten "Science Busters" - Molden Verlag 2013, 288 Seiten, Euro 20,60
Allein in Deutschland setzt die Esoterikindustrie geschätzte 20 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr um. Räucherstäbchen und Alternativ-Chic waren gestern die Branche ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und bedient sich professioneller Geschäftsmodelle und moderner Marketingstrategien, um potenzielle Kunden anzusprechen.
Ob Engelsfestivals, Energiekristalle oder esoterische Selbstfindungsseminare: Der Psychologe und Esoterikexperte Johannes Fischler fühlt der Marketingdramaturgie kritisch auf den Zahn und macht so die Mechanismen der Szene transparent.
Anschauliche Vergleiche mit der bunten Markenwelt internationaler Konzerne, spannende Undercover-Recherchen und erschütternde Berichte von Aussteigern und Betroffenen verdeutlichen die Schattenseiten einer boomenden Industrie, für deren Verlockungen wir anfälliger sind als wir denken.

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Christopher Hitchens: "Endlich. Mein Sterben". Pantheon Verlag 2013, 128 S., Euro 13,40
Nachdem der berühmte Atheist Christopher Hitchens die Diagnose seiner tödlichen Krankheit erhalten hatte, schrieb er, die von Elisabeth Kübler-Ross etablierte Theorie der verschiedenen Stufen des Sterbens träfe auf ihn nicht zu. Anfangs hätte er zwar seinen Zustand geleugnet, dann Zorn und Depression aber übersprungen: »Ich habe den Sensenmann herausgefordert, es mir so richtig zu zeigen – und muss nun vor etwas kapitulieren, das so vorhersehbar und banal ist, dass es selbst mich langweilt.«
Zeit seines Lebens war Christopher Hitchens ein scharfzüngiger Redner und erbarmungsloser Diskutant in politischen und weltanschaulichen Debatten. Wenn er zur Hochform auflief, waren ihm auch die gewandtesten Gegner nicht mehr gewachsen. Der gebürtige Brite lehrte seine Wahlheimat USA in den drei Jahrzehnten, in denen er dort lebte, das Fürchten, indem er deren Kriegsverbrechen und Bigotterie an den Pranger stellte wie niemand sonst. Während der Lesereise zu seiner Autobiographie Hitch 22 hatte Christopher Hitchens einen Zusammenbruch, der mit unerträglichen Schmerzen in der Brust einherging. Die Ärzte diagnostizierten Speiseröhrenkrebs. Diese Diagnose war, wie er später schrieb, seine »Deportation vom Land der Gesunden über die klar gezogene Grenze, die das Gelände der Krankheit davon trennt«. Was als ein Schreiben über die Krankheit beginnt, wird zu Hitchens’ letztem Buch, ein Text über das Leiden und Sterben, über den eigenen Tod.

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Lawrence M. Krauss - Ein Universum aus Nichts: ... und warum da trotzdem etwas ist - Albrecht Knaus Verlag 2013, 256 Seiten, Euro 20,60
Worüber sich Philosophen seit Jahrhunderten den Kopf zerbrechen, darauf weiß die Physik Antwort: Nach den neuesten Erkenntnissen kann durchaus alles aus dem Nichts entstanden sein. Und mit Lawrence Krauss ist das gar nicht so schwer zu verstehen. Ironisch, böse und zugleich mit einem Augenzwinkern weiß Krauss selbst die Erkenntnis, dass wir aller Wahrscheinlichkeit nach auch im Nichts verschwinden werden, höchst amüsant zu präsentieren, und schont dabei niemanden: weder Philosophen noch Theologen noch sich selbst.
Die Frage nach der Entstehung unseres Universums ist eine der bemerkenswertesten Erkundungsreisen, die die Menschheit je unternommen hat. Einstein, Hubble, Relativitätstheorie, Inflation und Quantenmechanik – kein Bereich der Kosmologie, über den Lawrence Krauss nicht verständlich und vor allem spannend zu erzählen weiß. Dabei fragt er immer auch nach den Quellen unseres Wissens: Wie hat sich unsere Vorstellung vom Ursprung aller Dinge entwickelt? Weshalb wissen wir, was wir heute wissen? Und warum können wir davon ausgehen, dass das auch stimmt? Mit "Ein Universum aus Nichts" hat er ein Buch geschrieben, das schlau macht – voller Seitenhiebe gegen die theologische Zunft und alle anderen.

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Thomas Rießinger - Joseph Ratzinger - Ein brillanter Denker? Kritische Fragen an den Papst und seine protestantischen Konkurrenten, LIT-Verlag 2013, 224 Seiten, Euro 30,70
Joseph Ratzinger genießt den Ruf eines bedeutenden und tiefgründigen Theologen und Denkers. Ist dieser Ruf gerechtfertigt? Thomas Rießinger kommt anhand der Texte zu einem anderen Ergebnis. Eine gedankliche Tiefe kann er nicht feststellen. Die angeblichen Resultate beruhen auf einer Kombination von Wunschdenken und Ausblendung. Ergänzend werden protestantische Theologen betrachtet (Moltmann, Huber, Käßmann). Das Ergebnis ist ähnlich.

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Dirk Verhofstadt: Pius XII. und die Vernichtung der Juden – 450 Seiten, Alibri-Verlag 2013, Euro 26,80
Seit Rolf Hochhuths Drama Der Stellvertreter sind die Fragen umstritten: Was wusste der Vatikan genau über die nationalsozialistischen Konzentrationslager und die Vernichtung der europäischen Juden? Hat sich Papst Pius XII. angemessen verhalten oder hat er geschwiegen, als er deutlich und öffentlich hätte Stellung beziehen müssen? Bis heute werden diese Fragen kontrovers diskutiert und die Bewertungen der Rolle Pius’ XII. gehen dabei weit auseinander.
Dirk Verhofstadt analysiert die Politik des Vatikans während der Periode des europäischen Faschismus im Spannungsfeld von moralischem Anspruch und weltlichen Interessen. Dazu spannt er den Bogen etwas weiter und behandelt nicht nur das Verhältnis Pius XII. zum Nationalsozialismus in den Jahren des Zweiten Weltkrieges. Er untersucht die frühen Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft und die Haltung des Vatikans zu den katholisch ausgerichteten faschistischen Regimen. Und er wirft einen Blick darauf, wie die katholische Kirche sich nach 1945 mit ihrem Verhältnis zum Faschismus auseinandersetzte.

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Wiprecht von Treskow - Die Ketzereien einer gottesfürchtigen Seele -  366 Seiten, Pro Business Verlag 2012, 20,60 Euro
Warum stimmt das, was die Religionen als den Willen Gottes erklärten, so kläglich wenig miteinander überein? Weiß man, dass viele Bestandteile des christlichen Glaubens eigentlich altägyptische, respektive jüdische und hellenistische Glaubensvorstellungen waren? So etwa die Jungfrauengeburt, die Auferstehung und Deifizierung Jesu, viele seiner Wunder, das Jüngste Gericht, die Dreifaltigkeit, das Vaterunser. Ständig recycelt und neu editiert. Oder weiß man, dass es - außer Jesu - noch weitere 17 Messiasse gab? Dass keine zeitgenössische Quelle von Jesu stillem Wirken berichtete? Warum wusste schon das frühe Kirchenvolk mit dem Heiligen Geist nichts anzufangen? Jedenfalls erzählte es dem Propheten Mohammed, dass Jesu Mutter Maria für die Christen der dritte ihrer drei Götter sei. Oder wer denkt schon beim Besuch des Petersdoms daran, dass zu seinem Bau auch Ablassgelder dienten, die Geistliche gezahlt hatten, um dafür ein Jahr lang den sündenstraffreien Beischlaf zu pflegen? Papst Innozenz VIII brachte es auf diese Weise zu neun Kindern! Dies und anderes ist das Thema dieser Geschichte des ungläubigen Staunens über den eigenwilligen Umgang der Kirchen mit Moral und Wahrheit.

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Shahin Najafi: ᄁWenn Gott schläft. Mein Leben, mein Land, der Iran, meine Songs und Gedichte.ᄁ Kiepenheuer & Witsch, 9,30 Euro.

»Shahin Najafi ist der wütende Barde der Trauer eines Volkes, das um seine Freiheit kämpft.« Omid Nouripour »Naghi« heißt der Rap-Song, der den iranischen Musiker und Dichter Shahin Najafi im Sommer 2012 auf dramatische Art und Weise weltberühmt gemacht hat. Dennoch wissen wir nicht viel über diesen jungen Künstler, der seit vielen Jahren unermüdlich und voller Leidenschaft gegen Repressionen, Gewalt und Frauenunterdrückung im Iran schreibt und singt. Mit »Wenn Gott schläft« – einer Auswahl seiner wichtigsten Songtexte und Gedichte, erstmals übersetzt ins Deutsche, sowie autobiografischen Texten über seine Jugend im Iran und sein politisches Selbstverständnis – kann man nun mehr erfahren: über Najafis Weg vom frommen Koranrezitator zum Rapper und Regimekritiker, über seine Auseinandersetzung mit der Religion und über sein Leben im deutschen Exil. Ergänzt durch ein informatives Vorwort und Erläuterungen des Grünen-Abgeordneten und Iran-Experten Omid Nouripour, gewährt dieses Buch einen tiefen Einblick in das Innere der heutigen iranischen Gesellschaft. Ein wichtiges Dokument eines mutigen politischen Kampfes für Freiheit und Gerechtigkeit.

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Hartmut Krauss, Der Islam als grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung. Ein analytischer Leitfaden, Hintergrund-Verlag 2013, 230 Seiten, EUR 14,40
Angesichts endloser und sich immer wieder im Kreis drehender Debatten konzentriert Hartmut Krauss sich in seinem neuen Buch auf die unumgängliche Präzisierung des zentralen Grundsachverhalts, der im öffentlichen Diskurs immer wieder verdrängt, umgangen oder verdunkelt wird: "Der Islam in seiner orthodoxen Grundgestalt, wie er - unabhängig von subjektiven Aneignungs- und Umsetzungsformen - im Koran, der Hadithsammlung, den Festlegungen der Rechtsschulen sowie in autoritativen Texten und Gutachten von einflussreichen islamischen Gelehrten objektiv vorliegt, ist keine zu schützende 'Privatreligion', sondern eine totalitäre grund- und strafrechtswidrige Herrschaftsideologie mit einer monotheistisch-dogmatischen Prämisse. Für diesen Befund spricht auch die Begutachtung der historischen und aktuellen Praxis breiter Strömungen innerhalb der islamischen Herrschaftskultur, die den objektiv-dogmatischen Vorgaben folgen."
Im ersten Kapitel legt der Autor einige begriffliche und methodologische Präzisierungen dar, deren Vernachlässigung und Ungeklärtheit immer wieder den kritisch-rationalen Diskurs über den Islam und die durch ihn bestimmte Herrschaftskultur belasten und damit zur vermeidbaren Verwirrung beitragen. In Kapitel zwei wird dann die Gegensätzlichkeit zwischen orthodox-islamischer Dogmatik und den Grundprinzipien der menschenrechtlichen Moderne anhand wesentlicher Dimensionen näher untersucht. Im abschließenden Kapitel umreisst Krauss die tendenzielle Untergrabung und Zersetzung der säkular-demokratischen Gesellschaft.
Insgesamt liefert das Buch mit seiner faktendichten Analyse einen fundierten Gegenpol zur ausufernden Diffamierung islamkritischer Positionen, wie sie in Politik und Medien vorherrschend ist.

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Hubertus Mynarek, Luther ohne Mythos. Das Böse im Reformator, Ahriman-Verlag 2012, 115 Seiten, 13,20 Euro
Hubertus Mynarek versteht sein Buch als rechtzeitige Gegenrede zu den absehbaren großen Luther-Festlichkeiten, die Staat und Kirche fürs Jahr 2017 ins Auge gefasst haben. Dem ᄁHeldenliedᄁ, das Luther als ᄁverwegen mutigen Mannᄁ darstellt, der es mit dem Herrschaftsapparat des Papsttums aufgenommen habe, stellt der Autor die ᄁöffentlich tabuisierten und totgeschwiegenen Aspekteᄁ des Reformators gegenüber. Dazu gehört zunächst, dass Luther seine Kritik häufig in einem zutiefst irrationalen, hetzerischen Tonfall äußerte. In jeweils eigenen Kapiteln wird dies für die Auseinandersetzung mit dem Papsttum sowie seine Stellungnahmen zu den revoltierenden Bauern, den Juden, Ketzern & Hexen. Anschließend geht Mynarek auf Luthers Frauenbild und dessen Vorstellungen von Sexualität ein, die ᄁkeiner wirklichkeitsgemäßen Anthropologieᄁ entsprechen. Im Kapitel über sein Verhältnis zum Staat steht sein ᄁServilismusᄁ im Fokus; diese Haltung sei prägend für das Verhältnis der evanglischen Kirche zur Herrschaft gewesen und erkläre auch deren Versagen während des Nationalsozialismus. Die weiteren Abschnitte behandeln Luthers Verhältnis zu Vernunft und Willensfreiheit (die er ablehnt) sowie sein Gottesbild. Hier geht Mynarek davon aus, dass Luther seine eigene grobe und gewalttätige Natur auf Gott projiziert habe.
Mynareks Kritik zeichnet sich durch profunde Quellenkenntnis aus; die angeführten Zitate verdeutlichen hinreichend, dass 2017 eher über Luther nachgedacht als seiner ehrfürchtig gedacht werden sollte. Die aktuellen politischen Einschätzungen hingegen können nicht immer überzeugen.

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Andreas Altmann - Dies beschissen schöne Leben: Geschichten eines Davongekommenen - Piper 2013, 20,60 Euro
Was wird aus einem, der seine »Scheißjugend« nur knapp überlebt hat? Natürlich ein Versager, ein Versicherungsbetrüger und Bücherdieb, einer, der sich ebenso erfolglos als Schauspieler wie als Dressman oder Spüler versucht. Es gibt fast nichts, was Andreas Altmann nicht ausprobiert hätte. Am Ende aber entdeckt er, wie er wirklich leben will und wird zu einem der brillantesten Reporter und Reiseautoren unserer Tage. Andreas Altmann knüpft da an, wo sein Bestseller »Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend « aufgehört hat. Nie wieder zurück in die Provinz, das war klar, aber was will er wirklich? Die Antwort heißt: LEBEN. Länder und Ideen, Drogen und Frauen, Missetaten und Mönchstum. Altmann schildert seine Erfahrungen mit Schonungslosigkeit gegen sich selbst – und mit Leidenschaft und Witz. Es sind die Geschichten eines Davongekommenen, der beschlossen hat, ganz nah ranzugehen: ans Leben.

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Lawrence M. Krauss - Ein Universum aus Nichts: ... und warum da trotzdem etwas ist - 256 Seiten, Albrecht Knaus Verlag 2013, Euro 20,60
Warum gibt es alles und nicht nichts? Worüber sich Philosophen seit Jahrhunderten den Kopf zerbrechen, darauf weiß die Physik Antwort: Nach den neuesten Erkenntnissen kann durchaus alles aus dem Nichts entstanden sein. Und mit Lawrence Krauss ist das gar nicht so schwer zu verstehen. Ironisch, böse und zugleich mit einem Augenzwinkern weiß Krauss selbst die Erkenntnis, dass wir aller Wahrscheinlichkeit nach auch im Nichts verschwinden werden, höchst amüsant zu präsentieren, und schont dabei niemanden: weder Philosophen, noch Theologen, noch sich selbst.
Die Frage nach der Entstehung unseres Universums ist eine der bemerkenswertesten Erkundungsreisen, die die Menschheit je unternommen hat. Einstein, Hubble, Relativitätstheorie, Inflation und Quantenmechanik – kein Bereich der Kosmologie, über den Lawrence Krauss nicht verständlich und vor allem spannend zu erzählen weiß. Dabei fragt er immer auch nach den Quellen unseres Wissens: Wie hat sich unsere Vorstellung vom Ursprung aller Dinge entwickelt? Weshalb wissen wir, was wir heute wissen? Und warum können wir davon ausgehen, dass das auch stimmt? Mit Ein Universum aus Nichts hat er ein Buch geschrieben, das schlau macht – voller Seitenhiebe gegen die theologische Zunft und alle anderen esoterischen Welterklärungen. Ganz ohne Berechnungen.

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Hansjoachim Bernt - Als Linker gegen Islamismus - Ein schwuler Lehrer zeigt Courage: HJB-Fakten - 173 Seiten, Hjb Verlag, Euro 13,30
Daniel Krause, Jahrgang 1980, ist promovierter Soziologe und Gymnasiallehrer. Als bekennender Homosexueller und Feminist verteidigt er linke und liberale Werte gegen den Einfluss von Religionen und anderen autoritären Einflüssen. Islamkritische Bücher gibt es zwar aus aktuellen Anlässen zahlreich auf dem deutschen Buchmarkt, doch dieses Buch ist aufgrund seiner klaren politischen Verortung im linkgrünen Lager etwas ganz besonders Erfreuliches! Dem Autor geht es ganz eindeutig um die Verteidigung "linker", also emanzipatorischer Werte: Gleichberechtigung von Frauen und Männer, von Mädchen und Jungen, von Homosexuellen und Heterosexuelle, von Gläubigen und Ungläubigen, um die Trennung von Staat und Religion. Krause legt dar, dass man dieses wichtige Thema nicht alleine den rechten Parteien überlassen darf, von denen er sich selbst glaubhaft distanziert. Im weiteren Verlauf des Buches gibt der Autor atemberaubende Einblicke in den Schulalltag.

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Robert Urban - Scheiß drauf!: Mit mir nicht mehr - 408 Seiten, Verlag: epubli GmbH, Euro 24,60
Angebliche Vogel-, und Schweineepidemien, durch die einige Wenige sich mit dem Verkauf von Millionen Medikamenten eine goldene Nase verdienen, Glühbirnen, die zu Gunsten gesundheitsgefährlicher, quecksilberhaltiger und teurer ᄁEnergiesparlampenᄁ verboten werden und ein Euro- Rettungsschirm, mit dem dank eines ᄁHebelsᄁ plötzlich die mehrfache Geldmenge aus dem Nichts erzeugt wird… Manchmal ist es so offensichtlich und so klar, wie wir verarscht werden. Während manche von uns immer noch Götzen anbeten und Politiker peinlicher und kindgleicher Form vergöttlichen –und dabei schon vergessen haben, dass keine von den Parteien jemals auch nur ein einziges Wahlversprechen gehalten hat- merken andere bereits ganz deutlich, dass etwas nicht stimmt. Besonders frühmorgens wenn wir mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln fahren, blicken wir in die Gesichter von schlecht gelaunten, frustrierten und ängstlichen Menschen, die unterwegs zu ihrer ᄁArbeitᄁ sind. Aber wenn ein Leben ohne Arbeit langweilig wäre, wie uns suggeriert wird, warum strahlen diese Leute dann nicht vor Freude? Wir stecken in einer durch sanften aber steten Druck von außen erzeugten Sackgasse. Noch nie gab es solche Zukunftsängste, Existenzsorgen und Depressionen unter den Mitbürgern. Wir träumen vom Lotto-Sechser und planen unseren Urlaub- der aber letzten Endes –wie so viele Dinge, die uns als ᄁWohlstandᄁ verkauft werden, nur als Kompensation für ein unglückliches Leben dient. Wir erschaffen ein Eigenheim, um mit 60 vom Herzinfarkt dahingerafft zu werden und es fällt uns nicht einmal auf, dass wir samt Zinsen und Zinseszinsen so viel an die Bank zurückbezahlt haben, dass wir uns drei Häuser hätten bauen können. Durch Arbeit sind die meisten von uns zu Sklaven geworden. Nicht das Gehalt ist der Lohn, sondern Krankheit und Unglück. Stress, Mobbing, Bossing sind die Schlagwörter der ᄁWohlstandsgesellschaftᄁ. Eine der bösartigsten Lügen der heutigen Zeit ist die Behauptung, dass ein ᄁJobᄁ die Lösung aller Sorgen, die Garantie für Glück und Wohlstand wäre. Tatsächlich leben wir in einem Teufelskreis aus Konsum, Manipulation und Arbeitszwang. Viel3 wollen aus diesem Hamsterrad raus, wollen endlich JETZT anfangen zu leben, wollen endlich JETZT frei sein. Diese BUCH zeigt den Weg!

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Jörg Schneider - So komme ich in die Hölle: Ein Streifzug durch den Irrsinn der Religion - 220 Seiten - Ubooks Verlag 2013, Euro 10,20
Der Weg in die Hölle ist leichter als man gemeinhin denkt. Ein kleiner Fehltritt im Leben und schon wartet die ewige Verdammnis. Zumindest droht uns so die Kirche. Jörg Schneider hat sich auf den Weg gemacht und noch nie gestellte Fragen ein für alle Mal beantwortet.
Unter anderem: Warum ist Gott kein Hippie? Dürfen evangelikale Christen Blitzableiter verwenden? Was hat es mit der Zahl des Antichristen auf sich? Warum musste ausgerechnet Charlton Heston die 10 Gebote entgegennehmen? Wohnt der Papst tatsächlich im Vakuum? Welchen Einfluss hat der Fleischverzehr an einem Freitag auf die Besetzungspolitik der Hölle? Wie fest darf man beim Steinigen werfen?
Dieses Buch klärt endlich die nebulösen Sachverhalte und zeigt Ihnen den mehrspurig ausgebauten Weg in das doppelt unterkellerte Glaubensgemäuer der kirchlichen Wahnvorstellung Hölle. Aber Vorsicht, es besteht Einsturzgefahr.

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Klaus Huber - Hätte man Verstand, brauchte man keine Götter: Religionskritik in Zitaten - 208 Seiten, Books on Demand 2012, Euro 14,90
Es sind noch keine zehn Menschengenerationen vergangen, seit die letzten Hexen und Ketzer auf den Scheiterhaufen der Inquisition zu Asche verwandelt wurden. Unter dem Druck der sich durchsetzenden Aufklärung verlor die Kirche jedoch an Macht, Menschenrechte wurden gegen den erbitterten Widerstand der Kirche erkämpft. Heute darf Religionskritik zumindest hierzulande frei geäußert werden. In diesem Sammelband kommen zahlreiche Frauen und Männer zum Thema Glaube und Religion zu Wort. Sie alle haben sich zum Glauben, zur Bibel, zum Atheismus und zum Lebenssinn geäußert. Über 700 religionskritische Zitate sind hier gesammelt und in neun Themenbereiche übersichtlich gegliedert. Eine Besonderheit dieses Buches ist die Tatsache, dass es zahlreiche Kernaussagen aus der aktuellen religionskritischen Literatur wiedergibt. So finden sich hier u.a. wichtige Zitate aus Richard Dawkins Der Gotteswahn , Michael Schmidt-Salomons Manifest des evolutionären Humanismus oder Michael Onfrays Wir brauchen keinen Gott . Am Ende wird deutlich: Wo es an Wissen fehlt, gibt der Glaube erfundene Antworten. Und natürlich: Hätte man Verstand, brauchte man keine Götter!

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Gerd Althoff  - "Selig sind, die Verfolgung ausüben": Päpste und Gewalt im Hochmittelalter - 254 Seiten - Theiss Verlag 2013, Euro 30,80
"Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden"? Nicht in den Augen aller Kirchenvertreter des Hochmittelalters. "Es seien die selig zu preisen, die Verfolgung ausübten um der Gerechtigkeit willen", schrieb etwa im 11. Jahrhundert Bischof Bonizo von Sutri. Der Historiker Gerd Althoff belegt in seinem neuen Buch: Diese Ungeheuerlichkeit aus der Feder eines Geistlichen, der eigentlich Barmherzigkeit und Güte predigen sollte, entsprach der Strategie und dem Selbstverständnis des Reformpapsttums. Damals kämpften die Päpste insbesondere mit den deutschen Königen im Investiturstreit um Macht und Einfluss. Christliche Geistliche formten vorgeblich unter Berufung auf Augustinus und andere Kirchenväter die Lehre um, bis sie als normative Grundlage und Legitimation für Gewaltanwendung taugte.

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Karlheinz Deschner - Kriminalgeschichte des Christentums. Band 10: 18. Jahrhundert und Ausblick auf die Folgezeit. Könige von Gottes Gnaden und Niedergang des Papsttums - 320 Seiten, Rowohlt Verlag 2013, Euro 23,60
"Gott geht in den Schuhen des Teufels. Dieser Gedanke bestimmte meine Arbeit, mein Leben", schreibt Karlheinz Deschner im Nachwort zum ersten Band der "Kriminalgeschichte des Christentums", der 1986 erscheint. Inspiriert von diesem Bild, hatte Deschner dem Rowohlt Verlag die "Kriminalgeschichte" schon 1970 angeboten: 320 Seiten, die 1973 erscheinen sollten. Es sollte daraus aber später etwas sehr viel Größeres werden: ein monumentales Werk, auf zehn Bände angelegt. Und jetzt, mehr als ein Vierteljahrhundert nach Erscheinen des ersten Bandes, hat er es beendet! Von der heidnischen und jüdischen Vorgeschichte des Christentums über die alte Kirche zu den Kreuzzügen; von der Hexenjagd im Mittelalter über den Völkermord in Lateinamerika bis zur schließlichen Trennung von Kirche und Staat präsentiert Deschners Opus magnum auf ca. 6000 Seiten eine einzigartige Forschungsarbeit. Brillant geschrieben, breiten diese zehn Bände in intensiven Studien erhobene Fakten aus, die selbst von den Gegnern Deschners nicht bestritten werden. Der vorliegende Band 10 wendet sich dem Niedergang des Papsttums und der allmählichen Trennung von Kirche und Staat zu, in deren Vorgeschichte in fortwährenden Konflikten abermals Ströme von Blut vergossen werden, so beim Kampf christlicher und weltlicher Mächte um Skandinavien oder, weiter im Süden, in den Schlachten des Prinzen Eugen, des goldgierigen "Bewahrers der Christenheit". Auch dieser Band bekräftigt mit seiner Detailfreude, Exaktheit und kritischen Schärfe, daß Karlheinz Deschner zu Recht als der "wohl kompromißloseste Denker im deutschsprachigen Raum" (Die Weltwoche) gilt - und als der bedeutendste Kirchenkritiker der Gegenwart. (erscheint am 8.3.13)

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Jörg Schneider - So komme ich in die Hölle: Ein Streifzug durch den Irrsinn der Religion - 224 Seiten, Verlag: Ubooks/U-Line 2013, Euro 10,30
Der Weg in die Hölle ist leichter als man gemeinhin denkt. Ein kleiner Fehltritt im Leben und schon wartet die ewige Verdammnis. Zumindest droht uns so die Kirche. Jörg Schneider hat sich auf den Weg gemacht und noch nie gestellte Fragen ein für alle Mal beantwortet. Unter anderem: Warum ist Gott kein Hippie? Dürfen evangelikale Christen Blitzableiter verwenden? Was hat es mit der Zahl des Antichristen auf sich? Warum musste ausgerechnet Charlton Heston die 10 Gebote entgegennehmen? Wohnt der Papst tatsächlich im Vakuum? Welchen Einfluss hat der Fleischverzehr an einem Freitag auf die Besetzungspolitik der Hölle? Wie fest darf man beim Steinigen werfen? Dieses Buch klärt endlich die nebulösen Sachverhalte und zeigt Ihnen den mehrspurig ausgebauten Weg in das doppelt unterkellerte Glaubensgemäuer der kirchlichen Wahnvorstellung Hölle. Aber Vorsicht, es besteht Einsturzgefahr.

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Edward O. Wilson - Die soziale Eroberung der Erde: Eine biologische Geschichte des Menschen - 384 Seiten, Verlag: Beck 2013; Euro 23,60
Egoismus oder Nächstenliebe, Eigennutz oder Kooperation - was liegt mehr in der Natur des Menschen? Als Einzelwesen sind wir egoistisch, als Gruppenwesen aber ziehen wir uneigennütziges Verhalten vor, sagt Edward O. Wilson, der berühmteste Biologe unserer Zeit, in seinem wegweisenden Buch. Zwischen den beiden Antriebskräften herrscht ein Dauerkonflikt, in der Gesellschaft wie in jedem Einzelnen von uns. Die Balance, die wir anstreben, ist stets zerbrechlich.
Die soziale Eroberung der Erde ist die Summe lebenslanger innovativer Forschung, die Krönung des Lebenswerkes von Edward O. Wilson. Das Buch beginnt mit drei fundamentalen Fragen, die die Menschen seit Jahrtausenden faszinieren: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Nur die Biologie, so Wilson, ist in der Lage, diese Fragen wissenschaftlich zu beantworten. Wilson räumt mit dem Vorurteil auf, wonach die Evolution die Lebewesen daraufhin prägt, die Familie an die erste Stelle zu setzen. Wilson, der vor 35 Jahren die Soziobiologie begründet hat, zeigt uns mit seinem erstaunlichen Fundus an biologischen, verhaltenspsychologischen und anthropologischen Kenntnissen, dass die soziale Gruppe die treibende Kraft der menschlichen Evolution ist. Religion, Sport, Krieg - unser Trieb, uns zu Gruppen zusammenzuschließen und für sie zu kämpfen, ist es, was uns zu Menschen werden ließ. An einer Fülle anschaulicher Beispiele führt er vor, wie wir Moral, Religion und die Künste, ja die menschliche Kultur insgesamt nur dann wirklich begreifen, wenn wir ihre soziobiologischen Fundamente erkennen.

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Thomas Großbölting - Der verlorene Himmel: Glaube in Deutschland seit 1945 - 320 Seiten Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht 2013, Euro 30,90
In vielen Teilen der Welt war und ist das soziale Leben von religiösen Vorstellungen durchtränkt. In Westeuropa wie auch in Deutschland verhält es sich nicht mehr so: Seit Ende des Zweiten Weltkriegs erleben wir einen beispiellosen Traditionsbruch innerhalb der christlichen Konfessionen. Während die unmittelbare Nachkriegszeit noch von der Idee einer umfassenden Rechristianisierung geprägt war, hat sich diese Vorstellung wenige Jahrzehnte später verflüchtigt. Die individuelle Frömmigkeitspraxis schwindet, die Gotteshäuser werden leerer. Hinzu kommt, dass sich auch die christlichen Kirchen selbst in dieser Transformation umfassend gewandelt haben: Der strafende Gott hat sich allmählich zum liebenden Vater entwickelt, die Christenlehre zum Religions- und Ethikunterricht. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Kirchen selbst, sondern verändert auch die politische Kultur insgesamt: Idealbilder und Praxis von Kernbereichen des gesellschaftlichen Lebens wie Familie, Sexualität, Bildung, aber auch politische Entwürfe sind immer weniger christlich geprägt, so dass der gesellschaftliche und politische Einfluss der Kirchen abnimmt. Dennoch aber ist die Vorstellung vom Verschwinden der Religion nicht haltbar. Ein populärreligiöser Markt boomt, spirituelle Ratgeber werden als Lebenshelfer konsultiert, Religionsvertreter als Berater in Fragen der letzten Dinge um ihre Meinung gebeten. Wie lassen sich die verschiedenen Ebenen dieses Wandels erklären? Welche Konsequenzen zeitigt er für die religiösen Gemeinschaften, vor allem aber für unser Gemeinwesen insgesamt? Und: In welche Richtung wird sich das religiöse Feld zukünftig entwickeln?

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Shereen El Feki - Sex und die Zitadelle, Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt - 416 Seiten, Hanser-Verlag 2013, Euro 25,60
Dieses Buch wagt sich an ein Tabu: Fünf Jahre lang hat Shereen El Feki Frauen und Männer in den arabischen Ländern, vor allem in Ägypten, befragt, was sie über Sex denken und welche Rolle er in ihrem Leben spielt. El Feki schildert bewegende Schicksale, erläutert historische Hintergründe und liefert aufschlussreiche Daten. Anhand der verschiedenen Aspekte von Sexualität eröffnet sie völlig neue Einblicke in das Innenleben der sich wandelnden arabischen Welt. Sie betont, dass den Islam eigentlich eine positive Haltung zur Sexualität auszeichnet, vertritt aber zugleich die provokante These, dass ohne einen freieren, offeneren Umgang damit die politisch-soziale Entwicklung in den arabischen Gesellschaften weiterhin stagnieren wird.

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Pussy Riot! Ein Punk-Gebet für Freiheit - 128 Seiten, Verlag: Edition Nautilus, Euro 10,30
Im August 2012 wurden Maria Aljochina, Nadescha Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch, drei Mitglieder des Punk-Kunstkollektivs Pussy Riot, wegen Rowdytum aus religiös motiviertem Hass zu zwei Jahren Straflager verurteilt ein politischer Skandal, der ein riesiges Presse-Echo und weltweit Solidaritätsbekundungen hervorgerufen hat. In dem vorliegenden Band wird bisher unveröffentlichtes Material zum ersten Mal auf Deutsch zugänglich gemacht: Briefe der Frauen aus dem Gefängnis, ihre Schlusserklärungen bei Gericht, Plädoyers der Rechtsanwälte sowie Songs und Gedichte, darunter das inkriminierte Punk-Gebet , mit dem die Frauen im Februar in der Moskauer Erlöserkirche gegen Wladimir Putin demonstriert hatten. Die Texte bieten ein bedrückendes Bild der russischen Demokratie , vom Filz zwischen Staat und Kirche, von der Realität im Gerichtsverfahren und im Gefängnisalltag sie zeigen aber auch, wie mutig und stark der Widerstand dieser Frauen ist. Außerdem enthält der Band Solidaritätsadressen von Yoko Ono, JD Samson u.v.a.

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Bernd Rebe - Die geschönte Reformation: Warum Martin Luther uns kein Vorbild mehr sein kann. Ein Beitrag zur Lutherdekade - 108 Seiten, Tectum-Verlag 2012, Euro 20,50
Die Theologin Margot Käßmann wurde von der EKD medienwirksam zur Botschafterin für das Reformationsjubiläum ernannt. Denn im Jahr 2017 jährt sich der legendäre Thesenanschlag Luthers zum fünfhundertsten Mal. Die Jahre 2008 bis 2017 wurden deshalb gar zur Lutherdekade erklärt. Frau Käßmann hat keine leichte Aufgabe. Einerseits berufen sich die protestantischen Kirchen teils schon in ihrem Namen auf Luther und gründen auf der von ihm ausgelösten Reformation. Andererseits werden bis zum Jubiläum in der Öffentlichkeit auch die dunklen Seiten Luthers so präsent sein wie nie zuvor: sein paranoider Judenhass, seine intolerante Glaubensenge, sein völlig inakzeptables Frauenbild und auch die vielfach verkrustete Mittelalterlichkeit seiner Glaubenspositionen. Wie soll man sich dem Lutherjubiläum stellen? Bernd Rebe setzt sich in diesem Buch mit den verschiedenen Sichtweisen auf die Reformation und ihren Wirkungen auseinander. Dabei unterzieht er auch Grundfragen des paulinischen Christentums zu dem der Re-Formator ja wieder hin wollte! einer kritischen Revision. Und er stellt in einigen Grundzügen "das Glaubenswagnis der Goethezeit" als eine nachaufklärerische Alternative zur überinterpretierten Reformation vor.

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Günther Jikeli, Antisemitismus und Diskriminierungswahrnehmungen junger Muslime in Europa. Ergebnisse einer Studie unter jungen muslimischen Männern, 341 Seiten, Klartext-Verlag 2012, Euro 30,80.
Muslimische, männliche Jugendliche aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien äußern sich in dieser Studie über ihre Diskriminierungserfahrungen, Identitäten und Einstellungen zu Juden. Diskriminierungen werden unterschiedlich empfunden. Vor allem bei der Selbstidentifikation als Deutscher, Franzose, bzw. Brite sind länderspezifische Unterschiede zu verzeichnen. Länderübergreifend sind jedoch die Begründungen, weshalb viele der Jugendlichen Juden ablehnen: klassisch antisemitische Stereotype und Verschwörungstheorien, auf Israel bezogener Antisemitismus, als selbstverständlich wahrgenommene negative Bilder von Juden, sowie antisemitische Zuschreibungen, die mit dem Islam bzw. der eigenen muslimischen oder ethnischen Identität begründet werden. Zahlreiche Zitate aus Interviews mit über 100 Jugendlichen veranschaulichen lebhaft, wie muslimische Jugendliche ihre antijüdischen Einstellungen selbst begründen. Damit beschreibt die Studie einen spezifisch muslimischen Antisemitismus in Europa. Dieser kann latent, aber auch massiv und aggressiv geäußert werden und stellt eine Gefahr für Juden dar. Ausführlich werden verschiedene Quellen und Einflussfaktoren erörtert. Die Studie weist nach, dass sich Antisemitismus muslimischer Jugendlicher weder durch Diskriminierungserfahrungen erklären, noch auf Israelkritik oder Antizionismus reduzieren lässt. Zum Schluss zeigen Beispiele von muslimischen Jugendlichen, die sich dem Antisemitismus explizit entgegenstellen, Ansatzpunkte auf, wie der Judenfeindschaft begegnet werden kann.

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Hubertus Mynarek, "Warum auch Hans Küng die Kirche nicht retten kann - Eine Analyse seiner Irrtümer" - Tectum-Verlag 2012, 239 Seiten, Euro 23,40.
Hans Küng gilt vielen progressiven Katholiken als Identifikationsfigur und aufrechter Kämpfer für eine menschlichere Kirche. In seinem Buch Ist die Kirche noch zu retten? gibt sich Küng als Arzt und Heiler seiner Kirche, der ihre schweren Krankheiten diagnostiziert und der in seinen Augen Todkranken die wirksamsten Therapien verschreibt. Doch Küngs Therapievorschläge sind zu halbherzig. Sie sind weit entfernt von einer Radikaloperation, durch die die Kirche vielleicht noch gerettet werden könnte. An fünf Grundirrtümern Küngs macht er die Unwirksamkeit seines Rettungsversuchs deutlich. Das kenntnisreiche und glänzend geschriebene Buch aus der Hand des kritischen Theologen Mynarek wird so zur vielleicht besten Kritik an dem vielfach überschätzten Reformer der katholischen Kirche.

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Isabelle Neulinger - Meinen Sohn bekommt ihr nie: Flucht aus dem gelobten Land - 208 Seiten, Verlag Nagel & Kimche AG; 3. Auflage 2013, Euro 18,40
Isabelle Neulinger wurde 1965 in Brüssel als Tochter einer modernen jüdischen Familie geboren. Sie lebte in Lausanne und wanderte 1999, einige Jahre nach dem Tod ihres ersten Mannes, nach Israel aus, wo sie in Tel Aviv lebte und für ein High-Tech-Unternehmen arbeitete. Dort lernte sie auch Shai Shuruk kennen, den sie später heiratete. Nachdem ihr Mann sich nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes im Jahr 2003 der radikalen Chabad-Lubawitsch-Bewegung anschloss, flüchtete Isabelle Neulinger 2005 schließlich aus Israel. Heute lebt sie mit ihrem Sohn in der Schweiz.

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Daniele Ganser, NATO-Geheimarmeen in Europa. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung, 445 Seiten, Orell Füssli Verlag, 5. Auflage 2012, Euro 25,70.
Dieses Buch zeichnet ein erschreckendes Bild: Ein durch die NATO und die militärischen Geheimdienste koordiniertes Netzwerk von Geheimarmeen war bis zum Auseinanderfall der Sowjetunion in mehreren westeuropäischen Ländern in schwere Verbrechen verwickelt, darunter Mord, Folter, Staatsstreich und Terror. <P>Daniele Ganser ist in seiner mehrjährigen Forschungsarbeit auf brisante Dokumente gestoßen: Sie belegen, dass die von den USA angeführte Militärallianz nach dem Zweiten Weltkrieg in allen Ländern Westeuropas geheime Armeen aufgebaut hat, welche von den Geheimdiensten CIA und MI6 trainiert wurden. Ihr Ziel: im Falle einer sowjetischen Invasion als Guerilla zu kämpfen, um die besetzten Länder wieder zu befreien. Doch dabei ist es nicht geblieben. Gezielt wurden Attentate gegen die eigene Bevölkerung ausgeführt, um Unsicherheit zu erzeugen und den Ruf nach einem starken Staat zu unterstützen. Sowohl die ursprüngliche Planung als auch die antikommunistisch motivierten Verbrechen sind heute der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt.

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Richard Dawkins (Autor), Dave McKean (Illustrator) - Der Zauber der Wirklichkeit: Die faszinierende Wahrheit hinter den Rätseln der Natur - 272 Seiten, Ullstein Verlag, Euro 27,80
Von Adam und Eva bis zu Gilgamesch: Richard Dawkins erzählt die Mythen der Menschheit und erklärt die wissenschaftliche Wahrheit, die hinter ihnen steckt. Seit jeher hat die Menschheit versucht, sich die rätselhafte Natur durch Mythen begreiflich zu machen. Auf den Herbst folgt der Winter, weil Hades, der Gott der Unterwelt, Persephone in sein Reich entführt hat und die blühende Natur mit ihr; in Wirklichkeit gibt es unterschiedliche Jahreszeiten, weil die Erdachse geneigt ist. Und die Welt entstand auch nicht, weil der indische Gott Vishnu seinem Diener Brahma ihre Erschaffung auftrug, sondern durch den Urknall. Dies beweist: So wunderbar die Mythen sind, weitaus spannender werden die Phänomene, wenn man sie wissenschaftlich betrachtet. Genau das tut Richard Dawkins, indem er die Wahrheit hinter den Rätseln erklärt. Ein faszinierendes, üppig illustriertes Buch, das den Zauber der Wirklichkeit feiert.

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Blaichinger Norbert  - Nie wieder schweigen - Sexueller Missbrauch in der kath. Kirche, 132 Seiten, edition-innsalz 2012, Euro 18,70
Dieses Buch ist der 2. Teil der Enthüllungen rund um den pädophilen Pater B., der zwar im Jahr 2010 verstorben ist, aber dennoch bis heute Spuren der Verwüstung - in das in vielerlei Hinsicht - hinterlassen hat. Anhand des Herrn O., der nur eines von vielen Opfern ist, werden sowohl die perfiden Strategien und Handlungen der beiden Täter (Pater B. und seines Gefährten Josef B.) als auch die schrecklichen Auswirkungen auf ihre Opfer gezeigt. Für beide gilt nach dem Gesetz die Unschuldsvermutung.

Blaichinger Norbert  - Pater B. - Eine Dokumentation,  130 Seiten, edition-innsalz 2010, Euro 18,70
Ein Ordensmann geht seinen pädophilen Neigungen nach. Zuerst im Kloster, dann exklaustriert in verschiedenen Pfarreien, in Oberösterreich, in Bayern. Er spaltet Gemeinden und Familien, hat einen unglaublichen Hang zu Gold und Glitzer. Kein Roman, sondern eine wahre Geschichte.
Die Kriminalpolizei ermittelt gegen Pater B. Aber erst jetzt, nach seinem Tod 2010, wird vieles offenbar. Durch genaue Recherchen, durch unveröffentlichte Dokumente, durch Interviews mit Zeitzeugen und Experten. Auch ein Missbrauchsopfer spricht und schildert, wie es seine Täter nach Jahrzehnten gefunden und mit der Vergangenheit konfrontiert hat.

Norbert Blaichinger stellte am 10. Jänner 2013 in Braunau sein Buch "Nie wieder schweigen" vor. Es geht in dieser Dokumentation um das Opfer eines pädophilen Benediktinerpaters, der zusammen mit seinem Freund zu den wahrscheinlich größten Knabenschändern der letzten Jahrzehnte gehörte. In dem vorangegangenen Buch "Pater B. -- Eine Dokumentation" beschreibt Prof. Blaichinger den Täter (der sich der Justiz entziehen konnte), in der Neuerscheinung "Nie wieder schweigen" die Qualen eines der vielen Opfer.
 

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Denef Norbert  - Ich wurde sexuell missbraucht - 160 Seiten, Starks-Sure Verlag 2007; Euro 10,00
Norbert Denef wurde als Kind über 8 Jahre lang von einem Pfarrer und einem Kirchenangestellten sexuell missbraucht. Dieser Seelenmord, wie er es selbst nennt, ließ ihn später in schwere Depressionen fallen.
Nach 35 Jahren brach er sein Schweigen und erhielt von der Katholischen Kirche als erstes bekanntes Missbrauchsopfer in Deutschland eine Abfindung in Höhe von 25.000 Euro - unter einer Bedingung: Er sollte sich verpflichten, über seine schrecklichen Erlebnisse weiter zu schweigen, so wie er es bereits jahrelang getan hatte, aus Angst, Scham und Schuldgefühl.
Doch Norbert Denef hielt sich nicht daran und machte seinen Fall in den Medien bekannt. Sein Buch ist Zeugnis vom Leidensweg eines Menschen, der sexuell missbraucht wurde. Es zeigt, wie zerstörerisch sexueller Missbrauch auf das gesamte weitere Leben eines Opfers einwirkt. Es berichtet, wie Familie und Umwelt auf seine Offenbarung reagierten und wie die Katholische Kirche mit seinem Problem umging. Mit großem Engagement sensibilisiert Norbert Denef die Gesellschaft für dieses Thema und motiviert Betroffene, ihr Schweigen zu brechen.

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Alexander Markus Homes - Prügel vom lieben Gott: Eine Heimbiographie - 141 Seiten, Alibri Verlag, erweiterte Neuauflage 2012, Euro 12,90
Anfang der 1960er Jahre wird Alexander Markus Homes als Kleinkind ins Heim gesteckt. 1981 erscheint Prügel vom lieben Gott als eines der ersten autobiographischen Bücher eines Heimkinds. Darin verarbeitet Homes in literarischer Form seine Erlebnisse und schildert sehr authentisch die Gefühlswelt eines Jungen, der in einer von Nonnen geführten Verwahranstalt aufwächst. Homes Erinnerungen sind ein ergreifendes Dokument der dort vorherrschenden Atmosphäre von Gewalt, Angst, Demütigung und Gehorsam. In der anhaltenden Debatte über kirchliche Heimerziehung, Gewalt und Missbrauch kann Prügel vom lieben Gott als Beleg dafür gelten, dass kirchliche Vorgesetzte und staatliche Aufsichtsbehörden schon vor 30 Jahren über die Zustände in den Heimen hätten Bescheid wissen und Konsequenzen ziehen können. Stattdessen sah sich Homes, über viele Jahre hinweg einziger Heimkritiker in Deutschland, mehrfach mit juristischen Schritten der Kirche konfrontiert. Die Neuausgabe ist erweitert um einen Prolog, in dem Homes die Geschichte der Unterdrückung seines Buches beschreibt und aktuelle Bezüge herstellt.

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Alfred Binder - Religion - Eine kurze Kritik, Alibri Verlag 2012, 171 Seiten, kartoniert, Euro 10.30
Alfred Binders Buch bietet eine übersichtliche Kritik der Religion. Dabei geht der Autor nicht philosophiegeschichtlich vor, sondern nimmt Argumente, die für die Gültigkeit von Religion angeführt werden, zum Ausgangspunkt. Diese referiert er und breitet dann die Gegenargumentation aus. Spricht etwa die Beobachtung, dass alle Völker eine Religion gehabt haben, für die Wahrheit von Religion? Oder gibt es nachvollziehbare Erklärungen dafür, warum Menschen früher einen Glauben an höhere Welten entwickelt haben? Gäbe es ohne Religion wirklich keine Werte? Können wir Gott nur mit dem Herzen erfahren und nicht mit dem Verstand erfassen? Gibt die Religion eine Antwort auf die Frage, warum die Welt überhaupt ist? Wer je mit Gläubigen diskutiert hat, wird viele Argumentationsfiguren wiedererkennen und sich wünschen, dieses Buch bereits damals gelesen gehabt zu haben.

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Patrik Lindenfors (Autor), Vanja Schelin (Illustrator) - Gott gibt es wohl doch nicht - 94 Seiten, Alibri Verlag 2012, Euro 12,40
Ein Buch für alle Kinder, die sich fragen, ob es einen Gott gibt. Es gibt christliche Kinder, muslimische Kinder, buddhistische Kinder... Wirklich? Wohl eher nicht, meint Patrik Lindenfors. Kinder sollten nicht automatisch der Religion ihrer Eltern zugeschlagen werden, sondern selbst überlegen können, welcher Glaube ihnen zusagt. Oder ob es Gott wohl doch nicht gibt ...

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Heiko Heinisch und Nina Scholz - Europa, Menschenrechte und Islam - ein Kulturkampf? - 392 Seiten, Passagen Verlag 2012, Euro 24,90
Enlightened Reader: Das ist ein Buch, das, angesichts der mannigfachen Dummheiten, die in der aktuellen Debatte um Islam und Meinungsfreiheit geäußert werden, soviel Erleuchtung bietet wie eine Tausend Watt Lampe im finsteren Wald ... Vereint auf's Trefflichste die Qualitäten von Historienschinken, Nachschlagewerk und Argumentationshilfe - ein Buch, das man wieder und wieder zur Hand nimmt. Gute, wichtige und bitter notwendige Pflichtlektüre, die in den Regierungsetagen der deutschsprachigen Länder verteilt werden sollte.

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Heinz Buschkowsky - Neukölln ist überall - 400 Seiten - Ullstein Hardcover 2012, Euro 20,60
Heinz Buschkowsky schlägt Alarm: Zoff auf den Straßen, hohe Arbeitslosigkeit, Überfremdungsängste bei der einheimischen Bevölkerung – das ist die Realität in Berlins Problembezirk Nr. 1. Doch Neukölln ist überall. Buschkowsky sagt, was sich in Deutschland dringend ändern muss.
Besprechung auf vorwaerts.de: Ferdinand Lassalle wusste: "Politische Aktion besteht im Aussprechen dessen, was ist. Alle politische Kleingeisterei besteht im Verschweigen dessen, was ist." Heinz Buschkowsky weiss es auch. So beklagt er in seinem Buch "entschlossenes Nichtstun" der Politik angesichts gescheiterter Integration. Ursache ist für ihn die "Zufallseinwanderung". Sie ziehe Armutsmigranten an, die in unserer Leistungsgesellschaft keine Chance hätten. Die Folgen: Integrationsverweigerung, Islamismus, Kriminalität. Buschkowsky beschränkt sich nicht auf Klagen. Er macht viele Vorschläge für mehr Integration, Bildung und Chancengleichheit. Aber warum spricht er nie von gelungener Integration? Er fragt zurück: In der Verkehrspolitik, zählen wir da Unfälle oder Unfallfreie? Der Autor schreibt: "Die Wahrheit tut weh und jeder möchte Schmerzen vermeiden." Das mag sein. Doch in der Demokratie gilt der Satz Ingeborg Bachmanns: "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar." Dazu leistet Heinz Buschkowsky einen Beitrag.

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Fritz Schaap - Nur der Satan isst mit links: Ich war undercover in einer Islamistenschule - 160 Seiten, Herder Verlag 2012, Euro 15,40
Für vier Wochen hat der 31-jährige Schaap Jeans und Hemd gegen das traditionelle ägyptische Gewand namens Galabia eingetauscht, Zigaretten und Alkohol - zumindest offiziell - aus seinem Leben verbannt und dem Westen demonstrativ den Rücken gekehrt. Für diese Zeit war er noch vor dem Machtwechsel in Ägypten als Schüler an einer salafitischen Lehranstalt, die als islamistische Kaderschmiede gilt, eingeschrieben.
An der Schule lernt der erklärte Agnostiker Schaap Grundlegendes der salafitischen Lehre: Das Christentum ist Lüge, nur Muslime kommen ins Paradies, und: "Der Islam muss überall sein im Leben eines Menschen". "Dort, wo die Gesetze nicht mit der Scharia vereinbar sind, muss man sich abschotten, um nach den wahren Gesetzen zu leben", bringt man ihm bei. In einer Grammatikstunde trifft er auf einen Jungen namens Nur, der sagt, er wolle zu den Mudschaheddin und als Märtyrer sterben. Ein amerikanischer Konvertit namens Umar erklärt ihm: "Die Demokratie ist kein System für den Islam. Zu viele Stimmen", und weiter: "Die Scharia muss überall eingeführt werden. Überall! Und dafür müssen wir den Dschihad führen, Bruder. Es steht so im Koran."
Für die Zeit seines Aufenthalts teilt sich Schaap eine Wohnung mit dem Fast-Food-liebenden konvertierten Amerikaner Saif. "An den Wänden hängen eine Weltkarte und zwei weiße Din-A4-Seiten. Auf der einen ein Pfeil Richtung Mekka, auf der anderen die Verhaltensregeln für die Wohnung: keine Fremden, keine Frauen, kein Alkohol, keine Zigaretten", beschreibt der Autor seine Unterkunft. Saif gibt ihm eine Einführung in die Regeln des Islam: Musik und Filme sind verboten, ebenso wie alles, was von Gott ablenken könnte. Und das Essen mit der falschen Hand. "Das darfst du nicht", raunt er dem Linkshänder Schaap zu. "Nur der Satan isst mit links. Versuche, mit rechts zu essen."
Schaaps Buch ist nicht nur deshalb eine spannende Betrachtung, weil es die Abgründe des Islamismus in Ägypten zeigt. Es macht vor allem deutlich, wie gespalten die Gesellschaft im Land am Nil bereits war, bevor die Muslimbrüder und Salafiten dort die Regierung stellten, und wie groß und umfassend das Machtstreben radikaler Islamisten ist. Der radikale Islam, wie ihn ein Teil der derzeitigen Regierung vertritt, hat, trotz aller versöhnlichen Worte westlicher Politiker in Richtung Ägypten, globalen Anspruch.

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Peter Henkel: Irrtum Unser - Wie Glaube verstockt macht. Tectum-Verlag 2012, Paperback, 212 Seiten, Euro 14,95
Für Henkel "ist die Sache ganz einfach: So etwas wie Gott existiert nicht. So etwas wie Gott gibt es nur als Gedachtes, als Eingebildetes in den Köpfen von Menschen". Wie Richard Dawkins ("Der Gotteswahn"), Michael Schmidt-Salomon, Franz Buggle oder Joachim Kahl zählt Henkel zu den konsequenten Religionskritikern - im Unterschied zu manchen Zeitgenossen, die die eine oder andere Aussage der Kirche komisch finden (wie Jungfrauengeburt, leibliche Auffahrt in den Himmel etc.): Geschichten, die auch Theologinnen wie Uta Ranke-Heinemann als "verstandesfeindliche Märchen" abkanzeln. Henkel hingegen hält das Glauben an ein "höheres Wesen" grundsätzlich für eine "Torheit" - und analysiert, was Menschen zum Glauben an Götter verleitet, was sie sich von ihnen versprechen.
"Aus der betrüblichen Erfahrung, dass ein ernsthafter Dialog über den Kern des Gottesglaubens mit den Amtsträgern fast nie zugelassen wird", zieht Peter Henkel die Konsequenz - und richtet sein Augenmerk vornehmlich auf die 'verstockten' Anhänger. Auf ihre Verweigerungen und Ausweichmanöver, auf ihren Hang zum Ausblenden des Unbequemen, auf eine Motivation zum Wunsch- und Nützlichkeitsdenken. Oder darauf, wie beispielsweise Margot Käßmann sich schwärmend verirrt und sie und andere Theologen Ressentiments gegen die Vernunft schüren. Und welche fatalen Parallelen zwischen Religion und z.B. Astrologie bestehen."
"Glaube", schreibt der Autor, "das ist und bleibt Paradieren in der Sackgasse": Vom Aus- und Aufbruch in eine Welt ohne Gott, ohne die Krücken und Mythen des religiösen Irrtums, sind wir noch himmelweit entfernt. Das Buch endet mit zehn Gründen, warum so etwas wie Gott nicht existiert.

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Joseph Stiglitz - Der Preis der Ungleichheit: Wie die Spaltung der Gesellschaft unsere Zukunft bedroht - 512 Seiten, Siedler Verlag, 3. Auflage 2012, Euro 25,70
Pressestimmen:
"Joseph Stiglitz ist einer der besten und profiliertesten Wirtschaftswissenschaftler der Welt, er lehrt an der Columbia-Universität in New York und hat den Nobelpreis für Ökonomie erhalten. Man kann sagen, es gibt nicht sehr viele Menschen, die den Kapitalismus so gründlich erforscht haben wie er. Wenn dieser Mann nun zum wiederholten Mal die Marktwirtschaft kritisiert, dann lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen." (DIE ZEIT, 04.10.2012, Literatur - Beilage, 41/12 )
"Auch diejenigen, die Stiglitz' Optimismus nicht teilen, werden das Buch mit außerordentlichem Gewinn lesen. Er deckt Herrschaftsmechanismen auf, zerpflückt neoliberale Lügen und bietet aufschlussreiche Vergleiche mit der krisenhaften Situation in Europa. Dieses Buch sollte man gelesen haben!" (Neues Deutschland, 09.10.2012 )
"Das Buch stellt in seinem klaren und unaufgeregten Stil eine probate Anleitung für alle dar, die ihr vages Unwohlsein am Zustand Europas und seiner Ökonomie in Argumente verwandeln wollen." (Falter (A), 10.10.2012 )

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Herausgeber Peter Waldmann und Stefan Malthaner - Radikale Milieus: Das soziale Umfeld terroristischer Gruppen (Mikropolitik der Gewalt) - 390 Seiten, Campus Verlag 2012, Euro 36.-
Terrorismus ist eine Gewaltstrategie von Gruppen, die versuchen, mit Anschlägen aus dem Untergrund Angst zu verbreiten und Aufmerksamkeit zu erregen. Diese Gruppen sind jedoch nicht sozial isoliert, sondern stehen in einem sozialen Umfeld, dem "radikalen Milieu", das mit ihnen sympathisiert und auf dessen Unterstützung sie angewiesen sind. Wie dieses Umfeld und seine Beziehung zu terroristischen Gruppen beschaffen ist und welche Wechselwirkungen bestehen, ist bislang wenig bekannt. Der Band bietet erstmals empirische Fallstudien zu historischen und aktuellen radikalen Milieus, die vom anarchistischen Terrorismus des 19. Jahrhunderts über ethnisch-radikale und sozialrevolutionäre Bewegungen bis hin zum aktuellen Rechtsterrorismus und zum islamistischen Terrorismus in Europa sowie dem Nahen und Mittleren Osten reichen.

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Horst Herrmann, Die Philosophie der Aufklärung für Dummies, Weinheim 2012, Wiley-VCH Verlag, 367 Seiten, Euro 20,60.
Spannend ist sie, die Philosophie, aber manchmal sind die Worte der großen Denker nicht leicht zu verstehen. Das gilt ganz besonders für die Philosophen der Aufklärung. Horst Herrmann erklärt Ihnen, was Sie über Kant, Montesquieu und Co. wissen sollten. Aber auch die Vorläufer wie Leibniz und der spitzzüngige Voltaire kommen nicht zu kurz. Der Autor bettet deren Schriften in die Geschichte und die Kunst dieser Zeit ein und zeichnet so ein faszinierendes Bild einer bewegenden Zeit.

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Manfred Spitzer - Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen - 368 Seiten, Droemer Verlag 2012, Euro 20,60
Digitale Medien nehmen uns geistige Arbeit ab. Was wir früher einfach mit dem Kopf gemacht haben, wird heute von Computern, Smartphones, Organizern und Navis erledigt. Das birgt immense Gefahren, so der renommierte Gehirnforscher Manfred Spitzer. Die von ihm diskutierten Forschungsergebnisse sind alarmierend: Digitale Medien machen süchtig. Sie schaden langfristig dem Körper und vor allem dem Geist. Wenn wir unsere Hirnarbeit auslagern, lässt das Gedächtnis nach. Nervenzellen sterben ab, und nachwachsende Zellen überleben nicht, weil sie nicht gebraucht werden. Bei Kindern und Jugendlichen wird durch Bildschirmmedien die Lernfähigkeit drastisch vermindert. Die Folgen sind Lese- und Aufmerksamkeitsstörungen, Ängste und Abstumpfung, Schlafstörungen und Depressionen, Übergewicht, Gewaltbereitschaft und sozialer Abstieg. Spitzer zeigt die besorgniserregende Entwicklung und plädiert vor allem bei Kindern für Konsumbeschränkung, um der digitalen Demenz entgegenzuwirken.

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Gerhard Czermak - Religion und Weltanschauung in Gesellschaft und Recht - Ein Lexikon für Praxis und Wissenschaft - Alibri-Verlag 2009, 402 Seiten, Euro 40,10
Religion hat im öffentlichen Leben eine erhebliche Bedeutung. Sie begegnet uns als religiös-weltanschauliches Moment in der Schule und anderen Bildungs- und Erziehungseinrichtungen, in sozialen Institutionen, in der Arbeitswelt, bei der Kirchensteuer, in den Medien und vielen anderen Bereichen, vom Glockenlärm bis zur Friedhofshalle, vom Beamtenrecht über Bioethik bis zum Militär.
Das Lexikon beleuchtet die Rolle der Religion in der Gesellschaft und erläutert das komplexe Verhältnis des Staates zu den Religionsgemeinschaften in tatsächlicher und rechtlicher Sicht. In längeren, alphabetisch sortierten Artikeln werden einerseits Grundlageninformationen geboten, andererseits Themen behandelt, die teilweise kontrovers diskutiert werden. Die großen in Deutschland bestehenden Glaubensrichtungen und weltanschaulich-religiösen Organisationen finden eine detaillierte Beschreibung, ebenso zahlreiche kleinere Gruppierungen, deren Lehren und Praktiken in der öffentlichen Diskussion stehen. Insofern erfüllt das Lexikon eine doppelte Funktion: es ist Nachschlagewerk, das grundlegende Fakten und Zusammenhänge enthält, und zugleich Handbuch, das Interessierte auf den aktuellen Stand der jeweiligen Debatte bringt.

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Carsten Frerk, Christoph Baumgarten Gottes Werk und unser Beitrag: Kirchenfinanzierung in Österreich - Czernin Verlag 2012,  284 Seiten, Euro 24,90, auch als Kindle-ebook um 14,99
"Gottes Werk und unser Beitrag" ist das erste Kompendium, das sich der Kirchenfinanzierung in Österreich systematisch widmet. Die beiden Autoren, ausgewiesene Spezialisten zum Thema, haben Informationen zusammengetragen und gebündelt. Zeitgleich zum Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien in Österreich legen sie nun das Standardwerk mit vielen neuen Details und Zusammenhängen vor - für alle kritischen Leserinnen und Leser in Sachen Kirche und Staat. Wie groß ist der Privatbesitz der Bischöfe? Ist die Kirche arm? Davon kann keine Rede sein, wie die Autoren umfassend klären. Sie hinterfragen und widerlegen aber auch einige Mythen, wie "zehn Prozent der Wiener Immobilien gehören der Kirche." Netzwerke zwischen Kirche, Politik und Wirtschaft werden aufgedeckt.
Die Ergebnisse bergen überraschende Details: Wer noch nicht wusste, dass das Bundeskanzleramt ein Patronat des kaiserlichen Hauses Österreich weiter bedient, dem wird auch nicht bekannt sein, dass die Auslandsschule der Republik Österreich in Istanbul in der Hand von missionierenden Ordensgemeinschaften ist und dass es sich bei der gelebten Nächstenliebe um eine Caritas-Legende handelt. Es ist ein Werk entstanden, das es bisher in Österreich nicht gegeben hat, ein wahrer Paukenschlag an Information und Erkenntnis.

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Salman Rushdie - Joseph Anton: Autobiografie - C. Bertelsmann Verlag 2012, 700 Seiten, Euro 25,70
Am Valentinstag, dem 14. Februar 1989, erhält Salman Rushdie den Anruf einer BBC-Reporterin und erfährt, dass der Ayatollah Khomeini ihn "zum Tode verurteilt" hat. Zum ersten Mal hört er das Wort "Fatwa". Sein Vergehen? Einen Roman mit dem Titel "Die satanischen Verse" geschrieben zu haben, dem vorgeworfen wird, sich "gegen den Islam, den Propheten und den Koran" zu richten.
So beginnt die außergewöhnliche Geschichte eines Schriftstellers, der gezwungen wird, unterzutauchen und in ständiger Begleitung einer bewaffneten Polizeieskorte von Aufenthaltsort zu Aufenthaltsort zu ziehen. Als die Polizei ihn auffordert, sich einen Decknamen zuzulegen, wählt er eine Kombination aus den Vornamen seiner Lieblingsschriftsteller Conrad und Tschechow - Joseph Anton.
Was heißt es für einen Schriftsteller und seine Familie, über neun Jahre lang mit einer Morddrohung zu leben? Wie gelingt es ihm, weiter zu schreiben? Wie beginnt und endet für ihn die Liebe? Wie fest hat die Verzweiflung sein Denken und Handeln im Griff, was lässt ihn straucheln, und wie lernt er, Widerstand zu leisten? Zum ersten Mal erzählt Salman Rushdie seine beeindruckende Geschichte; es ist die Geschichte eines der entscheidenden Kämpfe unserer Zeit: der Kampf um die Meinungsfreiheit. Rushdie erzählt vom teils bitteren, teils komischen Leben unter bewaffnetem Polizeischutz und von den engen Beziehungen, die er zu seinen Beschützern knüpfte; von seinem Ringen um Unterstützung und Verständnis bei Regierungen, Geheimdienstchefs, Verlegern, Journalisten und Schriftstellerkollegen; und davon, wie er seine Freiheit wiedererlangte.
Ein einzigartig offenes, aufrichtiges Buch: fesselnd, provokant, bewegend und lebenswichtig. Denn das, was Salman Rushdie durchlebt hat, ist der erste Akt eines Dramas, das sich tagtäglich irgendwo auf dieser Welt vollzieht.

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Dazu das Anlass-Buch für die islamfaschistische Verfolgung Rushdies:
Salman Rushdie - Die satanischen Verse - rororo, 6. Auflage 2006, 720 Seiten, Euro 10,30
"Dieser Roman ist das überaus vielstimmige, Geschichte und Gegenwart durcheinanderwirbelnde, von Einfällen überbordende und trotz eines "Happy-End" letztlich tieftraurige Manifest eines endgültigen Glaubensverlustes. Seinen literarischen Rang gewinnt das Buch durch eine scheinbar paradoxe Entscheidung seines Autors. Denn Rushdie erzählt diesen Glaubensverlust nicht im Sinne rationaler Welterfahrung: er benutzt vielmehr alle ihm zu Gebote stehenden Mittel des Phantastischen und des Wunderbaren, um sein Pandämonium der entgöttlichten Welt zu veranschaulichen." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

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Braunschlag - von David Schalko mit Robert Palfrader und Nicholas Ofczarek - TV-Kurzserie, ORF/Hoanzl 2012, alle acht Folgen auf 3 DVDs, 360 Minuten, Euro 29,99
Die Marktgemeinde Braunschlag an der tschechischen Grenze ist bankrott. Zwischen russischen Gläubigern und dem Druck aus St. Pölten scheint nur ein Wunder zu helfen. Und genau das ist der Plan von Bürgermeister Tschach. Gemeinsam mit seinem Freund, dem erfolglosen Discobetreiber Pfeisinger täuscht er eine Marienerscheinung vor, um massenweise Pilger nach Braunschlag zu lotsen. Zunächst deutet alles darauf hin, dass der Plan aufgeht. Doch zusehends beginnen sich die eigenwilligen Dorfbewohner gegenseitig im Wege zu stehen.
Das Drehbuch könnte nicht nur von Medjugorje, sondern auch von Bad St. Leonhard in Kärnten beeinflusst worden sein, dort spielt sich nämlich Ähnliches wirklich um einen italienischen Gaukler ab, der regelmäßig in diesem Ort auftritt, Marienerscheinungen behauptet und durch ihm nachlaufende hunderte Einfaltspinseln tatsächlich den Fremdenverkehr etwas belebt, was dazu führte, dass der Bürgermeister Maier (SPÖ!!) und der Gastwirt und Tourismusstadtrat Dohr (BZÖ) sich vehement für die "Marienerscheinungen" einsetzten und sogar von der Kirche deren Anerkennung forderten.

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Gianluigi Nuzzi - Seine Heiligkeit: Die geheimen Briefe aus dem Schreibtisch von Papst Benedikt XVI. - 416 Seiten, Piper Verlag 2012, Euro 23,70
Der Informant wählte einen gut katholischen Decknamen: Als Maria spielte er dem italienischen Starjournalisten Gianluigi Nuzzi dann aber höchst unchristliche Dokumente und Briefe zu. Es geht um Geld, Einfluss und Macht. "Die heikelsten Themen der Kirche, direkt vom Schreibtisch des Kirchenoberhauptes, werden in einem journalistischen Enthüllungsbericht rekonstruiert, der bis in die privaten Wohnräume von Papst Ratzinger vordringt" (Corriere della Sera).Nuzzi zeigt aber nicht nur in einen dicht recherchierten Bericht, wie die Monsignori mit harten Bandagen kämpfen, sondern vor allem auch, wie der Vatikan Politik macht. Das betrifft auch und besonders das Heimatland des Papstes, Deutschland. In seinem Enthüllungsbuch "Seine Heiligkeit" deckt er auf, wie der Papst intern über Bundeskanzlerin Merkel herzieht, weil sie ihn  vorsichtig kritisiert, wie er mit kircheninternen Gegnern (oder wen er dafür hält) verfährt. In der deutschen Ausgabe werden speziell zu Deutschland neue Tatsachen aufgedeckt, und neue Dokumente veröffentlicht.
Noch immer ist der Papst einer der mächtigsten Männer der Welt, dessen Nachrichtendienst, so heißt es, nur von der CIA übertroffen wird. Wie er, einer der letzten absoluten Monarchen, von niemandem kontrolliert und immer hinter bislang streng verschlossenen Türen, mit diesen Informationen umgeht, wie der Vatikan heimlich Einfluss nimmt auf die Politik weltweit - das deckt Nuzzi auf.

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In diesem Zusammenhang sei auch an dieses Buch erinnert:
Gianluigi Nuzzi - Vatikan AG - Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche, Ecowin 2010, 356 Seiten, Euro 22,50
In den 1980er Jahren gab es großes Aufsehen, als die Banco Ambrosiano zusammenbrach, in der Folge zwei Bankiers die vorzeitige Reise ins Jenseits antraten und immer deutlicher wurde, dass es um schmutzige Geschäfte ging und dass Geldinstitute des Vatikan in die Sache verwickelt waren. Es erschienen mehrere Bücher zu den Vorfällen, aber da sich der Vatikan mit einer Mauer des Schweigens umgab und insbesondere Erzbischof Marcinkus, der als einer der Drahtzieher galt, sich seiner Verhaftung entzog, zeitlebens keine Aussage machte und von der Kurie gedeckt wurde, blieb vieles Spekulation.
Das Buch des italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi ändert dies. 2008 erhält er Zugang zu einem Archivbestand, von dem bis dahin nichts bekannt war. Monsignor Renato Dardozzi hatte in den über 20 Jahren, die er im Vatikan tätig war (u.a. als Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften), über 4.000 Dokumente gesammelt - Briefe, interne Berichte, Bankunterlagen, viele davon mit brisantem Inhalt. Auf diesen Bestand konnte Nuzzis zurückgreifen.
Im ersten Teil bringt Nuzzi Licht in das vatikanische Finanzimperium und dessen Verstrickung in kriminelle Machenschaften. Minutiös führt er vor, wie das System funktionierte, und was mit den Geldern der Gläubigen so alles unternommen wurde. Er nennt Namen, gewährt uns Einblick in die Fraktionskämpfe und zeigt, wie das Werk Gottes und der Eigennutz bestimmter Prälaten manchmal in vollkommener Übereinstimmung waren. Dabei bestätigen die Dokumente viele der immer erhobenen Vorwürfe von Bestechung oder Geldwäsche.
Der zweite Teil des Buches befasst sich mit der Frage, inwieweit der Vatikan mit Geld aus "besonderen" Kassen in den 1990er Jahren Einfluss auf die italienische Politik genommen hat. Insbesondere geht es um die angestrebte Gründung einer Nachfolgepartei der Democrazia Cristiana, die bestimmte Kreise im Vatikan nach Kräften unterstützt haben sollen. Auch wenn hier die "harten" Belege oft fehlen (z.B. Aussagen von "Kronzeugen" herangezogen werden), wird deutlich: es gab im Vatikan bis in die jüngste Vergangenheit ein System der Finanzverwaltung, das dem Papst Mittel in beachtlicher Höhe für politische Interventionen bereitstellte.

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Ralph Ghadban - Islam und Islamkritik - Vorträge zur Integrationsfrage - Schiler Verlag, 297 Seiten, 28,80 Euro, auch als ebook um 8,99
Dieser Sammelband vereint siebzehn Vorträge und Aufsätze Ghadbans, die jeweils ein Thema in der Tiefe behandeln, zusammen aber einen weiten Überblick zur Islamintegrierbarkeit verschaffen.  - Kritik der Islamkritik: eine Selbstdemontage - Euro-Islam oder Ghetto-Islam?  - Der Euro-Islam eine Bilanz - Das Kopftuch in Koran und Sunna - Toleranz und Intoleranz im Islam - Fundamentalismus und Islam - Menschenrechtsfähigkeit trotz Absolutheitsansprüchen? - Der Multikulturalismus als Ideologie der Desintegration - Kulturelle Selbstbestimmung in der Rechtsgemeinschaft - Politische Propaganda radikaler islamischer Gruppen in der Bundesrepublik - Der Islam und der säkulare Staat - Der große Sanhedrin der Muslime die Islamkonferenz - Islam in der Diaspora - Kann der Islam mit Hilfe des Fiqh modernisiert werden? - Islamismus ohne Gewalt - Die Pseudo-Modernisten Said Nursi und Fethullah Gülen - Aufstand gegen die Ulama.

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Manfred Geier, Aufklärung. Das europäische Projekt, Rowohlt-Verlag 2012, 415 Seiten, Euro 25,70
Die Kenntnis davon, um was sich die mutigen und tapferen Aufklärer im 17., 18. und 19. Jahrhundert bemüht haben, für was sie sich oft unter Einsatz ihres Lebens einsetzten und für welche Überzeugungen und Einsichten - Einsichten die uns heutigen Europäern zum Teil eine Selbstverständlichkeit geworden sind - sie dereinst mit ganzem Herzblut kämpften, das alles ist elementar wichtig um das kleine europäische Wunder, in dem wir leben, zu verstehen und auch um zu erfahren, dass so etwas wie Menschenrechte, den Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, sein Leben nach dem Maß der Vernunft auszurichten und die Meinung und Lebensweise Anderer zu tolerieren, auch wenn sie der eigenen Lebenseinstellung nicht entspricht - mit der Einschränkung, dass dem Leben anderer Bürger dadurch nicht grob geschadet wird und kein Unrecht geschieht - nicht selbstverständlich ist und um deren Erhalt der Einsatz sich lohnt.

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Christopher Hitchens: Mortality. (englisch) Atlantic Books, New York 2012. 104 Seiten, Euro 12,20
On June 8, 2010, while on a book tour for his bestselling memoir, Hitch-22, Christopher Hitchens was stricken in his New York hotel room with excruciating pain in his chest and thorax. As he would later write in the first of a series of award-winning columns for Vanity Fair, he suddenly found himself being deported "from the country of the well across the stark frontier that marks off the land of malady." Over the next eighteen months, until his death in Houston on December 15, 2011, he wrote constantly and brilliantly on politics and culture, astonishing readers with his capacity for superior work even in extremis.
Throughout the course of his ordeal battling esophageal cancer, Hitchens adamantly and bravely refused the solace of religion, preferring to confront death with both eyes open. In this riveting account of his affliction, Hitchens poignantly describes the torments of illness, discusses its taboos, and explores how disease transforms experience and changes our relationship to the world around us. By turns personal and philosophical, Hitchens embraces the full panoply of human emotions as cancer invades his body and compels him to grapple with the enigma of death.

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Andreas Müller - Der Westen. Ein Nachruf - ebook Kindle Edition 2012, 4307 KB (496 Seiten), Euro 8,80
"Hurra, wir kapitulieren!", schrieb Henryk Broder, um auf den Untergang des Westens einzustimmen. Wir wissen gar nicht, wofür wir stehen, argumentiert Andreas Müller ("Ist der Wald endlich tot?") hingegen in seiner monumentalen Streitschrift "Der Westen. Ein Nachruf". Gerüstet mit Ayn Rands Aufklärungsphilosophie "Objektivismus" holt der Autor zu einem kulturkritischen Rundumschlag aus und erläutert, was den Westen auszeichnet, was es zu verteidigen gilt und warum. Andreas Müller widersetzt sich dabei allem, was der Vernunft widerspricht - ob moderne Kunst, sentimentaler Gefühlskult, Ökologiebewegung, Islam oder Rassismus; alles muss das Bad im Feuerbach der Aufklärung überstehen. Auch vor provokanten Forderungen nach einem reinen Vergeltungsstrafrecht und der Aberkennung der staatlichen Souveränität von Dikaturen schreckt der Autor nicht zurück. Die Kulturkritik wird dabei stets von konstruktiven Ideen begleitet, die den Fehlentwicklungen entgegengestellt werden. Mit Gastbeiträgen von: Raymond Tallis ("Aping Mankind"), Edgar Dahl ("Wer zur Hölle will schon in den Himmel?"), Rolf Degen ("Lexikon der Psycho-Irrtümer"), Pascal Boyer ("Und Mensch schuf Gott"), Ludwig von Mises ("Liberalismus"), Voltaire ("Candide oder Der Optimismus"), Aristoteles ("Nicomachische Ethik") und Gott ("Die Bibel"). Ist der Westen noch zu retten? Andreas Müller schickt unsere größten Denker und Ideen an die Front, um diese Frage zu beantworten.

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Jetzt auch als Taschenbuch: Michael Hebeis, Schwarzbuch Kirche, Und führe uns nicht in Versuchung. Bastei Lübbe 2012, 284 Seiten, Euro 10,30
Seit 2000 Jahren erhebt die katholische Kirche Anspruch auf moralische Führung und geistliche Kompetenz - und erschüttert die Gläubigen doch immer wieder mit Skandalen. Die Reaktion der Kirchenoberen ist stets gleich: Schweigen und Vertuschen. Michael Hebeis zeigt, dass Machtstreben und das Ignorieren der Opfer in der katholischen Kirche System hat. Das kirchliche Sündenregister reicht von Antisemitismus bis Pädophilie und offenbart, wie skrupellos sie seit Jahrhunderten ihre Interessen verfolgt. Eine Pflichtlektüre nicht nur für Kirchenkritiker, sondern für alle enttäuschten Gläubigen.

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Christina Hellmich, al-Qaida. Vom globalen Netzwerk zum Franchise-Terrorismus. Primus-Verlag 2012, 176 Seiten, Euro 20,50
Al-Qaida und der islamistische Terror sind seit den Anschlägen vom 11. September weltweit ein beherrschendes Thema in der Außenpolitik. Doch wer oder was verbirgt sich hinter al-Qaida? Was sind die Beweggründe, was die Ziele des Terrornetzwerkes? Was wird die Zukunft bringen? In einer scharfsinnigen Analyse geht Christina Hellmich diesen Fragen nach. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 steht al-Qaida für einen Terrorismus, der alle nationalen und internationalen Diskussionen über Sicherheit beherrscht. Doch trotz der hohen Aufmerksamkeit, die auf diese Gruppierung gerichtet ist, bleiben die Annahmen darüber, wer oder was sich hinter al-Qaida verbirgt, höchst vage und widersprüchlich. Handelt es sich um eine straff strukturierte Organisation, ein globales Netzwerk oder unabhängige Zellen einer Art Franchise-Unternehmen ? Was bedeutet die Rede vom Djihad, der den Westen bedroht? Was ist nach dem Tod von Osama bin Laden zu erwarten? Christina Hellmich analysiert in ihrem Buch mit forensischem Scharfsinn die heute verbreiteten Thesen über Ursprünge und Manifestationen von al-Qaida sowie die entsprechenden arabischen Quellen.

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Science Busters - Wer nichts weiß, muss alles glauben - ORF 2012, Folge 1 bis 8 auf zwei DVDs 250 min - 22.18 Euro
Physik ist eines der meistgehassten aller Schulfächer. Man weiß, so etwas gibt es, es ist sicher unangenehm und man möchte auf keinen Fall etwas damit zu tun haben. Seit es die Science Busters gibt, ist alles anders. In einer einzigartigen Mixtur aus Spitzenhumor und Topwissenschaft haben sich zusammengefunden:
- der einst für den Nobelpreis nominierte österreichische Chef-Atheist und Skeptiker: Astrophysiker und Bestsellerautor Prof. Dr. Heinz Oberhummer (TU Wien),
- der bombenbastelnde Nacktscanner-Experte und Erfinder der kulinarischen Physik: Neurowissenschaftler, Experimentalphysiker und Bestsellerautor Univ.lekt. Werner Gruber (Uni Wien),
- sowie der ehemalige Medizinstudent und Studienabbrecher ('Mich haben die Krankheiten mehr interessiert als die Patienten'), der mehrfach ausgezeichnete Satiriker, Martin Puntigam - bei den ScienceBusters der MC des Abends.

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Werner Gruber - Unglaublich einfach. Einfach unglaublich.: Physik für jeden Tag - 280 Seiten - Heyne TB 2008, 4. Auflage, 9,20 Euro
Was tun mit einer brennenden Bratpfanne? Wie baut man einen perfekten Papierflieger? Was passiert beim Kuscheln - wem wird dabei heiß? Wieso brennt Scharfes zweimal? Physiker und Science Buster Wolfgang Gruber erklärt das und vieles andere, das wir eigentlich noch nie gefragt haben, aber doch endlich wissen sollten.

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Werner Gruber und Thomas Wizany (Illustrator) - Die Genussformel: Kulinarische Physik - Ecowin Verlag; 2008, 8. Aufl., 304 Seiten, 23,50 Euro
Schon im 17. Jahrhundert sorgte ein gewisser Physiker namens Denis Papin in der Royal Society für großes Aufsehen, als seine neue Erfindung - der Druckkochtopf - bei der ersten Vorführung explodierte. Die zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie wiederum nutzte die Geheimnisse der Wissenschaft vor allem, um beim Kochen Zeit für ihre Forschungsarbeit zu gewinnen. So könnte man meinen, dass sich Genuss und Physik ausschließen. Nicht so bei Werner Gruber: Denn für den Science-Popstar fängt guter Geschmack dort an, wo er für andere aufhört. Und was so manche Oma als gut gehütetes Küchengeheimnis arglistig mit ins Grab genommen hat, entzaubert der "Marcel Prawy der Physik" mit viel Wissen und noch mehr Humor. Wie gelingt das saftigste und knusprigste Grillhuhn der Welt? Was macht den Semmelknödel erst besonders flaumig? Wie löst man das Wiener Rosinengugelhupfproblem? Welche Speisen gelingen in der physikalischen Blitzküche? Und wie gewinnt man garantiert an jedem Buffet? Der wohlbeleibte Werner Gruber erklärt mit unglaublichem Fachwissen die kleinen chemischen und physikalischen Tricks der großen Köche und räumt dabei gleich mit so manchen populären Kochirrtümern auf.

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Carsten Frerk: Caritas und Diakonie in Deutschland. Mit einem Vorwort von Johannes Neumann. 372 Seiten, Aschaffenburg: Alibri Verlag. Durchgesehene Neuauflage 2012. 24,70 Euro.
Das Sozialsystem in Deutschland befindet sich in einer Umstrukturierungsphase. Lange Zeit wurde dieser Sektor allein von den großen Wohlfahrtsverbänden geprägt, nun engagieren sich zunehmend gewerbliche Anbieter. Die Pläne für eine Neuordnung der Krankenkassenbeiträge oder das absehbare Ende des Zivildienstes sind weitere Hinweise dafür, dass für die "Freie Wohlfahrtspflege" Veränderungen anstehen. Davon werden auch der Deutsche Caritasverband und das Diakonische Werk betroffen sein, die in den vergangenen Jahrzehnten zum weltweit größten privaten Arbeitgeberverbund aufgestiegen sind: Im kirchlichen Sozialbereich arbeiten alles in allem knapp 1,5 Millionen Personen, die einen Jahresumsatz von rund 45 Milliarden Euro erwirtschaften. Carsten Frerk hat über Caritas und Diakonie umfangreiche Zahlen und Fakten zusammengetragen, die es ermöglichen, ihre Rolle im heutigen Sozialsystem einzuschätzen und eine realistische Prognose über ihre Entwicklungsmöglichkeiten abzugeben. Detailliert und veranschaulicht durch zahlreiche Tabellen und Übersichten, stellt Frerk Finanzierung und Tätigkeitsfelder der kirchlichen Sozialkonzerne dar. Dabei zeigt er, dass deren Einrichtungen weitestgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, während das karitative Engagement in der öffentlichen Wahrnehmung den Kirchen zugeschrieben wird. Ausführlich wird die Arbeitssituation der Mitarbeiter untersucht, die durch den Tendenzcharakter der Einrichtungen geprägt ist. Da die Kirchen ihre Sozialarbeit als "Verkündigung" ansehen, gilt für die Beschäftigten nicht das normale Arbeits- und Tarifrecht. Auf der Grundlage der Vorstellung einer "Dienstgemeinschaft" (die den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit überwunden zu haben meint) propagieren die Kirchen den sog. Dritten Weg - der in Zeiten knapper Kassen jedoch keineswegs ohne Konflikte ist. In Exkursen erörtert Carsten Frerk die politisch brisanten Fragen. Dabei geht es nicht nur um das besondere kirchliche Arbeitsrecht und die Zukunft des "Dritten Wegs", sondern auch um die medizinische und soziale Versorgungssituation für Nichtgläubige in einer zunehmend säkularen Gesellschaft; um die Auseinandersetzungen über die Kontrolle der Freien Wohlfahrtsverbände durch die Landesrechnungshöfe; oder um die Risiken, die mit den Expansionsstrategien kirchlicher Sozialträger verbunden sind.

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Kemal Bozay, Thomas Rammerstorfer, Thomas Schmidinger und Christian Schörkhuber - Grauer Wolf im Schafspelz - Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft, edition sandkorn, Buchverlag Franz Steinmaßl, 95 Seiten, 19,50 Euro
Sie treten immer offener auf - die "Grauen Wölfe". Sie sind eine faschistische Organisation, die ihre Ideologie aus der Türkei in Länder exportiert, in denen türkischstämmige MigrantInnen leben. Also auch nach Österreich. Die Volkshilfe Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung hat sich dieses Problems angenommen und dieses Sachbuch herausgegeben. Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), schreibt in seinem Vorwort: "Dieses Buch ist (…) differenziert, professionell und hoch politisch. Gut recherchiert werden wir nochmals daran erinnert, dass Rechtsextremismus und Rassismus ein Phänomen ist, das es in unterschiedlichsten Ausprägungen fast überall gibt." Dieses Sachbuch will informieren und sensibilisieren. Es beschreibt die Anfänge des Faschismus in der Türkei, analysiert die Ursachen für den starken Zulauf zu nationalistischen Gruppierungen wie den "Grauen Wölfen" und zeigt kritisch den Umgang beziehungsweise den Nicht-Umgang der demokratischen Gesellschaft mit derartigen rechtsextremen Strömungen.
Erhältlich ist das Buch auch bei der Volkshilfe unter 0732 / 603099 oder unter fluechtlingsbetreuung@volkshilfe-ooe.at !

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