Jeden Sonntag predigen die Pfarrer in der Kirche über die im aktuellen Kirchenjahr vorgesehene Stelle in der Bibel. Sogar Menschen, die nie in die Kirche gehen, können diese Predigten in der Heiligen Kronenzeitung nachlesen, denn dort predigt Kardinal Schönborn eigenhändig. Auf der Homepage der Diözese Wien ist die Predigt ebenfalls zu finden - hin und wieder allerdings nicht dieselbe.

Solche Sonntagspredigen reizen auch Atheisten. Zu den Bibeltexten fällt einem nämlich oft ganz was anderes ein als dem Herrn Schönborn. Darum wird auf ATHEISTEN-INFO fast immer auch ein Wort zum Sonntag losgelassen.


Wegen der Länge der Dateien werden diese regelmäßig geteilt
Teil 5 - Nr. 121 bis 150

Die Sonntagsworte von Juli 2010 bis Juni 2011 sind auf sonntag1_30.html zu finden, von Juli 2011 bis Februar 2012 auf sonntag31_60.html, von Februar bis September 2012 auf sonntag61_90.html, von September 2012 bis März 2013 auf sonntag91_120.html, von März bis Oktober 2013 hier, von Oktober 2013 bis Mai 2014 auf sonntag151_180.html und von Mai bis November 2014 auf sonntag181_210.html, von Ende November 2014 bis Mai 2015 auf sonntag211_240.html, von Mai 2014 bis Ende 2015 auf sonntag241_270.html, von Dezember 2015 bis Ende Mai 2016 auf sonntag271_300.html. Die aktuellen Sonntagsworte sind auf sonntag.html.


150. Wort zum Sonntag, den 20. Oktober 2013

Lk 18,1-8: In jener Zeit sagte Jesus ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?

Die Kirchenjahre wiederholen sich ja in einem gewissen Rhythmus. Die obige Bibelstelle kam vor drei Jahren, am 17.10.2010 im neunten Atheisten-Wort zum Sonntag auch schon vor. Meine Predigt begann damals mit: "Liebe Schwestern und Brüder, was lernen wir aus dem heutigen Evangelium? Wir könnten aus diesem Gleichnis lernen, dass der katholische Gott ein gott- und rücksichtsloser Richter ist, der auf unsere Gebete hört, damit er seine Ruhe hat und keine Ohrfeigen bekommt. Schönborn sieht das - wenig überraschend - nicht so wörtlich."

Das passt auch heute so. 2010 jammerte der Herr Bischof darüber, dass wir (die Katholiken) viel zu wenig beten täten. Auch heute jammert er in diese Richtung, vor lauter Arbeit bliebe zum Beten zuwenig Zeit. Er schließt seine Predigt mit dem Satz: "Wenn wir wirklich beten lernen wollen, sollten wir uns an dieser Ausdauer ein Beispiel nehmen. Dran bleiben und nicht locker lassen!"

Und damit ich schnell fertig werde mit dem heutigen Sonntagswort, schließe ich meine Predigt wie schon 2010: Also Brüder und Schwestern, stimmt an, betet zum HErrn! Wobei ich in Verbindung mit dem obigen Lukas-Text sehr empfehlen würde, Gebete so zu formulieren: "Lieber Gott, ich bete zu Dir, weil ich (hier Wunsch einfügen), bitte erfülle mir diesen Gebetswunsch oder ist Dir eine Watschn lieber?"


149. Wort zum Sonntag, den 6. Oktober 2013

Lk 17,5-10: Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Dieser Jesus, richtig wohl Jeschua ben Josef (zum Jeschua ben Jehova wurden erst nach seinem Tode befördert), der vermeintliche Begründer des Christentums war ganz ein Mensch seiner Zeit. Heute spielt sich das Christentum als große Moralinstanz auf. Früher hatte man die Menschen aus moralischen Gründen - z.B. weil sie nicht an die alleinseligmachende katholische Kirche glauben wollten - auch geköpft, aufgehängt oder abgefackelt, heute redet man nur noch davon, dass die Christenlehre den Menschen lebensnotwendige Moralitäten vermittle.

Der Herr Jesus war jedenfalls mit der Sklaverei und der Ausbeutung der Sklaven völlig einverstanden. Er äußerte kein Fuzzerl eines moralischen Einwandes dagegen, nein, er bekräftigte sogar noch die Rechte des Sklavenbesitzers über den Sklaven und wies ein menschliches Verhalten gegenüber Sklaven entschieden zurück. Die Sklaven mussten sich zwar damals für ihre Herren nur für Kost und Logis vom frühen Morgen bis in die finstere Nacht abrackern, aber der Herr Jesus beschimpft sie als "unnütze Sklaven". Für einen allwissenden Gottessohn (wie ihn die christlichen Kirchen darstellen) wäre dieser Jesus somit ein ganz fürchterlich dummes und unmoralisches Arschloch gewesen. Heute würde jemand mit solchen Ansichten wohl sogar aus dem KuKluxKlan ausgeschlossen, weil selbst dort beschimpfte man wohl Sklaven nicht als unnütz. Und gegen Sklaven braucht der KuKluxKlan weder vor 100 Jahren noch heute zu sein, weil das war der Jesus auch nicht.

Aber das fällt einem Kardinal Schönborn natürlich überhaupt nicht auf! Sein Jesus war für die Sklaverei und das stört ihn nicht. Immerhin fängt er heute ganz lustig zu predigen an: "Wie oft habe ich diese Bitte schon an Gott gerichtet: 'Stärke meinen Glauben!' Ich habe großen Respekt vor Menschen, die einen starken Glauben haben."

Also Leute, die einen so starken Glauben haben, dass sie nie zweifeln, die sollte man - statt sie zu bewundern - wohl einer psychiatrischen Behandlung zuführen, die brauchen Hilfe! Schönborn kommt vielleicht auch manchmal ins Sinnieren über den angesammelten Unsinn aus dem sein Glaube besteht. Vermutlich macht er dann jeweils autogenes Training und sagt sich anstelle der üblichen Sprüche ("mein rechter Fuß ist warm, mein Atem geht ruhig und gleichmäßig ...") vor, wie fest er an Gott glaubt und wie stark sein Glaube ist und wenn er das oft genug wiederholt, glaubt er es und dann ist sein Glaube wieder stark. Ein manchmal zweifelnder gläubiger Mensch braucht bestimmt des öfteren selbstgemachte autosuggestive Hilfe.

Wie will der Bischof aber heute seinen Jünger belehren? Denn der Zweifel ist ja ein schlimmes Übel für die Kirche. Als die Religionsfreiheit durchsetzbar geworden ist, kam der Zweifel, der Folgen hatte und danach - verstärkt über die Generationenabfolge - das Desinteresse an der Religion. Das Desinteresse an konkreten religiösen Lehren ist heute allgemeiner Standard.

Zum Thema Glaubensstärke kann Schönborn es kaum vermeiden, das berühmte Theodizeeproblem anzusprechen: "Gott vertrauen, heißt darauf bauen, dass Er uns gut gesonnen ist. Der Glaube wird auf die Probe gestellt, wenn uns schwere Prüfungen treffen. Vertraue ich Gott auch dann noch, wenn ich mit Ihm hadere: Warum lässt du dieses Leid zu? Warum diese Krankheit, diesen Todesfall? Das sind die Momente, in denen ich sage: 'Stärke meinen Glauben!' Hilf mir, zu vertrauen, auch wenn es unbegreiflich ist!"

Auf die banale Antwort, dass sein lieber Gott weder was für die guten, noch für die schlechten Seiten in unserem Leben kann, darf ein christlicher Prediger natürlich nicht kommen, auch wenn ihm wer den Schädel abreißt, wird es der letzte Schönborngedanke sein, dass Gottes Wege wunderbar, aber manchmal unerforschlich sind. Dass sein Gott eine Schimäre ist, würde er nicht mehr erfahren, ein toter Kopf denkt nimmer und kann sich auch seinen Glauben nimmer stärken.

Aber ich schweife schon wieder vom Thema ab. Hier das Resümee vom Herrn Kardinal: "Jesus erinnert uns mit der Geschichte vom Sklaven, der einfach seine Pflicht tun muss, daran, dass wir kein automatisches Anrecht auf all das haben, was unser Leben glücklich und zufrieden macht. Es ist und bleibt Geschenk, für das wir dankbar sein sollen. Wer so lebt, hat schon einen echten Glauben, ein gutes Gottvertrauen. Nichts stärkt unseren Glauben mehr als Gott täglich zu danken. Es ist ja alles Sein Geschenk."

Was lernt unsereiner draus? Ein Sklave hat seine Pflicht zu erfüllen, er hat kein Anrecht darauf, glücklich und zufrieden zu sein. Wenn wir uns bemühen, glücklich und zufrieden leben zu können, dann kann und wird das auch oft gelingen, aber es ist gemäß katholischer Lehre nicht unser Werk, sondern ein Geschenk Gottes. Weil der Christengott könnte uns ja auch den Schädel abreißen. Die Christenlehre ist echt eine Ausgeburt an Unsinn. Amen.


148. Wort zum Sonntag, den 29. September 2013

Lk 16,19-31: In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

Heute haben wir wieder einmal den abgrundtief bösartigen Jesus, der mit einer ewigen sadistischen Folterstrafe, die sich nicht einmal die Gestapo auszudenken getraut hätte, diejenigen strafen will, die nicht seinen Anordnungen folgten. Im vorliegenden Fall also die Minimalforderungen des Christentums nicht befolgte, die vom Tisch des Reichen hinuntergefallenen Brosamen an die Armen zu verteilen.

Was fällt mir dazu wieder ein, ja, selbstverständlich, der Befreiungstheologe und Bischof Dom Helder Camara und seine berühmte Äußerung: "Wenn ich den Armen Essen gebe, nennen sie mich einen Heiligen. Wenn ich frage, warum sie arm sind, nennen sie mich einen Kommunisten." Der obige Reiche wäre vielleicht noch kein wirklicher christlicher Heiliger gewesen, wenn er seine Tischabfälle an den armen Lazarus verfüttert hätte, aber wenn der arme Lazarus gefordert hätte, die Superreichen gehörten finanziell etwas mehr zur Kasse gebeten, dann wäre der Lazarus nicht in Abrahams Schoß gekommen, weil so eine Forderung wäre nicht christlich, sondern kommunistisch gewesen.

Nach meiner Predigt nun ein Blick in die Predigt vom Schönborn. Große Überraschung! Der Herr Kardinal traut sich heute tatsächlich die ganze abscheuliche Bösartigkeit der Christenlehre zu verkünden, also die ewige Folter für Almosenverweigerer! Er schreibt nämlich: "In der Unterwelt leidet er höllische Qual und hätte gerne nur ein paar Wassertropfen, um sie zu lindern. All das Leid hätte er sich ersparen können, wenn er mit dem Lazarus vor seiner Türe wenigstens ein bisschen von seinem Wohlstand geteilt hätte."

Moralisch näher erläutert hat er das Sündhafte im Verhalten des Reichen schon vorher: "Das Drama des Reichen war nicht, dass er gut leben konnte. Es sei ihm gegönnt. Auch nicht, dass er fein gekleidet war, mit Markenartikeln. Das soll er ruhig haben. Jesus missgönnt ihm nicht, dass er ein Leben in Wohlstand führen kann. Nur eines fehlt ihm. Und das ist fatal. Er sieht den Armen vor seiner eigenen Haustüre nicht mehr."

Damit ist die Gesamtheit der Unmenschlichkeit der Christenlehre zusammengefasst: eine halbwegs gerechte Gesellschaft, wo es nicht riesige Unterschiede in der Verteilung der Besitztümer gibt, ist keine christliche Gesellschaft, sowas hat der Jesus nicht gefordert und in ihrer ganzen Geschichte war die katholische Kirche immer auf Seiten der "Tag für Tag herrlich und in Freuden" lebenden Reichen und Superreichen. Aber mit einer ganz geringen Einschränkung, die allerdings ganz böse Folgen hat: die Abfälle vom Tisch des Reichen, nicht den Armen hinzuschmeißen, das ist eine ewig mit schwerster Folter zu strafende Sünde. So deppert ist die Christenlehre. Amen.


147. Wort zum Sonntag, den 22. September 2013

Lk 16,1-13: In jener Zeit sagte Jesus zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. Doch - ich weiß, was ich tun muß, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib «fünfzig». Dann fragte er einen andern: Wieviel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib «achtzig». Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht. Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer (wahres) Eigentum geben? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

Gott oder Mammon! Das ist hier die Frage! Die katholische Kirche hat diese Frage für sich schon früh gelöst. Mit Hilfe der sogenannten Konstantinischen Schenkung, wohl der größten und folgenreichsten Betrugsaktion der Menschheitsgeschichte, brachte sie im Jahre 800 mit gefälschten Papieren immense Besitztümer an sich, sie hat sich eindeutig für den Mammon entschieden und ist davon nie wieder abgerückt, die katholische Kirche ist die reichste Institution auf dieser Welt und sie müht sich immer noch mit größter Raffgier ab, ihre irdischen Güter noch mehr zu vergrößern.

Die christlichen Parteien sind die Parteien, welche die Interessen des Mammons fördern und unterstützen, im Wahlkampf für die österr. Nationalratswahlen am 29.9. setzt sich die ÖVP mit all ihrer Kraft für die Interessen der Großagrarier, Konzerne, Banken und Multimillionäre ein, christliche Politik bedeutet: dem Mammon zu dienen und ein bisschen vom Almosengeben zu reden.

Die obige Bibelstelle bereitet den christlichen Auslegern ziemliche Probleme
. Denn zuerst wird der Verwalter, der Unterlagen fälscht, wodurch er sich Vorteile erhofft und sein Herr geschädigt wird, dafür gelobt und dann wird er dafür getadelt, weil er nicht zuverlässig im Umgang mit fremden Gut ist. Sehr viel Klugheit leuchtet aus dieser Textstelle nicht hervor, eher erscheint sie als eine Art Produkt der berühmten "Stillen Post", also durch wiederholtes Abschreiben fehlerhaft und in sich widersprüchlich geworden zu sein.

Was meint der Schönborn dazu? Er kommt aus dem Gwirkst dieses Text auch nicht heraus und schließt nach einigem Hin und Her schließlich mit: "Die Geschichte passt gut in die Zeit heutiger Finanzskandale, wo so manche versuchen, auf Kosten der Allgemeinheit ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Was ist daran lobenswert? Nicht der Betrug, sondern die 'Klugheit', sich 'Freunde' zu machen für schlechte Zeiten. Macht euch Freunde im Himmel, rät Jesus. Die werdet ihr einmal gut brauchen können. Und dazu ist gut verwendetes Geld allemal nützlich."

Übersetzt könnte das somit heißen: Arbeitsscheue Korruptionisten, die sich mit fremdem Geld die richtigen Freunde kaufen, kommen in den Himmel. Klingt ganz nach spiritualisierter christlicher Politik.


146. Wort zum Sonntag, den 15. September 2013

Lk 15,1-10: In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt. (lt. Messbuch wäre heute auch noch das hier folgende Gleichnis vom "Verlorenen Sohn" dran, aber Schönborn lässt es in seiner Kronenzeitungspredigt weg).

Und auch auf der Homepage der Diözese fehlt was, die ganze Schönborn-Predigt ist dort nicht zu finden. Da muss ich heute die Schönborn-Zitate wieder selber abtippen. Oh welche Strafe des HErrn!

Und um meine Arbeit zu vermehren, hab ich auch noch nachgeforscht, was damals eine Drachme wert war. Weil heute kann man den Wert einer Drachme aus Griechenland in Euro gar nimmer angeben, weil das nur etwa vier ehemalige österreichische Groschen wären, also etwas mehr als ein halber deutscher Pfennig. Aber vor 2000 Jahren war eine Drachme (oder Denar) laut Mt. 20,2 der Tageslohn eines Arbeiters, da kann man schon die Wohnung ausfegen, um ihn wieder zu finden. Schönborn kennt die Bibel nicht so genau wie es eifrige Atheisten wie ich tun und meint in seiner Predigt, die Frau habe "wegen einer wertlosen Münze" das Haus durchgefegt. Nein, eine Drachme war keine wertlose Münze!

Soweit das Sachliche, nun das Biblische. Die berühmten Schafe kommen wieder einmal dran, heute allerdings nur indirekt als Sinnbild für die Gläubigen. Weil der heutige Schafsucher sucht das Schaf, weil der Verlust sein Verlust wäre und nicht weil er ein großer Schafretter ist. Und die Drachmensucherin sucht die Drachme auch für sich und nicht weil eine verlorene Drachme so arm und unglücklich wäre. Bisweilen hat der Jesus seine Gleichnisse nicht wirklich durchdacht. Oder meinte der Herr Gottessohn, man solle kein verlorenes Schaf sein, weil verlorene Schafe schädigen das Besitztum des HErrn, darum geht dich der HErr suchen. Und auch die sündige Drachme landet wieder bei den anderen Drachmen in der herrschaftlichen Geldbörse.

Aber ich komm schon wieder in ein halblustiges Gefasel, wollen wir doch ernst bleiben bei der Sonntagspredigt und schauen was der Herr Schönborn aus dem heutigen Evangelium gelernt hat und die Kronenzeitungsleserschaft darüber lehren will. "Jesu Botschaft ist stark: Gott schreibt keinen ab. Niemand ist für ihn wertlos. Deshalb geht er jedem nach, und mag er uns auch noch so verloren erscheinen". Nochmals als Anmerkung: eine damalige Drachme war nicht wertlos!

Also mit dem katholischen Gott hab ich die Erfahrung gemacht, dass mir die Christenlehre auf die Nerven geht, aber nachgegangen ist mir bisher kein katholischer Hirte. Auf die Nerven sind sie mir in meiner Schulzeit (1953-1965) gegangen, weil da konnten sie noch inquisitorisch verlangen, man müsse als katholisch Getaufter und noch nicht Ausgetretener heucheln als ob man zur katholischen Schafsherde gehören würde. Ich war nie ein Schaf gewesen, dank meiner religionsfreien Erziehung war ich von Anbeginn meiner Lebenszeit für die Religion verloren, durch die damaligen Zeitumstände war Religion aber noch Schicksal gewesen. Kein katholischer Hirte hat mich jemals gesucht, weil die haben wohl gewusst, dass sie ihre Herde auf Dauer sowieso nicht zusammenhalten können und sind heute vermutlich froh, wenn in ihrer Pfarre drei oder fünf oder zehn von hundert vermeintlichen Schafen am Sonntag in der Kirche ein "Mäh" hören lassen. Und um 90 Schafe von 100 suchen zu gehen, dazu gibt's zuwenig Hirten.

Aber Schönborn droht unverdrossen weiter, der Jesus stelle allen nach, "auch dann noch wird er dir nachgehen, dich im hintersten Gestrüpp suchen, in dem du dich verfangen hast". Verfangen im hintersten Gestrüpp sind religiöse Eiferer zu finden, die ihre Lebenszeit damit verbringen, sich im religiösen Morast zu wälzen. Unsereiner bewegt sich in der freien Luft. Allerdings gebe ich zu, die traumatische Schädigung durch den Zwang als Kind und Jugendlicher zwölf Jahre lang religiös lügen und heucheln zu müssen, hält mich auch als alter Mann im Banne der Religion und ich verscheiß meine Zeit mit diesem Schmarrn! Hab ich's notwendig jeden Sonntag ein Sonntagswort gegen die katholische Religion zu schreiben? Und unter Woche jeden Tag diese Homepage zu erweitern? Nein, hab ich nicht, aber mir gelingt es einfach nicht, den Faden abzubeißen, mit dem ich an der katholischen Traumatisierung hänge. Wahrscheinlich sollte ich eine Entziehungskur machen und statt der Atheisten-Site eine rock'n'roll-Site online stellen oder einen Laurel&Hardy Fanclub gründen. Und die ungelesenen Bücher lesen und die ungeschauten Filme anschauen.


145. Wort zum Sonntag, den 8. September 2013

Lukas 14,25-33: In jener Zeit als viele Menschen Jesus begleiteten, wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, so lange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Heute hat der Herr Schönborn für seine Predigt auf der Wiener Diözesen-Homepage und in der Kronen Zeitung wieder ein kniffliges Problem. Weil der Jesus eine ganz strenge Linie vorgibt, Jünger von ihm dürfe nur wer sein, der mit seinen bisherigen Lebensumständen völlig bricht und auf seinen Besitz verzichtet.

Was sagt er dazu, der Herr österreichische Chef der katholischen Kirche
, deren Vermögen hierzulande auf mindestens 4,5 Milliarden Euro geschätzt wird und weltweit wohl in den Billionenbereich geht, es gibt auch im Zeitalter der kapitalistischen Globalisierung keine Firma, die auch nur ein bisschen so reich ist wie die besitzverzichtende katholische Kirche.

Also was sagt er zum Familienverlassen, Lebengeringschätzen und zum Besitzverzicht? Nu, er sagt gar nichts, keine einzige Silbe! Weil er tut heute so, als habe er den Grundton des heutigen Evangeliums gar nicht wahrgenommen, sondern er nimmt nur die Unterteile für seine Predigt. Also dass man für einen angestrebten Turmbau auch genügend Mittel haben soll und keinen Krieg anfangen darf, wenn man ihn nicht gewinnen kann. Dass man ohne Trennung von seinen bisherigen Lebensverhältnissen und ohne Besitzverzicht kein Jesus-Jünger sein kann, das findet nicht die geringste Erwähnung. Was für ein Heuchler! Aber Schönborn weiß sicherlich, dass er das gar nicht ansprechen kann.

Die katholische Kirche hat in Österreich immer noch über fünf Millionen Mitglieder. Ernsthaft von denen das zu verlangen, was der Jesus in der heutigen Bibelstelle fordert, ist so derartig weit weg von der Realität, von den fünf Millionen ließen sich heute wahrscheinlich keine fünf dazu überreden, diesem Jesusauftrag Folge zu leisten. Also redet der Herr Kardinal in seiner gewohnten Feigheit gar nicht davon.

Aus der Schönbornpredigt: "Jesus warnt vor halbherzigem Tun. Wer ihm nachfolgen will, wer Christ zu sein bemüht ist, soll sich gut überlegen, ob er bereit ist, dafür alles einzusetzen, damit wirklich ernst zu machen. Sonst sei er wie ein Turmbauer, dem auf halbem Weg das Geld ausgeht, oder wie ein Militär, der unbedacht einen Krieg riskiert." Bedacht einen Krieg zu riskieren, dagegen hat der Wiener Bischof offenbar nichts, nur ja nicht unbedacht handeln, nur Kriege führen, die man sicher gewinnt!

Achja, die bevorstehenden Wahlen zieht Schönborn auch noch in seine Predigt, sinngemäß so, dass Politiker keine Türme versprechen sollen, wenn sie kein Geld dafür haben. Der Schlusssatz lautet. "Wo in unserem Leben Gott wirklich an erster Stelle steht, ohne 'Wenn' und 'Aber', da bekommt das ganze Leben Halt und Orientierung, halbherzig geht das freilich nicht." Na dann los, weg mit dem katholischen Besitz, weg mit dem ganzen privaten Anhang, das Kreuz geschultert und hinein ins Jesusleben bis zum Opfertode! Na, was ist, wann legt er los, der Schönborn?


144. Wort zum Sonntag, den 1. September 2013

Lukas 14, 1.7-14: Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Das heutige Evangelium ist eine der Grundlagen für das winselnde katholische Geheuchel. Händeringend, augenverdrehend, mit salbungsvoll-weinerlichem Ton erzählen die katholischen Hirten ihren Schafen, man müsse still und bescheiden sein. Das hat jahrhundertelang bei vielen Menschen gewirkt, sie akzeptierten Unterdrückung und Ausbeutung widerstandslos, weil Gott hatte sie auf ihren Platz gestellt und wenn das der letzte Platz war, dann gab's ja im Himmel die Entschädigung dafür.

Schönborn fasst die biblische Regel der Erniedrigung so zusammen: "Jesus erteilt eine Lehre in Sachen Demut. Mach dich nicht wichtig! Suche nicht den Vorrang! Bleib bescheiden! Vielleicht kommt dann der Gastgeber und sagt zu dir: 'Mein Freund, rück weiter hinauf!' Sicher hat Jesus recht: 'Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen'."

Friedrich Nietzsche hat für die Praxis dieser christlichen Lehre in "Menschliches, Allzumenschliches" diese Variante formuliert "Wer sich selbst erniedrigt, will erhöht werden" und damit diese Heuchelei auf den Punkt gebracht. Nachdem der Herr Kardinal das in seiner Predigt genau so sieht, heuchle Bescheidenheit, auf dass du aufgewertet wirst, bräuchte man dazu eigentlich nichts mehr zu sagen. Aber ein bisschen was sollte diesen erbärmlichen Heuchlern doch noch mitgeteilt werden.

Aktuell ist jetzt im ÖVP-Wahlkampf zur Nationalratswahl 2013 die christkatholische Bescheidenheit politisch sehr sichtbar: Weg mit dem Achtstundentag, her mit dem Zwölfstundentag, weil da können sich die arbeitenden Menschen wieder einmal demutsvoll klein machen, auf dass es denen vorne und oben noch glänzender geht. Und ja keine steuerlichen Erniedrigungen für hohe und höchste Vermögen! Weil die Multimillionäre müssen sich auch weiterhin unbehindert erhöhen dürfen.

Für die solcherart christparteilich Gedemütigten hat Schönborn den Schlussabsatz: "Es stimmt schon: In der Welt zählt vordergründig mehr der Glanz und das Etwas-Gelten. Aber auf die Dauer hat sich immer noch die echte Herzensqualität, die wirkliche Kompetenz, der ehrliche Mensch bewährt. Und der zeigt sich nun einmal auch in der persönlichen Bescheidenheit. Und die bringt mehr Freude und Zufriedenheit als alle ersten Plätze."

Arbeitende Menschen! Wählt ÖVP! Weil diese Partei garantiert Euch persönliche Bescheidenheit, Freude und Zufriedenheit hinten auf den letzten Plätzen, im Namen des Vaters und des Sohnes, des Hl. Geistes und der ständig steigenden Ausbeutung, amen.


143. Wort zum Sonntag, den 25. August 2013

Lk 13,22-30: Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.

Heute darf wieder geheult und mit den Zähnen geknirscht werden, heute gibt's wieder einmal die ewige Verdammung als Strafe für ein nicht jesusgefälliges Erdenleben! Schönborn einleitend: "Wen beschäftigt heute diese Frage? 'Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?' Für viele, die an ein Leben nach dem Tod glauben, ist es klar: 'Wir kommen alle in den Himmel'. Kaum jemand glaubt noch, dass es eine Hölle gibt, dass also manche, vielleicht sogar viele, nicht gerettet werden. Denn um die Frage der ewigen Rettung oder der ewigen Verdammnis geht es dem, der Jesus diese Frage stellt. Für die, die nicht an ein Leben nach dem Tod glauben, ist sowieso alles mit dem letzten Atemzug zu Ende. Die Frage kann für sie nur sein: Wie kann mein Leben gut gelingen ehe alles aus ist?"

Das hat der Herr Erzbischof gut beobachtet! Ein Leben zu führen, mit dem man zufrieden ist, das ist eine vernünftige Methode mit der Einmaligkeit unseres Daseins umzugehen. Nicht an die Hölle zu glauben, ist auch vernünftig, noch vernünftiger ist es, auch den Jesus ins Reich der Osterhasen zu verweisen. Anzunehmen, man würde deswegen hier auf Erden leben, weil ein Gott uns testet, ob wir qualifiziert sind, ins "Haus der Herrn" einzutreten, ist ein wirklich sonderbare Idee. Da müsste also ein dreifaltiger Gott ein 100 Milliarden Galaxien großes Universum schöpfen, damit er eine Erde hat, auf welcher er Menschlein züchtet zum Zwecke der Erlösung und Verdammung. Heute zeigt das Evangelium wieder einmal die Einfalt der Christenlehre in schönster Klarheit.

Aber der Schönborn kommt natürlich durch die enge Türe ins Haus des Herrn, denn er schließt mit: "Herr, du weißt doch, ich bin ein fehlerhafter Mensch. Vieles gelingt mir nicht so recht. Oft versage ich. Wie soll ich das schaffen? Da höre ich seine Antwort an mich (und auch an dich): Das stimmt, alleine schaffst du das nicht. Aber ich bin bei dir. Ich bin dein Retter. Und daher mein Gebet: Herr, rette mich. Rette uns alle!"

Der HErr hält für'n Schönborn ein Scheunentor offen - trotz der obigen Bibelworte. Und alle, alle kommen in den Himmel, weil wir so brav sind.

Amen.


142. Wort zum Sonntag, den 18. August 2013

Lk 12,49-53: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Heute ist der liebe Jesus wieder einmal ein böser Jesus, ein Zündler und Zwietrachtstifter, heute wird nicht von der Nächstenliebe geschleimt, sondern heute sind alle mit allen zerstritten, heute geht's zu wie bei den Trotzkisten, weil die hatten in den 1968er-Zeiten den Ruf, die bedeutendsten Spalter zu sein. Da gab es den Witz: was macht ein Trotzkist, der ganz alleine ist? Er sucht sich einen zweiten Trotzkisten, damit sie sich spalten können.

Da im Lukas-Kapitel 12 zu den Versen 49-53 weder vorher noch nachher was Dazupassendes steht, erscheint der Text recht rätselhaft. Soll das auf die Erde geworfene Feuer ein Feuer sein, das die Menschen religiös befeuert? Und weswegen sollen sich die Menschen in was spalten? Ist dann die Schwiegertochter fürs goldene Kalb und die Schwiegermutter für die Pharisäer?

Aber was soll's, schauen wir nach, wofür ist der Schönborn? Er fragt, ob es wahr sein könnte, dass die Religionen die Menschen spalten. Und meint dann, dass politische und Machtansprüche im Namen der Religion ausgefochten werden.

Aber dem Jesus seine Spaltung sei gemäß Schönborn ganz was anderes, denn das Feuer, das er auf die Erde werfe, sei "das Feuer der Liebe, der Gerechtigkeit, der Vergebung, der Barmherzigkeit". Unsereiner kennt das aus der Kirchengeschichte eher weniger, denn wenn's katholisch gebrannt hat, ging's um Religionskriege, Zwangsbekehrungen, Scheiterhaufen, Hass, Ungerechtigkeit und unbarmherzige Unterdrückung. Im Hause der Heuchler und Pharisäer brennt nur das Licht der Liebe zu sich selbst.

PS: Nachdem heute weder dem Schönborn noch mir was besonders Lustiges eingefallen ist, hier ein Link: Wir basteln uns einen Gott - man ist echt verblüfft, wie einfach das ginge und wie lustig das wäre!


141. Wort zum Feiertag, am 15. August 2013

Lk 1, 39-56: In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Der heutige Feiertag heißt "Maria Himmelfahrt", eine zu dieser Himmelfahrt passende Bibelstelle gibt es nicht, weil diese Himmelfahrt eine Erfindung aus dem 6. Jahrhundert ist, als katholischer Glaubensbestandteil wurde dies erst im Jahre 1950 von Papst Pius XII. glaubensverbindlich festgelegt. Er erließ deswegen eine Enzyklika und ordnete an: "Wir verkünden, erklären und definieren es als einen von Gott geoffenbarten Glaubenssatz, dass die makellose Gottesmutter, die allzeit reine Jungfrau Maria, nach Vollendung ihrer irdischen Lebensbahn mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde. (..) Wenn daher, was Gott verhüten möge, jemand vorsätzlich dies, was wir definiert haben, leugnet oder in Zweifel zieht, so soll er wissen, dass er völlig von dem göttlichen und allumfassenden Glauben abgefallen ist."

Katholiken, die nicht an diese Himmelfahrt glauben, kommen also nicht in den Himmel, weil sie vom Glauben abgefallen sind. Darüber predigt der Schönborn in der Kronenzeitung heute nicht, er geht auf die "Himmelfahrt" überhaupt nicht ein, das Wort kommt in seiner Predigt gar nicht vor.

Er begeistert sich dafür für diverse Marien-Gesänge, weil die Gottesmutter Maria ist ja die einzige Frau, die ein Kleriker lieben darf, darum blühen bei Marienliedern die klerikanischen Gefühle auf. Die obige Bibelstelle, wo die Maria ihre Verwandte Elisabeth (die werdende Mutter von Johannes dem Täufer) besucht, erklärt der Kardinal deshalb für ein von Maria selbst gesungenes Marienlied.

Für Marienlieder bin ich natürlich kein Experte, geläufig ist mir ein Marienlied nur aus der West Side Story von Leonard Bernstein, aber das handelt von keiner Gottesmutter:


Eine besonders realitätsferne Stelle enthält das heutige Evangelium: der katholische Gott macht nämlich laut Bibel folgendes: "er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen". Wäre bloß noch zu fragen, wann und wo er das gemacht hätte, der katholische Gott? Aber ja doch! In Österreich hat er (allerdings mit parlamentarischer Hilfe) am 12. November 1918 die Monarchie gestürzt, die Republik ausrufen lassen und den tiefstkatholischen Kaiser Karl des Landes verwiesen. Seltsamerweise war die österreichische katholische Kirche von diesem Sturz der Mächtigen überhaupt nicht begeistert, den gestürzten Kaiser hat die katholische Kirche inzwischen - voller Hochmut - sogar zum "Seligen" befördert.

Und die Erhöhung der Niedrigen erfolgte seinerzeit durch die Arbeiterbewegung und nicht durch die katholische Kirche, die christliche ÖVP setzt sich auch heute noch mit größter Leidenschaft für die Erhöhung der Finanzen der Multimillionäre und für die Erniedrigung der arbeitenden Menschen ein.

Ganz aktuell:
die SPÖ hat gerade bemerkt, dass man wieder einmal eine extrem arbeitnehmerfeindliche Entwicklung völlig verschlafen hat, nämlich die sogenannten "All-in-Verträge". Dabei werden unselbständig Erwerbstätigen Überstunden in undefinierter Menge pauschaliert bezahlt, was dazu führt, dass die tatsächlichen Stundenlöhne unter die Kollektivverträge sinken. Rund 20 % der Beschäftigten haben inzwischen solche Verträge und die Schlafmützen in der Gewerkschaft haben das erst jetzt bemerkt und fordern die Abschaffung. Nun wer ist nun für diese All-in-Verträge? Die ÖVP! Weil damit werden die Niedrigen weiter erniedrigt und das ist die übliche christliche Vorgangsweise, denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe, wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat (Mt 25,29). Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes der katholischen Nächstenliebe, amen.


140. Wort zum Sonntag, den 11. August 2013

Lukas 12, 32-48: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben. Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft. Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen? Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen. Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht, dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen. Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.

Was lernen wir aus der heutigen frohen Botschaft? Dass es Herren gibt und das es Knechte gibt. Und das dies so sein muss! Die Herren züchtigen die Knechte körperlich und das ist offenbar gut so, weil dem Schönborn kommt natürlich kein Ton aus, dass sein Herr Jesus gesellschaftspolitisch auf der Position der herrschenden Klasse stand und das Verprügeln von Knechten und Mägden als Selbstverständlichkeit sah. Aber da ist sich die katholische Kirche bis heute treu geblieben, zwar röchelt Papst Franz Barmherziges über die Armen, aber mit keiner Silbe hat er bisher das Klassensystem in Frage gestellt. Es ist gottgewollt, dass es Herren und Knechte gibt, steht ja schließlich so in der Bibel.

Schönborn denkt darüber nach, ob er eh ein guter Knecht ist und setzt sich dafür ein, dass alle Christen gute Knechte sein müssen, um dem Herrn zu dienen. Aktuell erlebt man es ja jetzt im österreichischen Wahlkampf, der ÖVP-Boss Spindelegger ist für eine "entfesselte Wirtschaft" der Herren und für den 12-Stunden-Tag für die bei den Herren beschäftigten Knechte und Mägde, er kennt als Christ ja seine biblischen Vorschriften.

Was erzählt uns der Herr Kardinal sonst noch? Er setzt sich für die lückenlose christliche Pflichterfüllung ein, weil die Christen müssen bereit sein zur Rechenschaftslegung, wenn der Herr kommt.

Zwischendurch schimpft er über Habsucht und Geldgier, wobei er klarerweise zu erwähnen vergisst, dass die katholische Kirche mit all ihren Anhängseln Besitztümer hat, die in den Billionenbereich gehen, sie somit mit weitem Abstand die reichste irdische Institution ist. Die aktuell teuerste Firma der Welt Exxon-Mobil hat einen Wert von 402 Milliarden Dollar, solche Firmen könnte sich die katholische Kirche wohl einige kaufen. Aber selber was auslassen, also dem obigen Satz im Evangelium, "Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen!" zu folgen wird der katholischen Kirche niemals einfallen, kostenfrei über die armen Armen reden, das schafft man!

Schönborn schließt: mit "Auf den Herrn warten, das heißt: Allzeit bereit sein, vor Gott Rechenschaft über unser Tun und Lassen geben zu können. Und das nicht erst irgendwann am Ende des Lebens, sondern hier und heute. Wer so lebt, sammelt 'Schatz im Himmel' - und ist für seine Mitmenschen ein Segen!"

Dummerweise sammelt die kath. Kirche wie oben schon beschrieben keine Schätze für den Himmel, sondern für die eigene Kassa, die kirchlichen Wohltaten sind nahezu ausschließlich fremdfinanziert, der Segen für die Mitmenschen stammt in der Regel aus den Kassen des Sozialstaates. Trotzdem will der Schönborn - wenn der Herr kommt - eine himmlische Belohnung. Was aber niemanden was bringt. Denn es wird kein Herr kommen und in den Himmel wird auch keiner kommen, die Religionsfreien nicht, weil sie nicht glauben, die Gläubigen nicht, weil es keinen Himmel gibt. Amen.


139. Wort zum Sonntag, den 4. August 2013

Lk 12,13-21: In jener Zeit bat einer aus der Volksmenge Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen. Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht? Dann sagte er zu den Leuten: Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

Ja,ja, wir wissen es! Der beste Sinn des Lebens besteht für brave Christen darin, dass sie als armer Lazarus vor der Tür des reichen Prassers liegen, hungernd und leidend, weil dafür werden sie im Paradies dann schwer belohnt und der Prasser wird schwer bestraft, nachzulesen auf Lukas 16,19-31.

Und dass der reiche Prasser auch sicher dereinsten in der Hölle schmort, dafür setzen sich die christlichen Parteien mit allem Nachdruck ein: ja nur keine Belastungen für die Reichen und Superreichen, sonst kommen sie nicht in die Hölle! Belastungen für die arbeitenden Menschen, damit das Himmelreich ihrer wird. Dafür haben wir in Österreich die ÖVP!

Die obige frohe Bibelbotschaft ist zudem auch aus dem praktischen Leben gesehen sehr dumm:
hat der Vermögende keine Familie, keine Nachkommen? War er nur ein ganz alleinstehender Einzelreicher? Hat er seinen Samen verschleudert wie ein Zölibatär?

Was will uns Schönborn heute verkünden? Wie üblich hier sein Resümee: "Der Tod stellt alle Habgier radikal in Frage. Was kannst du mitnehmen von dem, was du in einem bitteren Erbstreit erkämpft hast? Jesus nennt den Habgierigen einen Narren. Und was ist es anderes als Narretei, wenn man immer mehr haben will? 'Der Sinn des Lebens', sagt Jesus, besteht doch nicht darin, immer mehr zu haben. Aber wie schwer ist es, die Habgier loszulassen! Schon die Kinder streiten um das, 'was mir gehört'. Nur eines lohnt sich wirklich: 'Reich sein vor Gott', das heißt reich an Güte, an Menschlichkeit, an Liebe. Dieses Erbe macht uns niemand streitig! Es ist die beste Erbschaft!"

Und warum steht dann die Erzdiözese Maribor vor dem Bankrott, wie dieser Tage berichtet wurde (siehe Info Nr. 1536)? War das keine Habgier? Und war es keine Habgier, was die katholische Kirche im Laufe ihrer Geschichte alles zusammengestohlen hat? Ruht nicht die materielle Grundlage der r.k. Kirche auf dem größten Betrug aller Zeiten, nämlich auf der Konstantinischen Schenkung?

Im Fach Habgier ist die katholische Kirche bis heute durchgehend Weltmeister!
Sogar die Einführung des Zölibats war ein Akt von Macht- und Habgier, mit der man die Bildung lokaler und regionaler feudaler Kirchenbesitztümer unterband. "Güte, Menschlichkeit und Liebe" haben die Institution Kirche nie geplagt, das waren bloße Sonntagsworte und Aufträge ans Glaubensvolk, die Habgier der Kirche besser zu unterstützen - z.B. durch Erbschaften. Und vor Gott wird keiner reich sein, weil die Toten sind bloß tot, aber die kirchliche irdische Macht und Herrlichkeit ist die großartigste weltweite Ansammlung von Habgier, man kann ruhig schätzen, dass die r.k. Kirche und ihre Institutionen weltweit Vermögen und Besitztümer von einigen Billionen Euro haben, amen.


138. Wort zum Sonntag, den 28. Juli 2013

LK11, 1-13: Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung. Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

Diesen Text hatten wir hier schon beim 2. Wort zum Sonntag am 25. Juli 2010, ich kann daher meine damalige Predigt wiederverwerten: "Hört sich irgendwie viel versprechend an. Liebe Christen, geht Eurem Gott auf den Sack, er wird Euch helfen, sowie Ihr Eurem Nachbarn helft, der Euch auf die Nerven geht, und der bekommt, was er will, auf dass er Euch in Ruhe lasse. 'Wer suchet, der findet', wurde zu einem Erfolg fast garantierenden Sprichwort. Also betet zum HErrn, er wird Euch öffnen und Euch geben und beim Suchen und Finden helfen."

Aber predigt auch der Schönborn das Gleiche? Nein, tut er nicht, er ist heute höflicher als damals, 2010 schrieb er als Schlusssatz: "Er (Jesus) hat oft auch darüber gesprochen, wie wir beten sollen. Die rechte Gebetseinstellung hat er durch sehr ansehnliche Bilder ausgedrückt. Heute durch die Geschichte von dem zudringlichen Mann, der völlig ungeniert seinen Freund um Mitternacht aus dem Bett läutet, um ihn um Brot für unerwartete Gäste zu bitten. So unverschämt, so lästig sollen wir unserem himmlischen Vater gegenüber sein. Er wird uns doch nicht abweisen! Traut euch beten, fest und voll Vertrauen! Das ist die Ermutigung Jesu. Kräftig durchatmen mit der Seele!"
Und heute heißt es: "Zwischen uns Menschen ist das gegenseitige Bitten etwas Urmenschliches. Es ist ein wichtiger Teil unserer menschlichen Beziehungen. Warum sollte das zwischen mir und Gott nicht auch so sein? Wenn ich mit meinen Sorgen bittend zu Gott komme, dann habe ich das Vertrauen, dass er nicht eine anonyme Macht, irgendeine Energie ist, sondern 'unser Vater', jemand, mit dem ich sprechen kann, der mich kennt, der um meine Sorgen weiß, und der mich mehr lieb hat, als mein eigener Vater. Genau das will Jesus uns lehren. Das ist seine Erfahrung: Mit Gott kann er so vertrauensvoll sprechen, wie ein Sohn mit seinem Vater. Beten ist eine Sache des Vertrauens. Das will Jesus uns lehren: Ein ganz großes, herzliches, kindliches, ja grenzenloses Vertrauen. Deshalb sollen wir ruhig heftig und zudringlich bei unserem Gott anklopfen!"

Ja! Tut das! Weil manchmal wird ja was gut ausgehen und dann war es der Jesus, der geholfen hat, weil er darum gebeten wurde. Und wenn's nicht klappt, nu, dann hat der Jesus in seiner Allwissenheit in seinem Gottesplan aber etwas anderes vor. Aber das obige biblische Versprechen hat dann trotzdem nicht funktioniert. Pech gehabt mit der Religion. Amen.


137. Wort zum Sonntag, den 21. Juli 2013

Lk 10,38-42: Sie zogen zusammen weiter, und er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

Heute haben wir schon wieder eine eher fade Geschichte. Als Außenstehender fiel mir zum obigen Text als Erstes unser guter Kaiser Joseph II. ein, der in Österreich soviel für den Säkularismus und soviel gegen die r.k. Kirche geleistet hat. Er hat auch alle Klöster aufgelöst, die nach dem obigen Maria-Prinzip agiert haben. Also nichts für die Allgemeinheit geleistet, sondern ihre Zeit auf Kosten der Gesellschaft "kontemplativ" verplempert haben. Sie versenkten sich in religiöse Beschaulichkeit, beteten den ganzen Tag, verbrauchten also ihre Zeit gänzlich zwecklos. Klöster, die sich wie die Schwester der obigen Marta nutzloser religiöser Hingabe widmeten, sah Joseph II. als Quellen des Aberglaubens und des religiösen Fanatismus, er löste deshalb 1782 über 800 solche Klöster auf, verstaatlichte ihren Besitz und führte den Erlös einem Religionsfonds zu, der hinkünftig für die Errichtung neuer Pfarren und die Pfarrerbesoldung zuständig war, was bis nach dem 1. Weltkrieg funktionierte.

Was sagt Schönborn zu Marta und Maria? Er fragt: "Wie soll man das rechte Maß zwischen Tätigsein und Besinnlichsein finden? Wie nicht untergehen in den endlosen Aktivitäten des täglichen Lebens? Wie nicht im wörtlichen Sinne besinnungslos werden? Wie im Leben Platz bewahren für Innerlichkeit, Nachdenken und vor allem für Stille und Gebet?"

Nu, es kann ja jeder beten bis er wirklich besinnungslos ist. Aber nicht auf öffentliche Kosten, sondern als Freizeitbeschäftigung. In Israel sind in diese Richtung zurzeit politische Bemühungen im Gange. Dort gibt es nämlich zehntausende Ultraorthodoxe, die ihr Leben mit dem Studium der religiösen Schriften verbringen, dafür staatliche Unterstützung erhalten, aber rein gar nichts für die Gesellschaft leisten, nicht einmal als Rabbis. Sie gehen beruflich einer rein kontemplativen Beschäftigung nach. Säkulare Parteien bemühen sich nun, solche Untätigkeiten nicht mehr als staatlich bezahlte zuzulassen.

Schönborn jammert dann ein bisschen, weil er als Bischof zuwenig zum ruhigen inneren Betrachten komme, also in seinem Alltag zuviel Marta und zuwenig Maria hat. Er empfiehlt dann das Leben in früheren Zeiten: "Unsere Alten wussten das wohl besser als wir, wenn sie den Tag nicht ohne Morgengebet begannen und nicht ohne Abendgebet beschlossen. Sie hatten ein Gespür dafür, dass die Zeiten des Gebetes, der Andacht, der Stille, dem Leben Halt und Richtung geben. Sie hatten sicher meist kein leichteres Leben als wir, aber sie hatten oft eine bessere Rangordnung in den Dingen, die im Leben wichtig sind."

Diese Damaligen hatten eben sonst nichts als Arbeit, Elend und Gottvertrauen, sie brauchten das "Opium des Volkes". Heute sind die Menschen großteils frei von der Abhängigkeit von religiösen Opiaten, die Seufzer der bedrängten Kreatur sind deutlich weniger geworden und bevor der göttliche Jesus als letzte Hilfe einspringen müsste, haben normalerweise die Einrichtungen des irdischen Sozialstaates schon geholfen. Amen.


136. Wort zum Sonntag, den 14. Juli 2013

Lukas 10,25-37: In jener Zeit wollte ein Gesetzeslehrer Jesus auf die Probe stellen. Er fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

Heute haben wir wieder einmal den liebeskranken Gott, der von seinen Menschlein geliebt werden möchte. Der Ursprung dieses merkwürdigen Gebarens liegt darin, dass monotheistische Götter der Ausdruck von Gesellschaften mit einem Alleinherrscher waren, der geliebte Jehova entstand als Einzelgott im Zeitalter der geliebten Könige.

Den Nächsten lieben zu sollen wie sich selbst, ist klarerweise ein hanebüchener Unsinn. Wenn man jemandem hilft - so wie es oben bei Lukas der sprichwörtlich gewordene barmherzige Samariter tut - besteht keinerlei Notwendigkeit, dass deswegen der Helfer den Geholfenen liebt wie sich selbst. Wozu auch?!

Wenn auf der Straße wer niederfällt und man hilft ihm auf die Beine: liebt man deswegen den Gestürzten? Oder ist es einfach ein vernünftiges Verhalten, jemandem, der Hilfe braucht, zu helfen, weil man ja selber auch einmal Hilfe brauchen könnte?

Und was machen die Leute, die sich selber nicht mögen? Und denen olle Menschn zwida san? Kurt Sowinetz:


Aber dieser österreichische Nummer-1-Hit von 1973 nur als satirischer Spaß nebenbei. Was sagt uns heute der Herr Kardinal Schönborn? Ganz diplomatisch freut er sich über den "Arbeiter-Samariter-Bund" und nicht über die "Caritas", weil der Samariterbund ist SPÖ-nahe und hat trotzdem das Wort "Samariter" im Namen. Könnte allerdings sein, dass sich die Arbeitersamariter deswegen so nannten, weil ja die biblischen Samariter nicht zum auserwählten Volk der Israeliten gehörten, also außerhalb der jüdisch-christlichen Traditionen standen. So wie die Arbeiterbewegung sich solidarisch gegen die christlichen Herrscher wehren musste, betrieb man eine auch keine almosische, sondern eine solidarische Sozialorganisation.

Aber kommen wir zur Kernaussage Schönborns: "Und wer ist mein Nächster? Diese Gegenfrage ist nicht nur ein Ausweichmanöver. Die Frage stellt sich mir täglich, und ich denke, nicht nur mir. So vieles wird von mir erwartet. So viel Not gibt es in der Welt. So viele Menschen brauchen etwas. Man kann sich nicht um alle kümmern. Wir müssen auswählen. Was kommt zuerst? Die Familie oder der Nachbar in Not? Wo ist mein Einsatz gefordert? Und wo muss ich sagen: Das muss ich anderen überlassen?"

Er sudert dann noch eine Weile damit herum, aber auf die prinzipielle Lösung kommt er als sehr gut ausgebildeter Christ natürlich nicht. Er bräuchte sich dabei nur an einen Glaubensfreund halten, an den verstorbenen brasilianischen Erzbischof Dom Helder Camara, der gesagt hat, "wenn ich den Armen Essen gebe, nennen sie mich einen Heiligen, wenn ich frage, warum sie arm sind, nennen sie mich einen Kommunisten."

Das Christentum hat als Lösung für Armut und Elend neben dem Himmelreich nur Almosen zu bieten, für wen soll ich spenden? Die Frage, welche Verhältnisse sollten angestrebt und erreicht werden, damit es nicht notwendig ist, Almosen zu geben, stellt sich einem sehr gut ausgebildeten Christen - wie eben einem katholischen Kardinal - gar nicht, der kommt nicht auf die Idee, über eine solche Frage überhaupt nachzudenken! Weil der Jesus hat sich ja gesellschaftspolitisch auch nicht geäußert.

Das ganze Gesumse von der Nächstenliebe ist nur ein Bestandteil der christlichen Heuchelei, ein bisschen was für die Armen und schon sind wir gute und barmherzige Menschen.
Darum zum Schluss ein von mir diesbezüglich gerne verwendetes Zitat von Karl Marx. Dieser alte Grantscherben hat seine Nächsten sicherlich nicht geliebt wie sich selbst, aber er hat vernünftig gedacht: "Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist." Es sind die Verhältnisse, die verändert werden müssen! Amen.


135. Wort zum Sonntag, den 7. Juli 2013

Lk 10,1-9: In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

Ja, die Missionierung! Das war das Grundübel des Christentums! Bei den Juden war die Gewinnung von Proselyten unüblich gewesen, es gab und gibt zwar auch Übertritte zur jüdischen Religion, aber die weltweite religiöse Unterwerfung war eine Erfindung des Christentums. Die Weltmission war erfolgreich, weil die Völker rund um den Erdball rasch lernten, dass der Gott, der mit Kanonen und Schießgewehren unterwegs ist, ganz sicherlich ein stärkerer Gott ist als der bisher gebräuchliche. Die diversen Quetzalcoatls, Hahgwehdiyus, Sabulanas und Wakanees traten in den Ruhestand und der Jesus wurde als tatsächlich Allmächtiger akzeptiert - auf dass die Schießgewehre still bleiben mögen. Ohne Geld, Vorratstasche und Schuhe hatte man sich nicht zur erfolgreichen Weltmission aufgemacht, die christliche Religionsverkündigung war ein Bestandteil des Imperialismus.

Interessanterweise kann sich Kardinal Schönborn sogar irgendwie an diese Missionen erinnern, er weiß auch, dass dadurch Interessentskonflikte entstehen, weil er führt an, auf einer Religionskonferenz in Teheran darüber geredet zu haben: "Wir Christen haben von Christus den Auftrag, allen Menschen das Evangelium zu bringen, und ihr Muslime habt den Auftrag, alle Menschen zum Gehorsam dem Koran gegenüber zu bringen. Beide Religionen richten sich an alle Menschen. Beide 'betreiben Mission'. Wie soll da ein friedliches Zusammenleben möglich sein? Sind da Konflikte der Religionen nicht vorprogrammiert?"

Und er setzt fort: "Die Geschichte, und leider auch die Gegenwart, zeigen nur zu deutlich, dass Mission oft mit Gewalt und Zwang verbunden war. Die Geschichte der christlichen Mission hat viele großartige Seiten geschrieben. Sie ist aber auch von dunklen Seiten belastet. Heute ist das Christentum die am meisten verfolgte Religion. In vielen Teilen der Welt werden Christen diskriminiert, vertrieben und getötet."

Dass Christenverfolgungen hauptsächlich in islamistischen Ländern passieren, führt er nicht an, das ist ihm zu heikel, da schweigt er lieber, weil sonst schimpfen ihn die Mullahs. Die von Schönborn behaupteten großartigen Seiten der christliche Mission sind schwer erkennbar. Wo hat das Christentum so missioniert wie oben beim Lukas beschrieben? Einfache Antwort: nirgendwo. Die heutigen Missionare bei den Zeugen Jehovas agieren vielleicht so. Die haben es in Österreich innerhalb von 100 Jahren auf einen Mitgliederbestand von um die 20.000 gebracht, der Haupterfolg ihrer Missionierung ist dabei jedoch auch die Gehirnwäsche an den innerhalb der Sekte Geborenen.

Die heutige Schönborn-Predigt ist wieder - wie schon fast gewohnt - eine fade Sache, der Predigtschluss lautet: "Damals hat Jesus zweiundsiebzig andere Jünger ausgesandt. Sie sollten ihm den Weg bereiten. Heute sind alle Christen gesandt, die Frohe Botschaft Jesu auf diese Weise weiterzugeben: ohne Zwang, ohne Druck, einladend, helfend, aufmerksam, liebevoll. Wenn Mission so gelebt wird, kann sie echt überzeugen."

In diversen Papieren der Diözese Wien wird ständig davon geredet, dass der Jesus-Glaube von allen Getauften und Gefirmten verbreitet werden soll. Reden tut man davon schon einige Jahre, wirklich probiert hat man es noch nicht. Wahrscheinlich hat man die oben angeführten 72 Jünger noch nicht beisammen, die man geld- und schuhelos hinaussenden könnte, damit sie liebevoll, druck- und zwanglos den katholischen Glauben verkünden. Wenn dereinsten so einer zu mir kommt, so versprech ich schon heute, dann bekommt er eine Jause, warmes Wasser für seine Füße und eine kostenfreie psychologische Beratung. Amen.


134. Wort zum Sonntag, den 30. Juni 2013

Lk 9, 18-24: Als die Zeit herankam, in der er in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf. Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

So heute hab ich die Schönbornpredigt auf der Diözesan-Homepage wieder gefunden. Und wie ich den Beginn des Schönborn-Textes gelesen habe, ist mir eine andere Predigt eingefallen. Der Satz "da ist von drei Menschen die Rede, die sich mit Jesus auf den Weg machen wollen, beziehungsweise die er einlädt, mit ihm zu kommen", das erinnerte mich an die knapp drei Minuten lange Predigt von Otto Waalkes über den Theo, der nach Lodz fährt, weil dort ist von wir Menschen die Rede:

Herrlich wie der Otto den Predigerstil nachmacht!

Aber was erzählt uns der Herr Kardinal? Zuerst sei angeführt, dass er sich zuletzt darüber freut, dass der Jesus seinen Jüngern nicht folgt und kein Sodom und Gomorrha über die Samariter niederprasseln lässt. Die Sohnesfalte des dreifaltigen Gottes ist anders als die Vaterfalte, der hätte die ungastlichen Samariter verbrannt oder ersäuft. Der Jesus ist kein irdischer Strafrichter, er droht nicht mit irdischem Ersäufen oder Verbrennen, sondern mit dem Heulen und Zähneknirschen im ewigen Feuer, aber das dürfen die Prediger heutzutage ja gar nimmer verkündigen, weil der Sohn darf nicht noch bösartiger sein als der Vater.

Der zweite Teil des heutigen Evangeliums erfreut das Schönbornherz. Weil der Jesus seine Jünger vor sich und seinen Ansprüchen warnt: wer ihm folgt, für den gibt's nix Irdisches mehr, nur noch die Unterordnung unter den Jesusbefehl. Der Schönborn hatte damit kein größeres Problem, er trat 1963 in den Dominikanerorden ein, seinen Vater brauchte er erst 1979 begraben, sein Haupt konnte er auch jederzeit wohin legen, obwohl seine Familie 1945 aus dem Familienschloss des ehemaligen Grafengeschlechtes in Tschechien vertrieben worden war. Graf konnte er sowieso nimmer werden und seine Familie sah er trotz Jesus regelmäßig. Seine Eltern hatten sich übrigens in den Sechzigerjahren scheiden lassen, seine Mutter lebt in Vorarlberg, der Christoph ruft sie jeden Samstag an. Das hätten die Jünger vom Jesus nicht machen dürfen, auch wenn sie Telefone gehabt hätten.

Aber das nur nebenbei und hier die kardinale Schlusszeile: "Nicht auf kräftige Worte kommt es an, sondern auf das Leben. Und so frage ich mich: Welche Antwort gibt mein Leben?" Schönborn ist schon 68 und weiß noch nicht, welche Antwort sein Leben gibt? Noch einmal von vorn wird er schwerlich anfangen können, er wird den Rest seines Lebens damit leben müssen, ein leitender katholischer Funktionär gewesen zu sein, mehr war es nicht. Amen.


133. Wort zum Sonntag, den 23. Juni 2013

Lk 9,18-24: Jesus betete einmal in der Einsamkeit, und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes. Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen. Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

Heute hab ich ein technisches Problem. Die Homepage der Diözese Wien wurde neu gestaltet, sie ist jetzt zwar nicht schöner, aber unübersichtlicher, den Text zur heutigen Sonntagspredigt vom Schönborn hab ich trotz Bemühens nicht gefunden. Was heißt, dass ich statt copy and paste die Schönborn-Zitate selber tippen muss, keuch.

Der heutige Lukas ist einer der Texte, der im Widerspruch zur Christenlehre steht. Weil der "Messias" war nach jüdischer Glaubenslehre kein Gottessohn, sondern bedeutete wörtlich "Gesalbter". Gesalbte waren laut Wikipedia von Gott erwählte und bevollmächtigte Menschen mit besonderen Aufgaben für das Volk Israel: Könige, Hohepriester und auch Propheten. Nach dem Ende des Reiches Juda im Jahre 586 v.u.Z. wurde von diversen Propheten ein Retter der Endzeit angekündigt. Jesus erhielt den Messias-Titel (auf griechisch "Christos", lateinisiert "Christus") von seinen Anhängern in der Erwartung dieser Endzeiterlösung. Von einem "Gottessohn" war dabei nicht die Rede. In meiner Schulzeit hatte ich eine Zeit lang einen Religionslehrer, der Schüler, über die er sich ärgerte, gerne als "Kind Gottes!" anschnauzte. Ohne dabei zu unterstellen, die betreffende Kindesmutter hätte was mit dem alten Jehova gehabt. Als "Gotteskinder" werden in der Bibel immer wieder Menschen angesprochen.

Wie fern die obige Szene von der Gottessohnschaft steht, zeigt schon der Einleitungssatz: Jesus betete in der Einsamkeit. Zu wem sollte die zweite Falte des dreifaltigen Gottes beten? Zu den anderen zwei Falten? Und das, obwohl der dreifaltige Gott laut Christenlehre auch ein dreieiniger also quasi faltenfreier Gott sein soll?

Aber das nur nebenbei. Was erzählt heute der Schönborn den Lesern der Kronenzeitung? Er übertitelt mit "Das tägliche Kreuz" und erzählt dann von Dingen, die wir täglich zu entscheiden haben und von Dingen, die man nur einmal entscheide. Er hat sich vor 50 Jahren mit 18 entschieden, in den Dominikanerorden einzutreten und Priester zu werden. Und erklärt dazu sogar, dass er bezüglich dieser Entscheidung durchaus auch "Durststrecken" durchmachen musste. Dann fragt er danach, wie Menschen ihren Glauben im Leben festmachten. "Nicht alle, die an Gott, an Christus glauben, können einen bestimmten Moment in ihrem Leben festmachen, an dem sie sich für den Glauben entschieden haben."

Das liegt wohl auf der Hand. Katholisch wird man normalerweise ungefragt durch die Babytaufe, das heißt, eine Entscheidung fällt man später nur, wenn man austritt. Solange man das nicht tut, ist man katholisch. Egal, ob man das ganze Zeug nun wirklich glaubt oder nur fallweise oder nur ein bisschen oder ob es einem schlichtweg egal ist. Sich für einen wirklich praktizierten Glauben zu entscheiden, braucht zuerst einmal die Position, eine solche Entscheidung frei treffen zu können. Wer unter katholischer Gehirnwäsche aufgewachsen ist, wird so eine Entscheidung nur gegen den Glauben treffen können, weil er ja sowieso in der Glaubenswelt lebt – ohne je eine Entscheidung getroffen zu haben.

Aber auch das nur nebenbei. Worum geht's Schönborn heute substanziell? Der Schlussabsatz sagt es uns: "Täglich sein Kreuz auf sich nehmen und Christus nachfolgen: Das ist die eigentliche Bewährung unserer Lebensentscheidung. Es ist daher durchaus sinnvoll, dass es auch im öffentlichen Raum das Kreuzzeichen gibt. Es sagt uns: Sei treu in deiner Lebenswahl, auch wenn sie dein tägliches Kreuz ist."

Interessant! In Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheimen und Gerichten hängen also Kreuze, damit diejenigen, die Christus nachfolgen, mit der Nachfolgerei nicht aufhören? Da sollte sich die katholische Kirche dann aber einsetzen, noch mehr Kreuze öffentlich auszuhängen! Da steht dann einer bei der Straßenbahnhaltestelle und wartet, sieht kein Kreuz und ändert seine religiöse Lebensentscheidung! Beim Billa und auf der Post hängen auch keine Kreuze, flutsch! macht es und schon wieder fallen welche vom Glauben ab. Und dabei leben wir alle, damit wir ein Kreuz zu tragen haben, weil das ist der katholische Lebenssinn. Amen.


132. Wort zum Sonntag, den 16. Juni 2013

Lk.7,36-8,3: In jener Zeit ging Jesus in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast Recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! In der folgenden Zeit wanderte er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn, außerdem einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria Magdalene, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besaßen.

Hatte jetzt eine kleine Predigtpause eingelegt, weil meine Homepage hat manchmal auch Predigermangel. Auch heute zahlt es sich nicht so recht aus, das Evangelium ist nicht wirklich lustig und der Schönborn meidet in letzter Zeit auch den unfreiwilligen Humor, den er sonst immer recht freigiebig verströmte. Über das obige Evangelium ist bestimmt der Franz-Papst mit Freude erfüllt, weil Demut und Unterwerfung sind seine großen Leidenschaften. Wenn er eine Sünderin wäre und den Jesus getroffen hätte, außer den oben beschriebenen Pflegediensten würde er seinem Gott wahrscheinlich auch noch die Zehennägel formschön zurechtgebissen haben.

Was macht der Kardinal Schönborn heute? Er freut sich darüber, dass in seiner Bibel heute einmal ein paar Frauen positive Erwähnung finden. Es ist so, dass Frauen zahlenmäßig das Volke der Gläubigen stark dominieren, weil Frauen traditionell in ihrer gesellschaftlichen Situation das "Opium des Volkes" dringender brauchen als die Männer, es gibt einfach auch heute noch mehr bedrängte weibliche seufzende Kreaturen als männliche. Dass in der obigen Bibelstelle die Sünderin derart erbärmlich unterwürfig dargestellt ist, atmet den Geist der damaligen Zeit und dieser Unterwürfigkeit fordernde frauenfeindliche Geist hat sich in der katholischen Kirche bis heute nicht gebessert, darum fällt es dem Schönborn überhaupt nicht auf. Er rühmt die heutige Bibelstelle: "Warum wird so selten erwähnt, dass auch eine ganze Gruppe von Frauen Jesus begleitet hat? Das war doch reichlich ungewöhnlich und musste auffallen."

Er traut sich dann doch nicht, die These aufzustellen, Jesus habe den Feminismus erfunden. Aber die reuige Prostituierte rühmt er, weil der Jesus sie wegen ihrer Liebe rühmt. Denn der katholische Gott hat ein Problem. Er hechelte ständig nach Menschenliebe. Damals war ein Schöpfergott ja noch was Kleineres als heute, er hatte bloß eine Erdenscheibe von der Größe des Nahen Ostens geschöpft und eine Firmamentkuppel darüber gewölbt, da konnte er von seinem auserwählten Volke - mit dem er sogar durch die Wüste zog - auch verlangen, dass diese Leute ihn wertschätzten. Heute hätte derselbe Gott 100 Milliarden Galaxien schöpfen müssen, da wäre es von den Proportionen her eigentlich nimmer so dringend, dass er um Menschenliebe hecheln müsste.

Aber lassen wir das! Hoffentlich sind nächsten Sonntag das Evangelium und die Schönborn-Predigt wieder einmal richtig lustig. Amen.


131. Wort zum Feiertag Fronleichnam, am 30. Mai 2013

Lk 9, 11b-17: In jener Zeit redete Jesus zum Volk vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten. Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort. Er antwortete: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für all diese Leute Essen kaufen. Es waren etwa fünftausend Männer. Er erwiderte seinen Jüngern: Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen. Die Jünger taten, was er ihnen sagte, und veranlassten, dass sich alle setzten. Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Und alle aßen und wurden satt. Als man die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.

Der Schönborn predigt heute nur von der Drittenwelthilfe, er redet zwar nicht davon, dass die Kirche Kirchengelder dafür aufwenden möchte, aber die Gläubigen, die sollen schon spenden dürfen.

Unterhaltsames ist in den kardinalischen Ausführungen nichts enthalten, darum hier ein Text, der sich exakt mit dem Thema des Evangeliums befasst. Dieser Text stammt aus dem 1929 erschienenen dritten Schmierbüchl des seinerzeit recht bekannten und beliebten oö Humoristen Franz Resl:

Amen.


130. Wort zum Sonntag, am 26. Mai 2013

Joh 16, 12-15: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Das ist eine ganz einfache Gebrauchsanweisung: der "Geist der Wahrheit", späterhin von der Christenkirche zur dritten Gottesfalte des dreifaltigen Gottes mit dem Namen "Heiliger Geist" befördert, der wird den Jüngern den Verkündigungsschatz der anderen zwei Gottesfalten erzählen.

Was sagt der Schönborn dazu? Er kapriziert sich zuerst auf den Satz, die Jünger könnten "es jetzt nicht tragen" und redet dann darüber, was man sich gegenseitig zumuten kann. Das hätten sich die Inszenierer des Christentums früher überlegen müssen, aber leider haben sie schon im 4. Jahrhundert die Abschaffung der römischen Religionsfreiheit dazu benutzt, allen erreichbaren Menschen die Christenreligion zuzumuten. Und wir werden wahrscheinlich noch einige Jahrzehnte damit befasst sein, diesen furchtbaren Schaden für die Menschheit rückabzuwickeln.

Aber das hat Schönborn natürlich nicht gemeint, der hält das Christentum ja für was Nützliches. Na klar, er lebt ja davon. Wie geht's weiter im Predigttext: es sind die Mühen, die auf die Menschen zukommen: "Es ist schon gut so, dass wir die Zukunft nicht kennen. Wir sollen auch nicht versuchen, vor der Zeit zu wissen, was auf uns zukommt. Wir brauchen nicht jetzt schon zu wissen, was morgen, was in Zukunft sein wird." Die Leiden des Lebens, die Mühen des Alters, aber der Hl. Geist wird ja dabei sein, "er wird euch in die ganze Wahrheit führen."

Dass es im Alter nicht besser wird, dazu brauchen wir keinen Hl Geist, das merkt man eh am eigenen Leibe. Ein Arbeitskollege von mir sagte des öfteren, man sollte nicht alt werden, ich wandte ein, jung zu sterben, wäre auch nichts.

Aus dem Predigtschluss: "Die Aufmerksamkeit auf die Wegweisung des Heiligen Geistes führt zu erstaunlichen Ergebnissen. Wir werden zuversichtlicher, hoffnungsvoller, sicherer, denn wir wachsen im Vertrauen, dass Gott uns durch diesen inneren Wegbegleiter, den Heiligen Geist, so führt, wie es für uns gut ist, wie wir es verkraften und tragen können. Dann werden wir auch selber den Anderen gegenüber behutsamer, mit dem, was wir ihnen zumuten können."

Man sieht, dem Kardinal fällt heute auch nix ein, die Bibelstelle gibt auch humormäßig nicht viel her. Schönborn wird also außer vom Jesus auch vom Hl Geist begleitet. Nur der Gottvater kommt ihm nicht unter. Der könnte ihn ja auch einmal begleiten oder ihm gar gegenübertreten, vielleicht im brennenden Dornbusch in dem sich seinerzeit der alten Jehova dem Moses vorstellte. Und dann sollte er nach Medjugorje fahren und dort der Gottesmutter Maria ausrichten, er hätte jetzt auch den Vater ihres Sohnes getroffen. Und sie fragen, ob sie nicht die vierte Gottesfalte werden möchte, weil eine heilige Götterfamilie käme beim Publikum bestimmt sehr gut an.
Aber lassen wir das, mir fällt heute auch nix ein, amen.


129. Wort zum Pfingstsonntag, am 19. Mai 2013

Apg 2, 1-11: Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Gleich zu Anfang stellt heute Schönborn eine vernünftige Frage: "Wo ist der Unterschied zwischen dem Heiligen Geist, der als Taube dargestellt wird, und 'meinem Vogel'?" Die Antwort, dass in seinem Vogel auch der Hl. Geist inbegriffen ist, gibt er klarerweise nicht, sondern er versucht den Kunden seiner Predigt den Unterschied zwischen dem Hl. Geist und anderen Geistern zu erklären. Demnach ist der Hl. Geist ein Mutmacher, der ins Herz trifft, ein liebevoller Tröster und ein Auslöser von Freude. Sonst erzählt uns der Schönborn heute nix.

Von meiner Mutter weiß ich, dass sie als Schülerin am meisten Angst hatte, gegen den Heiligen Geist zu sündigen. Denn das ist die Sünde, die nicht vergeben wird. In Matthäus 12,31-32 heißt es: "Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden. Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen." Im Religionsunterricht in den 1920er-Jahren bestand diese Sünde wider den Hl. Geist hauptsächlich darin, über die Religion nachzudenken, statt sich gedankenlos der Erleuchtung durch den katholischen Religionsunterricht zu fügen.

Meine Mutter dachte aber gerne nach. Sie hatte zwar keine höhere Schulbildung und bestimmt nichts vom Kant gehört, sie folgte trotzdem dem Motto der Aufklärung, sich des eigenen Verstandes zu bedienen.
Aber einige Zeit bereitete ihr dieses Selberdenken größte Angst, weil darauf als Strafe die ewige Verdammnis stand. Auf diese wirkungsvolle Art psychischen Terrors sicherte sich über Jahrhunderte die Kirche ihre Herrschaft über die Menschenköpfe, auch noch in Zeiten, wo es keinen Scheiterhaufen mehr gab. Wie auf dieser Homepage ja schon mehrfach erwähnt wurde, lautete das Endurteil meiner Mutter über das Christentum als sie als alte Frau noch einmal das Neue Testament gelesen hatte: "a so a Bledsinn". Ihrem selbstständigen Denken hatten es wir Kinder zu verdanken, dass wir religiös nie hirngewaschen wurden und die Christenlehre immer als Kasperltheater betrachteten.

Der Hl. Geist ist die Personifizierung des christlichen Denkverbotes. Zu Pfingsten hat diese dritte Falte des dreifaltigen christlichen Gottes seinen Feiertag. Aber auch der Hl. Geist wurde in den letzten fünfzig Jahren reformiert, wie die Jesusfalte ist auch die Gottesfalte Hl. Geist nun was Liebes und Nettes, macht Mut, tröstet und spendet Freude. Den Leuten sozusagen ins Hirn zu scheißen, geht heute nimmer so richtig. Das Aufklärungsmotto "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" ist eine zunehmend praktizierte Verhaltensweise geworden. Ein Wiener Erzbischof muss natürlich seine Gehirnwindungen zusammenkneifen und sein Denken frei von Selbstständigkeit halten, er ist vom katholischen Geist tief und vermutlich unheilbar geschädigt, er wird sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit nicht mehr befreien können. Dazu das berühmte Kant-Wort: "Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen."

Der Hl. Geist gab jedenfalls auch am Pfingstsonntag 2013 dem Kardinal Schönborn scheinbar den Mut, unmündig zu bleiben. Und er freut sich darüber auch noch. Amen.


128. Wort zum Sonntag, am 12. Mai 2013

Joh 17, 20-26: In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

Hier haben wir wieder einmal ein Geschreibe, wo es seltsam erscheint, dass der christliche Gottessohn eine dreieinige Falte des dreifaltigen Christengottes sein soll und trotzdem mit einer anderen Falte unterwürfig konferieren muss. Der Herr Sohn ersucht seinen Herrn Vater, dass dieser seine Jünger als emanzipierte Sohnesfreunde akzeptiert.

Schönborn leitet daraus ab, dass der alte Gott für die Anhänger seines Sohnes die Erhörung derer Gebete akzeptieren möge. Und vor lauter Gebete wird der Herr Kardinal ganz euphorisch, denn überall wird gebetet, weil das Beten ist eine "natürliche Verhaltensweise des Menschen".

Das war einmal so. In den Zeiten als es sehr oft im Leben keine reale Hilfe gab, musste Gott als Helfer gerufen werden: der kleine Bub hat Masern? Dagegen half nur Gott – bis es die Medizin deutlich besser konnte, als der angeflehte, aber medizinisch ahnungslose Gott. Das heißt, geholfen hat Gott nie, die Leute haben's nur geglaubt, wenn das kranke Kind nicht gestorben ist. Gott war ein Placebo. Er hat's gegeben, er hat's genommen. Wenn er's doch nicht genommen hat, dann hat er das Gebet erhört. Die Menschen hatten in ihrer Not oft keine anderen Möglichkeiten. Ihr Schicksal lag häufig scheinbar in Gottes Hand.

Wie auf dieser Site zu lesen war, habe ich mich an eine christliche Beterhomepage gewandt, sie sollen dafür beten, dass der HErr die Titanplatte in meinen rechten Unterschenkel gegen ein gesundes Schienbein auswechseln möge (siehe Info Nr. 1390). Man glaubt es nicht, aber die gläubigen Naivlinge dort beten wirklich und ernsthaft dafür! Bis zum 16. Mai 2013 haben sie noch Zeit, dann müsste ihr Gott das Wunder vollbracht haben. Zurzeit beten 23 Beter dafür. Beim Gelingen wäre es das erste wissenschaftlich 100%ig nachprüfbare tatsächliche Wunder in der Christengeschichte, eine Titanplatte ist weg, der Knochen ist wieder ungebrochen ganz. Am 17.5. werd ich im Info-Menu über den Wunderausgang berichten - inklusive einiger Beterbotschaften.

Der Schönbornsche Resümee-Absatz: "(..)Wenn die Gläubigen unter sich ein völlig zerstrittener Haufen sind, dann können sie keine glaubwürdigen Zeugen Jesu sein. Wie sollen sie andere Menschen von der Liebe Gottes überzeugen, wenn sie einander nicht lieben? Damit wird deutlich, worum es Jesus in seinem Gebet vor allem geht. Die Welt soll die Liebe erkennen, die Gott zu ihr hat. Das muss sichtbar werden, erfahrbar, erlebbar. Diese Liebe müssen die Seinen im Herzen tragen, damit sie von Herzen kommt und damit sie die Herzen erreicht. Jesus betet nicht zuerst um Gesundheit, Erfolg, Wohlergehen. Nur um die Liebe bittet er. Das sagt alles über ihn. Denn mehr braucht es nicht."

Womit wir wieder einmal bei der befohlenen Christenliebe sind. Liebe Christen, liebt einander wie auch Gott liebt und ihr Gott lieben sollt. Ein psychopathisches Verhältnis. Vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) gibt es folgende Anekdote: Er verfolgte einmal einen Juden, der vor ihm weggelaufen war, als der König ihn eingeholt hatte, entschuldigte sich der Jude, er sei deshalb weggelaufen, weil er sich vor der großen Strenge des Königs gefürchtet habe. Da prügelte ihn der König mit seinem Stock und schrie dabei in einem fort: "Lieben soll er mich, nicht fürchten." Die verpflichtende Christenliebe hat denselben Hintergrund, verdammt noch einmal. Aber was soll ein Kardinal auch von der Liebe wissen.


127. Wort zum Feiertag Christi Himmelfahrt am 9. Mai 2013

(1. Lesung) Apg 1, 1-11: Dieser Jesus, der in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen Lesung aus der Apostelgeschichte Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er (in den Himmel) aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Auf der Diözesan-Homepage und in der Kronenzeitung wird bei der heutigen Schönborn-Predigt nicht das Evangelium verwendet, sondern die sog. 1. Lesung vom Beginn der Messe. Wohl weil im Text der 1. Lesung aus der Apostelgeschichte das heutige Thema, "Christi Himmelfahrt" ausführlicher abgehandelt wird als im Evangelium nach Lk 24, 46-53.

Im obigen Text spiegelt sich das Wissen der Entstehungszeit wider:
Wo sollen die Jünger nach Erhalt des Hl. Geistes als dem Jesus seine Zeugen wirken? "In Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde." Die Erdenscheibe in der Apostelgeschichte ist also ziemlich klein, hinter Samarien kommt schon bald das Ende der Welt. Siehe rechts den Google Earth Schnappschuss, recht viel weiter hätten die Jünger nicht zu gehen brauchen, dummerweise sind sie es dann doch und haben das christliche Unheil mit römischer Staatshilfe über die Welt verbreitet, wir leiden heute noch darunter.

Der Schönborn leidet natürlich nicht, der freut sich, schließlich lebt er ja davon. Zur Himmelfahrt von seinem Jesus fragt er aber doch nach der Glaubwürdigkeit. Denn heute ist ja das Himmelreich nimmer hinter den Wolken, sondern irgendwo in Sankt Transzendentalien. Soviel Geografie und Astronomie hat man selbst in der katholischen Kirche inzwischen gelernt, die Welt wurde zur Kugel und das Firmament zum Weltall, schließlich hat in den 1990er-Jahren der damalige Papst Wojtyla sogar die Lehren von Galilei anerkannt.

Aber in meiner unerträglichen Geschwätzigkeit schweife ich ja schon wieder vom Thema ab. Schönborn fragt jedenfalls zur Himmelfahrt und zur Wiederkehr von seinem Jesus: "Wann soll er wiederkommen? Wie und wo soll das geschehen? Vor allem aber: Ist diese Geschichte mit Himmelfahrt und Wiederkunft glaubwürdig? Kann ein vernünftiger, aufgeklärter Mensch so etwas sinnvollerweise glauben?"

Die Antwort ist klarerweise "nein", ein vernünftiger, aufgeklärter Mensch kann so einen hanebüchenen Unsinn nicht glauben! Da hilft es dem Herrn Kardinal klarerweise, dass er kein vernünftiger und aufgeklärter Mensch, sondern ein gläubiger Katholik ist. Zwar meint er, "ich denke, ich bin nicht unvernünftig", aber da irrt er sich. Er stellt auch gleich allen, die an die Himmelfahrtszeilen im Glaubensbekenntnis glauben, einen Persilschein aus, auch sie sind nicht unvernünftig. Begründen kann er seinen Glauben an seine Vernunft und die Vernunft seiner Mitgläubigen natürlich nicht. Aber das ist ja egal, Religion lebt ja nicht von Vernunft, sondern von geglaubten unbeweisbaren Behauptungen.

So wartet nun der Herr Bischof von Wien auf die Wiederkehr seines Gottes in Herrlichkeit. Zwar steht in der Apokalypse des Johannes, dass vor der herrlichen Wiederkehr die Welt auf teuflische Weise untergehen wird, aber das ist eine andere biblische Sage, mit der befasst sich Schönborn heute nicht.

Wieder wie gewohnt der Schlussabsatz der Schönbornpredigt: "Sind wir hier auf Erden in einer Art zugigem, hässlichen Wartesaal, auf den Zug ins ewige Leben, ins Reich Gottes wartend, der sich verspätet hat? Gewiss, dieses Leben ist eine Art Wartezeit, ein Durchgang, oder sagen wir besser: eine Pilgerfahrt. Das Paradies, die ewige Heimat kommt endgültig erst, wenn Jesus wiederkommt. Aber inzwischen, für diese unserer Erdenzeit, hat Jesus uns nicht einfach zum untätigen Warten verurteilt. Er hat uns vielmehr eine Kraft zugesagt, die 'Kraft des Heiligen Geistes'. Sie hilft, nicht mutlos zu werden in den Mühen der irdischen Pilgerschaft; nicht aufzugeben vor den Schwierigkeiten; die Hoffnung zu bewahren und vor allem die Liebe. Wo die Liebe herrscht, da ist Jesus schon ein wenig wiedergekommen, mitten in unserem Erdenleben."

Für'n Schönborn fängt das Leben an, wenn es vorbei ist. Laut eines alten jüdischen Witzes fängt das Leben an, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund tot ist, gläubige Christen müssen selber tot sein. Eine recht makabere Lebenslehre. Zum obigen schönbornschen Liebesbezug stellt sich die Frage, wen darf ein zölibatärer Kleriker auf seiner irdischen Pilgerschaft lieben? Nu, wer weiß, vielleicht hat Schönborn einen Hund? Amen.


Das 126. Wort zum Sonntag, am 5. Mai 2013

Joh 14, 23-29: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

Warum muss so ein allmächtiger Gottessohn, Drittelfalte des dreifaltigen Christengottes von seinen Jüngern geliebt werden wie der Andreas Gabalier von den Muskantenstadel-Fans?

Er ist laut christlicher Lehre zwar von Gottvater auf die Erde geschickt worden, um die Sünden der Welt auf sich zu nehmen und den Opfertod am Kreuz zu sterben.
Aber: Die Sünden der Welt hat allerdings sein Vater, der alte Jehova, gemäß christlicher Lehre nach der Vertreibung von Adam und Eva per "Erbsünde" sozusagen charaktergenetisch der Menschheit eingepflanzt. So eine dumme Sippenhaftung, die laut Bibel mittels Sintflut auch zu einem göttlichen Komplettholocaust der Menschheit führte, hätte sich der Gottvater besser überlegen müssen. Und wenn er dann alle sündigen Menschen in der Sintflut ersäuft bis auf Noah und seine Familie, hätte er ja - wie bei der Jungfrau Maria - die Erbsünde abschaffen und eine sündenfreie Neumenschheit züchten können.

Seltsamerweise hat es der liebe Altgott nicht so gemacht, sondern seinen Sohn geopfert. An wen dieses Opfer ging? An den Vater? An wen sonst? Eine reichlich makabere Religion, dieses Christentum. Aber lieben soll man die tatbeteiligten Götter!

Schönborn freut sich jedenfalls darüber, als Christ zum Vater gehen zu dürfen.
Das hat ihn auch getröstet, als sein Vater schon mit 63 starb, weil sein Vater hat zum Vater gehen dürfen. Als Belohnung dafür, dass die katholische Ehe des noch als Graf Schönborn geborenen Zeugers des Herrn Bischof gescheitert war? Mein Vater ist mit 64 durch einen Verkehrsunfall gestorben. Da er den Jesus nicht geliebt und immer über die Pfaffen geschimpft hat, würde kein Kleriker diese Heimholung für eine himmlische Belohnung halten. Und unsere ungläubige Familie musste damals ganz gottlos und ganz irdisch mit diesem Schicksalsschlag fertig werden.

Was erfreut heute das Herz des Schönborn sonst noch? Er freut sich über den neuen Papst, der die Jesus-Worte frisch in Erinnerung brächte und damit sichtbar mache, dass Jesus zwar "drüben" sei, "uns aber nicht verlassen hat". Und die Schlusssätze: "Weil Jesus jetzt bei Gott ist, kann er auch ganz bei uns sein, ganz nahe. Darum ist es gut, dass er 'heimgegangen' ist. Ein wenig gilt das, so glaube ich, auch für meinen Vater." Dann kann ja nix mehr passieren. Wenn der Schönborn dereinsten auch heimgeht, dann ist er beim Jesus und wieder bei seinem Vater. Christen leben von dieser Ewigkeitsillusion, amen.


Das 125. Wort zum Sonntag, am 28. April 2013

Joh 13, 31-33a.34-35: In jener Zeit als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

Die heutige Jesus-Story spielt vor Ostern und ist ein Bestandteil des sog. "letzten Abendmahls", dieses ist die Ursache dafür, dass die katholischen Christen heute in Form einer "Hostie" genannten Oblate den "Leib des Herrn" verzehren. Und zwar nach katholischer Lehre nicht symbolisch, sondern tatsächlich, Katholiken sind aus ihrem Selbstverständnis heraus also Kannibalen, die Götter als Speise verzehren.

Aber das nur nebenbei. Der herrliche Jesus geht in der heutigen Verkündigung seiner Hinrichtung entgegen mit der er alle, die ihn lieben, erlösen wird. Und das ist klarerweise herrlich, herrlich für'n Jesus und herrlich für die Christen. Wieder einmal strapaziert wird die Nächstenliebe. Der Jesus befiehlt die Liebe! Was mit Sicherheit eine sagenhaft dumme zwischenmenschliche Vorschrift ist, die nie wirklich funktionieren kann. Weil ob der eine Mensch einen anderen mag oder nicht, ergibt sich aus den Existenzverhältnissen und nicht aus göttlichen oder obrigkeitlichen Verordnungen, jemand anderen mögen, das muss man wollen und nicht müssen.

Schönborn weiß jedenfalls, warum der Jesus die bevorstehende Kreuzigung so herrlich fand: "Er wusste, dass die Liebe siegen wird!"
Nu, wo hat diese befohlene Liebe im Christentum gesiegt? Lieben sich die Katholiken untereinander? Gibt's keine Spannweite der Spannungen von den Piusbrüdern über die Reformer bis zu den Befreiungstheologen? Gibt's keine Spannungen zwischen den diversen christlichen Kirchen? Lieben sich christliche Politiker untereinander, zum Beispiel aktuell in Tirol wo zur heutigen Landtagswahl mehrere ÖVP-Listen antreten? Man könnte dazu vom 100. ins 1000. gehen, von dieser herrlichen jesuischen Verordnungsliebe sind bestenfalls ein paar Heuchlerakte wahrzunehmen, ansonsten geht's auch unter Christen so zu, wie es eben unter Menschen zugeht. Abgesehen davon, dass man unter Christen diesbezüglich mehr lügen und heucheln muss, bzw. müsste. Was für eine Errungenschaft für die Menschheit! Amen.


Das 124. Wort zum Sonntag, am 21. April 2013

Joh 10, 27-30: Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins.

(Vorher, Vers 22-26: Um diese Zeit fand in Jerusalem das Tempelweihfest statt. Es war Winter und Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos auf und ab. Da umringten ihn die Juden und fragten ihn: Wie lange noch willst du uns hinhalten? Wenn du der Messias bist, sag es uns offen! Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, legen Zeugnis für mich ab; ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört.
Nachher, Vers 33-38: [Zuhörer drohen ihm mit Steinigung] Die Juden antworteten ihm: Wir steinigen dich nicht wegen eines guten Werkes, sondern wegen Gotteslästerung; denn du bist nur ein Mensch und machst dich selbst zu Gott. Jesus erwiderte ihnen: Heißt es nicht in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter? [Anm.: Psalm 82,6: Ich habe wohl gesagt: Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten.] Wenn er jene Menschen Götter genannt hat, an die das Wort Gottes ergangen ist, und wenn die Schrift nicht aufgehoben werden kann, dürft ihr dann von dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, sagen: Du lästerst Gott - weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn? Wenn ich nicht die Werke meines Vaters vollbringe, dann glaubt mir nicht. Aber wenn ich sie vollbringe, dann glaubt wenigstens den Werken, wenn ihr mir nicht glaubt. Dann werdet ihr erkennen und einsehen, dass in mir der Vater ist und ich im Vater bin.)

Letzten Sonntag musste der Petrus dem Jesus seine Schafe weiden, heute geht's mit dem Schafe-Thema weiter. Darum zuerst weitere Anmerkungen dazu, dass in der christlichen Lehre das Christenvolk auf der Stufe von schafsdummen Lämmern gestellt wird. Aus dem Internet zum Stichwort "dummes Schaf": "Warum sagt man im Volksmund: 'Dummes Schaf?' Weil Schafe dumm sind, sie stehen bloß den ganzen Tag auf der Wiese oder im Stall und machen Määääähhhhhh. Und fressen, kacken und schlafen. Die Tiere müssen nicht viel können, sie geben nur eine Menge Wolle usw." In "Brehms Tierleben", einem berühmten Buch aus dem 19. Jahrhundert hieß es: "Das Hausschaf ist ein ruhiges, geduldiges, sanftmütiges, einfältiges, knechtisches, willenloses, furchtsames und feiges, mit einem Wort ein höchst langweiliges Geschöpf."

Es ist deshalb höchst passend, dass sich fromme Christen mit einer Schafherde gleichsetzen lassen, ohne den beleidigenden Charakter dieser Allegorie zu bemerken. Und dass Hirten ihre Schafe nicht zum Nutzen der Schafe, sondern zum Nutzen der Herdenbesitzer betreuen, das ist seinerzeit weder dem allwissenden Gottessohn, noch seinen Jüngern und den Evangelienschreibern aufgefallen.

Aber oben sind heute auch die Verse vor und nach der gepredigten Bibelstelle angeführt. Die vorher stehenden zeigen, dass der liebe Jesus sich selber nur als lieber Hirte den folgsamen Schafen gegenüber definiert, aber nicht den unfolgsamen und die nachher stehenden Bibelzeilen sind besonders kurios, weil in diesen Versen Jesus zurückweist, sich als "Gottessohn" bezeichnet zu haben: denn alle wären Söhne Gottes. Jesus weist also seine biblisch sonst so gerühmte Gottessohnschaft zurück.

Aber was schreibt der Schönborn dazu? Er freut sich von ganzen Herzen darüber, ein Schaf sein zu dürfen. Määähhh. Und dann freut er sich, dass die Jesusschafe nicht geschoren und verspeist, sondern vom Hirten ins ewige Leben geführt werden. Wobei er natürlich gar nicht auf die Idee kommt, den üblichen Schafzweck, des Scherens und Verspeisens überhaupt anzuführen, dabei ist doch das Scheren der gläubigen Schafe eine uralte Kirchentradition!

Sein Schlussabsatz: "Jesus hat immer wieder von den 'verlorenen Schafen' gesprochen. Wieso haben sie die Herde verlassen? Haben sie nicht mehr auf die Stimme des Hirten gehört? Haben sie einmal aufgehört, ihm zu folgen, zu vertrauen? Eines ist sicher: Gerade weil Jesus der gute Hirte ist, darum geht er den Verlorenen nach. Und er will, dass wir es ihm nachmachen."

Was der liebe Jesus und die liebe Kirche mit denen machen wollen oder sollen, die keine Schafe sind und das Christentum für eine schafsdumme Religion halten, dazu sagt er nix, der Herr Oberbischof von Österreich. Was könnte er auch sagen? Vielleicht määähhh?


Das 123. Wort zum Sonntag, am 14. April 2013

Joh 21, 14-19: Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Heute ist wieder einmal eine der Schafe-Stellen dran. Die Kleriker sind die schlauen Hirten und die Gläubigen sind die dummen Schafe. So wird das natürlich nicht gepredigt. Es wird so dargestellt, als wäre der Hirt für das Schaf da und nicht das Schaf für den Hirten. Was an sich jedem auffallen müsste, der schon einmal was von der Tätigkeit eines Hirten und von der Verwendung der Schafe durch die Menschen gehört hat: das Schaf wird geschoren, gemästet, geschlachtet, verspeist. Der Hirte passt auf, dass keines davonläuft oder eingeht, bevor es zur Schlachtbank geführt wird. Der Jesus ernennt im heutigen Evangelium den Petrus zum Hirten und degradiert die Menschen zu Schafen. Das ist einmal eine wahre biblische Wahrheit, denn durch die Jahrhunderte funktionierte das Christentum tatsächlich so, dumme Schafe wurden von schlauen Hirten geknechtet und ausgebeutet.

Aber das hab ich eh schon einigemale gepredigt, heute ist der Schönborntext auch etwas ergiebiger als sonst.
Er vergleicht nämlich seinen neuen Chef, den Herrn Franz, mit dem Petrus. Wer den Herrn der Herde liebt, der kann vom Schaf zum Hirten befördert, ja sogar Oberhirte werden.

Wie üblich hier Schönborns Zusammenfassung: "Papst Franziskus hat vom ersten Moment an mit vielen Zeichen gezeigt, dass er ein Hirte ist, der zu den Menschen geht, ihnen nahe ist, ihre Herzen anspricht und öffnet. Seine Freiheit gegenüber dem Protokoll, seine Herzlichkeit, seine spürbare Güte, all das hat eine tiefe Quelle. Er hat uns anvertraut, dass er sehr früh aufsteht, um halb Fünf. Da nimmt er sich Zeit für Stille und Gebet. Seine Liebe zu den Menschen wurzelt in seiner Liebe zu Jesus. Deshalb ist sie 'ansteckend', leuchtet sie aus seinem Gesicht. 'Habt keine Angst vor der Güte und der Zärtlichkeit!', sagte Papst Franziskus in einer seiner ersten Ansprachen. Was braucht unsere Welt mehr als Güte und Zärtlichkeit?"

Soweit Schönborn. Frühaufsteher, sogenannte Morgenmenschen, sind eher selten. Ich hatte einst einen Kollegen, der fing seine Arbeit auch schon nachts an, weil er nimmer schlafen konnte, er war dadurch früher fertig und konnte früher heim und früher ins Bett gehen. Was anderes macht der Franz auch nicht.

Aber was anderes ist interessant:
Dem Bischof Schönborn ist auch das Zuneigungsbedürfnis von Papst Franz aufgefallen.
Sich in die Menge zu mischen, Hände zu schütteln und Kinder zu küssen. Mit ein bisschen psychologischem Gespür sieht man, der neue Papst ist schwer zölibatsgeschädigt, er sehnt sich nach menschlicher Nähe und menschlicher Liebe und darf beides nicht haben, er darf nur seinen Gott lieben. Er darf persönlich zu niemand Irdischen wahrhaft herzlich und zärtlich sein, aber er möchte es offenbar gerne. Was für ein armer Hund! Was für eine gräuliche Religion! Amen.


Das 122. Wort zum Sonntag, am 7. April 2013

Joh 20, 19-31: Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Diese Bibelstelle erfreut sich nach Ostern regelmäßig ihrer Verkündigung, in den Sonntagspredigten Nr. 23 und Nr. 68 ist sie ebenfalls aufgetreten. Der "ungläubige Thomas" wurde sogar zu einer abwertenden Redewendung, weil etwas nicht zu glauben, war ja unstatthaft. Heute besteht die große Mehrheit der österreichischen Bevölkerung aus ungläubigen Thomasen, weil nur noch 30 % glauben an die Auferstehung vom Jesus (in der BRD sind's 34 %). Was bedeutet, dass auch die Mehrheit der Mitglieder christlicher Religionsgemeinschaften dieses Geschichtchen nicht mehr glaubt. Dummerweise ist das aber die tragende Säule des Christentums, was seinerzeit dem tatsächlichen Erfinder der Christenlehre, dem berühmten Apostel Paulus, völlig klar war, denn er schrieb im 1. Korinther-Brief im Kapitel 15, Vers 12-14: "Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich."

Das ist richtig zusammengefasst, der christliche Glaube ist vergeblich.
In Österreich zahlen mehr als die Hälfte der Mitglieder christlicher Kirchen, vergeblich ihren Kirchenbeitrag für einen vergeblichen Glauben.

Aber was erzählt uns heute der österreichische Chefbischof Schönborn? Der ungläubige Thomas, der seine Finger an die Wunden Christi legen will, hat es ihm angetan. Aber er biegt damit auf ein anderes Gleis ab. Er predigt ganz allgemein vom "Finger auf die Wunde legen", er schreibt abschließend, "Keiner von uns ist ohne Wunden. Alle haben wir Narben, Spuren früherer Verletzungen. Erst wenn wir auch diese Seite unseres Lebens zeigen dürfen, kommt es zur wirklichen Begegnung. Jesus hat sich nicht gescheut, seine Verwundbarkeit zu zeigen. Er lässt sich berühren. Thomas darf seine Finger in Jesu Wunde legen. Wenn wir die Finger auf die Wunde eines anderen legen, ist es oft um anzuklagen oder bloßzustellen. Jesus lässt seine Wunden berühren, damit wir unsere eigenen Wunden annehmen können. Dadurch werden wir barmherziger, zugänglicher, menschlicher. (..) Jesus will uns diesen anderen Blick auf einander schenken".

Das hat mit dem heutigen Evangelium herzlich wenig zu tun, denn in diesem ging es darum, sozusagen noch einen Zeugen aus dem Hut zu zaubern, um das Geschichtchen von der Auferstehung durch eine zusätzliche Anekdote auszubauen, einen weiteren Anstrich von Glaubwürdigkeit zu geben. Was klarerweise die Glaubwürdigkeit nicht erhöht. Zuerst soll der Jesus für die Sünden aller Menschen gestorben sein und dann macht er als Auferstandener nur Geheimtreffen mit seinen Aposteln, statt durch die Volksmassen von Jerusalem zu ziehen? Zwar behauptet Paulus in einem seiner Briefe, Jesus sei 500 Personen erschienen, aber das kann er nur vom Hörensagen kennen oder selbst erfunden haben. Und Paulus merkte selber an, dass sogar ein Teil seiner eigenen Anhänger die seltsame Geschichte von der Auferstehung nicht glaubte! Wenn in Jerusalem um das Jahr 30 ein toter Gekreuzigter auferstanden wäre und sich dem Volke gezeigt hätte, dann wäre das bestimmt auch in zeitgenössischen zivilen Quellen überliefert worden und die Jünger vom Paulus hätten nicht gezweifelt. Aber die biblischen Quellen haben dieselbe Beweiskraft für die Jesusgeschichte wie die Nibelungensage für die Abenteuer von Siegfried, dem Drachentöter.

Schönborns augenverdrehenden Wundenbetrachtungen fehlt das konkrete Beispiel.
Um mit seinen Sätzen irgendeine Art von Glaubwürdigkeit zu erreichen, hätte er schon die eine oder andere eigene Wunde vorführen müssen. Seine Aussage lautet jedoch indirekt so: der Jesus zeigte seine Wunden, ich tu sowas nicht, weil das wäre mir peinlich. Aber peinlich ist ja das ganze Christentum. Amen.


Das 121. Wort zum Ostersonntag, am 31. März 2013

Joh 20, 1-9: Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.

Heute kann ich's kurz machen. Wie jedes Jahr wurde der Herr Jesus am Karfreitag hingerichtet und stand am Ostersonntag wieder auf und die gläubigen Christen freuten sich weltweit über die Erlösung. Zwar macht sich auch nach knapp 2000 Jahren diese Erlösung nirgendwo bemerkbar. Die Welt ist viel technischer geworden, das Wissen hat sich potenziert, aber unter den Leuten und speziell unter den Herrschenden gibt's immer noch überreiche Anteile an diversem Lumpenpack. Weil von den Dieben, Mördern und Ausbeutern hat die Menschheit niemand erlöst, es wurde bloß eine Religion etabliert, die dies fürs Leben nach dem Tod verspricht. Und den Toten kann man ja leichtweg alles versprechen. Dem Schönborn ist heute auch nix wirklich Lustiges eingefallen, darum bin ich schon wieder fertig und serviere auch hier die große frohe Botschaft:
Always look on the bright side of life!

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