Jeden Sonntag predigen die Pfarrer in der Kirche über die im aktuellen Kirchenjahr vorgesehene Stelle in der Bibel. Sogar Menschen, die nie in die Kirche gehen, können diese Predigten in der Heiligen Kronenzeitung nachlesen, denn dort predigt Kardinal Schönborn eigenhändig. Was ihm allerdings nicht viel Arbeit macht, weil seine Predigt eh auf der Homepage der Diözese Wien steht, die besorgen sich die Kronenzeitungsmacher per copy & paste ohne besonderen Aufwand.

Aber gerade das reizt auch Atheisten. Zu den Bibeltexten fällt einem nämlich oft ganz was anderes ein als dem Herrn Schönborn. Darum wird hier auf ATHEISTEN-INFO recht häufig auch ein Wort zum Sonntag ausgelassen.


Wegen der Länge der Dateien werden diese regelmäßig geteilt
Teil 1 - Nr. 1 bis 30

Die Sonntagsworte von Juli 2010 bis Juni 2011 sind hier zu finden, von Juli 2011 bis Februar 2012 auf sonntag31_60.html, von Februar bis September 2012 auf sonntag61_90.html, von September 2012 bis März 2013 auf sonntag91_120.html, von März bis Oktober 2013 auf sonntag121_150.html, von Oktober 2013 bis Mai 2014 auf sonntag151_180.html und von Mai bis November 2014 auf sonntag181_210.html, von Ende November 2014 bis Mai 2015 auf sonntag211_240.html, von Mai 2014 bis Ende 2015 auf sonntag241_270.html, von Dezember 2015 bis Ende Mai 2016 auf sonntag271_300.html. Die aktuellen Sonntagsworte sind auf sonntag.html.


Das 30. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 26. Juni 2011

Mt 10, 37-42: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mit nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

Heut mischt er wieder auf, der Herr Jesus! Dabei hat er eh schon den Job als allmächtiger und unsterblicher Gottessohn, der alles weiß und alles vermag, aber das ist ihm noch immer zuwenig, er muss auch von allen geliebt werden! Bekommt er sonst Minderwertigkeitskomplexe? Denkt er sich vielleicht: Seufz, stöhn, die Menschen lieben mich nicht so wirklich von Herzen! Aber denen werd ich weiterhelfen, wer mich nicht liebt und mir nicht nachfolgt, ist meiner nicht würdig und auf der Verliererseite. Ich habe mit meinem Vater und unserer Haustaube in göttlicher Dreifaltigkeit die Erdenscheibe erschaffen und sie mit dem Firmament samt Sonne, Mond und Sternen überwölbt, dafür will ich auch entsprechenden Respekt, verdammt noch einmal!

Vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) gibt es folgende Anekdote: Er verfolgte einmal einen Juden, der vor ihm davongelaufen war, als der König ihn eingeholt hatte, entschuldigte sich der Jude, er sei deshalb weggelaufen, weil er sich vor der großen Strenge des Königs gefürchtet habe. Da prügelte ihn der König mit seinem Stock und schrie dabei in einem fort: "Lieben soll er mich, nicht fürchten."

So wie Friedrich Wilhelm I. ist auch Jesus Christus. Darum lieben ihn alle, soweit sie noch nicht davongelaufen sind, damit er sie nicht verprügelt.

Kardinal Schönborn sieht das natürlich etwas anders.
Dass Jesus die Unwürdigen verprügelt, findet keine Erwähnung, weil der Jesus ist ja seit dem Zweiten Vatikanum ein lieber Gott. Darum interpretiert er um. Die Familie könne auch für die einzelnen Familienmitglieder eine Fessel sein, "Familienkonflikte sind bisweilen die bittersten, hasserfülltesten Kriegsschauplätze". Seltsam, davon redet der Jesus im obigen Bibeltext allerdings keine Silbe, das hat sich Schönborn ausgedacht, er macht aus dem bösen biblischen Jesus einen guten vatikanisch reformierten, der die Menschen aus Familienzwängen befreit.

Zum Beispiel aus solchen: "Wenn Gott an erster Stelle steht, dann werden die Eltern nicht zu Götzen, die Kinder nicht zu Halbgöttern. Dann sind die Eltern und ihre Kinder zuerst einmal Kinder Gottes und untereinander gleich. Diese Befreiung hat Jesus gebracht. Sie kann schmerzlich sein, wenn etwa ein Sohn sagt, er wolle Priester werden, statt den Betrieb der Eltern zu übernehmen".

Was ja dauernd vorkommt. Ständig wollen Söhne Priester werden und die Familie lässt sie nicht! Darum der Priestermangel!

Zusammenfassend meint der Kardinal
, "Elternliebe, Eigenliebe, Gottesliebe: alles gelingt nur, wenn wir auch zu Leid und Kreuz Ja zu sagen bereit sind. Ohne Kreuz gibt es keine gelungene Liebe, kein geglücktes Leben. Schaffen können wir das nur mit Gottes Hilfe".

Auch ich schließe meine Sonntagsworte und zwar im Namen Friedrich Wilhelms und der gruseligen biblischen Botschaften und des ewigen christlichen Sadomasochismus, amen.

Nach oben


Das 29. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 19. Juni 2011

Joh 3, 16-18: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass es seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.

Die heutige Bibelstelle ist von besonders heiliger Einfalt. Wer glaubt, ist gerettet, wer nicht glaubt, ist verdammt. Wozu predigen die Pfarrer dann überhaupt noch? Damit plötzlich die Ungläubigen zu glauben anfangen, damit sie doch noch gerettet werden? Und dann werden die sowieso schon Gerichteten wieder entrichtet? Und was sollen die ohnehin schon Geretteten damit anfangen? Und wozu soll der dreifaltige Gott die Sohnesfalte der Vaterfalte zum Opfer dargebracht haben? Damit sich die Vaterfalte die drei Tagen bis zur Auferstehung an der geopferten toten Sohnesfalte erfreuen kann?

Die Schönbornpredigt spar ich mir, es ist ohnehin wieder nur das übliche fromme Gesäusel, bei dem man förmlich im Nacken spürt, wie der Herr Kardinal dabei seine Augen zum Himmel verdreht und seiner Stimme den süßen Honigsound gibt.

Nach oben


Das 28. Atheisten-Wort zum "Himmelfahrts"-Feiertag am 2. Juni 2011

Apg 1, 1-11: Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Schönborn ärgert sich über das geringe Christeninteresse am Feiertag "Christi Himmelfahrt". Er droht deshalb wieder einmal mit der Abschaffung: "Ich freue mich über einen freien Tag: Christi Himmelfahrt! Die Wirtschaft freut sich weniger darüber. Regelmäßig gibt es Versuche, die beiden Donnerstagsfeste (Christ Himmelfahrt und Fronleichnam) abzuschaffen. Gerne wird dann darauf hingewiesen, dass sie auch im "katholischen" Italien nicht mehr Feiertage sind, und dass selbst der Vatikan dazu die Zustimmung gegeben habe. Ist Österreich katholischer als der Vatikan?" Zwar sei der Feiertag durch das Konkordat gesichert, aber: "Wozu Feiertage wenn nicht gefeiert wird?"

Da hat er recht, der Herr Kardinal! Weg mit all diesen sonderbaren Feiertagen! Während Ostern und Weihnachten als Jahreszeitenfeste aus den vorchristlichen Traditionen stammen und vom Christentum nur übernommen wurden, sind die folgenden Feiertage durchaus entbehrlich: 6. Jänner (Dreikönig), Himmelfahrt, Fronleichnam, Pfingsten, 15. August (Maria Himmelfahrt), 8. Dezember (Maria Empfängnis - wozu wieder darauf hingewiesen werden muss, dass dieser Tag neun Monate vor dem Nichtfeiertag Maria Geburt liegt, es wird also des zeugenden Geschlechtsverkehres der Eltern Marias gedacht). Man darf Feiertage natürlich nicht ersatzlos streichen, man müsste dafür säkulare Feiertage einführen, den 12. Februar als Tag des Aufstandes gegen den Klerikalfaschismus, den 13. März als Tag des Beginns der Revolution von 1848, den 27. April als Tag der Ausrufung der 2. Republik, den 12. November als Tag des Beschlusses über die Republikgründung, den 10. Dezember als Tag der Menschenrechte, den 21. Dezember als Tag des Staatsgrundgesetzes von 1867. Diese Feiertage hätten einen vernünftigen Inhalt.

Achja, was hat für Schönborn "Christi Himmelfahrt" für einen Inhalt?
Er sieht den Feiertag "als das Fest des Anfangs einer neuen Epoche", Jesus verschwindet im Himmel, verspricht den Hl. Geist zu senden und selber irgendwann wieder zu kommen. Und mit so einem Pofel belästigt man seit fast 2000 Jahren die Menschen, durch viele Jahrhunderte zwangsweise. Jetzt ist die religiöse Begehung dieses Feiertags freiwillig. Und weil dazu nur geringe Bedürfnisse vorhanden sind, verweist Schönborn auf die Möglichkeit der Abschaffung. Fangen wir damit an! Tauschen wir! Christi Himmelfahrt gegen den 12. Februar!

Nach oben


Das 27. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 29. Mai 2011

Joh 14, 15-21: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Heute handelt das Evangelium vom "Heiligen Geist". Zumindest sehen es die gläubigen Bibeldeuter so. Weil die dritte Falte vom dreifaltigen Gott ist bibelmäßig kaum aufspürbar und spielt auch in der christlichen Religion eine ziemlich geringe Rolle. Zu Pfingsten ergießt er sich als "Geist Gottes" über die Jünger, beim Kreuzzeichen und Taufen wird er erwähnt, die meiste Zeit hat er aber frei. Denn der "Heilige Geist" als eigener Christengottbestandteil ist eine spätere Erfindung. Zwar kommt einigemale in den Evangelium vor, irgendwer sei vom heiligen Geist erfüllt, aber damit ist offenbar keine "Person" gemeint, sondern eine bestimmte religiöse Stimmung.

Heinz-Werner Kubitza schreibt in seinem Buch "Der Jesuswahn" über den Hl. Geist, dass die wichtigste Bibelstelle, nämlich die sogenannten "triadische Taufformel" gemäß Mt. 28,18, "darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes", eine spätere Erfindung ist: die frühen Christen tauften auf den Namen Jesu, auch die Bestimmung "darum geht zu allen Völkern .." ist eine nachträglich Einfügung, weil gemäß früherer Texte verbat Jesus ausdrücklich die Heidenmissionierung, siehe Mt. 10, 5-7 und Mt. 15,24.

Was erzählt uns Schönborn zu obiger Bibelstelle? Dass uns der Jesus nicht alleine lässt, wir werden nämlich vom Hl. Geist betreut: "Jesus verheißt uns einen 'anderen Beistand', den Tröster, den Heiligen Geist. (..) Der Geist Jesu hilft, nicht in der Lüge, der Selbsttäuschung zu leben. Aber er ist andererseits nicht der Aufdecker, der brutal und unbarmherzig bloßstellt. Denn der Geist Jesu lässt uns vor allem eine Wahrheit erkennen: dass wir von Gott geliebt sind, auch in Krankheit und Not, und selbst wenn wir versagt haben. Das ist sein Trost!"

Interessant, dass Schönborn den "Hl. Geist" in seiner Auslegung nicht als eigene Falte des dreifaltigen Gottes anspricht, sondern als "Geist Jesu", sozusagen als eine Unterfalte der Jesusfalte. Einsetzen tut er den "Geist Jesu" wiederum als eine Art Jesusbestätigung. Solche religiöse Zirkelschlüsse sind durch das Prinzip, Gott sei die Wahrheit, darum ist die Religion wahr und umgekehrt, immer wieder unterhaltsam. Dazu der alte jüdische Witz: der Blau sagt zum Kohn, sein Rabbi spreche regelmäßig mit Gott, Kohn zweifelt daran und meint, es könnte ja sein, dass der Rabbi lüge, Blau kann beweisen, dass es so nicht ist, denn Gott spräche bestimmt nicht mit einem Rabbi, der lügt. Und auf dieser Logik ist auch der Satz aufgebaut, "der Geist Jesu hilft, nicht in der Lüge, der Selbsttäuschung zu leben". Die Hinterfragung, ob nicht gerade die Einbildung göttlicher Geister Täuschung und Selbsttäuschung ist, darf dazu nicht gestellt werden, weil dann hingen der Vater, der Sohn und der Hl. Geist in der Luft, amen.

Nach oben


Das 26. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 22. Mai 2011

Joh 14, 1-12 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin die gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

In den christlichen Evangelien kündigten die Schreiber dieser Texte Jesus' irdische Wiederkehr mehrfach an, sie erwarteten diese Wiederkehr noch zu ihren Lebzeiten, siehe etwa Mk 9,1, Mk 1,15, Mk 13,30, Mt 10,23. Diese sogenannte "Naherwartung" ist natürlich nicht eingetreten, Tote kehren schließlich nur in Gruselfilmen wieder. Das Christentum hatte das Glück (und die Menschheit das Pech), dass dieser Glaube im römischen Reich zur alleinigen Staatsreligion erhoben wurde und sich mittels der dabei errungenen Macht etablieren konnte - bis schließlich in der Zeit der Aufklärung die Befreiung der Menschheit vom religiösen Zwang in die Wege geleitet wurde. Aber auf die Wiederkehr des HErrn warten die Christen immer noch. Erst gestern ist wieder einmal die Welt untergegangen, einer dieser US-amerikanischen Fundamentalnarren hat für sich und seine Anhänger am 21. Mai 2011 um 18h die Wiederkehr vom Jesus erwartet. Vergeblich, Mr. Harold Camping, so heißt der Prophet des Untergangs, hat keine Wohnung im Haus vom Jesus seinem Vater bekommen, er wohnt auch am 22. Mai noch in den USA in Boulder (Colorado).

Aber das nur nebenbei. In der heutigen Kronenzeitungspredigt vom katholischen Kirchenvorsitzenden Schönborn geht es in der Pointe darum, wie sicher man auf die obige Bibelstelle vertrauen darf: "Der Tod ist nicht der endgültige Abschied, das letzte 'Aus.' Darauf dürft ihr vertrauen! Glaubt daran! Glaubt an mich! Wie aber sieht der Weg zu diesem Ziel aus? Thomas, der Zweifler, spricht es aus: "Wie sollen wir den Weg kennen? Wir wissen ja nicht, wohin Du gehst!" Wer weiß schon, was uns 'drüben' erwartet? Wer garantiert uns, dass mit dem Tod nicht doch alles aus ist? (..) Darauf antwortet Jesus mit einem gewaltigen Wort: 'Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben!' Jesus zeigt nicht nur den Weg, er ist der Weg! Jesus lehrt nicht nur die Wahrheit, er ist die Wahrheit! Jesus verspricht nicht nur das Leben, er ist das Leben! Ist das nicht völlig überspannt? Wer kann solches von sich behaupten? Uns sind das nicht leere Versprechungen? Steht am Ende nicht doch der Absturz ins Nichts? Darauf hat Jesus nur eine Antwort: Beweisen wird dir das niemand können. Darauf kannst Du nur vertrauen. Daran kannst Du nur glauben. Vertraue darauf, dass wirklich ein liebender Gott dir ein Zuhause bereit hält. Und lass Dich darauf ein, dass Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist! Das ist kein blinder Glaube. Denn die Erfahrung von vielen zeigt, dass er trägt, im Leben - und auch im Sterben."

Auweia! Das kann schon sein, dass dieser "Glaube" bei Menschen mit entsprechender religiöser Konditionierung "im Leben - und auch im Sterben" trägt. Aber darauf kommt es ja nicht an, denn nach dem Sterben müsste dieses Jesus-Wort tragen! Und das wiederum zeigt auch keine christliche Erfahrung, weil Tote kommunizieren nur in Gruselfilmen mit uns. Pech für die Christen. Aber interessant, dass Schönborn seine Worte nur an Lebende und Sterbende richtet und für den jenseitigen Wohnungsmarkt bloß den schönen Jesus-Satz "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben!" hat. Der schließlich nur ein völlig überspanntes leeres Versprechen sein kann.

Tröstendes Sonntagswort eines Atheisten: Schönborn und die anderen Jenseitsgläubigen werden ihre Enttäuschung nie erleben, weil ein Toter merkt nichts mehr, auch nicht, dass nach dem Tode nichts mehr ist.

Nach oben


Das 25. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 15. Mai 2011

Joh 10, 1-10: "Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben."

Das Gleichnis ist sehr merkwürdig. Es bleibt nämlich die reale Rolle der Schafe gänzlich ausgeblendet. Gibt es Schafställe und Hirten zum Wohle der Schafe? Das wäre ganz was Neues. Ein säkular orientierter Mensch würde meinen, Schafstall und Hirte existierten zum Nutzen der Schafverwertung. Also für Schafwolle, Schaffell, Schaffleisch. Der gute Hirte kümmert sich darum, gesunde Schafe mit einem schönen Fell und gutem Fleisch zu haben, er hütet die Schafe nicht aus Schafesliebe, sondern aus Nutzenorientierung. Die angeführten Diebe und Räuber machen mit einem Schaf auch nichts anderes als der Schafbesitzer und der gute Hirte: sie ziehen ihnen das Fell über die Ohren zu und verwerten das Fleisch. Darüber sagte der Jesus keinen Ton, darüber sagt auch der Kardinal Schönborn in seiner Sonntagspredigt nix.

Wenn ich katholisch wäre und mir würde erklärt, ich wäre ein Schaf und der gute Hirte kümmere sich darum, dass für die Schafschur mein Fell wächst und sich für den Schlachthof mein Schlachtgewicht entwickle: Nu, ich wär nicht so begeistert von diesen Aussichten.

Schönborn sind solche Gedanken bisher noch nicht untergekommen und er rennt direkt ins offene Messer: "Aber das Bild vom Hirten passt auch auf andere, die Verantwortung tragen: im Staat, in der Wirtschaft, auch in der Familie. Allen, den geistlichen und den weltlichen Hirten, hält Jesus einen 'Hirtenspiegel' vor. Jede Autorität, jedes Amt, jede Leitungsaufgabe kann im Sinne des guten Hirten ausgeübt - oder aber missbraucht werden."
Somit sind wir für die Herrschenden in Staat und Wirtschaft Schafe: Ausbeutungsopfer, Schlachtopfer zum Wohle der uns beherrschenden Hirten.

Heute vor 80 Jahren, am 15. Mai 1931 wurde von Papst Pius XI. die Enzyklika Quadragesimo Anno veröffentlicht
, in der die Ideologie vom "Ständestaat" propagiert und die Arbeiterbewegung verdammt wurde. "Der Sozialismus, gleichviel ob als Lehre, als geschichtliche Erscheinung oder als Bewegung, auch nachdem er in den genannten Stücken der Wahrheit und Gerechtigkeit Raum gibt, bleibt mit der Lehre der katholischen Kirche immer unvereinbar. Er müsste denn aufhören, Sozialismus zu sein: der Gegensatz zwischen sozialistischer und christlicher Gesellschaftsauffassung ist unüberbrückbar."

Und die treuen politischen Knechte der katholischen Kirche folgten der Lehre des Papstes, verfolgten die Sozialisten und errichteten den klerikalfaschistischen katholischen Ständestaat. In Österreich. In Spanien. In Kroatien und anderswo. Der Klerikalfaschismus wollte die Geschichte nochmals umkehren, eine neue Gegenreformation durchführen. Damit die klerikalfaschistischen Hirten die Ausbeutung und Unterdrückung der zu Schafen degradierten arbeitenden Menschen auf gottgewollte Weise fortsetzen konnten.

So war es, aber so blieb es nicht, 1975 brach in Spanien die letzte klerikalfaschistische Diktatur zusammen, die Ausbeutung der Schafe mit Hilfe katholischer Hirten hatte endgültig ein Ende. In Europa besserte sich im vorübergehend existierenden sozialdemokratischen Zeitalter die Situation für die arbeitenden, den gesellschaftlichen Mehrwert schaffenden Menschen. Dann kamen wieder neue Hirten, die aktuellen neoliberalen Hirten hüten nicht mehr die Schafe, sie hüten die Aktienkurse, für deren Wohlergehen den Schafen ans Fell gegangen wird. Ohne direkte katholische Behirtung, aber auch ohne sozialistische Behinderung und auf ständig steigendem Niveau.
So ist es. Bleibt es so?

Nach oben


Das 24. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 8. Mai 2011

Joh 21, 1-14 (hier nur eine gekürzte Wiedergabe, Petrus und einigen anderen Jüngern die nach der Kreuzigung vom Jesus wieder als Fischer arbeiten, erscheint der auferstandene Jesus) (..) Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. (..) 10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. 11 Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit 153 großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. 12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. 13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. 14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Schönborn freut sich in seiner Predigt über den reichen Fischfang, weil das Ganze ja ein Gleichnis war: die Apostel sind Menschenfischer und der Schönborn ist auch einer. Darum hier Schönborns freudige Schlusssätze: "Für mich hat dieses Evangelium einen besonderen Klang. Es sagt mir viel über den Glauben in unserer Zeit. Wir Christen glauben, dass Jesus auferstanden ist. Aber das Leben geht weiter, mit seinen Mühen und Misserfolgen. Auch der Kirche geht es so. Sie erinnert mich zurzeit an das vergebliche Bemühen der Apostel, Fische zu fangen. Die schwimmen eher davon, das Fischernetz der Kirche sieht ziemlich leer aus. Doch dann kommen Momente wie die des heutigen Evangeliums. Da sagt uns Jesus: Probiert es nochmals! Seid nicht verzagt! Habt Vertrauen! Und siehe da: Wider alles Erwarten füllt sich das Netz. Und daraus kommt die freudige Gewissheit: "Es ist der Herr!" Diese Gedanken bewegen mich, hier am See Genezareth, und erfüllen mich mit Hoffnung!"

Da hat der Herr Kardinal überraschend klare Einsichten! Wenige Fische im Netz der Menschenfischer! Und der Trost? Er hat Vertrauen zum HErrn. Nu, dann soll er hoffen, dass der HErr für ihn fischen geht und seine Netze wieder voller werden. Hoffnung ist doch was Schönes! Hoffen kann er schließlich jedes Jahr.

Nach oben


Das 23. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 1. Mai 2011

Joh 20, 19-31: Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Schönborn geht in seiner Sonntagspredigt weniger auf das heute vorgeschriebene Evangelium ein, sondern predigt über seinen früheren Chef, den Herrn Karol Wojtyla, der heute seine vorletzte Beförderung erhielt, er wurde zum "Seligen" ernannt. Er ist somit nach katholischen Glaubensvorstellungen nicht nur ein vorbildlicher Christ gewesen, sondern sitzt jetzt auch beim Jesus im Himmel und verübt Wunder, er heilt z.B. eine Parkinson-Kranke, die diese Krankheit gar nicht hatte, was bei Schönborn vorsichtshalber als "hieb- und stichfestes Wunder" deklariert wird.

Da Wojtyla auch den heutigen "Weißen Sonntag" zum "Sonntag der Barmherzigkeit" befördert hat, sei hier daran erinnert, auf welchem Gebiet der Verseligte besonders als Barmherzigkeitsspender aufgefallen ist: auf dem Gebiet des barmherzigen Umgangs mit klerikalen Kinderschändern. Bis zu seinem Tode breitete Papst Wojtyla die Decke barmherzigen Schweigens über solches Geschehen. So wie die Kleriker Kinder liebten, liebte Wojtyla die Sünder und bebarmherzigte sie, auf dass die hl. katholische Kirche keine schlechte Nachrede erleide.

Jetzt hat sie die Nachrede doch erlitten. Aber was soll's, die hl. katholische Kirche sitzt das schon aus! Wegen der paar Kirchenaustritte macht man sich keine größeren Sorgen und die religiös Desinteressierten interessieren sich für die katholische Religion weder mit noch ohne Kinderschänder.

Schönborn schließt seine Predigt mit: "Bei meinen vielen Schulbesuchen werde ich von jungen Leuten oft gefragt: 'Haben Sie auch manchmal Zweifel?' Da frage ich mich dann selber: 'Hast du Zweifel? Bist du auch ein ungläubiger Thomas?' Eines ist mir klar: Ich kann Gott nicht 'begreifen'. Dazu reichen weder mein Hirn noch mein Herz. Gott ist immer größer als alles, was wir uns denken und vorstellen können.
Aber in seiner Barmherzigkeit hat Er sich 'begreifbar' gemacht: Jesus, Gottes Sohn, war sichtbar, greifbar für die Menschen damals, auch für den Zweifler Thomas. Und heute? Für heute sagt uns Jesus: 'Selig, die nicht sehen und doch glauben'. Ich kann Jesus nicht direkt sehen. Aber für mich machen Menschen wie der selige Papst Johannes Paul II. Jesus sichtbar. Der heutige Sonntag zeigt, dass es nicht nur mir so geht."

Ja, die greifbare Barmherzigkeit Wojtylas für handgreiflich Unzüchtige lehrt uns den unbegreifbaren Gott. Zu den Opfern der Kleriker ist man eher nicht so barmherzig, da müht man sich lieber ab, sparsam davonzukommen, weil solche Klagesummen wie in den USA gibt's in unseren Gegenden nicht. Und insgeheim kann man wohl auch dem seligen Karol Wojtyla Dankgebete schicken, weil die langjährige konsequente Vertuschung der klerikalen Sexualverbrechen sehr viel barmherzig unter die Verjährungsfristen hat fallen lassen. Wojtyla kann noch einmal befördert werden. Zum Heiligen. Dann kann er auch Schutzpatron werden. Für Bodenküsser und Kinderschänder? Das wär's für heute, schönen säkularen 1. Mai!

Nach oben


Das 22. Atheisten-Wort zum Ostersonntag, den 24. April 2011

Joh 20, 1-18: Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. (Schönborn lässt die nächsten Verse weg: Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.) Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück (laut Schönborns Predigt waren sie gar nicht am Grab gewesen, aber heimgegangen sind dann doch?! Vermutlich das kleine Osterwunder von 2011). Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

Soweit der Evangeliumstext. "Ostern - was ist neu?", fragt dazu Herr Schönborn in seiner auf der Website der Diözese und in der Kronen Zeitung veröffentlichten Osterpredigt. Und wie jedes Jahr kommt er auch 2011 zur freudigen Überraschung, dass Jesus auferstanden sei. Rhetorisch fragt er: "Verändert sich etwas an meinem Leben, wenn ich glaube, dass Jesus wirklich auferstanden ist? Denn warum soll ich etwas Unwahrscheinliches glauben, wenn es mir 'nichts bringt', meinem Leben nicht eine neue Dimension eröffnet?"

Da müsste man gegenfragen: hat Herr Schönborn irgendwann nicht an die Auferstehung geglaubt und dann hat er geglaubt und das hat sein Leben verändert? Es besteht Anlass zur Vermutung, Schönborn wurde über die Auferstehung schon belehrt, bevor er alleine aufs Topferl gehen konnte. Er war schon römisch-katholisch seit er einzelne Worte zu unterscheiden vermochte und sein zweites Wort nach "Mama" war "Jesus". Sich so einer Konditionierung zu entziehen, ist sehr schwierig. Schönborn hat es vermutlich auch nie versucht.

So aber weiß er, alle zerschellen an der Wand des Todes, aber Jesus hat zum Osterfest ein Loch in die Mauer gemacht. Sterben heißt seither: "ins Leben gehen, durch die Mauerbresche, die Jesus für immer geöffnet hat." Und alle Jahre wieder dürfen sich die gläubigen Christen darüber freuen! Ist das nicht schön?

Mein Lieber, so eine neue Dimension, die öffnet nicht so schnell wer! Zwar sitzen die alten Germanen bei Wildschwein und Bier in Walhalla und freuen sich mit Wotan über ihr ewiges Leben, die Apatschen und Komantschen jagen in den ewigen Jagdgründen Büffel, der Dalai Lama lebt sein 14. Leben und hat die Chance ins Nirwana einzugehen.

Also welche neue Dimension hat der Jesus gebracht? Eher darf man vermuten, es ist die selbe alte Geschichte, die sich Menschen seit der Urzeit erzählen: dass es ein besseres Leben jenseits des Lebens geben sollte, geben müsste, weil das irdische Jammertal so jammervoll ist und weil man sich die eigene Nichtexistenz nicht vorstellen kann.

"Ich denke, daher bin ich", das kann jeder sagen, aber "ich bin nicht, weil ich tot bin", kann man nur vorher wissen, aber als Toter nicht mehr denken. Und dagegen helfen die Illusionen von Walhalla, von den ewigen Jagdgründen und vom Himmel beim Jesus. Die Verdammung der Ungläubigen und Sünder in die ewige Hölle verkündet der Herr Schönborn nimmer, da zensiert er seinen Erlöser lieber, das ewige höllische Auschwitz für Nichtkatholiken ist kein Thema mehr. Oh Ihr Heuchler und Pharisäer!

Da freut man sich als Atheist besser über die schönen Dinge im Leben und müht sich darum, mit den weniger schönen fertig zu werden. Wir haben nämlich nur das eine Leben und keine törichten und absurden Illusionen über Löcher in der Wand des Todes. Aus Atheisten und Kardinälen wird derselbe leblose Staub, Kardinäle erfahren es jedoch nie, aber Atheisten wissen es schon zu Lebzeiten. Pow, san mia guat!

Nach oben


Das 21. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 17. April 2011

Mt 21, 1-11: Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.

Es war nun schon ein paar Wochen Sonntags-Predigt-Pause, wofür es bereits Schelte von Site-Besuchern gab. Einer schrieb, "jeden Sonntag will ich mich biblisch erbauen und jetzt steht schon vier Wochen nichts mehr da!" Dem Manne kann geholfen werden! Obwohl es eigentlich doch recht eintönig ist. Jeden Sonntag ist der Schönborn in der Kronen Zeitung ganz begeistert, bei welchem herausragenden Gott er Kardinal geworden ist, im üblichen salbungsvoll-katholischen Ton verströmt er seine Weisheiten über die biblischen Weisheiten seines HErrn.
Jetzt sind wir in der Osterwoche. Der HErr Jesus bereitet sich auf seinen Opfertod vor. Am Karfreitag wird Schönborn wieder voller Trauer sein über den Kreuzestod und am Ostersonntag ganz begeistert, weil der HErr auch 2011 wieder auferstanden ist. Aber am Sonntag davor - genannt "Palmsonntag" - wird der Eselseinzug in Jerusalem begangen. Die Geschichte beruft sich auf Sacharja 9:9,10, dort heißt es: "Aber du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen abtun von Ephraim und die Rosse von Jerusalem, und der Streitbogen soll zerbrochen werden; denn er wird Frieden lehren unter den Heiden; und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis ans andere und vom Strom bis an der Welt Ende." Sacharja war einer der sogenannten "kleinen Propheten" im "Alten Testament", in den Evangelien werden gerne Bezüge auf solche Prophezeiungen gelegt, um Jesus als "Messias" zu bestätigen.
Schönborn sieht das gemäß der damaligen Zeit: die Juden warteten auf einen Messias, der sie von der römischen Fremdherrschaft befreite und wieder ein großes Judenreich errichtete. Dann muss Schönborn weiter schildern, dass Jesus in Jerusalem nicht als Messias begrüßt, sondern gekreuzigt wird, der Kardinal freut sich: "Doch das wird nicht das Ende sein. Er wird auferstehen. Und seine Liebe wird siegen."

Nun zum Schluss mein Wort zum Palmsonntag: Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch, viele Jahrhunderte hat die Welt unter dieser Liebe zu diesem Jesus Furchtbares erlitten, Zwang, Verdummung, Unterdrückung, Knechtung, Ausbeutung. Wir leben im Zeitalter der Überwindung der siegreichen Jesusliebe, der Eselsparade muss niemand mehr folgen, freuet Euch und singet!

Steve Martin - "Atheists, Don't have no songs"

(Schlussstrophe: Catholics dress up for Mass and listen to Gregorian chants. Atheists just take a pass, watch football in their underpants, watch football in their underpants. Atheists, Atheists, Atheists, Don't have no songs!)

Nach oben


Das 20. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 13. März 2011

Mt 4, 1-11: In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab, und es kamen Engel und dienten ihm.

Soweit das Evanelium. Im christkatholischen Kontext ist dieses Evangelium höchst seltsam. Irgendwie weiß das auch Herr Schönborn, denn er erklärt den Umstand, dass der allmächtige Jesus-Gott vom Teufel versucht werden kann: "Jesus, der Sohn Gottes, ist ja wirklich Mensch geworden und hat daher die menschlichen Versuchungen gekannt - ohne ihnen zu erliegen". Was heißt, dass Jesus, Bestandteil des dreifaltigen Gottes, manchmal so Mensch ist, dass er nimmer weiß, dass er unfehlbar und allwissend ist und vom "Geist" (Hl. Geist?) in die Wüste geführt werden muss und in Versuchung geführt werden kann? Der Teufel weiß das, weil sonst würde er diese Versucherei gar nicht probieren. Und warum kommen am Schluss die "Engel und dienten ihm"? Hat er dann nimmer der Versuchung widerstanden? Die Vorschrift "du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen", bezieht sich auf eine alttestamentarische Episode nach dem Auszug aus Ägypten, die Israeliten ziehen hungrig und durstig durch die Wüste und begehren deshalb gegen Moses und Jehova auf und wollen nimmer folgen. Daraufhin lässt der HErr Wasser aus einem Felsen springen und die Israeliten sind wieder gehorsam. Dass dabei der Israeliten-Gott den Rebellen gehorcht hat, wird nicht thematisiert. Versucht hat in dieser Story außerdem offenbar Gott sein Volk und nicht umgekehrt: Folgen sie mir auch, wenn ich sie verdursten lasse? Auwei, sie tun's nicht, da habt's Wasser!

Soweit zu den inneren Widersprüchen, nun zu den Hauptpunkten der Schönbornschen Interpretation: In seiner Zusammenfassung zählt der sonntägliche Kardinal drei Versuchungen auf, die den Christenmenschen anspringen: 1. Hunger, 2. Ruhm, 3. Macht.

1. Hunger: es ist eine Versuchung, sinnlichen Befriedigungen nachzugeben: Essen, Trinken, Sexualität. Hunger, Durst und Enthaltsamkeit werden zwar nicht direkt als Errungenschaften benannt, aber Schönborn verlangt dafür "das rechte Maß" und setzt diese elementaren Bedürfnisse erst an zweite Stelle nach dem "Wort Gottes". Dazu zitiert er eine Stelle aus Brechts Dreigroschenoper falsch und versteht sie zudem nicht richtig, Schönborn meint nämlich Brecht verkünde ein schändliche Moral: "Erst kommt das Essen, dann die Moral". Die komplette Stelle heißt richtig so:
"Wovon lebt der Mensch?
Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd' und Missetat vermeiden kann
Zuerst müsst ihr uns schon zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
Ihr, die ihr euren Wanst und unsere Bravheit liebt
Das Eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muss es möglich sein, auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden."
Es ging bei Brecht also um Gerechtigkeit, nicht ums bloße Fressen.
2. ist es eine Versuchung, Erfolg zu haben. Der Christgläubige hat sich gefälligst demutsvoll und bescheiden im Staub zu wälzen, Bischöfe und Kardinäle findet man so tief unten allerdings nicht.
3. Macht. Dazu bringt Schönborn als aktuelles Beispiel die gestürzten Herrscher in Nordafrika und ihre Reichtümer. Die katholische Kirche wäre ein viel besseres Beispiel gewesen, gegen deren Allmacht die Menschen viel länger kämpfen hatten müssen als die Tunesier und Ägypter, nämlich nicht bloß ein paar Wochen, sondern viele Jahrhunderte. Und die Besitztümer der Kirche blieben ungeschmälert und die katholische Raffgier blieb erhalten. Dazu braucht die katholische Kirche keine teuflische Versuchung, das ist eine ihrer essentiellen Eigenschaften. Amen.

Nach oben


Das Wort zum Montag am Faschingssonntag, den 6. März 2011

Nach oben


Das 19. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 27. Februar 2011

Mt 6, 24-34: Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.

Soweit der Evangelist Matthäus. Keinen zwei Herren zu dienen, sondern statt dem Mammon nur dem HErrn, ist ein schöner Sager, aber als katholische Verhaltensweise hat sich das nicht durchgesetzt, soviel Vertrauen auf einen fütternden Gott hat man nicht. Aber der obige Text ist ohnehin ein Endzeittext, Jesus tritt in den Evangelien ja mehrfach als Weltuntergangsverkünder auf: "Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles (der Weltuntergang) geschieht" (Mt. 24,34). Und in diesem Zusammenhang ist diese Sorglosigkeit für den morgigen Tag zu verstehen, weil morgen ernährt die Leute eh der HErr im Paradies.

Aber biologisch verlangt die Evangelienstelle auch nach Interpretation:
Im Text heißt es "Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie". Wenn jemand in der Schule bei einer Biologieprüfung auf die Frage, wie sich Vögel nährten, antwortete, der HErr nähre sie, nun, der würde in diesem Gegenstand vermutlich keine gute Note erhaschen, die zuständige Lehrkraft erklärte vermutlich im ärgerlichen Ton, die Vögel arbeiteten fleißig, jagten und sammelten den ganzen Tag, bauten Nester, legten Eier, brüteten sie aus, suchten Nahrung für die Jungen und keine HErren hülfen ihnen dabei, höchstens im Winter ein paar Menschen mit Sonnenblumenkernen in den Vogelhäuschen.
Einem Gott Jesus, der solche Banalitäten nicht weiß, zu vertrauen, wäre ziemlich leichtsinnig. Man könnte direkt vermuten, dieser Jesus wäre gar kein allmächtiger und allwissender Gottessohn, sondern ein ungebildeter Tropf gewesen, naturwissenschaftlich genauso dumm wie die Leute, welche die Evangelien niederschrieben!
Aber so böse soll man ein atheistisches Sonntagswort nicht beenden, darum verkünde ich Euch eine wirklich wahre Wahrheit von Walter Moers: "Sehet die Teppichböden, sie weben nicht, sie streben nicht und reichen doch von Wand zu Wand." So ist es, amen.

Nach oben


Das 18. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 20. Februar 2011

Mt 5, 38-48: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Diese Bibelstelle ist gleichsam das Monument der christkatholischen Heuchelei. Niemals in ihrer Geschichte hat die katholische Kirche freiwillig was Substanzielles aus ihrem Besitze hergegeben oder auf eine Attacke mit dem Hinhalten der anderen Wange reagiert. Unverdrossen und ausnahmslos hat man zurückgedroschen.

Aber Schönborn meint zur heutigen Bibelstelle sogar: "So gut wie Gott selber zu uns ist, sollen wir auch zu den anderen sein. Das ist der Kern der Botschaft Jesu". Auwei geschrieen! Die katholische Kirche missachtet die Kernbotschaft! Mein lieber Schönborn, da wird's dereinsten regelmäßig als Sündenstrafe vom HErrn die Bastonade geben! Oder wird der HErr dem Schönborn bloß das andere Ohr hinhalten, damit auch in dieses hineinheucheln kann? Wäre theologisch zu untersuchen, weil bloß aus dem Evangelium zu zitieren, ist unzureichend!

Außerdem erkennt der Herr Kardinal auch selber den Unsinn dieser Bibelstelle: "Wie sollte ein Land, ein Staat funktionieren, wenn das zur obersten Regel gemacht würde: 'leistet dem Bösen keinen Widerstand'? (..) Die sprichwörtlich gewordene 'andere Backe' hinhalten! Heißt das: sich überhaupt nicht wehren? Müssen nicht schon Kinder lernen, sich nicht alles gefallen zu lassen? Wie sollen wir uns im Leben behaupten, wenn wir die Worte Jesu uns zur Lebensregel nehmen? (..) Macht die Lehre Jesu lebensuntüchtig?"

Also nix mit anderer Backe? Wie salbungsvoll kratzt ein Kardinal diese Kurve? "Jesus hat hier nicht Gesetze formuliert, Gebote erlassen, sondern Ratschläge gegeben. Er bestreitet nicht das Recht, dass wir vor Gericht unsere Ansprüche einfordern dürfen. Aber er rät uns, nicht wegen allem und jedem gleich Prozesse zuführen. Rechthaberei führt oft zu noch größerem Unrecht. (..) Jesus will aber, dass wir besser werden. So gut wie Gott selber zu uns ist sollen wir auch zu den anderen sein."

Wie ist der katholische Jesus-Gott zu den katholischen Gläubigen? Wie ein Watschenmann? Oder nicht doch wie sein Vater, der alte Jehova, dem die "Auge um Auge, Zahn um Zahn"-Regelung zugeschrieben wurde? Wobei anzumerken ist, dass diese Regelung in der israelitischen Gemeinschaft eine mäßigende Wirkung hatte: Wenn dir einer einen Zahn aushaut, dann reiß ihm deswegen nicht gleich den Kopf ab. Jesus berücksichtigt in seinen Predigten allerdings nicht einmal diese mäßigende Regelung. Denn er verdammt die "Böcke zu seiner Linken" zu einer ewigen Folterstrafe, siehe Mt25,31ff, eine Auswahl der Widerwärtigkeiten der Verdammungspredigten des Jesus kann auf hoellenlos.pdf nachgelesen werden. Zwar stehen diese Texte heute unter christkatholischer Vorzensur, aber es ist Originalchristentext, Wort des HErrn. Der HErr ist kein Watschenmann, er ist grenzenlos rachsüchtig. Gut, dass es ihn nicht gibt.

Nach oben


Das 17. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 13. Februar 2011

Mt 5, 20-22a.27-28.33-34a.37: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Ihr habt gehört. dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

Was sagt uns Kardinal Schönborn dazu? "Jesus hat die Zehn Gebote immer wieder in Erinnerung gerufen. Sie sind die Grundlage eines geordneten Zusammenlebens. (..) Aber wie steht es wirklich mit dem Halten der Gebote? Sie sind ja nicht irgendwie willkürliche Vorschriften, die ein weltlicher Gesetzgeber erlassen hat, wie er Verkehrsvorschriften per Gesetz erlässt. Die Zehn Gebote sind die sittlichen Mindestforderungen, damit das Miteinander von uns Menschen gelingen kann. Wo Lügen, Morden, Stehlen, Ehebrechen zur Alltäglichkeit werden, wird das Zusammenleben zur Hölle."

Interessant, weltliche Gesetzgeber erlassen willkürliche Vorschriften. Zum Beispiel verbieten diese weltlichen Gesetzgeber willkürlich per Strafgesetzbuch das Morden und Stehlen. Ach, das ist keine Willkür, das haben die Juristen von den Zehn Geboten abgeschrieben. Allerdings haben sie schlecht abgeschrieben, weil dass man nur an den einen Christengott glauben darf, dass das Fluchen verboten ist und man am Sonntag in die Kirche gehen muss, steht nicht im Strafgesetzbuch.
Und erst die willkürliche Straßenverkehrsordnung! Dass man auf der rechten Seite fahren muss, Geschwindigkeitsbeschränkungen einhalten oder das Auto nicht einfach irgendwohin stellen darf. Sowas passiert, weil die Straßenverkehrsordnung nicht von Gott kommt!
Und wozu überhaupt die vielen Gesetze und Vorschriften?! Die Zehn Gebote sind die Grundlage eines geordneten Zusammenlebens! Vielleicht hätte der Herr Kardinal aber noch darauf hinweisen sollen, dass dem Jesus sein Vater, der alte Gott aus dem Alten Testament, der die Zehn Gebote erlassen hat, auch noch 613 weitere Vorschriften verordnete. Zum Beispiel die Steinigung von Leuten, die den Sabbat nicht halten oder die Todesstrafe für Homosexualität. Oder die Todesstrafe für sündigende Tiere: "Wenn ein Rind einen Mann oder eine Frau stößt, so dass sie sterben, dann muss das Rind gesteinigt werden, und sein Fleisch darf nicht gegessen werden; aber der Besitzer des Rindes soll straffrei bleiben. Falls jedoch das Rind schon vorher stößig war, und sein Besitzer ist gewarnt worden, hat es aber nicht verwahrt: falls es dann einen Mann oder eine Frau tötet, soll das Rind gesteinigt und auch sein Besitzer getötet werden. Falls ihm aber ein Sühnegeld auferlegt wird, so soll er als Lösegeld für sein Leben alles geben, was ihm auferlegt." Es gibt noch viele ähnliche Vorschriften. So weise hatte dem Jesus sein Vater alles geregelt!
Der aktuelle Jesustext bereitet dem Herrn Schönborn gar keine Sorgen.
Dass schon der vor den Richter kommen soll, der seinem Bruder bloß zürnt? Wenn also ein Theologe dem anderen Theologen seine Meinung unverblümt und zornig sagt, dann muss er vor Gericht! Da hätten die Gerichte viel Arbeit!
Und warum zensiert seine Eminenz seinen Jesus? Der obige Matthäus-Text ist höchst bruchstückhaft, z.B. heißt die Zeile 22 der obigen Bibelstelle vollständig: "Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du gottloser Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein."
Darf ein Kardinal seinen HErrn zensieren? Auch andere Verdammungszeilen aus dieser Bibelstelle hat Schönborn unterschlagen, z.B. "Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt." Der junge Sohn vom lieben alten Gott, der mit den Zehn Geboten unser Leben so vortrefflich geregelt hat, der liebe Jesus, war also gar nicht so lieb! Pscht! Das sagt man heute den Leuten nimmer!
Der heutige Evangeliumsschlusssatz "Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen" ist schlichtweg gemeingefährlich. Weil wenn man das ins Alltagsleben übernimmt, dann verbietet der HErr Jesus Verhandlungen, Kompromisse, gegenseitige Rücksichtnahme, weil dann gibt's nur Wahrheit oder Lüge, nur ein Entweder-Oder. Ein Sowohl-Als auch ist vom Bösen.

Nach oben


Das 16. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 6. Februar 2011

Mt 5, 13-16: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Was macht sich Oberkatholik Schönborn für Gedanken zum Salz der Erde und zum Licht der Welt? Er ist zuerst einmal vorsichtig. Er warnt vorm Versalzen und vor zuviel Licht. Denn: "Schon ein bisschen zu viel Salz macht die Suppe versalzen und eigentlich ungenießbar." Und: "Zu viel Licht ist grell, es blendet, ja es kann unerträglich werden." Diese beiden Aspekte kommen bei Matthäus gar nicht vor. Versalzte Suppen sind eigentlich kein großes Lebensproblem, Salz spielte damals vor allem eine wesentliche Rolle beim Einpökeln von Fleisch, man hatte ja keine Kühlschränke. Licht wurde von Ölfunseln gespendet, dieses Licht war nicht grell.

Das "Salz der Erde" ist inzwischen sprichwörtlich geworden, vom tschechischen Autor Karel Capek stammt der Satz "Humor ist das Salz der Erde, und wer gut durchgesalzen ist, bleibt lange frisch." Genau das dürfte im Evangelium gemeint gewesen sein: Salz als Frischhaltemittel! Aber über die Frage der Fleischverarbeitung vor 2000 Jahren und dem daraus abgeleiteten "Salz der Erde" als Konservierungsmittel hat sich der Schönborn wohl keine Gedanken gemacht. Die Bibelbotschaft sollte ursprünglich wohl bedeuten, die Jünger vom Jesus seien Bewahrer und Verkünder.

Das berühmte Licht, das man nicht unter den Scheffel stellt, ist sprichwörtlich ebenfalls erhalten geblieben, aber im obigen Bibeltext wurde der alte "Scheffel" zum "Gefäß" modernisiert. Und dass das christliche Licht ein zu helles, gar ein grelles Licht wäre, kann man schwerlich behaupten, das christliche Licht ist immer noch eine Ölfunsel. Da es heute im Zeitalter der Religionsfreiheit möglich ist, mit beliebigen Lichtern herumzuleuchten, verliert das christliche Licht als Licht unter vielen ständig weiter an Leuchtkraft.

Die Christen in ihrer Masse leuchten nimmer, weil sie keine Massenerscheinung mehr sind. Massenerscheinungen sind aber die Kopftuchkohorten im Islam. Mit dem Kopftuch tut man das, was Christen in Europa in der Regel nimmer tun: man tritt öffentlich als religiös bis religiös-fanatisch in Erscheinung. Was beim Publikum sehr schlecht ankommt, die weit verbreitete Aversion gegen den Islam beruht sehr wesentlich auf diesen öffentlichen Religionssignalen. Die große Mehrheit der Menschen in unseren Breiten will keine eingepökelten Religionen und keine grellen Religionslichter. Stülpt den Scheffel darüber und lasst die Menschen mit Euren Göttereien in Ruhe, religionsloser Alltag ist inzwischen Standard. Amen.

Nach oben


Das 15. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 23. Jänner 2011

Mt 4, 12-23 Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.

Heute soll Schönborn selber wieder ausgiebig zu Wort kommen, ein paar Anmerkungen dazu sind allerdings unvermeidlich. Schönborn übertitelt mit "Zurück zum Anfang": "In Zeiten wie diesen, in denen es für viele mit ihrer Zugehörigkeit zur Kirche zu Ende geht, ist es gut zu fragen, wie es eigentlich am Anfang war. Wie hat alles begonnen? (..) Am Anfang steht Jesus. Ein Mann aus Nazareth, wo er als Zimmermann gelebt und gearbeitet hat. Eines Tages beschließt er, seinen Beruf, sein Haus, seine Verwandtschaft zu verlassen und etwas ganz Neues zu beginnen. Er allein. Aus innerem Antrieb, mit einer klaren Entschiedenheit."
Anmerkung: Ui, da hat der Jesus vergessen gehabt, dass er "Sohn Gottes" ist und ja ohnehin zwecks Menschheitserlösung auf die Erde kam? Gut, das ihm das aus innerem Antrieb doch noch eingefallen ist!

Schönborn: "Und Jesus will, dass seine 'gute Nachricht' möglichst viele Menschen erreicht. (..) Ihr Inhalt ist einfach, aber anspruchsvoll: 'Das Himmelreich ist nahe'. Will sagen: Gott ist nahe. Sein Reich, das heißt seine Zeit ist gekommen. Sein Wirken wird spürbar. Stellt euch darauf ein! Ändert euer Leben! Und glaubt Ihm!"
Anmerkung: Ja, das glaubten die ersten Christen wirklich: dass das Himmelreich nahe sei. Z.B. in Mt. 24,34: "Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles (die Wiederkehr vom Jesus) geschieht". Jesus war also ein Weltenendeverkünder, solche tauchen auch heute regelmäßig auf, aber wenn dann die Welt nicht untergeht, dann ist deren Karriere meist vorbei, die frühen Christen haben diese Kurve gekratzt.

Schönborn: "Damit fing alles an. Ideen eines Verrückten? Phantasien eines Träumers? Zwei Gründe haben dazu geführt, dass Jesus mit seiner Botschaft nicht alleine blieb, sondern eine Gemeinschaft bilden konnte, die heute weltweit zwei Milliarden Menschen umfasst. Jesus hat Menschen "mit ins Boot" genommen. Er blieb nicht alleine, wollte kein Einzelkämpfer sein. Er hat Menschen gerufen, eingeladen, mit ihm den neuen Weg zu gehen.
Anmerkung: Ja, das machen die Propheten auch heute so, die bleiben ebenfalls nicht allein, nur haben sie nicht die Möglichkeiten, die das Christentum im Laufe ihrer Geschichte ergreifen konnte, etwa die Installation als römische Staatsreligion inklusive der Vernichtung aller Konkurrenzreligionen. Weltreligionen brauchen sowas.

Jesus engagierte seine Jüngern als "Menschenfischer, Schönborn: "Aber das allein hätte nicht genügt. Jesus hat auch besondere Kräfte gehabt: Die Gabe zu heilen. Seine Worte wurden durch sein Tun bestätigt. Menschen haben mit ihm erlebt, dass Gott wirklich nahegekommen ist. Sie haben ihm vertraut, an ihn geglaubt, und sie sind mit ihm den Weg gegangen. So hat es mit der Kirche angefangen. In unseren Tagen, da viele mit der Kirche Schluss machen, ist es gut, sich an diesen Anfang zu erinnern. Er ist nicht Vergangenheit. Auch heute fängt es wieder neu so an: sich mit Jesus ganz neu auf den Weg zu machen!"
Anmerkung: Heute haben auch Päpste fallweise die Gabe des Heilens! Sie heilen z.B. zwecks eigener Seligsprechung die Parkinsonkrankheit und das sogar an Leuten, die diese gar nicht hatten! Siehe Info Nr. 388! Da kommt uns auch heute Gott nahe und die Galle hoch! Auf zum Schlusssatz: Schönborn macht sich schon seit Jahren mit Jesus neu auf den Weg. Aber im Effekt geht der Schönborn alleweil im Kreis und nur in seinem Geist macht der Jesus mit ...

Nach oben


Das 14. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 16. Jänner 2011

Joh 1,29-34 In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekannt zu machen. Und Johannes bezeugte: Ich sah. dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen. und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.

Heute geht's also ums grundlegende Thema des Christentums: Jesus als Erlöser, der durch seinen "Opfertod" die "Sünden der Welt" hinwegnimmt, die von seinem Vater im Wege der "Erbsünde" in jedem Menschen zwangsweise installiert worden waren. Dass Jesus für "unsere Sünden" am Kreuz gestorben sei, ist der "Kern des Evangeliums". Denn wenn "jeder seine eigene Sünde und Schuld tragen müsste und es keine Stellvertretung gäbe, dann wären wir hoffnungslos verloren", meint die Theologie. Die christliche "frohe Botschaft" soll es sein, dass der einzelne Christ nicht selbst seine Sünde und Schuld tragen müsse, sondern dass dies eh der Jesus macht.

Der Jesus nimmt also die "Sünden der Welt" hinweg, aber wohin trägt er sie? Das ist nicht zu ergoogeln. Kommen die "Sünden der Welt" dann auf einem Sündenabladeplatz? In ein Sündenendlager? Werden die Sünden beim Teufel deponiert? Keine Ahnung. Und an wen hat sich Jesus "geopfert"? Am Kreuz soll er laut Lk 23,46 gesagt haben, "Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist." Somit hat sich der Sohn-Gott an den Vater-Gott geopfert, der "menschgewordene" Gott namens Jesus verübte ein Menschenopfer an den gottgebliebenen Jehova. Gruslige Geschichte.

Und was hat das geändert? Waren danach die Sünden hinweg? Offensichtlich nicht! Alleine die Sünden, die von der katholischen Kirche verübt wurden, hätten zum Abtransport noch ganze Kohorten von Gottessöhnen benötigt. Aber der innere Zusammenhang zwischen dem Sündenhinwegnehmen und den Folgen ist so zu verstehen: Die Christen dürfen ihre Sünden bereuen und ihren Gott um Vergebung bitten. Dann setzt sich die Hinwegnahme der Sünden fort: Gott vergibt uns die Sünden und wir kommen doch noch in den Himmel. Ist das nicht schön? Aber warum hat der Vatergott diese Möglichkeit nicht ohne Opfertod des Sohngottes durchführen können? Warum ist er beispielsweise nicht wieder in einem brennenden Dornbusch (Ex 3,2) erschienen und hat Beichte, Reue und Vergebung eingeführt? Weil das zuwenig dramatisch gewesen wäre? Und, bitte schön, was für eine Leistung wäre schon ein Opfertod von einem unsterblichen Gott? Die sterblichen Menschen, die direkt oder indirekt von der christkatholischen Kirche umgebracht worden sind, wollten keinen Opfertod sterben, haben wirklich gelebt und sind wirklich tot. Was die katholische Kirche das ganze Jahr über nicht juckt.

Heute hab ich wieder einmal ganz ohne Schönborn sonntagsgewortet. Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch, reichlich dürftig diese Geschichte vom Lamm Gottes.

Nach oben


Das 13. Atheisten-Wort zum Christtag, den 25. Dezember 2010

Joh 1, 1-18 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. 6Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Soweit die Bibelstelle zum "Christtag". Schönborn hat manchmal originelle Ideen, für den heutigen Feiertag, dem "Hochfest der Geburt des Herrn" bewegen ihn gar pantheistische Gedanken. Denn er sagt, "alle Geschöpfe sind Gedanken Gottes. Sie sind sozusagen Sein Wörterbuch. Wenn wir sie 'lesen' können, sprechen sie uns von Gott, ihrem Schöpfer. Die Natur ist Sprache Gottes. Die Frage ist nur, ob wir sie verstehen. Wir schneiden nicht nur beim PISA-Test schlecht ab, wir sind oft wie Analphabeten, die Gottes Sprache in der Schöpfung nicht lesen können. Deshalb hat Gott noch deutlicher zu uns gesprochen: 'Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.' Gott spricht nicht nur durch die Schöpfung. Er lässt Sein Wort unter uns sichtbar werden. Er sendet Sein Wort, Seinen Sohn, zu uns. Gott spricht zu uns durch Menschenworte …"

Im Kurier vom 25.12. war ein Interview mit Schönborn zu finden, in der Einleitungsfrage hieß es: "Laut einer Umfrage des KURIER glauben nur 22 Prozent der Menschen an den lebendigen Gott. Religion ist überhaupt nur 24 Prozent der Menschen wichtig, bei den Jungen sind es sogar nur 3 Prozent."

Auweia, Herr Kardinal, der "lebendige" Christengott Jesus und seine fleischgewordenen Worte haben offenbar gewisse Resonanzprobleme!
Die heutige Jugend hat keine Omas mehr, die sie frühkindlich religiös abrichtet, dafür sitzt sie schon im Volksschulalter am Computer und googelt dort nicht nach dem Wort des HErrn. Gottes Sprache nicht lesen zu können, hängt nicht mit den Ergebnissen des PISA-Tests zusammen, dass die Leute nicht sinnerfassend lesen können, sondern dass Religionen in der heutigen aufgeklärten Welt keinen Sinn zu bieten haben. So ist es. Und das ist gut und nicht schlecht!

Nach oben


Das zwölfte Atheisten-Wort zum Sonntag, den 28. November 2010

Mt 24, 29-44 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Sofort nach den Tagen der großen Not wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen, und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden, und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum andern. Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr das alles seht, dass das Ende vor der Tür steht. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. Denn wie es in den Tagen des Noah war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.


Der Himmel bei der Wiederkehr des Menschensohnes? Nein, bei Föhn!

Liebe Brüder und Schwestern im Unglauben, was sagt uns der HErr Jesus damit?

Er sagt uns, dass die Welt längst untergegangen sein müsste! Er sagt das klar und deutlich, denn er schildert den Ablauf des Weltuntergangs (wobei es sich zeigt, dass Gott, der Allwissende, ein Ahnungsloser ist: er lässt die Sterne auf die Erde herabfallen, so dumm sind heute nicht einmal mehr die Kreationisten) und setzt fort: "Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft." Hoppala, "diese Generation" ist aber schon lange vergangen! Wie erklärt uns das der Herr Schönborn heute in der Kronen Zeitung?

Nu, er erklärt es uns gar nicht. Er ignoriert diesen Kernsatz des heutigen Evangeliums einfach. Ist dieser Satz kein Wort des HErrn, keine Bestandteil des Evangeliums? Das Wort "Evangelium" bedeutet "frohe Botschaft", sehr froh hört sich die heutige Drohbotschaft aber eh gar nicht an. Weil der HErr Jesus ist wieder einmal miserabel drauf, sein Weltuntergang ist wie die Geschichte von der Sintflut, wo alles vertilgt wird, aber immerhin sollen beim Weltuntergang fünfzig Prozent der Leute gerettet werden. Was sagt Herr Schönborn zu diesem Gemetzel? Richtig, auch dazu sagt er gar nichts!

Wovon redet er dann?
Vom Feigenbaum. Davon, dass Wachstum und Absterben zu Leben gehörten, sowie dass man auf die Entwicklung achten sollte. Wie schön. Noch schöner ist fürn Schönborn das Zitat "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen." Weil wer sich an den Jesus hält, der kommt durch alle Umbrüche. Aber man solle gewappnet gegen unvorhergesehene Ereignisse sein und deshalb Gottes Wirken im Alltag beobachten.

Wie schön. Warum die Welt nicht schon so ums Jahr 100 untergegangen ist, erfahren wir vom Herrn Kardinal nicht, ebenso erfahren wir nicht, was mit den jeweils fünfzig Prozent der Menschen ist, die mitgenommen oder zurückgelassen werden. Früher hätte der Pfarrer dazu gesagt, die einen kommen in den Himmel, die anderen in die Hölle. Sowas zu predigen, wäre heute politisch nimmer korrekt. So einen bösen HErrn Jesus möchte man nicht haben. Aber nachdem in der Bibel steht, nur einer von zwei werde gerettet, kann man ja nicht sagen, es werden eh alle zwei gerettet. Da sagt man einfach gar nix dazu. Oh Ihr Heuchler und Pharisäer! Wie geht Ihr mit den Worten um, von denen Ihr sagt, Euer Gott habe sie Euch gegeben? Ihr zensiert Euren HErrn! Pow, da werdet Ihr dann aber nicht in den Himmel mitgenommen werden, wenn Ihr die frohe Drohbotschaft so entstellt! Aber nicht, weil Euch der HErr Jesus zurücklässt, sondern weil's keinen Jesus und keinen Himmel gibt. Darum sag ich heute wieder statt "amen": Ällabätsch!

Nach oben


Das elfte Atheisten-Wort zum Sonntag, den 14. November 2010

"Krone Bunt", Sonntagsbeilage der Kronen Zeitung, Seite 9, Sabatina James: "Obwohl mein Großvater Muezzin in Pakistan war, bin ich gegen die Errichtung neuer Minarette in Europa. Burka und Schleier stellen für mich eine Einengung der Menschenwürde dar. Ich gehe davon aus, dass Migranten eine Bringschuld haben. Ein Hauptproblem der Religionsdebatten besteht darin, weil Politiker und Gutmenschen aus Angst vor dem Zorn der Fundamentalisten zu feige sind, den Islamismus anzusprechen. Mit dieser aktiven Ignoranz stellen sie die Religion über Menschenrechte. Gleichzeitig überlassen sie dieses Thema allein den Rechten."

Liebe Brüder und Schwestern, heute lasse ich in meinen Sonntagsworten einmal die Bibel und den Evangelisten Lukas beiseite, stattdessen greife ich zur Kronen Zeitung und bringe Worte einer zwangsverheirateten und deshalb entwichenen, jetzt unter permanentem Polizeischutz stehenden Exmuslimin. Was will sie uns sagen? Das versteht wahrhaft jeder auch ohne Interpretation! Ihre Botschaft ist nicht froh, ihre Botschaft richtet sich an alle die Islamkritikophoben, die Islamkritik für Rechtsextremismus halten, die es als überhaupt äußerst notwendig und unvermeidbar sehen, einer religiösen Weltanschauung, die im Kern mittelalterlich bis vormodern ist, mit höchster Hochachtung zu begegnen.

Wahrlich, wahrlich ich sage Euch, kniet Euch nicht nieder vor religiösen Weltanschauungen, kniet Euch nicht nieder vor religiöser Vorgestrigkeit. Preist das säkulare Europa, preist die Aufklärung, preist kopftuchlose Frauen, preist all die Zuwanderer aus dem Morgenland, die sich nicht in die Islamische Glaubensgemeinschaft einschreiben lassen! Sagt den Gutmenschen, dass sie in Wahrheit die Geschäfte der Straches betreiben, dass sie NICHT edel, hilfreich und gut, sondern töricht, hilflos und kontraproduktiv sind. Allah ist nicht groß, sondern ebenso eine Schimäre wie Jesus. Freuen wir uns, dass Jesus in unserer Gesellschaft ein Schrumpfprodukt ist, setzen wir uns dafür ein, dass Allah dem europäischen Säkularismus keinen weiteren Schaden zufügen kann.

Hugh, ich habe gesprochen.

Nach oben


Das zehnte Atheisten-Wort zum Sonntag, den 31. Oktober 2010

Lk 19, 1-10 In jener Zeit kam Jesus nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Für diese Bibelstelle sei heute wieder einmal das Jesus-Gedudel vom Schönborn vermieden, sondern bloß eine privateigene Predigt verkündet. Denn wahrlich, wahrlich ich sage Euch, so wie es der Zachäus in der von Lukas erzählten Geschichte gemacht haben soll, irgendwie so ähnlich macht es heute der Bill Gates. Er hat bekanntlich mit seinen Betriebssystemen die Grundlagen für den Heimcomputer geschaffen, jahrzehntelang dieses Monopol genutzt, um stinkreich zu werden. Jetzt hat er soviel, dass er gar nimmer weiß, was er mit den Geld tun soll, darum senkt er zwar nicht die Preise, aber schenkt Teile seines Vermögens her, auf dass er nicht nur als Firma Microsoft, sondern auch als Wohltäter den Menschen bekannt bleibe.

So und nun meine Botschaft. Als Alt-68er sage ich Euch: Es wimmelt auf Erden vor solchen Leuten, die nimmer wissen, wohin mit ihren Milliarden, die seit Jahren ihre Moneten in Spekulationsgeschäfte stecken, um noch mehr Milliarden daraus zu machen. Wenn die Milliarden dann kurzzeitig etwas schrumpfen, weil die Spekulationsblasen dieser Pyramidenspiele geplatzt sind, dann kommt eh der Staat und hilft und stützt. Damit es den Spekulanten weiter wohl und noch wohler ergehe, weil wofür halten sie sich schließlich Politiker, die alle Belastungen von den Superreichen ferne halten?

Die arbeitenden Menschen dürfen in die Tasche greifen, auf dass die Spekulanten ungeschoren die nächsten Blasen am Aktienhimmel aufsteigen lassen.
Zurzeit gibt es zwar das nimmer, was "Arbeiterbewegung" geheißen hatte, aber Leute, die arbeiten und die Zeche zahlen müssen, die gibt's noch. Wenn Ihr so weiter tut, Ihr Ausbeuter und Sklaventreiber, Ihr blutsaugende Aristrokraten der Gegenwart, irgendwann werden Euch die Merkels, Schröders, Faymanns, Prölls und Konsorten nimmer die Stiefel lecken und die Wege ebnen können, dann wird genug Zorn übrig sein, um den Kampf für eine gerechtere Welt aufzunehmen und dieses Lied aus der Französischen Revolution anzustimmen:


Amen.

Nach oben


Das neunte Atheisten-Wort zum Sonntag, den 17. Oktober 2010

Lukas 18, 1-8: Das Gleichnis vom gottlosen Richter und der Witwe
"Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?"

Liebe Schwestern und Brüder, was lernen wir aus dem heutigen Evangelium? Wir könnten aus diesem Gleichnis lernen, dass der katholische Gott ein gott- und rücksichtsloser Richter ist, der auf unsere Gebete hört, damit er seine Ruhe hat und keine Ohrfeigen bekommt. Schönborn sieht das - wenig überraschend - nicht so wörtlich. Für ihn liegt die Logik der Geschichte darin: wenn schon der böse Richter nachgibt, um wie viel mehr der gute Gott! "Aber der eigentliche Vergleichspunkt ist nicht der Richter, sondern die Witwe. Sie hat gewonnen, weil sie nicht locker gelassen hat". Darum fragt der Herr Kardinal: Haben wir das Beten verlernt? Weil das wäre schlimm!
Schönborn: "Wir klagen, dass unser Gebet von Gott nicht gehört wird. Aber beten wir 'allezeit, ohne nachzulassen'? Mir sagt dieses Gleichnis vor allem eines: wir beten viel zu wenig! Wenn wir nicht regelmäßig beten, verlernen wir es - so wie Muskeln, die nicht gebraucht werden, allmählich verkümmern. Die Witwe bittet mit Erfolg, weil sie immer wieder kommt, dem Richter keine Ruhe lässt."
Also Brüder und Schwestern, stimmt an, betet zum HErrn! Wobei ich in Verbindung mit dem obigen Lukas-Text sehr empfehlen würde, Gebete so zu formulieren: "Lieber Gott, ich bete zu Dir, weil ich (hier Wunsch einfügen), bitte erfülle mir diesen Gebetswunsch oder ist Dir eine Watschn lieber?"

Nach oben


Das achte Atheisten-Wort zum Sonntag, den 3. Oktober 2010

Lk 17, 5-10 "In jener Zeit baten die Apostel den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan."

Es bräuchte tatsächlich einen verdammt starken Glauben, um diese ganze Bibel voller Jesus-Geschichten zu glauben, wie der folgende Cartoon zeigt:

Aber das ist wohl nur am Rande bemerkenswert. Denn wirklich interessant ist in der heutigen Jesus-Botschaft die gesellschaftspolitische Aussage: Die Selbstverständlichkeit mit der sie mit Ausbeutung und Unterdrückung umgeht. Der Herr Jesus hat ja auch das Attribut der "Allwissenheit". Er müsste daher alles Vergangene und alles Zukünftige wissen, es daher für angebracht gehalten haben, keine Bibel offenbaren zu lassen, wo menschenrechtsfeindliche Gleichnisse mit Sklaven und deren unhinterfragte herrenmenschliche Behandlung dargeboten werden. Denn in der Jesus-Bibel stehen HErrenworte, welche die Sklaverei als selbstverständliche Gottgewolltheit präsentieren.

Schämt sich der Herr Kardinal Schönborn deshalb seines HErrn?
Aber wo! Er schreibt den Sklaven zum Knecht um und hauptsächlich über seine eigene Kleingläubigkeit und darüber, dass der Glaube Berge versetze. Zum Schluss kommt der zum Knecht mutierte Sklave wieder: "Wenn der Knecht alle seine Arbeit getan hat, hat er einfach seine Pflicht getan. Er ist deswegen noch nicht irgendwie besonders hervorragend. So sollen auch wir über unsere eigenen Leistungen nüchtern sagen: Wir sind nur unnütze Knechte. Wir haben nur unsere Schuldigkeit getan. Bilde dir nicht zu viel ein. Vertrau auf Gott. Ihm verdankst du alles. Vergiss das nicht. Dann wird dein Glaube stärker. Dann wächst dein Gottvertrauen." Aufhören hätte er allerdings schon mit dem für ihn selbstreflektorisch verwendbaren Satz können: "Wir sind nur unnütze Knechte". Denn Kirchenknecht Schönborn führt ein unnützes irdisches Leben, er hätte besser auf das hören sollen, was er "Kleingläubigkeit" nennt und auf die menschliche Fähigkeit zur Vernunft vertrauen, weil es kommen auch Tiefgläubige nicht in den Himmel. Nicht wegen zuwenig Glaubensstärke, sondern weil's keinen Jesus und keinen Himmel gibt. Und statt "amen" sag ich heute: Ällabätsch.

Nach oben


Das siebte Atheisten-Wort zum Sonntag, den 26. September 2010

Lk 16, 19-31 "In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht."

Auffallen tut dem unvoreingenommenen Bibelleser dabei, dass der Lazarus als Trottel geschildert wird, der sich vor die Tür eines Geizkragens legt, wo er nix kriegt. Als Zweites fällt auf, dass der liebe Gott als ein extrem böses Arschloch dargestellt wird, wenn er seine Sünder derartig grausam strafte.
Der Schönborn sieht das natürlich nicht so. Die Dämlichkeit des Lazarus fällt ihm gar nicht auf und an den ewigen Folterqualen für den Reichen schwindelt er sich vorbei: "Ist das primitives Rachedenken? Billiger Trost für die Armen? Vertröstung auf ein besseres Jenseits nach der Not im Diesseits? Genau das Gegenteil: Es ist die dringende Aufforderung an den Reichen, seine Chance jetzt zu ergreifen. Sie ist ganz nahe, sie liegt vor seiner Tür. Er muss nur hinschauen. Er braucht nur das Naheliegende zu tun: von seinem vollen Tisch dem hungrigen Lazarus zu essen zu geben."
Dass im Gleichnis vom Lukas der Reiche genau das nicht mehr tun und auch seine Verwandtschaft nicht warnen kann, darüber redet der Herr Kardinal auch nicht. Und das Gleichnis macht das, was es laut Schönborn nicht tut: es ist billiger Trost für die Armen, Vertröstung auf ein besseres Jenseits nach der Not im Diesseits. Durch viele Jahrhunderte diente dieses Gleichnis der Agitation für die Aufrechterhaltung der bestehenden Gesellschaftsordnung, die Geknechteten, die Ausgebeuteten bekommen eh das Himmelreich und die Ausbeuter und Unterdrücker die Höllenqualen, also fügt Euch ein, ertragt Euer Los, begehrt nicht auf gegen die göttliche Ordnung!
Heutzutage kann man diese Art von Herrschaftsagitation nimmer verkaufen. Das muss man weginterpretieren! Der Reiche soll geben. Nicht etwa anständige Löhne zahlen oder so. Almosen soll er geben! Und in der abschließenden Schlussfolgerung werden wir alle zu Reichen, denn Schönborn schreibt: "Meint Jesus nur die 'Superreichen'? Ich glaube, er meint jeden von uns. Denn alle haben wir unseren Lazarus vor der Türe. Das müssen nicht materiell Arme sein. Das kann auch jemand sein, der materiell das Nötigste hat, dem es aber an Zuwendung fehlt. Wer ist in meinem Leben so ein Lazarus, den ich einfach übersehe, der hungert und friert, weil es an Liebe fehlt?"
Ist das nicht lieb? Kein Hölle mehr, kein Klassenkampf, nur Liebe, Güte und Almosen! Da muss man ja fromm werden!

PS: Papst Ratzinger ist übrigens für primitives Rachedenken, billigen Trost für die Armen und Vertröstung auf ein besseres Jenseits nach der Not im Diesseits, denn er sagte am 26.9.: "Am heutigen Sonntag legt uns die Kirche im Evangelium das Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus vor. Am Ende der Zeiten wird Gott alles Unrecht endgültig beseitigen. Er richtet Reiche und Arme nach dem Kriterium der Liebe. Alle Qual und alles Leid wird dann geheilt. Diese Liebe Gottes soll jetzt schon der Maßstab unseres Handelns sein. Der Herr segne euch alle und eure Lieben."

Nach oben


Das sechste Atheisten-Wort zum Sonntag, den 12. September 2010

Lukas 15,1-10 "Viele Zolleinnehmer und andere verrufene Leute kamen immer wieder zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und Schriftgelehrten ärgerten sich und schimpften: "Mit welchem Gesindel gibt der sich da ab! Er setzt sich sogar mit ihnen an einen Tisch!" Da erzählte Jesus ihnen ein Gleichnis: "Wenn ein Mensch hundert Schafe hat und eins geht verloren, was wird er tun? Lässt er nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück, um das verlorene Schaf so lange zu suchen, bis er es gefunden hat? Dann wird er es glücklich auf seinen Schultern nach Hause tragen und seinen Freunden und Nachbarn zurufen: 'Kommt her, freut euch mit mir, ich habe mein Schaf wiedergefunden!' Ich sage euch: So wird man sich auch im Himmel freuen über einen Sünder, der zu Gott umkehrt - mehr als über neun-undneunzig andere, die nach Gottes Willen leben und nicht zu ihm umkehren müssen. Oder nehmt ein anderes Bei-spiel: Eine Frau hat zehn Silbermünzen gespart. Als ihr eines Tages eine fehlt, zündet sie sofort eine Lampe an, stellt das ganze Haus auf den Kopf und sucht in allen Ecken. Endlich hat sie die Münze gefunden. Sie ruft ihre Freundin-nen und Nachbarinnen zusammen und erzählt: 'Ich habe mein Geld wieder! Freut euch mit mir!' Genau so freuen sich auch die Engel Gottes, wenn ein einziger Sünder zu Gott umkehrt."

Zur heutigen Predigt sei einmal festgehalten, dass sich der Herr Kardinal vertan hat, dran gewesen wäre nämlich Lukas 15, 11-32, die berühmte Geschichte vom "verlorenen Sohn". Schönborn hat aber Lukas 15, 1-10 erwischt, die steht vorher und ist thematisch ähnlich, aber trotzdem falsch - auf der Homepage von Stephanscom.at war zur richtigen Bibelstelle verlinkt. Auch in der Einleitung zur Schönborn-Predigt auf dieser Homepage wird auf den "verlorenen Sohn hingewiesen, die Predigt und die Bibelstelle in der Kronenzeitung beziehen sich jedoch auf Lk, 1-10. Als atheistischer Prediger deck ich sowas selbstverständlich unbarmherzig auf!

Sorry, leider die falsche Bibelstelle ...

Inhaltlich müht sich Schönborn mit seiner falschen Bibelstelle redlich ab
, wer mit dem verlorenen Schaf oder der verlorenen Münze gemeint sein könnte. Die "schwarzen Schafe"? Nicht nur die, meint er, weil jeder kann einmal zu einem "verlorenen", einem "schwarzen" Schaft werden, aber Jesus liebt ja eh alle etc.etc. Einleitend hatte er von der "schlechten Gesellschaft" geschrieben, in der sich Jesus in der irrtümlich verwendeten Bibelstelle bewegt, er fragt, was ist das für eine Gesellschaft? Von zwielichtigen Gestalten, mafiosen Kreisen bis zur Seitenblicke-Gesellschaft vermutet er die Gemeinten:

Nu, dann könnte man sagen, Herr Erzbischof, gehen Sie auch in diese schlechte Gesellschaft, in zwielichtige Kreise bis zur Seitenblicke-Gesellschaft und versuchen Sie dort all diejenigen, für die zurzeit die Unschuldsvermutung gilt, zu Reue, Umkehr und Wiedergutmachung zu bewegen. Das wäre nicht nur gottgefällig, das gefiele auch den Österreichern ...


Das fünfte Atheisten-Wort zum Sonntag, den 5. September 2010

Lukas 14, 25-33: "In jener Zeit als viele Menschen Jesus begleiteten; wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, so lange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet."

Was müsste man dazu predigen? Möglicherweise die Frage, warum sich Bischöfe und Prälaten so prächtig gewanden, wenn ihnen doch der HErr Jesus gesagt hat, sie sollten auf den ganzen Besitz verzichten. Also müssten Kardinäle in T-Shirts, Caritas-Jeans und Jesus-Sandalen herumlaufen und sich durch einfache Arbeiten das tägliche Brot verdienen.

So sieht es der Herr Schönborn leider nicht. Irgendwie kommt er schon im Einleitungssatz auf die Feinde, die wir lieben sollen. Weil der HErr Jesus hat gesagt: "Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen." Was betet dann der Herr Schönborn, falls sich er oder seine Kirche verfolgt fühlen? "Lieber Gott, lasse meine Verfolger beim Verfolgen erfolgreich sein"? Glaub ich nicht. Er wird in solchen Situationen beten: "Lieber Gott, bekehre meine Verfolger zu meinen Nachfolgern". Er betet somit vermutlich gegen die Feinde und für seine Interessen. Oder kann sich wer vorstellen, dass Schönborn beten könnte: "Oh HErr, hilf den Atheisten, auf dass sie fest bleiben in ihrem Unglauben". Glaub ich auch nicht so recht, dass Schönborn sowas schon einmal gebetet hat. Die Sache mit den lieben Feinden ist also gar nicht so einfach! Aber fürs Sonntagspredigen ist es voll gut, weil es horcht sich so herzergreifend an!

Hauptsächlich predigt Schönborn zum obigen Evangelium allerdings darüber, dass die Familie ein Kerker sein kann. Wenn Kinder Nonnen oder Priester werden wollten, dann wollen die Eltern oft ihre Kinder nicht dem "Ruf Christi" folgen lassen, sondern sie in der Familie behalten. Darum zeigt dieses Sonntagsevangelium: "Frei von allem, um im Feind den Menschen zu sehen und so die Spirale von Hass, Ablehnung, Gewalt zu durchbrechen. Frei, um in der Familie die Menschen zu sehen, die ich besonders lieben soll und darf, aber deren Wünsche ich nicht über den Willen Gottes stellen darf. Die Nachfolge Jesu ist vor allem eine Schule der inneren Freiheit: kein leichter, aber sicher ein lohnender Weg!"

Ja, die gute alte Hassspirale haben die Katholischen immer durchbrochen, bis zum Endsieg. Und wenn sich Eltern Sorgen machen, weil ihre Kinder zuviel Religion erwischt haben. Scheiß auf die Eltern, den Schönborn freut sowas!

Nach oben


Das vierte Atheisten-Wort zum Sonntag, den 29. August 2010

Lukas 14, 1.7-14: Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Soweit das Evangelium nach Lukas.
Alsdann, das erkläre ich Euch, liebe Brüder und Schwestern, heut ganz ohne die Hilfe vom Herrn Schönborn. Was, so frage ich Euch, lernt Ihr daraus, wenn Ihr diese Worte lest? Wahrlich, wahrlich, ich sage, Ihr lernt daraus, dass man heucheln soll. Macht Euch ganz klein, demütig und bescheiden. Wenn Ihr eingeladen seid, dann kleidet Euch in grobes Linnen und setzt Euch im Hause des Gastgebers auf einen Schemel neben dem Klo. Der Gastgeber wird begeistert sein ob Eurer tiefen Bescheidenheit! Sogleich wird er ausrufen: "Oh du mein bescheidenster Gast, ich will dich würdigen, setz dich hinauf aufs Dach neben den Taubenkobel, auf dass alle Menschen sehen, dass ich dich hoch erhoben habe, weil du dich tief erniedrigt hast!"

Wenn Dir das gelungen ist, dann kannst Du Dir die Hände reiben! Sowas von einem guten Menschen hat das ganze Dorf noch nicht gesehen! Wenn Du aber Deinen Gastgeber zu Dir einlädst, dann pass auf, wie er es macht. Heuchelt er Bescheidenheit oder ist er wie ein Bischof oder gar ein Kardinal, der sich in prunkvollen Gewändern überall in die erste Reihe und auf die schönsten Plätze drängt. Wenn er bescheiden tut, setz Dich zu ihm auf einen Schemel neben dem Klo und dann herzt Ihr Euch gegenseitig wegen Eurer Demut. Wenn er aber prunkt wie ein kirchlicher Würdenträger, dann treibe ihn mit herzhaften Rutenstreichen von Deiner Schwelle, lade ein paar Sandler ein und konsumiere mit ihnen den einen oder anderen Doppler. Das hebt die Stimmung und belebt die Sinne. Hugh, ich habe gesprochen.

Nach oben


Das dritte Atheisten-Wort zum Sonntag, den 22. August 2010

Als der Betreiber dieser Site auf die Idee kam, mit einer Kontrasonntagspredigt noch was Neues auf diese Homepage zu stellen, hatte er nicht bedacht, dass die meisten Sonntagsworte vom Schönborn in der Kronen Zeitung das übliche salbungsvolle Getue sind, in der Bibel der liebe Jesus, der sich für die Menschen geopfert hat und hier der liebe Schönborn, der den HErrn Jesus so liebt wie der Stefan Petzner den Jörg Haider, der sich für das BZÖ und Kärnten geopfert hat.
Die Predigten geben deshalb in der Regel unterhaltungsmäßig ned so vü her. Aber manchmal doch, speziell immer dann, wenn der Schönborn an bösen Sprüchen des HErrn Jesus vorbeikurven muss, ohne böse anecken zu dürfen.

Am 22. 8. war die vorgeschriebene Predigtstelle aus dem Evangelium von Lukas 13, 22-30: "In jener Zeit zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle unrecht getan! Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten."

Ein ganz klarer Text. Der böse Jesus droht wieder einmal allen, die ihm nicht folgen, mit dem bei Jesus so beliebten Heulen und Zähneknirschen. Sinn der Botschaft: reißt's eich zaum, sunst hoid eich da Teifi.

Nu, so siehts der Herr Schönborn natürlich nicht. Weil der HErr Jesus macht seit dem 2. Vatikanischen Konzil so böse Sachen nimmer.
Schönborn legt den Schwerpunkt auf den Schlusssatz: "Wer kennt nicht dieses Wort des Evangeliums: 'Die Letzten werden die Ersten sein!' Heute ist es der zentrale Satz des Evangeliums. Wer ist damit gemeint?" Die Antwort lautet: Jesus habe zuerst zu den Juden gepredigt, die seien ihm jedoch nicht gefolgt, sondern hätten ihn verfolgt: "Die Heiden haben Christus angenommen, während die Juden ihn großteils ablehnten. Das meint wohl ursprünglich das Wort Jesu von den Ersten und den Letzten. Das jüdische Volk, von Gott als erstes erwählt, verliert seinen ersten Platz. Die Heiden, die man gern als die Letzten betrachtete, werden die Ersten im Reich Gottes sein."

Die in der Bibel gestellte Ausgangsfrage "Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?", ist laut Schönborn nicht die Einleitung einer Drohbotschaft, nein, nur eine Aufrüttelung, "an ihn und sein Wort zu glauben", denn "es ist die Frage für jeden Menschen: Was muss ich tun, damit mein Leben gelingt? Nicht nur hier in dieser Welt, sondern für immer und ewig? Gültig bleibt schließlich die Botschaft, dass vor Gott nicht zählt, ob Du vor den Menschen zu den Ersten gehörst. Manche, die bei den Leuten als die Letzten gelten, sind vor Gott ganz groß, eben die Ersten! Und das gilt für alle Menschen, ob Juden oder Heiden."

Und? Werden jetzt viele oder wenige gerettet? Was passiert mit den Nichtgeretteten? Wie wird's ihnen ergehen? Knappe zwei Jahrtausende lang war es völlig klar: die Verdammten schmoren heulend und zähneknirschend im ewigen Feuer der Hölle. Jetzt nimmer. Zumindest trauen sich sowas nur noch ganz strenge Christen wie Weihbischof Laun, Beinahebischof Wagner oder die Piusbrüder zu sagen. Denn das 2. Vatikanische Konzil hat offenbar eine neue Offenbarung bekommen, Jesus muss jetzt brav sein, alle lieben und darf nimmer mit der Hölle drohen. Schönborn zensiert diesbezüglich seinen HErrn.

Nach oben


Das zweite Atheisten-Wort zum Sonntag, den 25. Juli 2010

Jede Woche zahlt es sich natürlich nicht aus, ebenfalls Sonntagsworte zu verströmen, weil meistens ist auch Schönborns Sonntagspredigt bloß das übliche augenverdrehende fromme Gesalbe, das nur langweilt.
Aber Lk 11, 1-13 bietet einen gewissen Unterhaltungswert:
"Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung. Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.(..) Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten."

Hört sich irgendwie viel versprechend an. Liebe Christen, geht Eurem Gott auf den Sack, er wird Euch helfen, sowie Ihr Eurem Nachbarn helft, der Euch auf die Nerven geht, und der bekommt, was er will, auf dass er Euch in Ruhe lasse. "Wer suchet, der findet", wurde zu einem Erfolg fast garantierenden Sprichwort. Also betet zum HErrn, er wird Euch öffnen und Euch geben und beim Suchen und Finden helfen.

Schönborn sieht das Beten offenbar genauso direkt als Problemlöser wie der biblische Lukas. Er schweift zwar zuerst vom Thema ab: "Beten ist wie Atmen. Es gehört zum Leben. Es ist lebensnotwendig. Beten, so sagt man, sei das Atmen der Seele." Nu, dann rennen vermutlich Millionen Leute durch Österreich, deren Seele schon erstickt ist. Aber am Schluss seiner Predigt biegt er wieder ums Eck: "Er (Jesus) hat oft auch darüber gesprochen, wie wir beten sollen. Die rechte Gebetseinstellung hat er durch sehr ansehnliche Bilder ausgedrückt. Heute durch die Geschichte von dem zudringlichen Mann, der völlig ungeniert seinen Freund um Mitternacht aus dem Bett läutet, um ihn um Brot für unerwartete Gäste zu bitten. So unverschämt, so lästig sollen wir unserem himmlischen Vater gegenüber sein. Er wird uns doch nicht abweisen! Traut euch beten, fest und voll Vertrauen! Das ist die Ermutigung Jesu. Kräftig durchatmen mit der Seele!"

Beten hat man jedoch leider sogar schon wissenschaftlich getestet: Mitte April 2006 wurde das Ergebnis eines US-amerikanischen Massenversuches bekannt. 1.800 Herzpatienten wurden in drei Gruppen geteilt, für 600 wurde gebetet, ohne dass die 600 davon wussten, für 600 wurde gebetet und sie wurden darüber informiert, die restlichen 600 waren uninformiert und unbebetet. Ergebnis des Versuches: Die Unbebeteten und die uninformierten Bebeteten hatten zu etwa 52 % Komplikationen, die 600, für die gebetet wurde und die das wussten, erreichten 59 % Komplikationen, vermutlich weil sie sich infolge der Beterei mehr Sorgen machten. Wissenschaftlich ist damit erwiesen: Beten nutzt nix. Früher war es im frommen Bauervolk üblich, um Regen, Sonne, Schutz vor Kälte, Hochwasser, Missernten usw. Prozessionen abzuhalten, Messen lesen zu lassen und zu beten. Prozessionen zwecks "Herbeiführung von Naturphänomenen" wurden den Priestern im Frühjahr 2002 vom Vatikan untersagt, man war vermutlich auch dort zur Erkenntnis gelangt, dass es nicht regnet (oder zu regnen aufhört), wenn man darum betet. Auch die Nachfrage war diesbezügliche längst geschwunden. Man verlässt sich lieber auf den Wetterbericht und die Hagelversicherung als auf Gottes Hilfe.

Den besten Beter-Test gibt es übrigens bezüglich Amputierte. Weil auch das heftigste gebetmäßige Einrennen der Tür des HErrn hat noch niemals dazu geführt, dass einem Amputierten sein fehlender Körperteil nachgewachsen wäre.
Statt "amen" (= so sei es), daher heute ein "hugh" (ich habe gesprochen).

Nach oben


Das erste Atheisten-Wort zum Sonntag, den 4. Juli 2010:

Die Bibelstelle lautet heute: Lukas 10, 1-12 und 17-20.
Was erzählt uns der Herr Lukas dort?

Es geht darum, dass der Herr Jesus 72 Jünger ausschickt, um Ernte zu halten. Sie sollen - wie die Zeugen Jehovas - jeweils zu zweit gehen, nix mitnehmen und darauf vertrauen, dass sie in den Häusern, in denen sie klopfen, durchgefüttert werden. Dann sollen sie Kranke heilen, Dämonen austreiben und das Herannahen des Reich Gottes verkünden. Es folgen die Verse 10-12: "Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt." Die Verse 13-16 wurden wegzensiert, weil die sind noch grauslicher, sowas lässt man den HErrn heute lieber nimmer sagen. Der Rest besteht dann aus den Berichten der zurückgekehrten Prediger und ergänzenden Jesus-Bemerkungen.
Schönborn nimmt die Bibelstelle als Anregung dazu, über katholische Migranten in Wien zu berichten, die dort die ihnen zugewiesenen Kirchen viel tatkräftiger füllten als die Wiener Eingeborenen, besonders die Polen und Kroaten wären sehr eifrig im Messbesuch.
Ganz "vergisst" Schönborn allerdings auf die Verse 10-12 (bzw. bis 16), in denen der traditionelle bösartige Jesus umgeht, der zähnefletschend alle verdammt und verbrennt und vernichtet, die seinen Predigern nicht in den Arsch kräulen (Anmerkung: "Oaschkräuler" ist der gebräuchliche österr. Ausdruck für "Mastdarmakrobat"). Weil der Jesus von heute, das ist ein warmherziger Warmduscher, vor dem 2. Vatikanischen Konzil war er rachsuchtmäßig weitaus böser als der Hitler. Mein Lieber, wenn du da nicht fürs Reich des Herrn warst, dann hast dich gleich einrichten können auf unbarmherziges ewiges Heulen und Zähneknirschen im Ewigen Feuer! Solche Bibelstellen werden heute nimmer ausgelegt, weil das passt nicht zur aktuellen Heuchellinie. Das lernen wir Atheisten aus dem Evangelium vom 4.7. und aus der Auslegung durch Herrn Schönborn. Amen.

Nach oben