Jeden Sonntag predigen die Pfarrer in der Kirche über die im aktuellen Kirchenjahr vorgesehene Stelle in der Bibel. Sogar Menschen, die nie in die Kirche gehen, können diese Predigten in der Heiligen Kronenzeitung nachlesen, denn dort predigt Kardinal Schönborn eigenhändig. Auf der Homepage der Diözese Wien ist die Predigt ebenfalls zu finden.

Solche Sonntagspredigen reizen auch Atheisten. Zu den Bibeltexten fällt einem nämlich oft ganz was anderes ein als dem Herrn Schönborn. Darum wird auf ATHEISTEN-INFO fast immer auch ein Wort zum Sonntag losgelassen.


Wegen der Länge der Dateien werden diese regelmäßig geteilt
Teil 9 - von Nr. 241 bis 270

Die Sonntagsworte von Juli 2010 bis Juni 2011 sind auf sonntag1_30.html zu finden, von Juli 2011 bis Februar 2012 auf sonntag31_60.html, von Februar bis September 2012 auf sonntag61_90.html, von September 2012 bis März 2013 auf sonntag91_120.html, von März bis Oktober 2013 auf sonntag121_150.html von Oktober 2013 bis Mai 2014 auf sonntag151_180.html und von Mai bis November 2014 auf sonntag181_210.html, von Ende November 2014 bis Mai 2015 auf sonntag211_240.html, von Mai bis Dezember 2015 auf sonntag241_270.html, von Dezember 2015 bis Ende Mai 2016 auf sonntag271_300.html, von Anfang Dezember 2016 bis Ende Mai 2017 auf sonntag331_360.html. Die aktuellen Sonntagsworte sind auf sonntag.html.


270. Wort zum Sonntag, den 6. Dezember 2015

Lk 3,1-6: Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. So erfüllte sich, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.

Schönborn freut sich heute sehr, weil so viele historische Daten angegeben sind und das heutige Evangelium darum im Jahre 28 u.Z. spielen müsste. Im Gegensatz zum Jesus ist "Johannes der Täufer" eine historisch auch in nichtchristlichen Quellen erwähnte Gestalt, bei Josephus Flavius wird er als asketisches Vorbild geschildert, der den Vorschriften der Tora folgte und Juden zu wiederholten Reinigungsbädern anhielt. Im Neuen Testament wird er mehrfach erwähnt, wohl aus der Situation heraus, dass der um 30/31 hingerichtete Johannes einen deutlich höheren Bekanntheitsgrad als der christliche Jesus hatte und sich als Toter nicht mehr dagegen wehren konnte, dass ihn die Christensekte zu einem Jesus-Ankündiger machte. Und dazu wieder einmal auch einen alten Text eines jüdischen Propheten als Jesusankündigung verwendete.

Worüber freut sich der Wiener Bischof heute sonst noch? Darüber: "In dieser Welt der Mächtigen tritt einer auf, der keine andere Macht hat als den Ruf Gottes, der an ihn erging. Und er wohnt nicht in einem Palast. Er hat keine Kasernen voller Soldaten. Er lebt in der Wüste."

Katholische Heuchler lieben die Bescheidenheit.
Die Initiative gegen Kirchenprivilegien hat 2014 ein Ranking der Mensalgüter Österreichs erstellt, welche die Bischöfe außerhalb der Bilanz ihrer Diözese verwalten. Hier die ersten drei Plätze der Mensalgüterhitparade:
1. Bischof Alois Schwarz, Kärnten: 175 Millionen Euro
2. Kardinal Christoph Schönborn, Wien: 152 Millionen Euro
3. Bischof Ludwig Schwarz, Oberösterreich: 32 Millionen Euro

Diese kirchlichen Güter sind für den fürstlichen Unterhalt der Bischöfe bestimmt und diese sind niemandem darüber rechenschaftspflichtig. Hat jemand jemals gehört, dass Bischöfe aus Mensalgütereinkünften etwas für Wohltätigkeiten gespendet hätten? Aber Johannes der Täufer hat in der Wüste gelebt! Und wie wäre es, wenn die katholische Kirche nur den "Ruf Gottes" besäße? Vielleicht sollte Herr Schönborn auch in die Wüste ziehen?!

Des weiteren schreibt Schönborn dann über ebene Straßen, gefüllte Schluchten, geradegebogne Krümmungen usw. und schließt mit "wieviel Verquertes hindert unsere Herzen, Gottes Heil zu empfangen. 'Jetzt ist die Zeit der Gnade', sagt die Bibel. Der Advent kann für mich eine Sternstunde meines Lebens werden!"

"Alle Jahre wieder kommt das Christuskind, auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind"!, singen die Gläubigen. Kein Mensch sieht das Christuskind und wenn sich heutzutage was ändert, dann immer zum Schlechteren. Aber der Herr Schönborn hat jedes Jahr seine Sternstunden. Ist das nicht super?


269. Wort zum Sonntag, den 29. November 2015

Lukas 21,25-28.34-38: Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, so wie man in eine Falle gerät; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt. Tagsüber lehrte Jesus im Tempel; abends aber ging er zum Ölberg hinaus und verbrachte dort die Nacht. Schon früh am Morgen kam das ganze Volk zu ihm in den Tempel, um ihn zu hören.

Schönborn titelt heute seine Sonntagspredigt mit "Advent - Zeit der Hoffnung". Wie jedes Jahr hofft er, dass auch heuer am 25.12. sein Gott, der berühmte Jesus Christus Geburtstag hat und mit der Adventzeit beginnt die Wartezeit auf diesen Geburtstag. Wikipedia über die Adventzeit: "Advent (lateinisch adventus 'Ankunft'), eigentlich Adventus Domini (lat. für Ankunft des Herrn), bezeichnet die Jahreszeit, in der die Christenheit sich auf das Fest der Geburt Jesu Christi, Weihnachten, vorbereitet."

Es hat natürlich kein Mensch eine Ahnung darüber, wann dieser Jesus geboren sein soll. Er hat ja nicht einmal ein Geburtsjahr. Weil die Erfindung der Zeitrechnung "vor Christus" und "nach Christus" hat kein "Christusjahr" also kein Null-Jahr. Festgelegt hatte der Mönch Dionysius Exiguus im Jahre 525, dass sein Jesus im Jahre 1, also im Jahr 1 nach Christi Geburt geboren sei, der Widerspruch ist ihm wohl nicht aufgefallen. Demnach wäre der Jesus heuer 2014 Jahre alt. Auf Weihnachten, dem Geburtstag der Götter Sol Invictus und Mithras, wurde der Geburtstagallerdings erst im vierten Jahrhundert platziert, damit im Zuge der damaligen Einführung der christlichen Staatsreligion im römischen Reich diese heidnischen Feste dem Christentum einverleibt werden konnten.

Darüber predige nur ich, sowas beschäftigt den Herrn Kardinal klarerweise überhaupt nicht. Aber das ist ja bei diesen Sonntagspredigten immer so: von mir die Fakten, vom Schönborn das Geschwafel!

Was tischt unser der Wiener Bischof in den Kronenzeitung heute auf?
Er knüpft an die Flüchtlingsströme und die Klimaerwärmung an, weil in der Bibel heute wieder einmal vom Weltuntergang die Rede ist. Und Schönborn hat dazu ja eine gewisse Affinität, vielleicht hofft er auf die so stark verzögerte Wiederkehr seinen Gottes noch zu seinen Lebzeiten?

Er schließt mit: "Der Advent ist die Zeit der Hoffnung. In den Adventsliedern kommt beides zum Ausdruck: die Not und Finsternis unserer Welt mit ihren Kriegen und Konflikten, Ängsten und Sorgen, und die Sehnsucht nach dem erhofften Frieden, dem erbetenen Heil. Die Hoffnung richtet auf, sie gibt neuen Lebensmut und frische Kraft. Jesus zeigt aber auch, was wir von uns aus tun können, den Mut nicht zu verlieren, die Hoffnung zu stärken: 'Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren.' Ein klarer Kopf, der sich nicht gleich von den Problemen durcheinander bringen lässt. Und 'Wachet und betet allezeit.' Nüchtern bleiben und beten! Das vor allem empfiehlt Jesus. Hinter dieser Haltung steht eine unerschütterliche Gewissheit: Gott ist und bleibt der Herr der Geschichte. Er verlässt uns nicht. Er kommt zu uns, ist bei uns. Das ist der Sinn von Weihnachten. Darauf will der Advent vorbereiten: Er ist die Zeit der Hoffnung!"

Ist das nicht schön , dass wenigstens der oberste österreichische Katholik unerschütterlich in seiner Glaubensgewissheit ist? Ja, da schließ ich mich an, denn ich glaube ebenfalls unerschütterlich, jedoch nicht an den Jesus, sondern dass der Rock'n'roll der Fünfzigerjahre die beste Musik ist, die der Mensch geschaffen hat und schließe deshalb mit einer Stunde und elf Minuten of best Rock and Roll songs ever! Speziell weil mein Lieblingssong "C'mon everybody" von Eddie Cochran gleich dreimal drauf ist!

0:00 - Eddie Cochran - C'mon Everybody / 1:54 - Elvis Presley - Jailhouse Rock / 4:17 - Chuck Berry - Roll Over Beethoven / 6:40 - Bill Haley & His Comets - See You Later, Alligator / 9:26 - Bill Haley & The Saddlemen - Rock The Joint / 11:39 - Elvis Presley - That's Alright Mama / 13:34 - Huey "Piano" Smith & The Clowns - Don't You Just Know It / 16:05 - The Johnny Otis Show - Willie And The Hand Jive / 18:39 - Jerry Lee Lewis - Whole Lotta Shakin' Goin’ On / 21:28 - Little Richard - Long Tall Sally / 23:35 - Chuck Berry - Maybellene / 25:54 - Gene Vincent & His Blue Caps - Race With The Devil / 27:56 - Wanda Jackson - Let's Have A Party / 30:05 - Jimmie Rodgers - Honeycomb / 32:12 - Little Richard - Tutti Frutti / 34:34 - Eddie Cochran - Twenty Flight Rock / 36:15 - Chuck Berry - Johnny B. Good / 38:49 - The Champs - Tequila / 40:59 - Elvis Presley - Jailhouse Rock / 43:22 - Gene Vincent - Be Bop A Lula / 45:55 - Eddie Cochran - C'mon Everybody / 47:48 - Paul Anka - Diana / 50:10 - Ray Charles - I've Got A Woman / 52:59 - The Everly Brothers - Wake Up Little Susie / 54:59 - Eddie Cochran - Twenty Flight Rock / 56:44 - Chuck Berry - Sweet Little Sixteen / 59:53 - Eddie Cochran - C'mon Everybody / 1:01:47 - Elvis Presley - Jailhouse Rock und noch ein paar mehr Wiederholungen! Aber die gibt's auch in der Sonntagsmesse und was ist so eine Messe im Vergleich zu einer Stunde und elf Minuten besten rock'n'roll? Das ist ja nicht einmal eine Frage! Amen!


268. Wort zum Sonntag, den 22. November 2015

Joh. 18,33b-37: In jener Zeit fragte Pilatus Jesus: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Heute ist der letzte Sonntag im christlichen Jahreskreis, am 29.11. ist schon ein neues Kirchenjahr und der erste Adventsonntag. Der heutige Sonntag heißt "Christkönigssonntag" und darum wird nix vom Markus, sondern die obige königliche Bibelstelle gepredigt und ab nächsten Sonntag ist als regelmäßiger Evangelist fürs neue Kirchenjahr der Lukas dran.

Der Schönborn freut sich heute gleich einleitend über seinen leidenden Gott: "Sieht so ein König aus? Gefangen, gefesselt, ohnmächtig steht der Mann aus Galiläa vor dem Statthalter des Kaisers, des mächtigsten Mannes der Welt." Ja, sein Gott ist irdisch ganz klein und darum ist er göttlich noch viel größer!

Und zur Entstehung des "Christkönigsfestes" weiß der Herr Bischof zu verkünden: "Entstanden ist das Christkönigsfest zu einer Zeit, als die großen Kaiser- und Königreiche bereits untergegangen waren, nach dem ersten Weltkrieg. Besonders wichtig wurde das Fest in der Nazi-Zeit, als die braunen Machthaber nur einen Führer gelten lassen wollten." Die Wichtigkeit in der Nazizeit hielt sich in Grenzen, wie die Beschreibung, die Schönborn liefert, zeigt: "Umso begeisterter sangen wir in meiner Jugend das Lied, in dem wir uns zu Christus als unserem König bekannten: 'Christus mein König, Dir allein schenk ich die Liebe stark und rein, bis in den Tod die Treue'." Da werden sich die Nazis sehr vor diesem massiven Widerstandsgesang gefürchtet haben! Da Schönborn erst am 22.1.1945 geboren wurde, wird er selber in der NS-Zeit dieses Lied nicht gesungen haben, aber vielleicht zehn Jahre später. Da war dann auch die vatikanische Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher schon vorbei, da konnte man ganz ausgelassen dem Christkönig Lieder singen!

Aber das nur nebenbei. Kommen wir zur Konklusion vom Schönborn: "Keine Macht der Welt hat das Recht, die Herrschaft über die Herzen der Menschen zu beanspruchen. Die Politik hat die äußeren Verhältnisse zu ordnen. Sie darf sich nicht an die Stelle Gottes setzen wollen. Deshalb ist die Religionsfreiheit immer ein Zeichen dafür, dass die Demokratie ernstgenommen wird. Die Seele gehört Gott, nicht dem Kaiser. Jesus steht gefesselt vor Pilatus. Aber Pilatus ist nicht Herr über das Herz Jesu. Jesus sagt es ihm klar: 'Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre', also von Gott. Heute möchte ich wieder, wie in meiner Jugend, mein Ja zu diesem König sagen, zu Christus: In seinem Reich ist es gut sein!"

Ja, das hat Gott weise eingerichtet! Er hat dem Pilatus die Macht gegeben, auch Göttersöhne hinrichten zu dürfen, damit diese durch ihre Aufopferung die Sünden der Welt hinwegnehmen können. Dummerweise wurden die Sünden der Welt nicht hinweggenommen und speziell die katholische Kirche hat genau das gemacht, was laut Schönborn Machthaber nicht machen dürfen: nämlich "die Herrschaft über die Herzen der Menschen zu beanspruchen". Durch die Jahrhunderte war es in den katholisch beherrschten Gebieten Menschenpflicht, den katholischen Gott von ganzen Herzen zu lieben! Als ich in den 1950er-Jahren zur Schule ging, wurde mir das noch ausdrücklich befohlen! Natürlich konnte mich schon als kleiner Bub der katholische Jesus am Arsch lecken, aber sagen durfte ich es nicht. Und weil ich es damals nicht sagen durfte, darum sage ich heute in der Zeit, wo schon fast wirklich Religionsfreiheit herrscht, meine krawallatheistische Wahrheit: Die katholische Kirche und ihr Christkönig Jesus können mich am Arsche lecken, amen!


267. Wort zum Sonntag, den 15. November 2015

Mk 13,24-32: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

Was fällt mir dazu sofort wieder ein? Na klar! Jetzt kommt wieder der dazu passende Stehsatz: Auch allwissende Göttersöhne wissen nicht mehr als ihre menschlichen Erschaffer, der Jesus lässt Sterne auf die Erde fallen, dass das Sonnen sind, weiß er trotz seiner Allwissenheit nicht und außerdem ist für Jesus die Erde eine Scheibe, weil sonst könnten Engel nicht aus allen vier Himmelsrichtungen vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels alle von ihm Auserwählten zusammenführen.

Das Hauptproblem im heutigen Evangelium ist aber der Satz, "diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft"! Mein lieber Jesus, wieviele Leute von der damaligen Generation leben heute noch unvergangen unter uns?? Du warst offenbar ein Weltuntergangsprophet und hast Dich ziemlich verschätzt. Zwar arbeiten heute die Menschen - besonders angetrieben vom von Christenparteien so sehr unterstützten Neoliberalismus - an der Ruinierung der Erde, speziell in den USA gibt es dazu zwei Fraktionen, die eine Fraktion leugnet die Klimaerwärmung, die andere sieht diese als Anzeichen für den Weltuntergang.

Das tut in seiner Kronenzeitungssonntagspredigt auch Bischof Schönborn, er liefert dazu sogar ein Foto, das er vom Flugzeug aus von Grönland machte. Hier als Ersatz ein ähnliches Bild von Google Earth (kann ja dem Schönborn kein Foto klauen):


Schönborn schreibt zu seinem Foto: "Ich bin schon öfters über diese gewaltige Insel des ewigen Eises geflogen. Aber was ich diesmal sah, hat mich schockiert. Statt der gewohnten unendlichen weißen Schneedecke riesige Ströme von schmelzendem Eis. (..) Niemand kann leugnen, dass die Erderwärmung hier sichtbar ist. Ist das alles nur Übertreibung, was an Warnungen ausgesprochen wird? Papst Franziskus ruft laut und deutlich zur Besinnung und Umkehr auf. Dramatisch sind seine Worte: 'Die Schwester Erde schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat'.''

Nun ja, die Götter legen keine Güter in Planeten, auch diese Güter sind Produkte der materiellen Welt und der Evolution. Was meint der Wiener Bischof zum Weltuntergang, den sein Jesus zuzeiten der damals Lebenden erwartet hatte? Na klar, er meint gar nichts dazu, dass die Welt laut Jesus eigentlich schon vor ca. 1900 Jahren untergegangen sein müsste, er hat das vorsichtshalber vermutlich in der Eile überlesen.

Schönborn sieht Jesus darum nicht als Endzeitpropheten, er ernennt ihn zum Hoffnungsspender und schließt seine heutige Predigt mit: "Gewiss ist, dass es ein Ende gibt. Keiner aber kann sagen, wann und wie es kommt. Das gilt für unsere eigene Todesstunde. Und ebenso für die Zukunft der Welt. Wir können sie nicht voraussagen. Wir können nur hoffen. Aber wir haben eine Zusage Jesu: 'Himmel und Erde werden vergehen. Aber meine Worte werden nicht vergehen.' Bei allem Wandel bleibt etwas Sicheres. Alles kommt an ein Ende. Aber eines hat für immer Bestand: 'Seht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.' Diesen Halt kann uns nichts und niemand nehmen. Mit dieser Sicherheit lässt es sich auch in Krisenzeiten leben und in Frieden sterben."

Geht's ihm gesundheitlich schlecht, dem Herrn Kardinal? Er setzt ja quasi sein eigenes friedliches Sterben als Schlusssatz. Er hat seinen Jesus, den kann ihm niemand nehmen. Dummerweise kann ihm den Jesus aber auch niemand geben, denn bei allem Wandel bleibt etwas Sicheres: es gibt keine Götter, amen.


266. Wort zum Sonntag, den 8. November 2015

Mk 12,38-44: In jener Zeit lehrte Jesus eine große Menschenmenge und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt, und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben. Sie bringen die Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.
Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Wieder einer der üblichen Heuchlerkundgebungen. Hier ein paar Bilder aus dem katholischen Leben von katholischen Schriftgelehrten:


Die versammelten Bischöfe strahlen intensive Bescheidenheit aus! (Internet-Bild ohne Quellenangabe)


Dieses Wiki-Bild zeigt die unerhörte Bescheidenheit der Bibliothek des Stiftes Admont in einem Zoom-Bild


Bischof Mixa mahnt die Menschen zur Bescheidenheit oder so irgendwas (ARD-Screenshot)

Aber auch den Bischof Schönborn wird man in Unpracht nicht zu sehen bekommen:

Mit Klonpinsel gebastelte Fiktion

Aber wer sich erniedrigt, den rühmen die unerniedrigten Kirchenfürsten gerne! Statt der armen Witwe aus den gesammelten Almosen was zu geben, wird sie dafür gerühmt, ihr Letztes abzuliefern. Ja, so ist sie, die katholische Kirche: sammeln, sammeln, sammeln und vom Gesammelten dann auch noch Kardinälen prächtige Wohnungen einzurichten - wie gerade wieder einmal aktuell in den Medien berichtet wird. Aber vom eigenen Multimilliardenvermögen was Gutes tun? Das geht nicht! Barmherzig ist man nur mit fremdem Geld! Siehe dazu z.B. auch eine Info-Meldung über die vatikanische Barmherzigkeit von Papst Franz: "Papst verdoppelt Vatikanspenden" - dummerweise hat nicht der Vatikan die Spenden verdoppelt...

"Falscher Glanz und echte Größe" titelte heute Schönborn seine Predigt in der Kronenzeitung. Falschen Glanz hat die katholische Kirche ja durch die Jahrhunderte genug angesammelt. Hier als Beispiel drei Google Earth-Screenshots vom Petersdom im Vatikan.
Bei Tag:


Bei Nacht:


Von Innen:

Der falsche Glanz ist jedenfalls echt groß!

Was jammert der Herr Bischof von Wien sonst noch? Er weiß, was sein Jesus will: "Eines ist sicher: Jesus schaut besonders kritisch auf die religiösen Führer seines Volkes. Das haben schon vor ihm die Propheten getan. Nichts ist abstoßender als religiöse Falschheit. 'So tun als ob' - das löst Abscheu aus. Wenn Äußerlichkeiten wichtiger werden als die innere Gesinnung, dann wir die Religion zum peinlichen Schauspiel. Dann wird der Gottesdienst zur Selbstdarstellung des Klerus. Dann spüren die Menschen: Denen geht es nicht um Gott, sondern ums Geld. Die interessieren sich mehr für den eigenen ersten Platz als für das Wohl der Menschen."

Und? Warum tun dann die Kleriker nix dagegen? Oder ist das bloß der Text für die Sonntagspredigt und nach Ende der Sonntagsmesse bis zum Beginn der nächsten gilt wieder was immer galt: prächtig sind der katholische Gott und die katholische Kirche und die katholischen Kirchenfürsten.

Schönborn schließt mit:
"Zwei kleine Münzen hat sie in den Opferstock getan. Für Reiche gar nichts. Für sie alles, was sie hatte. Jesus ruft seine Jünger zusammen und zeigt ihnen diese Frau, diese arme Witwe. Und in ihr zeigt er uns, was vor ihm echte Größe ist. Und lehrt uns, nicht falschen Glanz zu suchen und nicht auf ihn hereinzufallen."

Keine Angst werter Herr Schönborn, das Volk ist längst auf dem Weg der Besserung und fällt immer weniger auf den falschen christkatholisch Glanz herein! Amen!


265. Wort zum Sonntag, den 1. November 2015

Matthäus 5,1-12a: In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

Die heutige Bibelstelle ist eine der peinlichsten im ganzen "Neuen Testament"! Weil dort hat man bei der letzten Erschaffung einer Einheitsbibel eine ganz schlimme Zensur mit den Worten des göttlichen Jesus getrieben!

Denn von den acht Seligpreisungen hieß die erste im griechischen Originaltext: "Makarioi hoi ptochoi to pneumati, hoti auton estin he basileia ton ouranon" und das heißt: "Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich".

Wenn die selig sein sollen, die arm vor Gott sind
, hätte der griechischen Originaltext so lauten müssen: "Makarioi hoi ptochoi protoú theós, hoti auton estin he basileia ton ouranon", denn "vor Gott" heißt "protoú theós" und "to pneumati" heißt "im Geist". Aber in den heutigen bildungsfreundlichen Zeiten als erste Kategorie der Seligen die "Armen im Geiste" anzuführen, war wohl den christlichen Kirchen zu peinlich geworden. Obwohl natürlich geistige Armut eine wichtige Voraussetzung für den Glauben ist, schließlich sagt das ja auch das Sprichwort "glauben heißt nichts wissen".

In der Bibel heißt es ein paar Verse weiter bei Matthäus 5, 18: "Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist." Daran hält sich die r.k. Kirche sonst immer, die verdammten Homos bleiben verdammt, wenn sie nicht sexfrei leben, die wiederverheirateten Geschiedenen bleiben von Sakramenten ausgeschlossen, weil sie schwere ehebrecherische Sünder sind, Ausnahmen gibt's nur in einzelnen einzeln ausverhandelten Ausnahmefällen. Aber bei den Seligpreisungen eine ganze Kategorie von Seligen zu vernichten, das geht! Auch wenn der Jesus verboten hat, den kleinsten Buchstaben zu verändern.

Und der Herr Schönborn freut sich in seiner Kronenzeitungspredigt geradezu darüber, denn er schreibt: "Der erste und wichtigste Hinweis auf dem Weg zur Heiligkeit heißt: Arm sein vor Gott! Was immer du in deinem Leben geleistet hast, Gutes geschaffen, auch Verkehrtes getan hast: Wenn du weißt, dass du vor Gott ein Bettler bist, mit leeren Händen, und dass du dir auf dich nichts einbilden, aber auf Gott vertrauen kannst, dann bist du schon ganz auf dem Weg zur Heiligkeit. Vor allem wirst du dich nicht über andere erheben, sondern viel mehr dich bemühen, sie groß zu machen, zu schätzen und zu fördern."

Der wichtigste Hinweis zur Heiligkeit stammt allerdings nicht aus der Originalbibel und vom Jesus, sondern von der Bibelredaktion, die die neue christliche Einheitsbibel schuf. Die Helden, die der Aufklärung widerstanden haben und im Geiste arm geblieben sind, sind nunmehr nimmer selig, dafür wird die katholische Heuchelei noch mehr ins Zentrum des Glaubens gestellt: mach Dich klein und erbärmlich, erniedrige Dich, sei Letzter und Ärmster vor Gott, dann bist du auf dieser Arschkriecherspur schon auf dem Weg zur Heiligkeit! Und mache andere groß, weil schließlich steht ja in der Bibel, "die Letzten werden die Ersten sein" (Mt.19,30), Du verbesserst dadurch Deine Aufstiegsposition!

Die anderen Seligpreisungen handelt Schönborn natürlich auch ab, weil da gibt's noch weitere schöne Elemente für die christliche Heuchelei, die r.k. Kirche wurde erst gewaltfrei als sie keinen Zugang zur Gewalt mehr hatte, die katholische Barmherzigkeit war erbärmlichst und wurde durch den erfolgreichen Kampf der Arbeiterbewegung um soziale Grundrechte tausendfach übertroffen, als Friedensstifter ist diese Kirche auch wenig bekannt geworden, da hat man viel lieber Waffen gesegnet - mit denen dann Katholiken verschiedener Länder aufeinander geschossen haben. Aber dafür könnte sich der Schönborn über diesen Text hier freuen, weil da werden er und seine Kirche wieder einmal beschimpft und auf alle mögliche Weise verleumdet, dadurch kann er Punkte sammeln für die Seligkeit. Das sei ihm vergönnt! Amen!


264. Wort zum Sonntag, den 25. Oktober 2015

Mk 10,46-52: In jener Zeit als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.

Rabbuni ist die ehrfurchtvollste Anrede für einen Rabbi, in der katholischen Kirche sagen die noch vorhandenen echten Katholiken "Hochwürden" zu einem Pfarrer, sinngemäß dazu wäre der Rabbuni dann sozusagen ein "Hochwürdigster". Aber das nur nebenbei.

Der graue Star (Katarakt) ist heute noch in vielen Ländern die Ursache für Blindheit. Denn bei jedem Menschen entwickelt sich mit fortschreitendem Lebensalter eine Trübung der Augenlinsen, bis zur wirklichen Blindheit dauert das allerdings lange Zeit. Schon die alten Babylonier konnten diese Krankheit operativ behandeln, "Starstecher" entfernten die trüben Linsen, was den Patienten zumindest die Sehkraft zurückbrachte, die Leute waren durch das Fehlen der Linse allerdings stark weitsichtig. Im Codex Hammurapi aus dem 18. Jahrhundert v.u.Z. wurde der Preis für erfolgreichen Starstich mit zehn Schekel Silber festgesetzt. Es werden also zur Zeitenwende im damaligen Israel auch Starstecher herumgelaufen sein.

Da ich selber heuer im Sommer ganz ohne Jesus vom Grauen Star durch zwei jeweils ca. 15-minütige Operationen geheilt wurde, weiß ich, wovon ich rede. Hier zur Illustration eine Gegenüberstellung: links der Blick mit gut fortgeschrittenem Star, rechts mit neuer Linse:


Wir haben Augenärzte und Krankenkassen und die Augenreparatur ist kein Problem.
In Ländern der Dritten Welt ist das noch ein Problem, dort fehlen Ärzte und die Leute können sich solche Operationen nicht leisten, darum wird auf diesem Gebiet viel im Rahmen der Entwicklungshilfe getan. Religionen helfen nirgendwo gegen den Grauen Star, kein Jesus tut ein Wunder.

So. jetzt habe ich wieder einmal was aus meinem realen Leben auf die Homepage gebracht und nun schauen wir, war bringt der Herr Kardinal Schönborn in der Kronenzeitung?

Er sieht die Blindenheilung im übertragenen Sinn
, er schreibt: "Ein blinder Bettler am Straßenrand von Jericho wird zum Zeichen für das, worum es Jesus wirklich geht. Er heilt nicht nur diesen armen Blinden. Er will auch uns die Augen öffnen, uns von unserer Blindheit heilen. Denn wer hört schon gerne, dass der Weg mit Jesus kein bequemer Spaziergang ist? Und wer sieht schon gerne, dass Leid und Not ein Weg zu Licht und Leben werden kann?"
Und er schließt mit: "Was kann ich für dich tun? Diese Frage Jesu an den Blinden sollte viel öfter auch unsere Frage an die sein, die mit ihrem Kummer zu uns kommen. Ich werde vielleicht nicht Blinde heilen, Kranke gesund machen können wie Jesus. Aber ich kann Anteilnahme zeigen. Und das kann schon sehr viel Hilfe bedeuten. Der Geheilte ist Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem gefolgt. (..)"

Gesellschaften aufzubauen, in welchen Menschen nicht um Hilfe rufen müssen, sowas steht nicht im Evangelium! Anteilnahme zeigen, das ist kostengünstig! Und katholisch ist es, mittels Leid und Not zu Licht und Leben zu gelangen. Dieses Licht und dieses Leben gibt's allerdings katholischerseits erst nach dem Tode. Mit Leid und Not macht infolge des Sozialstaates die katholische Kirche weitaus nimmer die Geschäfte von früher, mir leuchtet mein Augenlicht diesseits wieder, weil mich Krankenkasse und Augenarzt geheilt haben. So ist es.


263. Wort zum Sonntag, den 18. Oktober 2015

Mk 10,35-45: In jener Zeit traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Heute haben wir wieder einmal eine Bibelstelle mit Anleitung zum Heucheln. Die Jesus-Vorschrift, wer der Erste sein will, muss der Sklave aller sein, ist eine Variante zum Erniedrigungsgebot auf Lk 18, 14: "Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden". Das hat der Nietzsche durch Umkehrung ganz einfach erklärt: "wer sich selbst erniedrigt, will erhöht werden". Also heuchelt Euch tief hinunter, dann kommt Ihr hoch hinauf. Das ist mit weitem Abstand der absolut erfolgreichste Punkt der Christenlehre bei den Klerikern. Ich kann mich noch darin erinnern, wenn ich als Schulbub zu einer kirchlichen Zwangsveranstaltung geführt wurde und der dort auftretende Pfaffe die Hände gefaltet, den Blick zum Himmel gehoben und die Stimme in ein weinerlich klingendes Frömmeln versenkt hat: das waren Höhepunkte, weil jetzt war der Pfaffe greifbar beim Lügen und die Messe hoffentlich bald aus!!

Was für einen Ast jammert sich heute Kronenzeitungsbischof Schönborn herunter? Er schließt mit: "Die Antwort Jesu gilt bis heute. Es ist nicht etwas Schlechtes, groß werden zu wollen. Du musst dir nur überlegen, worin wirkliche Größe besteht. Du darfst davon träumen, ein Großer zu werden. Nie aber wirst du größer sein, als wenn du dienst. Wen bewundern wir wirklich? Die Menschen, die sich ganz für andere einsetzen! Niemand hat das mehr getan als Jesus."

Menschen, die sich dienend für andere einsetzen, haben offenbar ziemliche psychische Probleme: zum Beispiel die so gerne als "Gutmenschen" Ironisierten tun genau das: sie erniedrigen sich, weil sie erhöht werden wollen. Die Herzen der Mitmenschen sollen hüpfen, wenn sie solch gute Menschen sehen! Ich mag solche Leute nicht, die auf diesen Umwegen Leistung signalisieren und Lob und Anerkennung erwarten. Wenn mir wer uneigennützig helfen will, dann find ich das nur akzeptabel, wenn die betreffende Person das macht, weil die konkrete Tätigkeit von dieser Person besonders gerne getan wird. Ich schreib z.B. diese Homepage ja schließlich auch nicht, weil ich selbstlos andere Atheisten unterhalten oder gar beglücken will, sondern ich verarsche Religionen aus Spaß an der Freude!

Aber immer wieder hab ich dabei das Problem, dass ich die Sache übertreibe und mehr Zeit dabei verscheiße als ich eigentlich will! Jetzt gerade ärgere ich mich wieder über mich! Es liegen bei mir genug nicht gehörte CDs, nicht gesehene DVDs und nicht gelesene Bücher herum. Glücklicherweise bin ich gehbehindert, darum fehlen mir wenigstens keine nicht gewanderten Wanderungen oder sowas! So, das genügt jetzt! Sonst fang ich auch noch zu heucheln an!


262. Wort zum Sonntag, den 11. Oktober 2015

Mk 10,17-30: In jener Zeit lief ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich. Da sagte Petrus zu ihm: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.

Ja heute ist das Evangelium klassenkämpferisch unterwegs! Ausbeuter kommen nicht in den Himmel! Da kann es doch nix machen, wenn die Ausgebeuteten fallweise auf Erden ein bisschen Hölle haben?

Das Beispiel mit dem "Nadelöhr" bezieht sich klarerweise nicht auf eine Nähnadel, sondern hat auch hier die Bedeutung von Engstelle, durch Baustellen im Straßenverkehr verursachte Engen werden ja auch "Nadelöhr" genannt. Hier ein Ausschnitt aus einem Wikimedia-Bild vom Grazer Burgtor:

Links die Durchfahrt, rechts das Nadelöhr für Fußgänger, dort würde auch ein Kamel schwer durchkommen. Wenn der Herr Jesus tatsächlich kein solches Eingangstor in einer Stadtmauer, sondern wirklich ein Nadelöhr gemeint haben sollte, dann hätte er ja kein Kamel zum Durchgehen gebraucht, weil durch ein echtes Nadelöhr geht auch kein Jesus oder einer seiner Apostel durch. Der Vergleich heißt also offensichtlich bloß, ein Reicher kommt schwerer in den Himmel als ein Kamel durch ein Tor für Fußgänger.

Der Herr Bischof Schönborn sieht das Nadelöhr auch nicht so eng. Er hebt an mit: "Immer noch wächst bei uns die Zahl der Reichen. Schneller wächst die Zahl der Menschen, die an oder unter der Armutsgrenze leben. Reiche sind nicht böse, weil sie reich sind. Arme sind nicht gut, weil sie arm sind."

Dass es nicht gut ist, wenn die Reichen immer noch mehr und noch reicher werden und die breite Masse der Bevölkerung in Österreich schon seit zwanzig Jahren keine Erhöhungen ihres Realeinkommens mehr erhielt, das beunruhigt den Herrn Kardinal nicht. Natürlich nicht, weil es sind ja seine christlichen Parteien, die weltweit dafür Sorge tragen, dass die Politik streng nach der Bibel handelt. Ja, ich weiß, dieses Zitat Mt 25, 29 kennt eh schon jeder, weil das kam auf dieser Site bisher 35mal vor, aber es passt auch heute wieder wunderbar in die christliche Wirklichkeit: "Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat."

Die katholische Kirche zwischen zwei Extremen: Einerseits Reiche, die im Nadelöhr stecken bleiben, andererseits die alles verkaufen, was sie haben und das Geld den Armen geben, um ins Himmelreich zu kommen.
Reicher ist bisher noch keiner in einem Nadelöhr stecken geblieben und als ein Reicher, der alles herschenkte, ist mir nur der deutsche Unternehmer Hannsheinz Porst (1922-2010) bekannt, der seine Firma "Photo Porst" 1972 an seine Angestellten verschenkte. Er tat das nicht, weil ihm der Jesus erschienen oder weil er ein Christ war. Er tat es, weil er Kommunist war, er vergesellschaftete seine Privatfirma. Ein christlicher Unternehmer, der sein Vermögen verschenkt hätte, ist mir nicht bekannt. Aber wieder einmal zeigt sich eine weitere Wahrheit, die ich auch dauernd im Dauerlauf verkünde: Heuchelei ist das Große, das die katholische Kirche mit bestem Erfolg unter die Menschen bringt! Amen, den Rest der Schönbornpredigt schenke ich mir!


261. Wort zum Sonntag, den 4. Oktober 2015

Markus 10,2-16: Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen. Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet. Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

So ein Glück aber auch! Heute beginnt in Rom der zweite Teil der katholischen Bischofsynode über Ehe, Familie und Sexualität und das Evangelium verkündet die Unauflöslichkeit der Ehe! Da werden die Bischöfe motiviert, am wahren katholischen Glauben festzuhalten und keine Änderungen zuzulassen. Man könnte wetten darauf, dass nach dem Synodenende am 25.10. nix anderes herauskommt wie 2014: nämlich nichts oder nahezu nichts!

Wie sieht das Herr Schönborn, wie frömmelt er sich heute durch den Widerspruch zwischen katholischer Lehre und der Wirklichkeit? Er titelte in der Kronenzeitung "Vom Gelingen und Scheitern der Ehe". Weil er versteht ja was davon! Seine Ehe kann nicht scheitern, weil vermutlich lagen ja sein Liebesleben und seine Sexualität zeitlebens in seiner Hand (das ist wörtlich gemeint!). Er ist sich jedenfalls sicher: "Kein Papst, keine Bischofssynode kann jemals die Worte und die Lehre Jesu aufheben. Denn für die Christen ist das Wort Christi maßgebend." Bei den Protestanten oder Orthodoxen ist die Ehescheidung möglich, aber bei den Katholiken geht's nicht.

Nicht unwitzig wie Schönborn dann weiterschreibt:
"Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten, meinten einige Apostel. Und heute folgern viele daraus, dass es klüger ist, erst gar nicht zu heiraten, sondern ohne Trauschein zusammenzuleben. Dann tut vielleicht das Scheitern der Beziehung weniger weh." Schönborn bezieht sich hier auf die ähnliche Stelle über die Untrennbarkeit der Ehe bei Matthäus, wo es im Kapitel 19 im Vers 10 heißt: "Da sagten die Jünger zu ihm: Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten." Aber er braucht natürlich nicht zu glauben, die Eheschließungen gingen heutzutage wegen dieser Bibelstelle zurück, Lebensgemeinschaften liegen im Trend der Zeit, in der Bibel schaut heutzutage diesbezüglich kein Mensch nach!

Interessant ist dazu, dass es 2013 in Österreich immerhin doch noch 37.458 Eheschließungen, aber nur 11.155 katholische Trauungen gab, in diesem Jahr war der Katholikenanteil an der Bevölkerung jedoch 62.42 %, es hätten darum knapp 23.400 sein müssen. Was jetzt nicht unbedingt nur heißt, dass die katholische Ehe überhaupt zurückgeht, sondern dass durch die Untrennbarkeit einer katholischen Ehe auch die Menge der katholischen standesamtlich wiederverheirateten Geschiedenen diese Differenz fördert! Und da diese Personengruppe in der kath. Kirche wie Exkommunizierte behandelt wird, hat man eben im Umgang mit den Kirchenmitgliedern zunehmend ein sich aus der Kirchenlehre ergebendes Problem. Warum sollten sich diese generell als böse Sünder Verdammten überhaupt noch mit der Kirche abgeben und sie durch den Kirchenbeitrag auch noch finanziell unterstützen? Wenn die Synode daran nichts ändert, wird dieses Problem weiterhin mithelfen, den Mitgliederbestand abzusenken.

Kardinal Schönborn agiert darum heute recht hilflos, sein letzter Absatz lautet nämlich: "Was aber, wenn es trotz allen Bemühens nicht gelingt, zusammenzubleiben? Hat Jesus dafür keinen Rat? Gibt es keinen Ausweg aus der Notsituation? Hier kommen die Kinder ins Spiel. Jesus sagt: 'Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran.' Ich sehe darin auch die Bitte Jesu, auf die Kinder zu achten. Sie sind oft die ersten Opfer der Scheidung. Sie brauchen die Einheit der Eltern, um geborgen zu sein. Es ist hartherzig, wenn Eltern ihren Ehekrieg auf dem Rücken ihrer Kinder austragen. Was will Jesus von uns? Dass wir alle miteinander barmherziger sind, auch wenn die Ehe in Krise gerät oder gar zerbricht. Diese Botschaft erhoffe ich mir von der Synode, die heute beginnt."

Er nimmt die im heutigen Evangelium ganz unabhängig vom vorhergehenden Text angeführten Kinder als Druckmittel. Die Eltern sollten sich wegen der Kinder nicht scheiden lassen, also weiterleiden. Und dazu passt der Vers aus dem Evangelium: "das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen." Es braucht also ein kindliches Gemüt, kleinkindlichen Unverstand, um erstens trotzalledem und alledem in einer Ehe zu bleiben und zweitens ins "Reich Gottes" zu kommen: Wie es original und originell in der Bibel hieß: "Selig sind die Armen im Geiste, den ihrer ist das Himmelreich".

Schönborn erhofft sich anscheinend seine eigene Botschaft auch von der Synode. Die wird er bekommen, schließlich schrieb unlängst der Kurienkardinal Robert Sarah, der (wohl auch dem Papst) dasselbe erklärte und gleich eine Lösung für die Eheleute gefunden hat: "Doch Christus hat den Eheleuten keine unmöglich zu tragende Last auferlegt. Indem er die ursprüngliche Ordnung der Schöpfung wiederhergestellt hat, die durch die Sünde beeinträchtigt worden war, schenkt der Sohn Gottes die Kraft und die Gnade, die Ehe in der neuen Dimension des Reiches Gottes zu leben." Und durch die Jesus-Kraft bleiben dann Scheidungswillige ungeschieden?

Falls ich nicht recht haben sollte, nehme ich nach dem 25. Oktober 2015 alles zurück und behaupte danach das Gegenteil: aber die heutige Sonntagspredigt vom Schönborn weist ziemlich deutlich auf die Unreformierbarkeit der katholischen Kirche hin. Und diese Unreformierbarkeit ist natürlich gut und nicht schlecht, weil sie fördert weiterhin den Säkularismus!


260. Wort zum Sonntag, den 27. September 2015

Mk 9,38-43.45.47-48: In jener Zeit sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen. Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer (..). Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden (..). Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.

Heute haben wir wieder einmal den bösen Jesus, der die bösen Leute ins nie erlöschende Feuer schmeißen lässt und für die kinderschändenden Klerikerkollegen gibt's auch eine Jesusempfehlung, sie sollten mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen werden.

Am 21.9.2014 hatte Sepp Rothwangl von der "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" diese Bibelstelle zur Erweiterung einer Groër-Gedenktafel an der Kirche in Hohenzell benutzt:

Sepp Rothwangl vor dem Denkmal mit dem neuen Mühlstein (Foto: copyright betroffen.at)

Was erzählt uns heute der Herr Bischof von Wien über Mühlsteine, abgehauene Hände und Füße, ausgerissene Augen und das ewige nicht erlöschende Feuer?

Er kratzt die Kurve ohne beim Höllenfeuer wirklich anzustreifen, er erklärt zuerst einmal die Toleranz. Wenn wer Gutes tut, dann darf er das, er muss dazu sozusagen nicht unbedingt ein eingeschriebener Christ sein, soviel christliche Toleranz muss sein. Der Mühlstein für Kinderschänder ist natürlich keine echter Mühlstein, sondern ein drastisches Bild. Weil wenn man das wörtlich nehmen täte, hätte die katholische Kirche wahrscheinlich schon vor langer Zeit eine kircheneigene Mühlsteinerzeugung einrichten müssen.

Und wie drückt sich Schönborn vor dem ewigen Höllenfeuer? Das ist natürlich auch nur allegorisch: "Keine Toleranz sollen wir aber auch gegen unsere eigenen Versuchungen haben. Jesu Rede ist natürlich bildhaft. Nicht Hand, Fuß, Auge gilt es im wörtlichen Sinn sich auszureißen. Wir neigen dazu, unsere eigenen Fehler zu tolerieren, die der anderen aber nicht zu ertragen. Umgekehrt soll es sein: Sich selber gegenüber um vieles strenger sein als gegenüber den Anderen. Denn sonst machen wir uns und den anderen das Leben unerträglich, eben zur Hölle."

Na wunderbar, die von Jesus so gerne verkündete ewige Verdammnis im ewigen Höllenfeuer ist bloß eine bildhafte Darstellung dafür, dass Menschen sich und ihrer Umwelt das Leben auf Erden zur Hölle machen können. Aber nach der Hölle auf Erden kommt vermutlich dann trotzdem für alle der himmlische Himmel mit dem seit dem Zweiten Vatikanum frisch gestrichenen lieben Jesus! Siehe rechts das Jesusmodell von den Jesusfreaks! Der Jesus hat kein Feuer mehr, der geht den Leuten nur noch voller Liebe auf die Nerven!


259. Wort zum Sonntag, den 20. September 2015

Mk 9,30-37: In jener Zeit zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen. Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

Heute geht es auch um das grundlegende Element des Katholizismus, um die Heuchelei. Weil wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden und wer sich selbst erhöht wird erniedrigt - außer es handelt sich um einen höheren Kirchenfürsten, der kann sich selbst erhöhen und darf nicht erniedrigt werden, da genügt es völlig, wenn er hin und wieder ein bisschen sein Haupt senkt und mit niedergeschlagenen Augen auf demütig macht. Der Papst ist dann ganz demütig Gottstellvertreter auf Erden, da es den katholischen Gott genauso wenig gibt wie Zeus, Jupiter, Teutates, Wotan und Quetzalcoatl, ist der katholische Vizegott der real existierende Gott der größten Religionsgemeinschaft.

Aber das - wie ca. jeden zweiten Sonntag irgendwas - nur nebenbei. Heute geht's beim Schönborn um die Voraussage vom Jesus über seinen Tod und seine Auferstehung. Für einen unsterblichen, allwissenden und allmächtigen Gottessohn müsste doch wohl ein bisschen Kreuzigung, drei Tage Totsein und danach die Auferstehung ein Lercherlschas (für nichtösterreichische Leser: Furz einer Lerche, eines Vogels mit 40 Gramm Körpergewicht) sein.

Unfreiwillig auf makabere Art lustig sind die Zeilen vom Schönborn "Jesus sagt voraus, was mit ihm geschehen wird: Man wird ihn den Menschen ausliefern. Wieso ist es etwas Bedrohliches, Menschen 'ausgeliefert' zu werden? Weil Menschen sich oft nicht wie Menschen verhalten. Weil Menschen unmenschlich werden können. Weil wir alle, die wir Menschen sind, unsere Menschlichkeit vergessen, ja verlieren können."

Ja, als die katholische Kirche noch wahrhaft allmächtig war, da war es wahrhaft was Bedrohliches, an die katholischen Menschen von der katholischen Kirche ausgeliefert zu sein. Nicht nur im Mittelalter mit der Ketzer- und Hexenverfolgung, mit Folter und Scheiterhaufen, sondern bis fast in die Gegenwart konnte man den Allmächtigkeitsanspruch von katholischen Menschen in der katholischen Kirche erleben. Heute geht das eher nicht mehr - vielleicht am ehesten noch in Gebieten wie Niederösterreich, wo fallweise Religion auch heute noch staatlich verordnet wird.

Schönborn konzentriert sich auf das im Evangelium erwähnte Kind und schließt mit: "Das Bild von dem ertrunkenen Kind am Meeresstrand hat vielleicht mehr bewirkt als viele noch so gute Reden. Es hat die Herzen berührt. Jesus wollte die Herzen seiner Jünger berühren, indem er ein Kind in ihre Mitte stellte. Als wollte er sagen: Hört doch endlich auf mit euren kleinen und großen Eitelkeiten, euren Machtkämpfen, eurer Wichtigtuerei! Schaut auf dieses Kind, dann wird euch euer Herz sagen, was wirklich wichtig ist. Jesus hatte nicht nur sein Leiden angekündigt, sondern auch, dass er auferstehen werde. Das verstanden sie damals nicht. Es gilt aber auch heute noch. Krieg, Gewalt, Tod haben nicht das letzte Wort. Es gibt Hoffnung. Es gibt die Auferstehung. Schaut auf das Kind, dann werdet ihr es verstehen!"

Hier das Bild von diesem Kind am Meeresstrand:

Die Leiche wurde offenbar für Fotozwecke dort platziert, weil ein angeschwemmter Mensch liegt waagrecht zum Wellengang und nicht senkrecht drauf, letzteres ist physikalisch nicht möglich. Wie das Kind tatsächlich ums Leben kam, ist unbekannt, die von den Arrangierern des Fototermins beabsichtigte Herzensberührung war beim Schönborn willkommen. Aber sein Schlusssatz tritt ihm selber entgegen. Nu, wenn's eh die Auferstehung gibt, dann sind ja die Gräuel der Welt gar nicht so wichtig. Hofft auf die Auferstehung, dann ist alles in Butter. So schaut die heutige kardinale Sonntagsbotschaft aus!


258. Wort zum Sonntag, den 13. September 2015

Mk 8,27-35: In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten. Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias! Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen. Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe. Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.

"Die Verkündigung des Geheimmessias" könnte man das heutige Evangelium betiteln. Zwar wurden die frühesten Texte der Evangelien erst Jahrzehnte nach dem geschichtlich durch keinerlei objektive Quellen belegten Auftreten des Predigers Jeschua, lateinisiert Jesus, verfasst, aber sie könnten ja doch Elemente wirklichen Geschehens beinhalten. Und es könnte in damaligen Siebzigerjahren ja noch Zeitzeugen gegeben haben, die gewusst hätten, dass sich dieser Jeschua nie als Messias präsentiert hatte, sondern ein jüdischer Reformprediger war, der sich mit den damals in der Religionsverwaltung führenden Pharisäern angelegt hatte. Also musste der Jeschua die Geheimhaltung seiner real unbekannten Messiasrolle angeordnet haben.

Aber wie immer wieder: das nur nebenbei. Weil heute hören wir vom Schönborn in der Kronenzeitung, das Kreuz sei ein gutes Zeichen! Und der Wiener Bischof ist ganz empört, dass das Kreuz von Menschen so oft abgelehnt wird: "Die negative Einstellung zum Kreuz kann verschiedene Ursachen haben. Manchmal ist es echte Feindschaft gegen das Christentum als Religion."

Was geschah unter dem Zeichen des Kreuzes in unserer Geschichte? Die zwangsweise Einführung des Christentums als römische Staatsreligion, der Abbruch der im Altertum begonnenen zivilisatorischen Entwicklung, tausend Jahre finsterstes Mittelalter mit religiösem Terror und religiöser Ausbeutung, imperialistische Ausbreitung des Christentums, einschließlich der gescheiterten Kreuzzüge. Dann kam doch langsam eine Gegenbewegung, der Protestantismus als Reformbewegung, das führte zum 30jährigen Krieg, der berechnet nach den prozentuellen Verlusten an Menschenleben weitaus schlimmer als die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts zusammen war. Die Gegenreformation erneuerte in großen Gebieten den katholischen Herrschaftsterror, die europäische Aufklärung brauchte Jahrhunderte, um der Vernunft langsam zum Durchbruch zu verhelfen, die Befreiung vom Christentum ist immer noch im Gange und erfolgt zurzeit durch unaufhaltsamen Glaubensschwund, die Vernunft ist kreuzbezüglich endlich auf dem Vormarsch.

Für'n Schönborn ist der Jesus "der Befreier, der ersehnte Erlöser, der allem Elend ein Ende macht." Nu, welchem Elend hat er ein Ende gemacht? Dass in seinem Namen das furchtbare Elend des Christentums über die Menschheit gebracht wurde und es tausend Jahre gedauert hat, bis die im Altertum begonnene Entwicklung vorsichtig wieder aufgenommen werden konnte und gegen heftigsten katholischen Widerstand die Grundrechte etabliert wurden?

Die heutige bischöfliche Sonntagspredigt schließt mit: "Warum ist das Kreuz so wichtig? Für mich macht das 'Rote Kreuz' den Sinn des Kreuzes so deutlich. Wo finden wir das 'Rote Kreuz'? Überall dort, wo Not ist! Das Kreuz heißt: Nicht wegschauen vom Leid des anderen. Noch haben wir kein Paradies auf Erden. Noch gibt es so viel Elend und Not. Das Kreuz ist das große Zeichen der Zuwendung zu allem Leid. Dafür steht Jesus. Gott hat nicht weggeschaut. Darum ist das Kreuz ein gutes Zeichen."

Aha, jetzt hat die Christenreligion auch noch das "Rote Kreuz" erfunden. Dass im 19. Jahrhundert ein religiöses Symbol für eine humanitäre Organisation verwendet wurde, war durch die Zeitumstände bedingt, die Christenreligion war damals in Europa noch nahezu unabdingbares Schicksal. Das "Rote Kreuz" ist heute eine Organisation, die sowohl aus freiwilligen Helfern besteht (wie die freiwilligen Feuerwehren) als auch aus im Rotkreuzbetrieb fix Angestellten. Bezahlt wird der Betrieb fast ausschließlich aus öffentlichen Mitteln (Krankenkassen), mit Religion hat das nichts zu tun, auch in der Sowjetunion gab es das "Rote Kreuz" und nicht das "Rote Opium des Volkes".

Die Trennung von Staat und Religion ist in Österreich erst ansatzweise durchgeführt, ein wesentlicher Schritt wäre die Entfernung der Kreuze aus allen staatlichen und öffentlichen Einrichtungen, denn sowenig der Bundesadler in Kirchen hängt, sowenig hat das Kreuz etwas in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern oder Gerichtssälen zu suchen! Weg damit! Amen!


257. Wort zum Sonntag, den 6. September 2015

Mk 7,31-37: In jener Zeit verließ Jesus das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis. Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden. Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt. Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Die heutige Bibelstelle ist wieder einmal ein Ausdruck der altertümlichen Unwissenheit. Ein Taubstummer hatte demnach kaputte Ohren und eine kaputte Zunge, die beide mittels göttlicher Wunder geheilt werden mussten.

Der römische Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen (1194-1250) soll nach der ursprünglichen Sprache der Menschheit geforscht haben. Dazu wurden Babys an Ammen übergeben, die sie nur füttern und betreuen, aber nicht mit ihnen sprechen durften, damit der Herr Kaiser so erführe, welche Sprache die Kinder dann sozusagen naturwüchsig sprechen würden. Sie sprachen keine und starben wegen Vernachlässigung durch fehlende Zuwendung. Es ist höchst umstritten, ob dies wirklich passiert ist oder eine Verleumdung, denn der Chronist dieses Experiments, Salimbene von Parma, war ein Gegner des Kaiser gewesen und trat gegen diesen in seinen Schriften mehrfach feindselig auf. Jedenfalls wurde Friedrich II. ungefähr so allwissend wie der allwissende Gottessohn Jesus dargestellt: er wusste auch nicht, dass man das Sprechen durch das Hören lernt. An diesem Absatz sieht man jedenfalls wieder einmal deutlich: Das Internet ist viel allwissender als alle drei Falten des dreifaltigen Gottes!

Aber das wieder nur nebenbei, das Markus-Evangelium entstand vor ca. 1940 Jahren, damals hatten auch Gottessöhne keine wissenschaftliche Ausbildung.
Solche vernünftigen Fragen stellt sich ein Kardinal natürlich nicht, er schreibt zuerst darüber, ob er nicht selber öfters taub sei und er denkt "da an Menschen, die mich zu Jesus geführt haben. Sie wollten mir helfen. Sie wollten, dass ich aus meiner Verschlossenheit herausgeholt werde. Wie dankbar dürfen wir für solche Menschen sein, die uns zu Jesus führen!" Da haben die Leute was angerichtet! Schließlich hätte der Schönborn ja mit seinem Leben auch was Vernünftiges machen können! Aber ihm gefällt's ja, zumindest sagt er das.

Er schließt jedenfalls mit: "(..) 'Öffne dich', sagt Jesus auch zu mir, und siehe da, ich beginne besser zu hören, was mir anvertraut wird. Ich finde das Wort, das der andere braucht. 'Jesus blickte zum Himmel auf und seufzte.' Warum blicken wir nach oben? Weil wir vom Himmel Hilfe erwarten. Jesus hat diese Hilfe von Gott bekommen und uns weitergegeben. Er ermutigt uns, dass auch wir vom Himmel Hilfe erhoffen, für uns selber und für andere."



Also Atheisten blicken nicht zum Himmel, weil sie von dort Hilfe erwarten. Und ein Mensch in der heutigen Zeit sollte sich eigentlich seinen Gott auch nicht als eine Art altertümlichen Raumfahrer vorstellen, der um die Erde kreist oder zwischen den Sternen schwebt. Früher ging das allerdings viel einfacher, vom Weltall hatte man keine Ahnung und die Götter wohnten über den Häuptern der Menschen und ließen von dort die Sonne scheinen, den Regen rinnen, die Blitze zucken und manchmal ein bisschen Manna herunterfallen. Heute sollte jedoch sogar ein leitender Kleriker seinen Gott eher in seinem Kopf suchen als in den Wolken!


256. Wort zum Sonntag, den 30. August 2015

Markus 7,1-8.14-15.21-23: In jener Zeit hielten sich die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, bei Jesus auf. Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen. Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen? Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen. Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen. Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage: Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

Anmerkung: Dass im heutigen Evangeliumstext einige Verse weggelassen wurden, ist diesmal keine Jesuszensur, in den fehlenden Versen ging's nicht um Hölle und Verdammung, über die der Jesus nimmer predigen darf, sondern wirklich bloß um Nebensächlichkeiten.

Ja, der liebe Jesus ist heute gegen das Händewaschen! Weil davon wird der Mensch nicht besser! Denn die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft sitzen im Herzen! Wieso der Jesus die Unvernunft für eine Sünde hält, ist allerdings nicht nachvollziehbar, weil von der Unvernunft leben doch alle Religionen!

Und weil die Sünden aus dem Herzen kommen, darum soll man sein Brot mit dreckigen Fingern essen? Was für eine Logik! Dabei war diese Vorschrift doch wohl eine vernünftige Vorschrift! Auch wenn die damaligen Menschen keine Ahnung davon hatten, welche Krankheitskeime es gab und wie die verbreitet wurden. Man hat vermutlich die Lebenserfahrung gemacht, dass Sauberkeit die Gesundheit fördert.

Schönborn sieht das auch so, er schreibt: "Was hatte Jesus gegen diese Regeln? Warum war er so kritisch gegenüber diesen Vorschriften? War es ihm lieber, wenn durch mangelnde Sauberkeit allerlei Ansteckungen und Krankheiten sich ausbreiteten? Ist das der Grund, warum manche bis heute meinen, fromm sein heiße immer etwas ungepflegt und 'schmuddelig' sein? Jesus - ein Vorbild für ungewaschene Hippies? Jesus - die Ausrede für alle, denen das Waschen zu mühsam ist?"

Und wie kratzt er dann die Kurve vom unhygienischen Jesus zum sauberen Herzen? Er schreibt von der "Putzneurose" und vom "Gesundheitswahn". Weil es hilft nix, wenn man gesund aber das Herz voller Bosheit ist.

Sein Schlussabsatz ist heute wieder einmal unfreiwillig humoristisch: "Es ist gut, vor dem Essen die Hände zu waschen. Wichtiger ist es, das Herz zu säubern. Nichts gegen eine saubere Wohnung. Noch besser ist es, wenn unser Inneres nicht vom Müll böser Gedanken ganz verdreckt ist. Der Gesundheitswahn ist auch eine Krankheit. Das Putzen und Waschen darf nicht zum Religionsersatz werden. Wasch dir die Hände, aber vergiss nicht, dass ein böses Herz viel mehr Schaden anrichtet als ein bisschen weniger Hygiene."

Was Hygiene mit Sündhaftigkeit zu tun hat, wo hier der Gegensatz stecken soll, bleibt unerkennbar. Auch ein Mafiaboss isst vielleicht mit dreckigen Fingern. Dass jemand als Religionsersatz einen Putzfimmel entwickelt, so jemand ist mir bisher noch nicht untergekommen. Was wohl daran liegt, dass ich keinen Putzfimmel habe, aber mein Herz voller Religionsabneigung ist.


255. Wort zum Sonntag, den 23. August 2015

Johannes 6, 60-69: In jener Zeit sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören? Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Das ist wieder einmal die verkehrte Welt der Religionen: der "Geist" ist das Erste, die Welt eine Folge davon. Die ersten drei Verse des Johannesevangeliums heißen: "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist." Hier auf Erden war das Wort ziemlich am Ende der Entwicklung, die Bildung einer Sprache, die über Warnlaute u.ä. hinausging und mit der man in der Lage war, Erfahrungen auszutauschen und weiterzugeben, führte zum Homo sapiens. Aber das Sprachwort erschuf keine Welt, das Wort machte nicht nur Wissen möglich, sondern erschuf u.a. auch Götter, die das noch Unerklärliche erklärlich machen sollten und die das vermochten, was der Mensch nicht vermochte. Die göttliche Macht war der Allmachtstraum von oft in ohnmächtigen Lagen befindlichen Menschen.

Aber das nur nebenbei. Heute geht's darum, dass dem Jesus bis auf zwölf alle Anhänger davonlaufen, weil er soviel Unsinn dahergeredet hat. Und er bestätigt den Unsinn: er redet so weiter. Dass das Fleisch stirbt, weiß der Mensch. Verhindern kann der Mensch das nicht. Das führte zur Herausbildung von Wunschträumen, von Illusionen, unsterbliche Götter sollten Menschen unsterblich machen. Dieser Unsinn hält sich immer noch: er gleicht das irdische Jammertal aus, Tote erfahren jenseitige Gerechtigkeit. In unseren Breiten verliert diese Illusion jedoch zunehmend Anhänger, in Österreich glauben weniger als 40 Prozent an ein Leben nach dem Tode und da sind die seelenwanderischen Buddhisten schon dabei.

Der Herr Kardinal Schönborn ist klarerweise ein Jünger, der nicht davon läuft und dessen Geist übers Fleisch triumphiert. Aber er sieht den kannibalistischen Schrecken in Jesus-Worten: "Was aber war damals so schockierend an Jesu Worten? Ganz konkret war es seine Aussage: 'Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut wirklich ein Trank'. (..) Das war nun tatsächlich vielen seiner Zuhörer zu viel. Es war schlichtweg 'unerträglich'."

Die Protestanten verspeisen den Leib Christi nicht religiös-kannibalisch, sondern bloß symbolisch. Darum geht auch die Ökumene nicht weiter, weil der Leib vom Jesus ist in jeder katholischen Hostie und wer das nicht glaubt, kann kein echter Christ sein!

Und darum schließt Schönborn mit: "Die heilige Messe ist das Herzstück des christlichen Glaubens. Brot und Wein sind die Gaben, die auf den Altar gelegt werden. Sie werden gewandelt durch die Worte Jesu: 'Das ist mein Leib' - 'Das ist mein Blut.' Wer diese Gaben isst und trinkt, empfängt nicht einfach Brot und Wein, sondern Jesus selber. Darum geht es Jesus! 'Wollt auch ihr weggehen?' Jesus will niemanden festhalten. Petrus antwortet für die, die bleiben: 'Herr, zu wem sollten wir gehen?' Jesus ist nicht bequem. Sein Anspruch ist groß. Sein Weg nicht einfach. Und doch: Ich wüsste für mich keinen besseren. Ich bin froh, ihn gehen zu dürfen. Ich versuche es. Ich glaube, es lohnt sich."

Das stimmt nicht! Das ist nicht das Herzstück des christlichen Glaubens, sondern des katholischen Glaubens:


Heutzutage können der Herr Jesus und der Herr Schönborn niemanden mehr festhalten, alle dürfen davonlaufen. Und das läuft in unseren Gegenden recht gut.
Vor allem weil die Zahl derer ständig steigt, denen der Leib Christi und dieses ganze Zeugs einfach egal sind, das sind keine Jünger, die davonlaufen, sondern Leute, denen der Jesus so wurscht ist wie der Quetzalcoatl. Dass Schönborn den Jesus-Weg voller Freude geht, bleibt ihm unbenommen, was soll er sonst auch tun als 70jähriger?


254. Wort zum Feiertag Maria Himmelfahrt am 15. August 2015

Lk 1, 39–56: In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

"Maria Himmelfahrt" wurde von der katholischen Kirche erst 1950 von Papst Pius XII. als "leibliche Aufnahme in den Himmel" dogmatisiert, in früheren Zeiten galt dieser Tag als Sterbetag der Jesusmutter, eine "Himmelfahrt" war fallweise auch damit verbunden, in der Bibel wird dieses Thema gar nicht behandelt. Darum wird für diesen Feiertag auch eine Bibelstelle ohne jeden Sachbezug dazu herbeigeschleift. Ein Feiertag ist der 15. August außer in Österreich auch in Belgien, Frankreich, Italien, Kroatien, Litauen, Luxemburg, Malta, Polen, Portugal, Slowenien, Spanien, in etlichen Schweizer Kantonen, in der BRD im Saarland und Teilen von Bayern, außerdem in den orthodoxen Staaten Griechenland, Georgien, Rumänien und Zypern.

Für Bischof Schönborn ist der 15. August auch eine Markierung im Kalender, weil um diese Zeit der Hochsommer endet. Das passt heuer zufällig wirklich, ich hab schon alle Fenster offen und die überwärmte Wohnung auf Durchzug gestellt, weil es jetzt um halbzehn draußen nur 19 Grad hat.

Für Schönborn ist das allerdings nicht so einfach, weil bei ihm richtet sich das Wetter nach dem Kirchenjahr: "Zwischen den großen Festen des Kirchenjahres und dem Wechsel der Jahreszeiten besteht ein geheimnisvolles Band." Das Geheimnis dieses Bandes liegt darin, dass die Christenkirche heidnische Feiertage umbenannte und verchristlichte. Für Christigeburt nahm man die Wintersonnenwende, für die Auferstehung das heidnische Frühlingsfest und auch andere Festivitäten wurden bestehenden vorchristlichen Bräuchen angeglichen. Das machte man ja sehr umfassend, die heidnischen Sagen von Feen und Trollen und solchem Zeugs wurden durch die zahlreichen Heiligenlegenden ersetzt, da half dann eben gegen Halsweh nicht irgendeine Fee, sondern der heilige Blasius usw.

Aber was erzählt Schönborn sonst seinem Christenvolke? Er freut sich über das obige Evangelium, das hat zwar mit einer leiblichen Himmelfahrt nichts zu tun, aber weil sich die Elisabet über das Gotteskind im Marienleib so freute, hüpft auch der Schönborn. Lustig ist wieder, welche Eigenschaften die Bibel dem Christengott gibt: "er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen", bitte schön, wann soll das gewesen sein?

Die christkatholische Kirche hat sich doch in ihrer gesamten Geschichte immer für die Macht und Herrlichkeit der Herrschenden eingesetzt und den Mühseligen und Beladenen ein besseres Leben nach dem Tode vorgegauckelt, das sparte Lohnkosten! Und die politischen Parteien, die sich heute christlich nennen? Die sind eisern und beharrlich mit größtem Nachdruck auf der Seite der Reichen und Mächtigen und gegen die Niedrigen. Hiezu wieder einmal das wahrlich gelebte biblische Motto aller Christenparteien, Matthäus 25, 29: "Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat". So ist das wirkliche politische Christenleben, amen.


253. Wort zum Sonntag, den 9. August 2015

Joh 6,41–51: In jener Zeit murrten die Juden gegen Jesus, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen? Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen. Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.

Diese Geschichte ist die Grundlage dafür, dass die katholische Kirche ihre Gläubigen in den Messen mit dem "echten" Leib des HErrn füttert. Denn wer das lebendige Jesus-Brot isst, der lebt in Ewigkeit. Zu dumm, dass heutzutage immer weniger Leute so eine seltsame Geschichte glauben wollen. Aber dummerweise kann man sie dazu nimmer zwingen!

Was meint Bischof Schönborn dazu? Eigentlich gar nichts. Weil an einem 9. August wurden sowohl die katholische Nonne jüdischer Abkunft, Edith Stein, als auch der katholische Undercoverzeugejehovas Franz Jägerstätter von den Nazis umgebracht. Auf die beiden bezieht Schönborn den Satz "Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt". Dass sich mit diesem Satz der Jesus formal über seinen Vater stellt, fällt dem Herrn Kardinal nicht auf: Jesus ist das Ziel, Gottvater sozusagen der Zureicher.

Aber das nur nebenbei. Kommen wir zum Resümee Schönborns und zum Schluss: "Niemand findet zum Glauben ohne diese Anziehung Gottes. Nicht wir suchen zuerst Gott, sondern Er sucht uns. Beim Propheten Jeremia steht als Wort, das Gott zu uns spricht: 'Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.' Ich glaube, dass es in jedem Menschenherzen nicht nur die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit gibt, sondern auch die tiefe, oft verborgene Sehnsucht nach Gott. Heute sagt uns Jesus, woher dieses Suchen und Sehnen kommt: Es ist die Liebe Gottes zu uns, durch die Er uns hinzieht zu sich!"

Ja, so schlicht denkt einer, der sein ganzes Leben katholisch gedacht hat. Gottvater zieht die Menschen an, weckt in ihnen Gottessehnsüchte? Muss sagen, ich kenn niemanden, der plötzlich Gottessehnsüchte entwickelt hätte. Ich kenn Leute, die sonntags in die Kirche gehen, weil sie ihr ganzes Leben lang sonntags in die Kirche gegangen sind und ihr Leben lang den christlichen kultischen Bräuchen gefolgt sind, ich kenn Leute, denen Religion egal wurde, ich kenn Leute, denen Religion immer egal war und ich kenn Leute - wie mich selber - die sich über Religion ärgern und ihre Zeit damit verscheißen, diesem Ärger Luft zu machen. That's all, over and out!


252. Wort zum Sonntag, den 2. August 2015

Johannes 6, 24-35: In jener Zeit, als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

Da fehlte den Bibelschreibern wieder einmal das Fachwissen, weil Manna hat nicht der HErr vom Himmel den durch die Wüste ziehenden Israeliten gegeben, im Internet war das konkrete Produkt schnell gefunden: " Mannaflechte (Lecanora esculenta) essbare Flechte der vorder- und zentralasiatischen sowie nordafrikanischen Steppengebiete. Vom Wind zusammengewehte Flechtenmassen bilden den sog. Mannaregen."


Aber mit Flechten füttert der Herr Jesus seine Jünger nicht, er gibt's noch billiger, er füttert sie mit dem "Brot des Lebens", die Jesus-Gläubigen werden nimmer hungern und nimmer dürsten. Allerdings gibt es derweilen noch keine Katholiken, die keinen Hunger und keinen Durst hätten, weil sie im Glauben an Jesus vom "Brot des Lebens" ernährt würden.

Bischof Schönborn denkt darüber nach und kommt zu einer Pointe ohne Nahrungsfrage: "Jesus weist aber auch auf die heutige Erfahrung hin. Mit einem gewagten Wort sagt er: 'Ich bin das Brot des Lebens!' An Jesus glauben, auf Ihn vertrauen, das ist eine so solide Lebensgrundlage wie das tägliche Brot: 'Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern.' Der Glauben ist so lebensnotwendig wie das Wasser: 'Wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.' Was aber, wenn einer sagt: 'Ich kann einfach nicht glauben?' Jesus sagt: Glauben ist eigentlich nicht unser, sondern Gottes Werk, nicht unsere Leistung, sondern Sein Geschenk. Von unserer Seite genügt schon der Wunsch, glauben zu können!"

Er erhöht dazu den Glauben, dieser sei so wichtig wie die Nahrungsaufnahme, der Glaube sei eine Lebensgrundlage wie das tägliche Brot. Seltsamerweise gibt es immer mehr Leute, die ohne diese zusätzlich Fütterung existieren und dabei überhaupt nichts vermissen. Schönborn versucht zu tricksen, er macht bereits aus dem Wunsch zu glauben, einen richtigen Glauben. Aber, bitte schön, wieviele Ungläubige werden den Wunsch haben, glauben zu können? Und noch dazu die abstrusen Dinge, die in der Bibel stehen?


251. Wort zum Sonntag, den 26. Juli 2015

Johannes 6,1-15: In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele! Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren. Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Für dieses Evangelium hab ich meistens dieselbe Predigt verwendet, nämlich einen alten Witz aus dem 1929 erschienenen dritten Schmierbüchl des seinerzeit recht bekannten und beliebten oö Humoristen Franz Resl:


Worüber freut sich heute der Schönborn? Über den "kleinen Jungen"!
Der hat allerdings ein Handicap zu tragen, weil die Geschichte von der wunderbaren Brotvermehrung kommt in kürzerer Form auch bei Mk 6,35-44, Mt 14,13-21 und Lk 9,10-17 vor, der "kleine Junge" mit den Gerstenbroten und den Fischen wurde erst vom Johannes dazugedichtet. Von den Befreiungstheologen wird diese Geschichte als Gleichnis für Solidarität gedeutet, kein göttliches Vermehrungswunder, sondern die Anwesenden hätten untereinander ihre Vorräte geteilt.

Aber was will der Herr Bischof vom Jungen? Er schließt mit: "Genau da kommt der 'kleine Junge' mit seinen fünf Broten und zwei Fischen ins Spiel. Was kann ein Kind schon leisten? Es ist auf Andere angewiesen. Kinder brauchen Eltern. Sie brauchen Hilfe. Aber sie sind auch ein Geschenk. Sie sind die Hoffnung. Ohne Kinder keine Zukunft. Mitten in dieser riesigen Menge von Erwachsenen ist gerade dieses Kind der Hoffnungsträger. Das bisschen, das es beizusteuern hat, wird allen zugute kommen. Vielleicht will dieses Evangelium uns heute sagen: Schaut auf die Kinder! Schaut, welcher Schatz sie sind! Ohne sie haben wir keine Chance. Brot ist das wichtigste Lebensmittel. Kinder bringen uns ein Leben mit Zukunft."

Na schau dir das an, da wird ein Kind zum Hoffnungsträger, das in den Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas gar nicht vorkommt. Warum er selber keine Kinder haben darf, ist für Scheinborn allerdings kein Thema. Und die katholische Kirche hat mit der Geburtenrate nichts zu tun: Polen oder Italien haben deutlich unterdurchschnittliche Kinderzahlen, die säkularen Staaten mit guten Kinderbetreuungseinrichtungen wie Frankreich und die skandinavischen Staaten deutlich bessere.

Und zum Schluss eine kleine Rechnung. Schönborn rechnet mit den 200 Denaren: "Jesus wusste, dass sie, er und seine Begleiter, unmöglich für so viele Brot kaufen können. Einen Jahreslohn eines Arbeiters (etwa 200 Denare) würde es kosten, damit jeder auch nur ein bisschen Brot bekäme."

Laut Wikipedia dürfte damals ein Denar etwa eine heutige Kaufkraft von 20 Euro gehabt, der von Schönborn angeführte Jahreslohn eines Arbeiters somit 4000 Euro betragen haben. Für 4000 Euro bekommt man bei einem Kilopreis für gewöhnliches Brot von etwa 2,5 Euro 1600 Kilo Brot, pro Mann der 5000 wären das 320 Gramm. Das ist doch deutlich mehr als gerade bloß "ein bisschen Brot". Wenn Brot damals viel teurer gewesen wäre als in dieser Kaufkraftumrechnung, dann hätten die Arbeiter alle verhungern müssen. Aber einen Taschenrechner hat der HErr dem Wiener Bischof wohl noch keinen zugewundert.


250. Wort zum Sonntag, den 19. Juli 2015

Markus 6, 30-34: Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfahren, und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.

Schade, dass die 250. Sonntagspredigt eine so nebensächliche Sache wie die missglückte Arbeitspause von Jesus und seinen Aposteln behandelt. Aber immerhin wird darin wieder einmal die christliche Sichtweise auf gläubige Christen dargelegt: sie sind Schafe und die Kleriker sind Hirten.

Was eine lange katholische Phase beschreibt, in der die katholische Religionspflicht herrschte, auch an die Kirche der Zehent entrichtet werden musste, die Menschen zusätzlich noch zwecks Errichtung entsprechend prächtiger Kirchen und Dome ausgepresst wurden und der Ablasshandel dem Volke die letzten Groschen aus der Tasche zog: da war das Verhältnis Hirt und Schaf wahrhaft verwirklicht: die Schafe wurden geschoren.

Das funktioniert heutzutage nimmer so richtig.
Die dummen Schafe werden immer weniger, ebenso die Hirten und die Welt steht immer noch. Geschätzt werden in der Gesellschaft allerdings die Kirchen hauptsächlich noch von dummen Politikern, die tatsächlich glauben, die Kirchen wären mächtige Institutionen. Was sie nimmer sind. Wie auch Kirchenfunktionäre selber zugeben:
Martin Grichting, Generalvikar im Bistum Chur, sagte im Juni 2015: "Die Umfrage der Bischofskonferenz hat nun die kirchlichen Verhältnisse von nahem betrachtet. Und so können alle erkennen, dass der Riese nur ein Scheinriese ist: Die tatsächliche Bedeutung ist viel kleiner, als man von ferne vermuten würde. Angesichts dessen kommen einem Sonntagsreden von Politikern auf die herausragende gesellschaftspolitische Bedeutung der Kirchen immer bizarrer vor. Wenn solche Schalmeienklänge zu hören sind, muss man sich fragen, wann diese Politiker zum letzten Mal eine Kirche von innen gesehen haben."

Ja, Politiker vermuten leider offenbar oft, dass die Leute so dumme Schafe wären, wie sie es gerne hätten. Aber die Kirchen leben von der Tradition der Babytaufe, aber auch diese geht langsam verloren und in ein, zwei Generationen wird es auch keine Scheinriesenkirchen mehr geben.

Was meint der Herr Schönborn zum heutigen Evangelium? Er ist für den freien Sonntag und wünscht allen, die Urlaub machen können, eine möglichst erholsame und ungestörte Zeit. Aber natürlich bleibt der Jesus, der sich auch in seiner Freizeit von den Schafen stören ließ, sein Vorbild, falls es mit dem Urlaub doch nicht so klappt: "Kein Ärger, kein Unwillen, kein Grant darüber, dass es anders kam. Vielmehr eine liebevolle, herzliche Zuwendung zu den Menschen, die so sehr Hilfe brauchen, auch wenn sie seinen 'Urlaub' stören."
Määäh.


249. Wort zum Sonntag, den 12. Juli 2015

Markus 6,7-13: In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie. Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Heute haben wir wieder eine seltsame Geschichte. Die Juden kannten keine Missionierung, da ja nach ihrer Lehre Gott Jehova ein Bündnis mit dem jüdischen Volk eingegangen war und nicht mit der ganzen Welt, Jehova war sozusagen ein Stammesgott. Und der Jesus war ein jüdischer Reformprediger, vielleicht vergleichbar mit dem vor nunmehr 600 Jahren von der katholischen Kirche ermordeten Jan Hus, der damals speziell korrupte und heuchlerische katholische Geistliche angegriffen hatte (wie Jesus seinerzeit die damals herrschende Lehre der Pharisäer, heute gilt deshalb "Pharisäer" als Synonym für "Heuchler").

So sieht das der Herr Bischof Schönborn in der Sonntagskrone natürlich nicht, er meint, mit den obigen Zeilen wäre die Weltmission eingeleitet worden. Dabei steht das Gegenteil in der Bibel, Matthäus lässt seinen Jesus sagen: "Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen Israels" (Mt 15,24). Und zu diesen verlorenen Schafen Israels schickt er mit obiger Weisung zwölf Jünger aus. Der Befehl zur Weltmission, Mt. 28,19, "Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes", widerspricht dem obigen Zitat und ist wohl deswegen ins Evangelium gekommen, weil im jungen Christentum ja bereits den "Heiden" gepredigt worden war. Die Trinitätsformel ist eine spätere Einfügung, im Original wurde noch "in meinem (Jesus) Namen" getauft.

Aber das nur nebenbei! Heute haben wir als praktische Auswirkung des angeblichen Missionsauftrages, dass bei uns die Zeugen Jehovas und die Mormonen von Tür zu Tür gehen und manchmal Evangelikale irgendwo irgendwelche Hefte verteilen. Die katholische Kirche redet zwar schon seit Jahrzehnten von einer Neuevangelisierung Europas, aber wirklich angefangen hat man damit immer noch nicht. Man konnte sich in katholischen Gegenden lange Zeit auf die Babytaufe verlassen, man musste gar nicht missionieren. Heutzutage hat die Babytaufe allerdings ansteigend sinkende Tendenz, 2003 gab es noch 54.402 Taufen, 2013 nur noch 48.098. Das Kirchenschrumpfen wird zunehmend auch durch einen Sterbeüberschuss forciert werden und Missionsversuche, wenn sie doch irgendwann unternommen werden sollten, werden ähnlich erfolgreich sein wie die der Zeugen Jehovas, nämlich kaum wahrnehmbar.

Schönborn was bringt uns der heute? Er will sein Kostbarstes anbieten, seinen Glauben. Nu, soll er, die Nachfrage nach dieser Kostbarkeit wird sich in engen Grenzen halten.


248. Wort zum Sonntag, den 5. Juli 2015

Markus 6,1b-6: Jesus kam in seine Heimatstadt; seine Jünger begleiteten ihn. Am Sabbat lehrte er in der Synagoge. Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, staunten und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen! Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie. Und er konnte dort kein Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte.

Zuerst nebenbei: der Jesus hatte also vier Brüder und mehrere Schwestern. Da hat die Bibelzusammenstellungsredaktion wieder einmal fahrlässig gearbeitet! Weil als der Markus das notierte, war die Jesus-Mutter Miriam (hebräisch) ja noch keine heilige Jungfrau und der Jeschua ben Josef (hebräisch) war bloß eines unter mehreren Kindern, im "Neuen Testament" steht kein Wort von einer Jungfrau gebliebenen Maria.

Aber nun zum Propheten, der sogar - auch sprichwörtlich geworden - in seinem eigenen Land nix gilt: Das ist ja doch wohl klar! Ein angeblicher Wundertäter kann nicht den Leute was vorwundern, die ihn seit Jahren kennen! Darum wird sich so ein Wundertäter auch davor hüten, in seinem Bekanntenkreis Wunder zu tätigen, für solche Sachen braucht es distanzierte Abgehobenheit.

Aber auch das nur nebenbei. Lustig ist nämlich heute vor allem der Schönborn, der sich überraschenderweise der Realität zuwendet: "Mich bewegt an dieser Geschichte eine Frage: Geht es Jesus heute immer noch so? Wird er gerade dort heute nicht geschätzt, wo er eigentlich zu Hause wäre? Wie geht es Jesus im heutigen Europa? Wie in Österreich? Wie wird er bei uns aufgenommen, angenommen? Wird er abgelehnt?"

Ja, Herr Bischof, da hat sich einiges geändert seit den Zeiten der katholischen Feudalherrschaft! Die Leute dürfen sich heute ihres eigenen Verstandes bedienen und sie tun es zum Leidwesen der Kirchen auch! Angenommen und aufgenommen wird der Christengott Jesus irgendwie noch traditionell, Taufen sind immer noch einigermaßen verbreitetes Brauchtum, das hält den Mitgliedernachwuchs derweilen noch aufrecht, weil die Heranwachsenden nicht durch eigene Entscheidung in die Christenkirchen einzutreten brauchen, aber in den kommenden Generationen wird sich auch die Tauftradition verlaufen. Abgelehnt wird der Jesus weitaus überwiegend nicht durch Gegensätzlichkeit, sondern durch Bedarfsmangel. Den nachwachsenden Generationen ist der Jesus einfach egal.

Schönborn weiter im Text:
"Europa hat nicht nur das Christentum durch Jahrhunderte beherbergt. Es war lange der christliche Kontinent. Es hat das Christentum in alle Teile der Welt hinausgetragen. Ist das Christentum inzwischen in Europa zum Fremdkörper geworden? Ist Christus in Europa noch zu Hause? Äußerlich gesehen sicher! Kein Kontinent hat so viele Kirchen wie Europa. Kein anderer Erdteil weist so tiefe Spuren des christlichen Glaubens auf wie unserer. Aber 'fremdelt' Europa nicht inzwischen seinen Wurzeln gegenüber? Von anderen Kontinenten hören wir erstaunte und enttäuschte Stimmen, die sich fragen: Was hat Europa mit seinem Christentum getan?"

Europa weist vor allem tiefe Spuren christlicher Herrschaft auf, 1000 Jahre katholisches Diktat haben eben Spuren hinterlassen. Und die vielen Kirchen? Die sind heute ein großes Kirchenproblem! Was tun mit diesen kaum noch benutzten Räumlichkeiten? In anderen Kontinenten verkauft sich das "Opium des Volkes" noch besser, weil dort die Verhältnisse so sind, dass das religiöse Elend Ausdruck des wirklichen Elends ist und darum die Seufzer der bedrängten Kreatur religiöse Seufzer sind. In Europa hat die bedrängte Kreatur trotz Neoliberalismus doch noch andere Möglichkeiten als bloß religiös zu seufzen.

Schönborn schließt mit: "Wo ihm kein Glauben geschenkt wird, dort kann Jesus auch nicht wirken. Steht es wirklich so schlimm um Europa? Ist Christus inzwischen längst mehr in den anderen Kontinenten zu Hause? Mich bewegt diese Frage. Meine Antwort darauf? Nur dieses schlichte Gebet: Herr, bleibe bei uns! Verlass uns nicht! Wir wollen, dass du bei uns zu Hause bleibst!"

Das schaut ja fast schon wie eine Kapitulationserklärung aus! Der Jesus kann den Schönborn natürlich gar nicht verlassen! Weil er war ja nur in seiner Einbildung bei ihm. Und solange er sich seinen Jesus einbildet, ist er auch bei ihm zu Hause. Aber für die Masse der Leute wird die Jesuslehre immer unwichtiger. Der Jesus ist für immer mehr Menschen genauso egal wie Hirsebrei. Und der war einmal das europäische Hauptnahrungsmittel.


247. Wort zum Sonntag, den 28. Juni 2015

Markus 5,21-43: In jener Zeit fuhr Jesus im Boot wieder ans andere Ufer hinüber, und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war, kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt. Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn. Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt. Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden. Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand. Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. Sofort hörte die Blutung auf, und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war. Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt? Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt? Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte. Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein. Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten: Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger? Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur! Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten, trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag. Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen. Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.

Zuerst eine Berichtigung: Das hebräische "Talita kum" heißt "Lämmchen steh auf". Aber das nur nebenbei.

Die Pointe der Geschichte ist dieselbe wie bei ähnlichen Fällen: da es zurzeit der Entstehung des Markus-Evangeliums noch Zeitzeugen geben konnte, brauchte Markus einen Grund dafür, warum niemand was vom Wunder des auferstandenen Mädchens wusste: die angeblichen Tatbeteiligten hatten zu schweigen! Woher hat es dann der Markus gewusst? Hat er ihm einer der Schweigenden die Geschichte erzählt oder hat er wieder einmal ein Wunder gebraucht, um die Anhänger der Jesus-Sekte besser zum Glauben zu motivieren. Unsereiner wird wohl auf das Letztere tippen.

Das heutige Evangelium ist überlang und dem Schönborn fällt für seine Predigt doch nichts besonderes ein. Er freut sich über die Wunder und fragt ganz vorsichtig, warum sein Jesus gerade diese, warum nicht mehr, warum nicht alle geheilt habe?
Gespannt spannt man auf die Antwort! Sie lautet: "Das heutige Evangelium gibt keine Antwort auf die allgemeine Frage, warum es Leid und Tod gibt. Aber es zeigt uns, dass Jesus Menschen begegnet, die von Leid und Tod betroffen sind, und dass er ihnen hilft." Wieder erfahren wir nichts darüber, warum Schönborns guter Gott all das Böse zulässt! Aber wir wissen es ja eh alle: Ein Gott, der Böses verhinderte, müsste ein real existierender Gott sein und so einen hat die Welt bisher keinen gesehen.

Die heutige Schlusspointe: "Die Eltern und drei der zwölf Apostel wurden Zeugen dieses Wunders, wie es uns der Evangelist überliefert hat. Aber was heißt das für mich? Nur wenige erleben Wunder wie diese Menschen im Evangelium. Aber allen ist es möglich, auch heute Jesus zu begegnen. Wir können ihn berühren, erleben, wie von ihm eine Kraft ausgeht, die heilt, aufrichtet und hoffen lässt."

Nu, dann lasst Euch berühren, Ihr Christkatholischen! Und wenn Ihr erlebt habt, wie vom Jesus eine Kraft ausgeht, die heilt, aufrichtet und hoffen lässt, dann schreibt mir einen Leserbrief!


246. Wort zum Sonntag, den 21. Juni 2015

Markus 4,35-41: An jenem Tag, als es Abend geworden war, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

Wenn dem Jesus sein Vater ein ganzes Universum mit 100 Milliarden Galaxien schöpfen kann, dann wird dem Schöpfergott sein Bub wohl doch auch mit ein bisschen Wind fertig werden. Aber so darf man das nicht sehen, weil damals war die Weltenschöpfung ja noch weitaus weniger Arbeit gewesen, weil da bestand das ganze Universum nur aus einer im Nahen Osten platzierten Erdenscheibe, die vom drübergestülpten Firmament bedeckt wurde, damals haben noch keine Neugierigen einen Durchblick gehabt.

Das kam erst später, als die Leute die Welt nicht mehr mit nur biblischen Augen betrachteten.

Aber das nur nebenbei. Worüber freut sich der Herr Bischof von Wien auf seiner Homepage und in der Sonntagsbeilage der Kronenzeitung? Er freut sich über den Glauben!

Und schließt mit:
"Kein Wunder, dass sie große Furcht ergreift, als es plötzlich völlig still wurde. Zu unheimlich war dieser Wechsel von lebensgefährlichem Sturm und tiefer Ruhe. Ein solches Wechselbad der Gefühle ist nicht leicht zu verkraften. Das wissen alle, die solche heftige Kontraste erlebt haben.
Ist Jesus nicht ungerecht, wenn er sie jetzt tadelt? 'Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?' Aber genau darum geht es. Jesus will uns Mut machen zum Vertrauen. Auch wenn es in unserem Leben noch so stürmt. Auch wenn wir glauben, dass jetzt alles untergeht. Auch wenn wir in Angst und Panik geraten. Auch dann sollen wir das Vertrauen nicht wegwerfen. Denn Jesus ist mit im Boot. Seine Ruhe strahlt Frieden und Zuversicht aus. Er wird uns nicht untergehen lassen. Freilich: Schämen brauchen wir uns nicht, wenn der Sturm uns schreckt. Den Aposteln ging es nicht besser."

Leider schreibt Schönborn überhaupt nix darüber, wie oft er schon im Sturm war und wie oft er vom mitfahrenden Jesus gerettet wurde.
Wahrscheinlich fährt er nicht viel mit Schifferln herum, weder mit echten, noch mit metaphorischen. Und in welchen Sturm soll er geraten? Über sein Sexualleben gibt es keine Gerüchte, bischöfliche Protzbauten ließ er auch keine errichten und den Blick vertrauensvoll zum Himmel wenden und dazu salbungsvolle Reden schwingen, das kann er ja recht gut.
Amen!


245. Wort zum Sonntag, den 14. Juni 2015

Markus 4,26-34: In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da. Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können. Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

Das sind heute zwei Gleichnisse, eins von der reifen Frucht und eins von der Senfstaude. Senf ist kein exotisches Gewächs und wächst auch in unseren Breiten:

Die bei uns gebräuchliche Senfpflanze "Sinapis alba" - weißer Senf (Köhler's Medizinal-Pflanzen - Wikimedia Commons) - da werden nicht viele Vögel sitzen können.

Aber gemeint war wohl der südländische "Schwarze Senf", - Brassica nigra - der gehört allerdings nicht zur Gattung der "Senfe" (Sinapis), kann aber über zwei Meter hohe Stauden entwickeln:

Bild von Forest & Kim Starr - Wikimedia Commons

Diese Belehrungen wie üblich nur nebenbei - macht ja nix wenn man mehr über den Senf weiß als in der katholischen Kirche üblich! Und ich bin schließlich berüchtigt dafür, überall meinen Senf dazuzugeben!

Was predigt der Herr Schönborn?
Ad 1:
"Macht euch keine zu großen Sorgen! Die Saat wächst von selber. Ob der Bauer schläft oder wacht, der Same keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. 'Von selbst': Das ist das Schlüsselwort. Der Bauer kann das Wachsen nicht beschleunigen. Er kann es nur beobachten. Er darf vertrauen, dass sie wächst. Das denke ich mir oft bei den Kindern, die ich taufe; bei den Jugendlichen, die ich firme; bei den Erwachsenen, die ich traue: Jedes Mal sät Gott einen Samen seines Lebens in die Herzen. Und er selber sorgt dafür, dass das Gesäte wächst und gedeiht. Heißt das: Wir brauchen nichts selber dazu tun? Nein, sicher nicht! Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott mit jedem Menschen einen eigenen Weg geht."

Dazu fällt mir ein alter Witz ein. Treffen sich ein protestantischer und ein katholischer Pfarrer. Jammert der Katholische, er habe so viele Fledermäuse im Kirchturm und würde ihrer nicht Herr. Gibt ihm der Protestant einen aus seinem Pfarrerleben stammenden Tipp, "ich hab das so gemacht, zuerst hab ich die Fledermäuse getauft, dann hab ich sie konfirmiert und seither habe ich keine davon wiedergesehen".
Das ist normalerweise auch der Weg von Nachwuchskatholiken, der vermeintliche göttliche Samen in den Herzen wurzelt in der Regel nicht, die jungen Leute interessiert sowas zunehmend weniger.

Schönborn ad 2: "Kleine Ursache - große Wirkung! Das Senfkorn ist ein winziger Samen. Aber es wächst daraus eine riesige Staude. Die Taufe, die Firmung, die Heirat, sind auf das Erste gesehen kleine Zeichen, auch wenn die Feiern, das Drumherum, sehr ausgeschmückt wird. Doch aus dem winzigen Samenkorn des Sakraments kann ein kräftiger Lebensbaum wachsen. Nochmals: Brauchen wir nichts dazu tun? Doch: Wachsen kann die Saat nur, wenn der Boden gut ist. Hoffen wir, dass wir für Gottes Aussaat ein gutes Erdreich bieten!"

Liebe katholische Geistliche! Da kein Gott was aussät, sondern die Saat des Glaubens heute im Schatten von Wissen steht und vor allem im Schatten der Freiheit des Denkens und der Weltanschauungen wachsen Eure Senfkörner selten zu Stauden heran! In der Vielfalt der nutzbaren Angebote werden sie zunehmend als nutzlos gesehen und geraten rasch in den Schatten des Vergessens und der oben geschilderte Fledermauseffekt tritt ein.

So ist es, amen.


244. Wort zum Sonntag, den 7. Juni 2015

Markus 3, 20-35: In jener Zeit ging Jesus in ein Haus, und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen. Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebub besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen. Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen. Es saßen viele Leute um ihn herum, und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir. Er erwiderte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Die armen Leute, die damals an Anfallskrankheiten wie Epilepsie litten, konnten nicht behandelt werden, aber esoterische Scharlatane verdienten sich ihr Geld damit, Dämone auszutreiben. Wenn der Anfall vorbei war dann war der Dämon ausgetrieben. Dummerweise kam dann der Dämon beim nächsten Anfall wieder und musste neu ausgetrieben werden. Ein Satan war in diesem Geschäft nicht beteiligt, nur Unwissen und Aberglaube. Und was kommt jetzt? Das übliche: Götter sind eben immer genauso unwissend und dumm wie ihre Erfinder, darum war auch der Gottessohn Jesus ein Dämonenaustreiber.

Schönborn konzentriert sich darum heute auch vorsichtshalber auf die Familie und nicht auf den Aberglauben vor 2000 Jahren. Als zölibatärer No-family-man weiß er zwar nicht, wovon er redet, aber als Bischof vermeint er ja, von allem was zu verstehen.

Die Jesusfamilie machte sich Sorgen, der Sohn Jeschua ben Josef war "von Sinnen", wie der Herr Bischof von Wien über die damalige Diagnose der Jesusfamlie vermutet, aber psychiatrische Behandlung für religiösen Wahn gab es zu jener Zeit nicht und darum wollte man ihn heimholen, wohl um ihn ruhig zu stellen, damit er kein öffentliches Aufsehen mehr erregte.

Aber so sieht er Schönborn das natürlich nicht, er familiesiert herum und erfreut sich dann am Schlussteil des heutigen Evangeliums: "Die Familie Jesu nimmt einen zweiten Anlauf, Jesus zur Vernunft zu bringen, diesmal behutsamer: Sie wollen mit ihm reden. Scheinbar ist Jesus wieder ganz abweisend: 'Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?' Tut er so, als kenne er sie nicht? Ich glaube, er will etwas anderes sagen: 'Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.' Das heißt: Die Blutsbande der Familie sind nicht das Wichtigste. Sie können auch zum Gefängnis werden. Heilung findet die Familie, wenn Gott in ihrer Mitte ist. Jesus ist gekommen, um auch unsere Familienbeziehungen zu heilen und zu erneuern. Durch Glauben und Liebe wird die Familie für alle zum Segen!"

Na, da schau her, da hatte die Jesusfamilie doch ein außergewöhnliches Glück, Sohn Jesus war als Gottessohn göttlich in ihrer Mitte! Zu dumm, dass seinerzeit in der Familie Schönborns Gott zuwenig in der Familienmitte war, weil seine Eltern ließen sich 1959 scheiden. Vielleicht ist Schönborn deswegen Priester geworden, auf dass ihm das nicht auch passiert! So ist er als Solist bei Gott in der Mitte und hat selber bei Gott keine Familientroubles! Dass in der Jesuspredigt, der Jesus nicht seine Familie, sondern seine Anhänger ganz antifamiliär zu seiner Familie deklariert, scheint dem Schönborn gar nicht aufgefallen zu sein oder ist die Glaubensfamilie eben der Familienersatz für familienlose Zölibatäre? Nu, soll sein, wie es beliebt!


243. Wort zu Fronleichnam am 4. Juni 2015

Markus 14,12-16.22-26: Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm schlachtete, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten? Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm, bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann? Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles für uns vor! Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor. Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes. Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.

Die heutige Stelle im Evangelium schildert die Erfindung der Kommunion. Die Protestanten tun das als symbolische Handlung, bei den Katholiken ist wirklich (!!) der "Leib Christi" in der Hostie bzw. im Messwein!
Wozu hier wieder einmal ein schon des öfteren verwendeter Cartoon platziert werden kann:

Fronleichnam ist eine Bezeichnung aus dem Mittelhochdeutschen "vrône lîcham" und bedeutet "des Herren Leib", in anderen Ländern werden dafür die lateinischen Benennungen "Corpus Domini" oder "Corpus Christi" verwendet.

Aber was erfahren wir heute vom Schönborn? Er lässt seine Junger und alle anderen wissen: der Feiertag "Fronleichnam" ist eine weibliche Erfindung! Eine gewisse Juliana von Lüttich hat im 12. Jahrhundert darüber Beschwerde geführt, dass dem "Leib Christi" zuwenig Huldigung erteilt würde und agitierte für ein solches Fest, indem sie von ihren diesbezüglichen Visionen erzählte. Ein Papst ließ sich überzeugen und führte den Feiertag ein, der heute noch in Österreich, in Polen, in Kroatien, in einigen deutschen Bundesländern, in einigen Schweizer Kantonen ein gesetzlicher Feiertag ist, außerhalb Europas gibt es diesen Feiertag noch in Bolivien, Brasilien, Kolumbien, der Dominikanischen Republik, Osttimor und Trinidad und Tobago. So direkt weltweit ist er also nicht verankert, nicht einmal in Italien, Irland oder Malta.

Was bringt die Zusammenfassung vom Schönborn? "Jesus hat beim Abendmahl Brot in die Hand genommen, den Segen gesprochen, es gebrochen und seinen Tischgenossen gereicht mit den einfachen Worten: Das ist mein Leib! Jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt die Messe gefeiert wird, geschieht dieses Wunder der Wandlung: Aus einem Stück Brot wird der Leib Christi. Christus selber wird 'wahrhaft, wirklich, wesenhaft' gegenwärtig. Deshalb tragen wir heute den 'Herrenleib' (das bedeutet das Wort 'Fronleichnam') in feierlicher Prozession durch die Städte und Dörfer. Es ist die Freude darüber, dass der Herr so schlicht und so wirklich unter uns gegenwärtig ist. Seine Gegenwart will auch uns verwandeln."

Nu und verwandelt der herumgetragene 'wahrhaft, wirklich, wesenhaft' gegenwärtige Jesus irgendwen in irgendwas anderes? Es ist eben ein katholischer Brauch für den katholischen Kern, der Feiertag am Donnerstag liegt ungünstig für alle, die an Zwickeltagen schwierig Urlaub bekommen, die Abschaffung der katholischen Spezialfeste wie Pfingsten, Himmelfahrt, Fronleichnam, der 15. August und der 8. Dezember wären wahrhaft angebracht und sollten durch eine zusätzliche Urlaubswoche ersetzt werden. Dann kann sich jeder seinen Urlaub, seine freien Tage kalenderunabhängiger einfacher einteilen. Amen.


242. Wort zum Sonntag, den 31. Mai 2015

Matthäus 28,16-20: In jener Zeit gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Heute hab ich wieder einmal einen Stress. Jetzt hab ich schon stundenlang am Teil 3 der Kurzmeldungen Mai 2015 herumgemurkst und jetzt muss ich um 14h05 pflichtgemäß auch noch anfangen zum Sonntagspredigen! Was für eine Narretei! Könnte mir doch auch einen Dick und Doof Film anschauen, wär bestimmt lustiger, auch wenn ich den schon zehnmal gesehen habe!

Die obige Taufformel wurde im 2. und 3. Jahrhundert etabliert und ist eng mit der Trinitätslehre (drei Personen in einem Gott) verbunden. Tragisch wurde der obige Befehl mit der zwangsweisen Etablierung des Christentums als römische Staatsreligion (380) und vor allem durch die Einführung der Kindstaufe im 5. Jahrhundert, die bis heute bleibende Schäden hervorruft, weil damit Babys Kirchenmitglieder werden, weil ihre Eltern glauben, das wäre gut.

Schönborn schreibt trotzdem ganz frech "Jesus hat nie den Zwang gepredigt".
Aber unbefragte kleine Kinder zwangsweise einer Religionsgemeinschaft anzugliedern, dazu bekennt sich die katholische Kirche heute noch. Möchte mir anschauen wieviele Mitglieder die katholische Kirche hätte, wenn sie nur Erwachsene taufen dürfte!

Der Herr Kardinal schreibt dann über die Ansprüche von Religionen, alleinseligmachend zu sein und schließt mit:
"Zeigen nicht die heutigen Religionskonflikte, dass es unselig ist, wenn eine Religion beansprucht, allein seligmachend zu sein? (..) Eines ist klar: Jesus hat nie den Zwang gepredigt. Er wollte nicht, dass seine Jünger andere Menschen nötigen, Christen zu werden. Weil Gott die Liebe ist, kann Zwang nie sein Weg sein. Die Liebe will das Herz gewinnen. Sie darf auch den anderen überzeugen wollen. Sie muss aber immer das Gewissen des anderen achten. Jesus wollte keine Sklaven als Anhänger, sondern Freunde, die in Freiheit ihm nachfolgen. Nur in diesem Geist kann ein gutes Miteinander der Religion gelebt werden. Und so kann es auch tatsächlich gelingen."

Klar ist dazu eins: das katholische Dogma, die alleinseligmachende Kirche zu sein, wurde nie aufgehoben, beschlossen wurde das auf der Kirchenversammlung zu Florenz 1438-1445: "Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet, glaubt fest, bekennt und verkündet, dass niemand außerhalb der katholischen Kirche - weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter - des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod der Kirche anschließt".

Hier dazu ein zeitgenössische Illustration:

sie zeigt die Verbrennung von Leuten, deren Liebe der katholische Jesus nicht so recht gewinnen hatte können.

Die katholische Kirche ist somit laut Schönborn "unselig". Das stimmt sicherlich, aber wenn sowas ein Bischof sagt, dann wäre er früher bestimmt als Ketzer betrachtet worden und er hätte eine gute Chance auf eine feurige Lebendbestattung gehabt, weil er einem grundsätzlichen Glaubensdogma widersprach. Aber er braucht diese Distanzierung von der Alleinseligkeit wohl, damit er wieder mit der im 20. Jahrhundert notgedrungen erfundenen katholischen Liebe herumfuchteln kann. Heute steigt jedoch zunehmend die Freiheit der Wahl, religiös oder unreligiös zu sein. Und das schadet ausschließlich den Kirchen, die in der Situation sind, dass sie dieser Freiheit nicht mehr widersprechen können. Jeden Tag wird in unseren Breiten die Freiheit vom Jesus und seinen Kirchen höher. Ist das nicht schön? Jawohl! Das ist schön! Jappadappadu!


241. Wort zum Sonntag, den 24. Mai 2015

Apostelgeschichte 2,1-11: Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Das "Zungenreden" ist bei diversen evangelikalen Gruppen sehr beliebt, zu Pfingsten stammeln sie dann irgendeinen Kauderwelsch durch die Gegend und sind dabei ganz verzückt. Würde sich vielleicht so anhören: dschidschindirassassa tritritralala jappadappadu awapapalupapalapapap. Damit könnte ich meine Sonntagspredigt eigentlich schon beenden. Aber ich will trotzdem den Herrn Kardinal noch ein bisschen zitieren, weil der ist bestimmt wie jede Pfingsten auch heuer ganz begeistern vom Heiligen Geist, der ihn ja sicherlich regelmäßig erleuchtet, damit er nicht in Versuchung kommt, nachzuprüfen, ob er nicht statt der Bibel auch einmal seinen eigenen Verstand benutzen könnte.

Er beginnt damit, dass es auf der Welt rund 6.500 Sprachen gibt, aber bloß Bibelübersetzungen in 2.527. Warum zu den knapp 4.000 Gruppen, die bibelfremde Sprachen sprechen, nicht der heilige Geist selber landessprachlich spricht, erläutert der Herr Bischof nicht. Er spricht über eine Einheitssprache, über das Englische, das eine weltweite Vorherrschaft erlangt hat und dann weiß er was die Einheitssprache ist: die Liebe!

Er schreibt:
"Pfingsten verspricht etwas anderes. Nicht eine Einheitssprache, der sich alle unterwerfen müssen, sondern eine Sprache, die alle Menschen verstehen können. Und diese eine Sprache kann nur der Heilige Geist lehren, und wer sie gelernt hat, der kann sich überall auf der Welt verständigen, auch wenn er die Sprache des Landes nicht kennt und die Schrift nicht lesen kann. Es ist die Sprache der Liebe."

Ja, die Sprache der Liebe, die wurde von der katholischen Kirche verbreitet! Schon von Anbeginn als die Juden- und die Heidenchristen miteinander stritten und dann als zwangsweise durch das Dreikaiseredikt ab 380 im römischen Reich alle christlich sein mussten und später die Feudalherren sich um den richtigen Glauben ihrer Untertanen kümmerten. Voller Liebe führte man in Europa den Dreißigjährigen Krieg, um zu klären, ob der Katholizismus oder der Protestantismus die wahre Sprache der Liebe spricht und die Kolonialisten sorgten weltweit dafür, dass überall die Völker lernten: der Gott mit den Kanonen und Musketen ist der allmächtige Gott, dem man sich in Liebe unterwerfen muss.

Dummerweise haben all diese liebevollen Bemühungen nicht dazu geführt, dass sich auch nur die Christen liebten oder gar von allen geliebt würden.

Tatsache ist: Furcht wirkt. Befohlene Liebe gibt es nicht.
Wozu wieder einmal die schöne Anekdote vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) angeführt werden kann: Der Preußenkönig verfolgte einmal einen Juden, der vor ihm weggelaufen war, als der König ihn eingeholt hatte, entschuldigte sich der Jude, er sei deshalb weggelaufen, weil er sich vor der großen Strenge des Königs gefürchtet habe. Da prügelte ihn der König mit seinem Stock und schrie dabei in einem fort: "Lieben soll er mich, nicht fürchten."

Das ist die echte Substanz der Christenliebe.
Und darum verliert das Christentum in den aufgeklärten Gebieten ständig an Bedeutung. Wo entweder die Furcht dominiert oder Elend, bzw. zumindest große Unsicherheit: dort hält sich Religion. Die Furcht vor Gott und die Furcht vor den Verkündern des Gottes ist das sicherste Element. Und wenn es keine Hilfe zu geben scheint, kann Not beten lernen und Religion wird zum esoterischen Rauschmittel.

Eine psychische Variante für Menschen, die ihre Selbstbestätigung darin erleben, hilfreich zu sein, erscheint das dann als Religion der Nächstenliebe. Ich habe gespendet, ich habe geholfen, ich habe mich engagiert, ich bin edel, hilfreich und gut. Das kann aber jedem passieren, dazu braucht niemand einen Gott. Und es ist klarerweise sinnvoll, sich kooperativ zu verhalten, weil das im Grunde ja für jeden Beteiligten Nutzen bringt! Aber es ist nicht notwendig, alle Leute, denen man auf irgendeine Weise behilflich ist, zu lieben, genauso wenig wie man jeden lieben muss, der einem einen Gefallen tut, solche Liebe wäre bloße Heuchelei.

Was man ja speziell an der Politik der Christenparteien sieht: die verkaufen ihre Liebe zum Profit als Nächstenliebe. Oh Ihr Heuchler und Pharisäer, die ihr gleich seid wie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totengebeine und alles Unflats! Also auch ihr: von außen scheint ihr den Menschen fromm, aber in wendig seid ihr voller Heuchelei und Untugend." Mt 23, 27-28.

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