Jeden Sonntag predigen die Pfarrer in der Kirche über die im aktuellen Kirchenjahr vorgesehene Stelle in der Bibel. Sogar Menschen, die nie in die Kirche gehen, können diese Predigten in der Heiligen Kronenzeitung nachlesen, denn dort predigt Kardinal Schönborn eigenhändig. Was ihm allerdings nicht viel Arbeit macht, weil seine Predigt eh auf der Homepage der Diözese Wien steht, die besorgen sich die Kronenzeitungsmacher per copy & paste ohne besonderen Aufwand.

Aber gerade das reizt auch Atheisten. Zu den Bibeltexten fällt einem nämlich oft ganz was anderes ein als dem Herrn Schönborn. Darum wird hier auf ATHEISTEN-INFO recht häufig auch ein Wort zum Sonntag losgelassen.


Wegen der Länge der Dateien werden diese regelmäßig geteilt
Teil 2 - Nr. 31 bis 60

Die Sonntagsworte von Juli 2010 bis Juni 2011 sind auf sonntag1_30.html zu finden, von Juli 2011 bis Februar 2012 hier, von Februar bis September 2012 auf sonntag61_90.html, von September 2012 bis März 2013 auf sonntag91_120.html, von März bis Oktober 2013 auf sonntag121_150.html, von und von Oktober 2013 bis Mai 2014 auf sonntag151_180.html und von Mai bis November 2014 auf sonntag181_210.html, von Ende November 2014 bis Mai 2015 auf sonntag211_240.html, von Mai 2014 bis Ende 2015 auf sonntag241_270.html, von Dezember 2015 bis Ende Mai 2016 auf sonntag271_300.html, von Anfang Dezember 2016 bis Ende Mai 2017 auf sonntag331_360.html. Die aktuellen Sonntagsworte sind auf sonntag.html.
 


Das 60. Wort zum Sonntag, den 12. Februar 2012

Mk 1, 40-45: In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein. Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Die seltsamen Texte des Neuen Testamentes können einen immer wieder verblüffen. Und deren Behandlung durch den Herrn Erzbischof von Wien ebenfalls. Heute heilt also der liebe Jesus, laut christlicher Lehre allmächtiger und allgütiger Gottessohn, einen Leprakranken. Diese Krankheit wird (ähnlich wie bei der Tuberkulose) von einem Mycobacterium ausgelöst, die Behandlung mit Antibiotika ist auch heute noch relativ kompliziert und langwierig, an der weltweiten Ausrottung der Krankheit wird immer noch gearbeitet. Warum der liebe Gott das Mycobacterium leprae erschaffen hat, erklärt die Kirche nicht. Und der liebe Jesus? Statt dass er sich um diesen Bock in der göttlichen Schöpfung kümmert und allmächtige Antibiotika verbreitet, verbietet er dem Kranken, von der Heilung zu erzählen und läuft davon! Trotzdem erzählt der angeblich Geheilte seine Heilung herum und die Kranken laufen dem armen Jesus nach. Wer wird dem Herrn Schönborn in seiner Predigt heute leid tun? Der von Heilsuchenden bedrängte Jesus oder die nichtgeheilten Leprakranken?

Antwort: Weder noch. Schönborn geht auf die Verse ab "Jesus schickte ihn weg ... erzähl niemand etwas davon" mit keiner Silbe ein. Die halbe Bibelstelle handelt davon, dass Jesus keine weiteren Leprakranken sehen wollte und dem Herrn Kardinal fällt dazu überhaupt nichts ein! Er schwafelt nur herum, dass dem Jesus vor dem Aussatz nicht gegraust und dass ein Hl. Damian Leprakranke gepflegt hätte. Ein sinnvolle Behandlung der Krankheit haben säkulare Mediziner und Pharmazeuten erfunden, nicht kirchliche Wunderheiler. Als realen Hintergrund der obigen Geschichte kann man vermuten, dass sich der Wanderprediger Jesus (siehe die Predigen Nr. 58 und 59) einen Ruf als Austreiber von Dämonen bei epileptischen Anfällen erworben hat (nachdem solche Anfälle ja von selber wieder aufhören, ist das keine sehr große Kunst) und ihm nun die Leprakranken nachliefen, die er klarerweise nicht einmal scheinheilen konnte. Darum versteckte er sich an einsamen Orten, Leprakranke hat er keine geheilt, der letzte Satz lautet ja eindeutig, dass die Leute zu ihm kamen und nicht, dass er sei geheilt hätte.

So das wär's wieder für heute.
Diese Bibelstelle lässt sich recht leicht recht realistisch deuten, Bischof Schönborn musste wieder einmal bei einer der biblischen Jesus-Sagen außen herum vorbeireden und verfehlte damit das Thema gänzlich, amen.

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Das 59. Wort zum Sonntag, den 5. Februar 2012

Mk 1, 29-39: In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie. Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war. In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Letzten Sonntag haben wir sogar beim Schönborn lesen können, dass die Dämonen, die damals ausgetrieben wurden, vermutlich die Krampfanfälle von Epileptikern gewesen sind, siehe Predigt Nr.58. Der allwissende Gottessohn Jesus hat damals über die Epilepsie natürlich nix gewusst, er war ja bloß so allwissend wie die Leute, die ihn zum allwissenden Gottessohn gemacht haben. Drum behandelt er auch in der heutigen Bibelstelle wieder haufenweise Epileptiker oder Menschen, die an anderen Anfallskrankheiten - wie Huntingtons Chorea (früher unter dem Namen "Veitstanz" bekannt) - leiden. Die Evangelisten können nichts dafür, dass sie solche Krankheitsbilder als Dämonenbesessenheit sahen, eine andere Erklärung für Bewegungskrämpfe hatten die Menschen und ihre Götter damals nicht. Die katholische Kirche glaubt ja bis heute an Dämonen, jüngst ging durch die Medien, dass in Italien jährlich 500.000 Leute zum Exorzisten gehen und dort dem katholischen Dämonenaberglauben frönen. Der katholische Glaube kann also ganz offensichtlich die geistige Gesundheit gefährden, man kann davon so dumm werden, wie es Jesus und seine Jünger bildungsbedingt vor 2000 Jahren waren.


Jesus befiehlt dem Veitstanz oder Ähnlichem das Ausfahren

Schönborn belegt in seiner heutigen Predigt, dass er selber auch entsprechend geschädigt ist, er erinnert sich daran, 1961 dem inzwischen zum Heiligen beförderten Scharlatan Pater Pio begegnet zu sein, der ebenfalls ähnliche Wunderheilungsfeste feierte (siehe dazu: "Aus der Scheinwelt fanatischer Katholiken", Seite 2 unten bis Seite 4). Schönborn: "Welches Bild von Jesus zeichnet das heutige Evangelium? Zuerst: einen riesen Zulauf, einen großen Andrang. Alle wollen ihn sehen, berühren, hören, von ihm geheilt werden. Ich kann mir das selber lebhaft vorstellen, wenn ich mich an den Heiligen Padre Pio erinnere, den ich 1961 erleben durfte. Der unglaubliche Andrang der Menschen lässt mich ahnen, wie das damals in Kapharnaum war, als die ganze Stadt vor der Haustür versammelt war". Also 2000 Jahre Triumph der Leichtgläubigkeit.

Aber das Dämonenvertreiben ist heute nicht das Thema des Herrn Kardinal, es geht ihm ums Beten, das vom Jesus in dieser Bibelstelle vorgeführt wird.
Da bekanntlich nach katholischer Lehre der katholische Gott dreifaltig ist, Gott Vater, Gott Sohn und Gott Hl. Geist, erhebt sich die Frage wie dieser Jesus wohl gebetet haben müsste. Nur zu den anderen zwei Gottesfalten oder auch zu sich selber?

Solch knifflige Fragen stellt sich ein Sonntagsprediger natürlich nicht. Er schließt mit "Diese Kraft kam ihm aus seiner innersten Verbundenheit mit seinem Gott und Vater. Daraus hat er geschöpft, unerschöpflich. Aus dieser Quelle hatte er die Kraft, seine Feinde zu lieben, ihnen zu vergeben, bis ans Kreuz. Nur darum geht es ihm bis heute: uns zu dieser Kraftquelle hinzuführen!"

Da dieser Tage die Pfarrerinitiative wieder umrührt und die von Schönborn geplanten Pfarrenschließungen kritisiert (siehe dazu "Kirchenreformen? Das sind Sorgen!" Seite 8) könnte dieser es ja einmal mit der so oft gerühmten "Feindesliebe" versuchen, er wird ja kaum gekreuzigt werden, wenn er Helmut Schüller und Co vergibt und deren Sichtweise auf die katholischen Welt für gut sein lässt. Schönborn müsste sich dazu nach eigenen Worten bloß seiner Jesus-Kraftquelle bedienen. Was aber auch gefährlich sein kann, weil neben schöner Sprüche wie "liebet Eure Feinde", hat der liebe Jesus ja öfters auch das Gegenteil gesagt, z.B. Mt 12, 30-31: "Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich, und wer sich nicht für mich einsetzt, der führt die Menschen in die Irre! Darum sage ich euch: Jede Sünde, ja sogar Gotteslästerung, kann vergeben werden. Wer aber den Heiligen Geist verlästert, der wird keine Vergebung finden."

Also braucht der Schönborn die Pfarrerinitiative nicht lieben, er kann sie genauso gut wegen Verlästerung des Hl. Geistes verdammen. Schließlich erleuchtet ja der Hl. Geist die Kardinäle bei der Papstwahl und wider den Papst zu argumentieren, das geht dann auch gegen den Hl. Geist. Die Bibel hat immer für alle Fälle den passenden Vers und damit auch immer recht. Amen.

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Das 58. Wort zum Sonntag, den 29. Jänner 2012

Mk 1, 21-28: In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten. In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes. Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl. Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.

Jede Zeit hatte ihren Aberglauben. Im 19. Jahrhundert gab's das Tischlrücken, heute glauben viele Leute an Erdstrahlen und Wünschlruten. Geister, Teufel und Dämonen waren durch alle Jahrhunderte beliebt, bis heute. Der aktuelle Papst hat vor einigen Jahren sogar angeordnet, dass in jeder Diözese ein Exorzist amtieren sollte, die Ausbildung von Teufelsaustreibern in vatikanischen Exorzismuskursen wurde forciert.

Kardinal Schönborn hat ein Problem, er muss wieder einmal mit einer blödsinnigen Bibelstelle vorsichtig umgehen. Anfangs erklärt er zwar, die von Jesus gepflegten Teufelsaustreibungen wären "historisch glaubwürdig" (was stimmen wird, sowas war seinerzeit unter den damaligen Schamanen gebräuchlich), Schönborn weiß auch warum, er meint zum schreienden Geist, der den "Besessenen" verlässt: "Ist das nicht alles reichlich übertrieben, überzeichnet? Handelt es sich hier nicht einfach um einen epileptischen Anfall, den man zur Zeit Jesu als dämonische Besessenheit gedeutet hat, aus medizinischer Unwissenheit? Hat neben unseren heutigen medizinischen und psychologischen Kenntnissen überhaupt ein Dämonenglauben noch sinnvoll Platz?"

Richtig beobachtet! Viele Krankheiten, speziell Nervenkrankheiten oder psychische Leiden wurden zu jener Zeit irgendwelchen Geistern zugeschrieben. Wenn ein epileptischer Anfall nachließ, dann war der Geist ausgetrieben. Bis zum nächsten Mal. Zu fragen, warum auch der allwissende Jesus-Gott nix über Epilepsie weiß, traut sich Schönborn natürlich nicht.


auf Jesu Befehl entweicht der epileptische Anfall

Aber wie windet sich nun Schönborn heraus? Er müsste ja weiter schreiben, dass sein Jesus ein Scharlatan war, der damals unbehandelbare Krankheiten mittels Hokuspokus kurieren zu können vermeinte. Er versucht die Kurve zu kratzen, indem er das Thema wechselt und von einem religiösen Nazi-Opfer schreibt, das sich bei Jesus vor den bösen Mächten geborgen fühlte, auch vor den "dämonischen Mächte(n) des Hasses, der blind wütenden Zerstörung, des Menschenmordens". Allerdings kam damals nicht der Jesus und vertrieb diese dämonischen Mächte, sondern diese wurden von den alliierten Truppen exorziert, speziell auch von der Roten Armee der gottlosen Bolschewisten. Und nach Kriegsende stand die katholische Kirche tapfer den armen besiegten Nazi-Kriegsverbrechern bei und verhalf Tausenden dieser dämonischen Mächte zur Flucht nach Südamerika. Das kann nicht oft genug erwähnt werden, weil die kath. Kirche kann sich selber daran überhaupst nie nicht nimmer erinnern.

Schönborn schließt mit: "Die Szene im heutigen Evangelium ist vor allem eine frohe Botschaft: Jesus ist der Heilige Gottes, der wirklich gekommen ist, den bösen Mächten die Macht zu nehmen, die Menschen aus den Fängen des Bösen zu befreien. Dazu hat Jesus göttliche Vollmacht. Es ist die Macht Seiner Liebe, die stärker ist als aller Hass, stärker selbst als der Tod. Manchmal hat Jesus diese Macht eingesetzt, um einen Menschen den Klauen des Bösen zu entreißen. Manchmal trieb er Dämonen direkt aus. Und das geschieht auch heute noch, in schweren Fällen."

Aha. Jetzt ist der Behandelte plötzlich kein Epileptiker oder sonst wie nervlich-psychisch Behinderter mehr. Sondern ein schwerer Dämonenfall. Wirr, Herr Kardinal, ist Eure heutige Sonntagsrede. Amen.

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Das 57. Wort zum Sonntag, den 22. Jänner 2012

Mk 1, 14-20: Nachdem man Johannes den Täufer ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

Letzte Woche war hier wieder einmal eine Predigtpause, Bibelstelle und Schönbornkommentar waren für einen aggressiven Krawallatheisten zu uninteressant zur antiklerikalen Hetze. Heute ist die Bibelstelle zwar auch nicht sehr breit, weil der Markus überhaupt ein eher flacher Schreiber war. Aber immerhin ist die grundlegende gefährliche Drohung enthalten: "Ich werde euch zu Menschenfischern machen", das hat der christliche Machtapparat später nach der Etablierung als Staats- und Weltreligion auf das Genaueste eingehalten und die ganze erreichbare Welt unter die christkatholische Diktatur gezwungen.

Schönborn erklärt diese folgenschwere Bedrohung der Menschheit aus dem Evangelium naturgemäß aus der katholischen Herrschaftssicht: Evangelium laut Wikipedia: griech. "Gute Nachricht", "Frohe Botschaft" oder "Siegesbotschaft". Angebracht wäre für die katholische Kirche die dritte Übersetzungsvariante zu nehmen: Siegesbotschaft, das katholische Christentum hatte im Mittelalter nahezu alle besiegt und unterworfen. Diese Siegesbotschaft ist für Schönborn eine frohe Botschaft, welche lautet "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe". Was sich seinerzeit als eine etwas voreilige Botschaft herausstellte, weil dieser Jesus ein Endzeitprediger war, der sich mit der Endzeit doch etwas verschätzt hatte. Schönborn ignoriert das natürlich und freut sich, dass damals eine neue Zeit begann. Die neue Zeit begann allerdings erst im 4. Jahrhundert als das Christentum zur römischen Staatsreligion bestimmt wurde und die Welt von dieser Religion für tausend Jahre in tiefste Finsternis gestürzt werden konnte. Wenn das der Welt erspart geblieben wäre, wir könnten freudig frohlocken, weil die aktuelle EU-Krise wäre dann wohl schon vor ein paar hundert Jahren gewesen und die Menschen lebten vielleicht jetzt in einer besseren Welt ohne Religion und ohne Börsenspekulation.

Aber mit solchen Sachen gibt sich ein Kleriker nicht ab! Schließlich leben wir ja nur, damit uns der liebe Jesus erlösen oder verdammen kann! Dafür hat uns sein lieber Vater geschaffen, die Guten in den Himmel, die Schlechten in die Hölle. Aber sowas sagt man ja heute nimmer, heute heißt's: "Die gute Nachricht lautet: Gott nimmt die Sache in die Hand! Aber dazu muss von unserer Seite auch etwas geschehen: Wir müssen unser Leben ändern!" Und: "Jesus nennt noch eine zweite Bedingung dafür, dass seine gute Nachricht ankommt: Glaubt an sie! Glaubt an das Evangelium! Vertraut darauf, dass Gottes Reich nahe ist, dass Er das Heft in der Hand hat und alles zum Guten wendet!" In der üblichen katholischen Klerikerfeigheit vergisst der Herr Kardinal wieder einmal gänzlich auf die durch so viele Jahrhunderte so wirkungsvolle kirchliche Drohbotschaft: auf die Verdammung! Millionen und Abermillionen von ungebildeten, schlichten Menschen lebten durch die Jahrhunderte ein Leben unter schrecklichen Höllendrohungen und zitterten vorm katholischen Gott. Ein organisiertes unmenschliches Verbrechen der christlichen Religionsmacher, für das niemals jemand eine Buße hat tun müssen. Heute nervt uns die katholische Kirche nur noch mit dem lieben Jesus, aber wir können heute sagen: leckt uns am Arsch damit, amen.

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Das 56. Wort zum Sonntag, den 8. Jänner 2012

Mk 1, 7-11: In jener Zeit trat Johannes in der Wüste auf und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Interessant: Nur alleine der Jesus sieht im Markus-Evangelium den geöffneten Himmel, die Hl.-Geist-Taube und hört die Stimme aus dem Himmel: "Du bist mein geliebter Sohn ...". hat der liebe Jesus - als eine der drei Falten des dreifaltigen Gottes - das gar nicht gewusst? Und woher kennt die Anekdote der Markus? Hat sie ihm der Jesus erzählt? Weil hätte das Publikum Himmelsöffnung, Taube und Stimme auch wahrgenommen, dann müsste es ja heißen "Und als er aus dem Wasser stieg, sahen ringsum alle, dass der Himmel sich öffnete ...". Im Matthäus-Evangelium lässt Matthäus darum den Vater vom Jesus sagen, "Das ist mein geliebter Sohn ...", er stellt also dem Publikum seinen Sohn vor. Warum der sowieso sündenlose Gottessohn überhaupt die sündenreinigende Taufe brauchte, ist bei Markus und Matthäus nicht ersichtlich, bei Johannes geht's um die "Sünden der Welt", die Jesus mit sich herumträgt, Johannes der Täufer (der nicht identisch ist mit dem "Johannes", dem das Johannes-Evangelium zugeschrieben wird) sieht die Hl.-Geist-Taube, tauft Jesus aber nicht. Also eine recht komplizierte Geschichte diese Jesustaufe. Tatzeugen waren schließlich an der Evangelienschreiberei keine beteiligt (meine Weisheiten stammen aus: Heinz-Werner Kubitza - Der Jesuswahn).

Aber das nur nebenbei. Schließlich will ich auch vorführen, wie das Sonntagspredigen meine Bibelkenntnisse verbessert. Was meint der Herr Schönborn dazu? Worüber freut er sich heute? Weil dem Schönborn kann man ja leicht eine Freude machen, jede Bibelstelle versetzt ihn in Entzücken! Heute meditiert er über die dreißig Jahre, die seit der weihnachtlichen Jesusgeburt vergangen sind und zu denen übern Jesus nix in den Jesuspapers steht: "Gottes Sohn wollte durch die Schule des normalen Alltags in Familie und Beruf gehen. Doch eines Tages bricht er plötzlich auf, verlässt die Familie, den Beruf, die Heimat. Was bewegt ihn? Warum dieser Neuanfang? Das bleibt wohl sein Geheimnis."

Aber nein doch! Als Sohn Gottes kann er doch nicht vergessen haben, wofür ihn die dritte Falte des dreifaltigen Gottes mit der Jungfrau Maria gezeugt hat! (Zur Erläuterung: nicht Gottvater hat die Maria befruchtet, der Erzengel Gabriel informierte die Jungfrau über den Vorgang so: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden." - Lk 1,35). Oder weiß es der Jesus doch nimmer? Siehe oben!

Dann hat es ihm sein Vati jetzt wieder gesagt! Und der Jesus hört mit der Zimmerei in der Firma seines Stiefvaters auf und legt einen Neuanfang hin, den der Herr Kardinal auch seinem Publikum empfiehlt: "Die Taufe Jesus zeigt aber einen Neuanfang. Den brauchen wir dringend. (..) Jesus stieg mit den anderen demütig ins Wasser des Jordan hinunter. Gut wird das Jahr, wenn wir von unseren hohen Rössern herabsteigen, Fehler zugeben, Sünden bereuen, zur Umkehr bereit sind. Vielleicht tut sich dann der Himmel auf, vielleicht wird uns dann bewusst, wie Jesus: 'Du bist mein geliebtes Kind.' Das wäre ein guter Anfang."

Okay. Hat ja niemand was dagegen, wenn Schönborn vom hohen Ross herabsteigt, Fehler zugibt, Sünden bereut und zur Umkehr bereit ist. Für eine vollständige Umkehr ist es bei ihm allerdings schon zu spät. Was soll ein Kleriker, der heuer 67 Jahre alt wird, mit seinem Leben noch Vernünftiges anfangen? Das zahlt sich nimmer aus, da ist es angemessener, er dient seine Rolle aus, geht 2020 mit 75 in Pension und genießt den Ruhestand, Kleriker werden ja alt, sie haben schließlich ein relativ sorgenfreies Leben hinter sich und in diesem Alter drücken sie die Antizölibatshormone auch nimmer. Dann kann er vielleicht in seinem Leben doch noch was Sinnvolles tun. Z.B. ein paar gute Bücher lesen. Von Karlheinz Deschner, Michael Schmidt-Salomon, Franz Buggle, Heinz-Werner Kubitza, Bertrand Russell, Richard Dawkins usw. ...

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Das 55. Wort zum Feiertag, den 6. Jänner 2012

Mt 2, 1-12: Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Die historisch-kritischen Bibelbexperten sind sich heute weitgehend einig, dass die Jesus-Story tatsächlich eine Hintergrundperson hatte, auf der die späteren biblischen Erzählungen aufgebaut wurden. Die Geschichte von den Hl. Drei Königen gilt klarerweise in diesen Kreisen als 100%-ige Erfindung, da kann es nur passieren, dass im ORF in der Serie, die in Ö1 über ein Thema fünfteilig jeweils Montag bis Freitag vor 18h fünf Minuten berichtet, in der Woche vor dem 6. Jänner ein Theologe so redet, als könnte es sowas wirklich gegeben haben. Dabei (Vorsicht, jetzt kommt ein Scherz) gilt es als gewiss, dass die Hl. 3 Könige nie gelebt haben, historisch gesichert ist nur, dass sie in Köln begraben sind (im Bild der Schrein mit ihren Gebeinen, er steht noch heute im Kölner Dom).


Aber das nur nebenbei. Was bewegt den österreichischen Chefprediger am 6. Jänner? Zuerst zitiert Schönborn seinen Chef, den Herrn Papst: "Die Weisen aus dem Morgenland, die großen Pilger auf der Suche nach dem Angesicht Gottes, stehen vor uns als Wegweiser, denn wir alle sind auf der Suche nach dem wahren Stern".
Auwei geschrieen! Der Herr Papst sucht immer noch den wahren Stern? Er wird 2012 schon 85, ob er ihn noch finden wird?

Was meint Schönborn sonst noch? Die Sternsingerei lasse ich beiseite, das ist eine der großen Aktionen mittels der sich die r.k. Kirche durch fremde Gelder als Wohltäter betätigt. Speziell in der Dritten Welt, weil dort kann man dann gleichzeitig auch noch damit missionieren, der Herr Jesus schenkt den Armen was oder so.
Aber der Herr Kardinal schenkt uns heute wieder seine substanziellen religiösen Fragen, denn "tiefer gehen die Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach dem Woher und Wohin unseres Daseins".
Darauf kann man wieder übliche Antworten geben: Woher? Kommen tun wir aus dem Hodensack und dem Eierstock unserer Eltern. Wohin? Das steht im Psalm 90,10: "Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre; und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon." Ja, dann hätten wir schon den Sinn dazu: das Leben soll nicht nur Mühe und Arbeit, sondern auch Freude gewesen sein, das wäre schon ein schöner Sinn des Lebens!

Aber sowas ist einem Schönborn natürlich zuwenig esoterisch, er braucht ein transzendentes Hirngespinst, auf dass sein religiös vertanes Leben Bedeutung bekomme. Dazu muss er Realität und Wissenschaft zurechtweisen: "Heute ist die Forschung vor allem daran interessiert, herauszufinden, wie die Natur 'funktioniert' und was man mit ihr praktisch machen kann. Alles ist auf die Technik ausgerichtet, auf die wirtschaftliche Brauchbarkeit. Dabei kommt das Staunen vor den Wundern der Natur oft zu kurz. Die 'Sterndeuter' von damals hatten viel weniger technische Möglichkeiten, aber sie lassen sich beeindrucken von der Größe und Schönheit der Schöpfung. Heute, mit unserem viel größeren Wissen müsste auch das Staunen größer sein."

Ja, da hat er recht! Als die christliche Religion gegründet wurde, da saß der liebe Gott noch im Nahen Osten im Himmel über der dortigen Erdenscheibe und bekümmerte sich um die Menschlein, sandte ihnen - je nachdem - Himmelsbrot ("Manna", nicht zu verwechseln mit Manner-Schnitten) oder die Sintflut. Jetzt ist die Welt etwas größer, sie besteht geschätztermaßen aus 100 Milliarden Galaxien und der christkatholische Gott sitzt immer noch im Himmel und achtet darauf, dass die Erdenmenschen beispielsweise nur ohne Präservativ vögeln. Da ist das Staunen wirklich groß, dass es immer noch Leute gibt, die an diese Göttersage glauben und vermeinen sie folgten einem Stern, der sie irgendwohin führe. Sie werden nirgendwohin gelangen, sondern alle denselben Erdenweg gehen, den Weg zum Lebensende ohne Dakapo. Amen.

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Das 54. Wort zum Sonntag, den 1. Jänner 2012

Lk 2, 16-21 (zur Erklärung: in den vorhergehenden Lukasversen 1-15 wurde Jesus geboren und Hirten von einem Engel über die Gottessohngeburt informiert, worauf sie sich zur Geburtskrippe begaben) So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war. Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.

Hier ist wieder eine lustige Stelle in der Bibel, die Jesusgeburt war dem Evangelisten Markus noch unbekannt, die Göttlichkeit des Jesus ja erst eine spätere Erfindung in der Jesusgemeinde, bei Matthäus ist die Geburtspassage recht kurz, erst bei Lukas wird sie ausführlicher, der Maria wird dort im 1. Kapitel die Sache mit der Jesusschwangerschaft genau vom Erzengel Gabriel erklärt, im 2. Kapitel ist sie dann seltsamerweise erstaunt, als ihr die Hirten dasselbe erzählen, was ihr der Gabriel erzählt hat. Da dürfte beim Abschreiben und Ergänzen des Lukastextes nicht sehr auf den logischen Zusammenhang geachtet worden sein.

Aber das nur nebenbei. Schönborn freut sich heute über zwei Dinge, erstens, dass Jesus Jude war. Das ist eine eher neue Freude in der katholischen Kirche, die längste Zeit war das keine katholische Freude und "die Juden" waren verruchte Gottesmörder. Zweitens ist es dann der Lieblingsfetisch der zölibatären Geistlichkeit: die heißgeliebte Gottesmutter Maria. "Sie ist heute besonders im Blick. Wo Jesus verehrt wird, da wird auch seine Mutter geliebt". Schönborn leitet daraus einen Rat für 2012 ab: "Noch einen Rat können wir für die kommenden 366 Tage von Maria erhalten. Im Evangelium heißt es heute: 'Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach'. Das könnte ein guter Vorsatz für das neue Jahr sein: Mehr Besinnung, mehr und genauer hinschauen und nachdenken, was Gott durch die Ereignisse sagen will."

Ja, der arme Gott, dauernd sagt er was und die Leute schauen nicht hin und denken nicht nach. Das gehört geändert. Da jedoch nicht zu befürchten ist, dass der katholische Gott 2012 wirklich was sagen wird, wird auch im heurigen Jahr die obere Kirchenhierarchie sagen, was Gott gesagt hat. Somit: The same procedure as last year? The same procedure as every year!

Nicht nur Götter sind unsichtbar ...

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Das 53. Wort zum Weihnachtsfeiertag, den 25. Dezember 2011

Joh 1, 1-18: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.

Schönborn freut sich heute! "Niemand hat Gott je gesehen", verkündet auch er. Dann fragt er vorsichtig nach: "Es bleibt daher die Frage, ob das nicht genauso eine Täuschung, eine Vertröstung sein kann. Wird das wirklich so sein? Wenn Gott unsichtbar ist, wie sollen wir ihn je sehen? Wie sollen wir glauben, dass es ihn gibt?"

Aber er wäre ja kein Kleriker, wenn er nicht trotzdem seinen "Beweis" hätte. Wie immer ist dieser "Beweis" derart absurd und haarsträubend, dass man vor lauter Kopfschütteln schwindlich werden könnte. Denn Schönborn erklärt den unsichtbaren Gott, den niemand je gesehen hat, so: "Einer hat Gott gesehen. Einer kann deshalb Kunde von Gott bringen. Einer kann von Gott reden, weil er ihn wirklich kennt: Jesus, den wir den Christus, den Sohn Gottes nennen. Er hat nicht nur eine Ahnung von Gott, wie die meisten von uns. Er hat nicht nur geglaubt, dass es Gott gibt, wie es die große Mehrheit der Menschen tut. Er weiß es. Er hat unmittelbare Kenntnis, direktes Wissen von Gott."
Und: "Jesus kann Kunde von Gott bringen, weil Gott ihm kein Unbekannter, Unsichtbarer ist. Wie ist Jesus bei und in Gott? Johannes hat dafür einen starken Ausdruck gefunden: Jesus ist in Gott wie das Wort im Herzen. Noch ehe es ausgesprochen wird, trage ich es im Herzen. Jesus ist Gottes Wort. Und dieses war immer schon in Gott, und es war selber Gott. Und durch sein Wort hat Gott alles geschaffen. Alle Geschöpfe sagen daher etwas von Gott. Sie sind seine Sprache. Wer aufmerksam die Schöpfung betrachtet, hört und sieht in allen Dingen Gottes Wort."

Na super, Gott hat Gott gesehen! Der dreifaltige Christengott besteht aus Gott Vater, Gott Sohn und Gott Hl. Geist. Die zweite Falte hat die erste Falte gesehen und darum hat er "unmittelbare Kenntnis, direktes Wissen von Gott", die er verbreitet hat, als er auf Erden weilte.

Wenn ich jetzt von meinem unsichtbaren schwarzweiß gefleckten Einhorn in meinem Keller erzähle, dann kann ich auch bestätigen:

Das gibt's wirklich, das ist eine wahre Geschichte, so wahr wie das Einhorn! Komischerweise glaubt mir das trotzdem niemand! Wie das wohl kommen mag? Wenn ich nun sagte, das Einhorn wäre nicht schwarzweiß gefleckt, sondern rotgrün gestreift und es wohnt nicht im Keller, sondern in unserer Mitte? Glaubt Ihr mir das? Weil Streifen sind schöner als Flecken und rotgrün kennt jeder von den Verkehrsampeln und unsere Mitte ist überall! Die Sage ist Einhorn geworden und haust unter uns. Immer noch. Wer aufmerksam Löcher beobachtet, sieht in allen Löchern des Einhorns Horn.
So, das war jetzt mein Einhornbeweis. Amen.

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Das 52. Wort zum Sonntag, den 18. Dezember 2011

Lk 1, 26-38: Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Die Platzierung der obigen Bibelstelle in die Adventzeit ist nicht recht nachvollziehbar. Denn es geht um "Maria Verkündigung" und das dazu gehörende Kirchendatum ist der 25. März, neun Monate vor Christi Geburt am 25. Dezember. Wikipedia: "Verkündigung des Herrn (..) ist ein Fest am 25. März, das in vielen christlichen Konfessionen gefeiert wird. (..) An diesem Tag feiert die Kirche das im Lukasevangelium (Lk 1,26-38 EU) dargestellte Ereignis: Der Engel Gabriel kommt zu Maria nach Nazaret und kündigt ihr die Geburt ihres Sohnes Jesus durch die Kraft des Heiligen Geistes an (..)". Warum dann diese Bibelstelle am 18. Dezember gepredigt wird, ist mir rätselhaft, sieben Tage statt neun Monate Schwangerschaft?

Aber sei's drum. Was erzählt uns Herr Schönborn dazu? Er zitiert seinen Chef, den Herrn Papst, der irgendwann einmal geschrieben hat, die Ankündigung des Jesus sei eine "Sternstunde der Weltgeschichte" gewesen. Sternstunden der Weltgeschichte hat es nicht gegeben, die wirklich wichtigen Dinge in der Geschichte der Menschheit waren keine Angelegenheit von Stunden, sondern oft von sehr vielen Jahren. Die erste "Sternstunde" war vermutlich die Entwicklung des aufrechten Ganges, die nächste die Ausbildung der Sprache, dann der Übergang der Gesellschaften der Jäger und Sammler zur Sesshaftigkeit der Ackerbauern und Viehzüchter. Das hat jeweils eine Menge von Jahrhunderten bis Jahrtausenden erfordert. Die Entwicklung der Schrift war eine weitere wichtige Sternstunde, denn damit wurde die Bewahrung von Wissen möglich, was die Entwicklung beschleunigte. Hätte nicht das Christentum für mindestens tausend finstere Jahre die Entwicklung der Menschheit blockiert, wären die nächsten Sternstunden schon früher angefallen, Buchdruck, Aufklärung, Technik, Industrialisierung, Allgemeinbildung, Wissenschaft und Forschung, das waren und sind Sternstunden der Menschen.

Die Sage vom Jesus hätte keine Bedeutung erlangt, wäre nicht im vierten Jahrhundert die christliche Sekte durch unglückliche Umstände zur diktatorischen römischen Staatsreligion geworden, die durch die folgenden Jahrhunderte den Europäern und in der Folge den Kolonialvölkern aufgenötigt wurde. Aber Schönborn meint: "Was das Evangelium beschreibt, wo von es spricht, das ist und bleibt etwas Einmaliges: Gottes Ankunft in der Menschenwelt. Das geschah nur einmal, ein für allemal: Die Stunde, in der Maria ihr Jawort gab und Mutter des Erlöser wurde. Das war wirklich eine 'Sternstunde' der Menschheitsgeschichte, da Gott Mensch wurde, da Gottes Sohn ein Menschenkind zu sein begann."

Nein, das war nix Einmaliges, Göttersöhne waren im Altertum recht verbreitete Vorstellungen. Ägyptische Pharaonen waren Göttersöhne, Herakles war ein Gottessohn, wie auch Alexander der Große, ein Sohn vom Zeus, der römische Kaiser Augustus ließ sich ebenfalls als "Sohn Gottes" betiteln, auch Mithras (bis zur Etablierung des Christentums als Staatsreligion ein römischer Konkurrenzgott des Jesus) wurde von einem Vatergott ausgeschickt, um die Welt zu retten. Auch bei den Germanen hatte Gott Odin einen Sohn namens Baldur, der das Gute und die Gerechtigkeit verkörperte, aber umgebracht wird. Die Sagenwelten sind voller Sternstunden. Und Leute wie der Schönborn glauben möglicherweise wirklich an Göttermärchen. Ein alter Sozialist, der nach 1945 Bürgermeister einer oö. Kleinstadt war, pflegte zu sagen, er verstehe es ja, wenn ein altes Mutterl, das es nicht besser weiß, an die christliche Religion glaube, aber bei Leuten, die studiert hatten, hielt er das für ausgeschlossen, die würden nicht glauben, sondern lügen und heucheln. Möglicherweise könnte es jedoch sein, dass dieser Sozialist manche Akademiker ziemlich überschätzt hat ...

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Das 51. Wort zum Feiertag am 8. Dezember 2011

Lesung aus dem Buch Genesis 3, 9-15.20 Nachdem Adam von Baum gegessen hatte, 9 rief Gott, der Herr, ihm zu und sprach: Wo bist du? 10 Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. 11 Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? 12 Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen. 13 Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich gegessen. 14 Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. 15 Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse. 20 Adam nannte seine Frau Eva - Leben -, denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.

Heute verwendet Schönborn nicht das vorgesehene Evangelium zum 8. Dezember (das wäre Lk 1, 26-38 über die Verkündigung der Schwangerschaft mit Jesus an Maria, Vers 35: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden), sondern die 1. Lesung für diesen Tag. Darin geht es um die erste Sünde der ersten Menschen, wofür der barmherzige Gott nach katholischer Lehre mit Paradiesvertreibung und Erbsünde strafte. Weil Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen hätten, darum würden alle Kinderlein in Sippenhaft genommen und mit der Erbsünde, also einem von Gott strafweise eingepflanzten Hang zum Bösen, geboren. Laut christkatholischer Lehre sind daran die Opfer schuld, sie müssen für das von ihren Urahnen begangene Essen der verbotenen Frucht büßen. Idiotischer geht's kaum noch. Aber man kann dazu wieder einmal festhalten: Religionslehren sind genauso dumm wie ihre Urheber.

Herr Schönborn hat für den menschlichen Hang, "Böses" zu tun, eine Erklärung, die er für die einzige vernünftige hält: "Es gab so etwas wie eine 'sittliche Urkatastrophe', den 'Sündenfall', an dessen Folgen die Menschheit bis heute leidet."
Offenbar ist Schönborn ein Anhänger von Jean-Baptiste de Lamarck (1744-1829), der die Vererbbarkeit von erworbenen Eigenschaften behauptete. Denn ohne Vererbung der "Urkatastrophe" des "Sündenfalls" könnte "das Böse" ja nicht so durchgängig vorhanden sein und wir alle müssten fallweise selber einen "Ursündenfall"" machen.

Aber das nur nebenbei. Jedenfalls schaffte es der katholische Gott, die Sünde ins Erbgut einzubauen und dann schaffte es der katholische Gott, die Träger dieses Erbgutes für diesen Erbschaden verantwortlich zu machen. So steht's natürlich nicht in den christkatholischen Verkündigungen, aber man kann es sinngemäß so interpretieren. Warum sollte der Mensch für die "Erbsünde" verantwortlich sein? Der christliche Gott sah das dann auch so und schickte seinen Sohn als "Erlöser", der nahm hinweg die Sünden der Welt, aber die Sünden und die "Erbsünde" sind immer noch da. In dieser religiösen Lehre fehlt jedwede Logik.

Menschen verhalten sich häufig "sündhaft", weltlich ausgedrückt: unsozial. Im Marxismus hat man dafür eine materielle Erklärung, man geht davon aus, dass im sagenhaften "Goldenen Zeitalter" des Matriarchats die menschlichen Gemeinschaften aufgrund der niedrigen Produktivität klassenlos lebten, jeder musste mitarbeiten, jeder erhielt den notwendigen Anteil zum Leben und Überleben. Die "Vertreibung aus dem Paradies" wird mit der Entstehung der patriarchalischen Klassengesellschaft und der Ausbeutung gleichgesetzt. Woraus sich theoretisch ableiten ließe, dass sich beträchtliche Teile des "Bösen" durch eine klassenlose Gesellschaft beseitigen ließen, im 20. Jahrhundert scheiterte der diesbezügliche Versuch allerdings recht kläglich, die Entwicklung der Produktivkräfte stand nicht im Einklang mit dieser utopischen Zielsetzung.

Aber auch das nur nebenbei. Schönborn meint, "das Böse" sitze nicht in den Genen, sondern "im Herzen", sagt aber nix dazu, wie sein Gott die "Erbsünde" in die Herzen eingepflanzt habe, sondern bloß: "Seit den Anfängen des Menschen, biblisch 'seit Adam und Eva', neigt das Herz des Menschen zum Bösen. Ein Leben lang haben wir alle den Auftrag, gegen die 'Erbsünde' in uns zu kämpfen."

Die "Erbsünde" behandelt er dann am Ende seiner Predigt so: "Maria wurde 'ohne den Makel der Erbsünde' empfangen. Missverständlich heißt es, sie sei die 'unbefleckt' Empfangene. Ihre Eltern Joachim und Anna haben sie ganz natürlich gezeugt und empfangen. Aber Gott hat sie von dem Erbe der Schuld bewahrt, damit sie ganz frei sei von aller Neigung zum Bösen. Das sagt uns vor allem zwei hoffnungsvolle Botschaften: Zuerst dass die Neigung zum Bösen, die wir alle im Herzen tragen, nicht einfach 'naturgegeben' ist. Sie kann auch besiegt werden. Der böse Trieb des Menschen ist nicht allmächtig. Dann aber: wir haben ein Leben lang mit dem Bösen und seinen Folgen zu kämpfen. Aber wir sind nicht allein. Maria, die von Erbschuld Freie, kann uns helfen, und sie tut es. Dank dieser Hilfe wird das Gute letztlich immer stärker bleiben. Dafür Dank an Maria!"

Wir Nichtmarias sollen also die "Erbsünde" selber besiegen, die liebe Maria hatte das nicht notwendig und ist darum Vorbild und Hilfe. Aber wird durch die Taufe die Erbsünde nicht beseitigt? Habe versucht darüber etwas zu ergoogeln, demnach wird die Erbsünde zwar taufmäßig sozusagen entsorgt, aber nicht die Möglichkeit zum Sündigen, dieser Möglichkeit wurde nur die Maria beraubt. Die laufenden Sünden kann man wiederum laufend beichten und bereuen, dann ist man wieder sündenfrei, kann und wird jedoch wieder neu sündigen. Denn gegen die Erbsünde hilft nur eine fleckenfreie Zeugung von Gottesgnaden und an der ererbten bösen Erbsünde sind die bösen Erben schuld! Sancta Simplicitas!

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Das 50. Wort zum Sonntag, den 27. November 2011

Mk 13, 24-37: Jesus sprach zu seinen Jüngern: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen. Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!

Die wesentliche Aussage der obigen Bibelstelle sind die Sätze "Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen."
Jesus war also ein Endzeitprophet.
Wie Harold Camping, der US-Prediger, der heuer die Welt am 21. Mai und 21. Oktober untergehen lassen wollte (siehe Infos Nr. 631 und Nr. 633). Im Urchristentum spielte die Endzeiterwartung eine sehr große Rolle, der Menschensohn sollte zu Lebzeiten seiner Anhänger wieder kommen und die auserwählten Jünger heimholen ins Himmelreich. Aber es ging den Jüngern damals genauso wie 2011 dem Harold Camping: kein Kommen des HErrn. Warum die Prophezeiung so danebenlag, haben die Theologen dann mit Mätzchen wie beim HErrn sei ein Tag wie 1000 Jahre und ähnlich zu erklären versucht. Allerdings wenn dezitiert die Wiederkehr zur Lebzeit der aktuellen Generation angesagt ist, dann kann nicht 2000 Jahre später immer noch auf das "Kommen des Menschensohnes" gewartet werden, da hätte sich der Christenverein spätestens ums Jahr 100 auflösen müssen. Leider geschah das nicht, ein paar Jahrhunderte später wurde das Christentum römische Staatsreligion und die Menschheit musste dieses Kreuz jahrhundertelang auf sich nehmen, bis endlich die lichteren Zeiten der europäischen Aufklärung anbrachen.

Schönborn geht auf diese zeitliche Diskrepanz gar nicht ein. Er sieht jedoch mögliche Zeichen des Kommens des HErrn. Das "Lernt vom Feigenbaum" interpretiert er so: "Jesus meint damit offensichtlich das genaue Beobachten und Wahrnehmen, was Gott durch die Zeichen uns sagen will, die er uns durch die Natur und die Ereignisse gibt. Was sagt er uns durch den Klimawandel? Was durch die Finanzkrise? Spricht er zu uns durch die Ereignisse unseres Lebens, wie der knospende Feigenbaum uns den Sommer ansagt?"

Sieht Kardinal Schönborn das Zeitenende? Wie sein Kollege Hanke (siehe dazu hanke.pdf, Seite 3)? Erleben wir vielleicht eine Endzeitstimmung in der katholischen Kirche? Reden darum die Ratzingers und Schönborns von der Entweltlichung (siehe z.B. Info Nr. 605 und auch Nr. 625)? Wir sollten das im Auge behalten, weil das könnte wahrlich lustig werden!

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Das 49. Wort zum Sonntag, den 20. November 2011

Mt 25, 31-46 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden von ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er sich an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

"Wenn ich etwas für Arme tue bin ich ein Heiliger. Wenn ich aber frage, warum sie arm sind, bin ich ein Kommunist." Dieser Spruch eines unbekannten Verfassers passt als Kontrapunkt auf die obige Bibelstelle und auf die daraus folgende Christenlehre. Weil der liebe Jesus fragt nicht danach, warum es jemandem schlecht geht, Hungernde, Dürstende; Obdachlose usw. sieht er offenbar als naturgegeben. Er fordert nicht, die Verhältnisse zu ändern, er fordert nicht, ein Sozialwesen einzurichten, sondern er fordert bloß dazu auf, Almosen zu geben.

Mehr zu verlangen, war in damaligen Zeiten undenkbar, die gesellschaftliche Struktur und das Denken darüber war eben noch viele Jahrhunderte von "Freiheit, Gleichheit Brüderlichkeit" entfernt
, ein Wanderprediger im Nahen Osten daher gar nicht in der Lage, über gesellschaftliche Verhältnisse und gesellschaftliche Veränderungen irgendwas auszusagen. Armen Almosen zu geben, das gab's rund um die Welt in allen Kulturen (das Bild rechts stammt aus Indien), für diese Idee brauchte die Menschheit keinen Jesus und kein Christentum.

Als das Christentum in Europa herrschte, gab es ständig genug Hungernde
usw., um den Christen die Möglichkeit fürs Spenden von Almosen zu geben, auf dass sich Gläubige damit einen Platz im Himmel erkaufen konnten. Ohne Belohnung Gutes zu tun, diese Forderung stellt die Christenlehre nicht auf. Als die Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert anfing, für Solidarität und gleiche Rechte einzutreten, ein Recht auf ein gesichertes Dasein zu fordern, war die liebe katholische Kirche weit davon entfernt, das zu unterstützen. Den arbeitenden Menschen Menschenrechte geben? Kam nicht in Frage, davon hat schließlich der Jesus nichts gesagt!

Solange die menschliche Gesellschaft und die Betreuung der Armen in den Händen der Religion lag, war deren Schicksal erbärmlich.
Es war die Entwicklung des Kapitalismus, der für das Wirtschaftswachstum einen größeren werdenden Käufermarkt und darum steigenden Wohlstand brauchte, es war die Arbeiterbewegung, die Verbesserungen für Kranke, Alte, Arbeitslose durch das Sozialversicherungswesen erreichte, das Christentum stand dabei meist auf der Bremse und bestenfalls am Rande. Der Jesus und seine Predigten haben zur sozialen Grundsicherung nichts beigetragen. Und die institutionalisierten Almosensammlungen der heutigen Zeit (z.B. "Licht ins Dunkel") spielen in der Gesellschaft eine völlig marginale Rolle, siehe dazu Info Nr. 31.

Schönborn sieht das natürlich überhaupt nicht. Über gesellschaftliche Verhältnisse, die eine extrem ungerechte Verteilung der Güter verursachen, hat er sich noch nie wirklich Gedanken gemacht, weil dazu müsste er statt in der Bibel bei Karl Marx oder wenigstens bei den Befreiungstheologen nachschlagen. So kann er seine Welt wieder ganz nach der brutalen Christenmethode erklären: wer keine Almosen gibt, der wird bestraft. Seiner Predigt steht auf der Homepage der Wiener Diözese der Satz voran: "Mein ewiges Geschick, Himmel oder Hölle, ewig Strafe oder ewiges Leben, entscheidet sich heute. Und es entscheidet sich nicht am Maß meiner Frömmigkeit, sondern an den Taten der Nächstenliebe. Dort begegnet mir Gott, ob ich es weiß oder nicht". In der Kronen Zeitung fehlt diese unmenschliche Drohung, denn die Zahl der Leser der Kronen Zeitung ist viel hundertfach höher als die Zahl der Leser der Diözesanhomepage und den bösen Folterjesus aus der Bibel führt Schönborn einem größeren Publikum lieber nicht vor.

Aber was anderes baute der Herr Kardinal heute ein, er schreibt einleitend: "Einmal wird es der letzte Zahltag sein. Ob wir davon denken oder nicht. Ob es uns lieb ist oder nicht. Viele sagen zwar: mit dem Tod ist alles aus. Also gibt es kein Endgericht. Das Licht geht für immer aus. Ende der Vorstellung. Das war`s jetzt! Nach dem Tod gibt es kein Danach, sondern nur das Nichts.
So denken viele. Nicht die Bibel. Nicht Jesus. Er spricht oft vom Gericht, das kommen wird. Wer hat recht? Die, die das totale Ende mit dem Tod annehmen? Oder die, die an das Leben nach dem Tod glauben? Eines empfiehlt sich auf jedem Fall: Falls die Bibel doch recht hat, wenn ich doch am Schluss Rechenschaft über mein Leben geben muss, dann sollte ich so zu leben versuchen, dass ich ein Gericht nach dem Tod nicht zu fürchten brauche. Wie lebe ich so, dass die Schlussbilanz 'passt'?"

Schönborn versucht damit das zu popularisieren, was die "Pascalsche Wette" genannt wird (siehe dazu: "Die Umkehrung der Pascallschen Wette"). Die Menschen sollten sozusagen als "Mindestglauben" die Option im Auge behalten, dass es vielleicht doch sein könnte, dass es ein Leben nach dem Tode und diesen bösen Bibelgott gebe. Denn schließlich kommt ein Atheist fraglos in die Hölle. Aber jemand, der vorsichtig die Gottesmöglichkeit und die Belohnung und Bestrafung im Jenseits in der Hinterhand behält, fallweise Obdachlosenzeitungen kauft und für "Licht ins Dunkel" spendet, der brauche dann mit höchst geringem persönlichen Aufwand "ein Gericht nach dem Tod nicht zu fürchten". Das Christentum als Lehre für übervorsichtige Opportunisten.

Schönborn schließt mit: "Mich erschüttert an diesem Evangelium, dass Jesus uns klar macht: Das Schlimmste im Leben sind die Unterlassungen. Die Gelegenheiten, wo ich es verabsäumt habe, einen Kranken zu besuchen, einen Hungernden zu speisen, einem Obdachlosen zu helfen. Denn Gott steht auf ihrer Seite. Christus ist ihr Bruder. Mich tröstet aber, dass keine gute Tat verloren geht, dass keine echte Zuwendung bei Gott vergessen wird. Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, woran ich glaube, dann entscheidet sich mein ewiges Geschick schon hier und heute, ob ich daran denke oder nicht."

Das Christentum fordert also nicht, für eine gerechte Gesellschaft einzutreten, mein Einleitungssatz "Wenn ich etwas für Arme tue bin ich ein Heiliger. Wenn ich aber frage, warum sie arm sind, bin ich ein Kommunist", bleibt voll aufrecht. Somit auch die Schlussfolgerung: Es ist besser ein Kommunist (Sozialist etc.) zu sein als ein Christ. Weil die Christen sehen nur den einzelne Almosenempfänger, sie sehen die Ungerechtigkeit in der Welt nicht. Weil diese Ungerechtigkeit in der Welt wird politisch vor allem von den Christenparteien vertreten, von Volksparteien, Christdemokraten, Thatchers und Bushes. Sozialdemokraten wie Vranitzy, Blair, Schröder, Klima, die diesen Weg ebenfalls gingen, sind neoliberale Überläufer, die Merkels, Orbans, Rajoys, Schüssels, Spindeleggers und Straches sind und bleiben Christen. Amen.

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Das 48. Wort zum Sonntag, den 13. November 2011

Matthäus 25,14-30: In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!
Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!
Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder.
Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat!
Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.

Im seinerzeitigen Vereinsorgan der oö. Atheisten, Jessasmaria, hatte ich bereits in der Nr. 4/2008 in der Rubrik "Sachen zum Lachen" diese Bibelstelle und die Interpretation Schönborns in Arbeit. Damals hatte sich Schönborn dagegen verwehrt, dass es sich um eine neoliberale Profitpredigt handelt, er schrieb: "Hat Jesus einen wilden Heuschreckenkapitalismus vertreten? Einen Kapitalismus wie den, der jetzt die Weltwirtschaft an den Rand des Ruins gebracht hat?" Natürlich nicht, es sei ja ein Gleichnis: "Wer seine 'Talente' nicht einsetzt, vergeudet sie. Wer mit seinen Begabungen etwas anfängt, ist ein 'treuer Verwalter', denn sie sind uns ja dafür gegeben, damit andere etwas davon haben."

Damals war meine Gegenpredigt darum recht kurz: "Auweh, da haben Herr Kardinal aber einen kleinen Denkfehler. Die 'guten' Diener im Gleichnis haben mit den 'Talenten' ja nichts getan, das erkennbar dazu geführt hätte, dass andere etwas davon haben. Was davon gehabt haben der Herr und die beiden Diener von der Heuschrecken-Fraktion. So stimmt das Bibelwort - siehe oben - auch heute im Neoliberalismus noch ganz genau: Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. In dieser Frage haben sich die Bibel und das Christentum bewährt! So sind sie, die Wahrheit in der Bibel und das Leben im Neoliberalismus!"

Heute geht der Herr Kardinal gar nicht auf den Heuschreckenkapitalismus ein, das ist ihm in Zeiten der EU- und Euro-Krise zu gefährlich.
Er meint darum: "Ich glaube, dieses Gleichnis spricht eine Situation an, die heute in der Gesellschaft und in der Kirche viele Menschen erfasst hat: Das Gefühl der Ohnmacht!" Also nicht wuchern mit den Talenten, damit die Reichen reicher werden, das traut er sich nimmer sagen. Er redet bloß von den "Talenten", das Wort "Talent" in der heutigen Bedeutung kommt ja aus dieser Bibelstelle, damals bezeichnete dieser Begriff 27 kg Silbergeld, ein Talent wäre beim heute aktuellen Silberpreis etwa 22.000 Euro. Also sind "Talente" beim Schönborn nunmehr keine Geldsummen, sondern Eigenschaften des Menschen, die nutzbringend anwendbar wären.

Schönborn fasst zusammen: "Was kann ich Einzelner schon bewirken und verändern? Genau darum geht es. Wenn ich auch 'nur' ein Talent bekommen habe, so kann ich doch damit 'wirtschaften'. Jesus geht es vor allem um den Glauben. Er ist der kostbare uns anvertraute Schatz. Vergrabe ist ihn? Verstecke ich ihn vor den Anderen? Oder gebe ich ihn weiter? Gewinne ich andere dafür? Niemand soll glauben: das schaffe ich nicht! Dazu macht Jesus Mut!"

Wer keinen Glauben hat, ist somit talentlos und daher auch mutlos. Der Jesus macht den talentierten Gläubigen speziell Mut mit seinem Schlusssatz: "Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen."

Dieser Jesus! Was für ein Humanist! Was für ein Nächstenlieber! Was für ein moralisches Vorbild! Da freue ich mich sonntäglich von Herzen darüber, nie ein Talent dafür besessen zu haben, so einen elendigen Schmarrn auch nur im Geringsten zu glauben! Haut die nichtsnutzigen Ausbeuter hinaus in die äußerste Finsternis!

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Das 47. Wort zum Sonntag, den 7. November 2011

Mt 25, 1-13: In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit. Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht. Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Tür wurde zugeschlossen. Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach und auf! Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Wovor muss sich heute der Herr Kardinal in seiner Sonntagspredigt drücken? Denn in einfacher Auslegung müsste das Gleichnis von den törichten Jungfrauen so interpretiert werden: wer stirbt kommt zum Hochzeitsfest, der Tod ist also was Schönes, allerdings ist der Tod nix Schönes für Leute, die fürs Hochzeitsfest nicht entsprechend vorbereitet sind.

Somit müsste Schönborn das Sterben frommer Katholiken als von ganzem Herzen zu ersehnendes Ereignis beschreiben. Er fragt: "Das Leben nach dem Tod ist schön und freudig wie ein Hochzeitsfest! Freuen wir uns darauf? Hoffen, warten wir darauf? Sehnen wir uns danach? Leben wir darauf hin? Ich glaube, das ist genau die richtige "Novemberfrage": Wie steht es bei dir mit dem Gedanken an den (eigenen) Tod, an das Leben nach dem Tod? Bestimmt diese Frage auch dein Leben vor dem Tod?"

Er beantwortet seine Fragen dann allerdings nicht. Was ist jetzt, Herr Schönborn, freut sich so ein eifriger Katholik wie der Kardinal Schönborn aufs Hochzeitsfest beim Jesus, somit auf seinen Tod? Ja oder nein? Das ist dem bischöflichen Text nicht zu entnehmen.

Denn er geht gleich zur zweiten Frage über, auf die Vorbereitung für dieses "Hochzeitsfest": "Das Leben vor dem Tod ist eine Vorbereitung auf das große Fest des Ewigen Lebens. Nütze die Zeit! Solange du dafür Zeit hast! Denn wenn "der Bräutigam kommt", wenn die Sterbestunde da ist, dann ist es zu spät, um mit der Vorbereitung zu beginnen. Dafür ist dann keine Zeit mehr. Daran musst du früher denken, jetzt schon, heute! Denn morgen kann schon deine letzte Stunde sein. Sei allzeit bereit!"

Und hier fehlt die nächste Antwort: was ist mit den törichten Jungfrauen, die kein Öl in den Lampen haben und nicht zum Hochzeitsfest zugelassen werden? Hier müsste der Wiener Erzbischof vom Ausschluss aus dem Paradies und der ewigen Verdammnis reden. Aber - verdammt noch einmal - er tut es nicht. Er meint nur, man solle rechtzeitig Gutes tun, "tu's jetzt! Dann ist's zu spät. Im Tod kannst du nicht nachholen, was du im Leben versäumt hast!" Aber was der Tote dann im Tode versäumt, darauf geht er nicht ein, Drohbotschaft schickt er keine. Dabei hat sein Jesus das immer wieder gesagt: wer nicht ins Paradies eingeht, der wird auf ewig gefoltert. Schließlich ist das Christentum die Religion der Liebe.

Oh Ihr öllosen törichten Jungfrauen, Euch wird der Teufel holen, amen, so hätte Schönborn seine Predigt unmissverständlich schließen müssen.
Das traut er sich nimmer. Weil das 2. Vatikanum hat seinen Gott umgeschult, der Jesus darf mit seinen "Feinden" nicht noch bösartiger umgehen als es seinerzeit SS-Führer Heinrich Himmler mit den Juden, Slawen und Kommunisten gemacht hat. Darum wird zensiert. Die lichtlosen Jungfrauen versäumen bloß das Hochzeitsfest, sonst passiert ihnen nix. Wer sich nicht für Hochzeitsfeste interessiert, braucht darum nach der schönbornschen Christenlehre auch nicht darauf vorbereitet sein.

Aber es ist schließlich eh egal, sowohl tote Atheisten als auch tote Christen haben keine Probleme mehr, weil Tote nimmer existieren, sie sind damit im selben Zustand, in dem die katholischen Götter immer schon waren. So ist es.

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Das 46. Wort zum Sonntag, den 30. Oktober 2011

Mt 23, 1-12: In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine Jünger und sprach: Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen. Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang, bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben, und auf den Straßen und Plätzen lassen sie sich grüßen und von den Leuten Rabbi - Meister - nennen. Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Wie ich zufällig heute im Radio gehört habe (auf Ö1 wird ja sehr viel gepredigt, speziell sonntags), hat es den Begriff "Rabbi" zu der Zeit in der Jesus gelebt haben soll, noch gar nicht gegeben. Auch in Wikipedia wird festgehalten, dass es die Bezeichnung Rabbi im Sinne von "Meister" für Pharisäer erst nach dem Jahr 70 gegeben hat. Aber sei's drum, die historisch-kritische Lesart der Bibel ist sowieso nicht Sache der katholischen Kirche, Papst Ratzinger z.B. orientiert sich vorwiegend am Evangelium des Johannes; weil das ist am weitesten von einem eventuellen realen jüdischen Prediger namens Jeschua entfernt.

Große Begeisterung in den Sonntagspredigten rufen immer die Stellen hervor, wo sich die Gläubigen erniedrigen dürfen oder erniedrigt werden. Weil das ist sowas von supergut, wenn man sich ganz klein und bescheiden macht, wenn man lauthals verkündet "ich bin der Letzte!"

Im wirklichen katholischen Leben kommt sowas nicht vor. Einen Bischof, der sich klein macht und versteckt, in Sandalen und Jeans Vögel füttert und alten Damen über die Straße hilft, gibt es nicht. Hier zwei Illustrationen: links der oberste Katholik, wie er sich erhöht und als Erster bejubeln lässt, rechts ein mit Klonpinsel gestalteter Schönborn wie er sich in bescheidener Alltagkleidung unters Volk mischt. Auf echt gibt's so einen Schönborn natürlich nicht, dabei hätte der Jesus seine Freude an so einem Schönborn!

Der Schlusssatz der obigen Stelle aus dem Evangelium des Matthäus ist außerdem eine Anleitung zum Heucheln: "wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." Also tut fromm, bescheiden und erniedrigt Euch, dann erhöht Euch der HErr. Weil der liebt schleimige Kriecher.

Schönborn geht in seiner Predigt für den heutigen Sonntag speziell darauf ein, dass er bei Meister Ratzinger viel gelernt habe und Jesus mit seinem Meisterverbot die "heuchlerische, falsche Autorität von Lehrern und Meistern bloßgestellt" habe, "Leute, die andere belehren, selber aber das Gegenteil tun; kirchliche oder weltliche 'Meister', die sich nur wichtig machen, gesehen und geehrt werden wollen." Päpste, Kardinäle, Bischöfe, Prälaten, Theologen, Pfarrer, die das genau tun, sich nämlich wichtig machen, andere belehren und ihnen Wasser predigen, während sie selber Wein trinken, gibt's sicherlich überhaupst keine nie nicht.

Und wenn doch, die wirklichen Meister, wie schauen die aus? Laut Schönborn erkennt man sie daran, dass sie "bescheiden, hilfsbereit, wirklich dem Wohl der Schüler dienend, und zugleich große Könner in ihrem Fach" sind, wie Schönborns Meister Ratzinger. An solchen Meistern wie Ratzinger hat nach Schönborns Meinung "Jesus seine Freude". Klar, dass sich Jesus besonders über Ratzinger freut, ich freu mich auch über Ratzinger, mit ihm hat man immer wieder sein Spaßvergnügen, er ist in seiner mittelalterlichen Weltfremdheit noch lustiger als der Schönborn, fast schon so unterhaltsam wie der seinerzeitige St. Pöltner Bischof Kurt Krenn. So ist es.

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Das 45. Wort zum Sonntag, den 23. Oktober 2011

Mt 22, 34-40: In jener Zeit, als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Heute haben wir eine ziemlich berühmte Stelle in der Bibel. Sie ist ziemlich unsinnig. Weil: welcher Mensch liebt auf Anordnung? Dazu als Gleichnis eine Anekdote aus dem Leben des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. (1688-1740): Er verfolgte einmal einen Juden, der vor ihm davongelaufen war. Als der König ihn eingeholt hatte, entschuldigte sich der Jude, er sei deshalb weggelaufen, weil er sich vor der großen Strenge des Königs gefürchtet habe. Da prügelte ihn der König mit seinem Stock und schrie dabei in einem fort: "Lieben soll er mich, nicht fürchten."

Der liebe Christengott hat auch den Hang zum Prügeln, beispielsweise ersäuft er als alttestamentarischer Gottvater die gesamte Menschheit in der Sintflut, der neutestamentarischer Gottessohn liebt es, vom ewigen Feuer zu reden, wo die Sünder und Ungläubigen sich dem Heulen und Zähneknirschen widmen müssten. Selbstverständlich klar, dass man solche Götter "mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken" lieben muss. Immer noch besser als ins ewige Feuer zu kommen. Und psychologisch auch extrem wahrscheinlich, das zu lieben was man fürchten muss. Alle Christen haben Masochisten zu sein.

Außerdem müssen sie "ihren Nächsten lieben wie sich selbst".
In Wikipedia heißt es dazu: "Nächstenliebe wird heute als jede dem Wohl des Mitmenschen zugewandte aktive, uneigennützige Gefühls-, Willens- und Tathandlung beschrieben. Als soziale Grundeigenschaft des Menschen verstanden, ist sie nicht genau von Altruismus abgrenzbar. Dieser Begriff bezeichnet Selbstlosigkeit ohne spezifisch religiösen Begründungszusammenhang. Selbstloses Eintreten für Andere ohne Rücksicht auf deren soziale Stellung oder Verdienste gilt nicht als Begleiterscheinung des Mitleids, sondern eine die fremde Person als etwas Wertvolles intendierendes Fühlen und Streben, ein von Wohlwollen bestimmtes Bezogensein auf den anderen Menschen."

Dass gegenseitige Hilfe eine sinnvolle Handlungsweise ist, hat sich auch in der Evolution bestätigt, darum ist Kooperation verbreiteter als Rivalität. Aber auch diese spielt eine wesentliche Rolle in Evolution und Gesellschaft. Es ist blanker Unsinn, "Nächstenliebe" zu befehlen. Die Menschen sind nie uneigennützig. Weil auch im strengsten Altruismus steckt Eigennutz: Sich selber als "edel, hilfreich und gut" sehen zu können. Und wer ist "der Nächste"? Meine Familienmitglieder? Mein Stammesgenosse? Mein Parteifreund? Mein Kollege? Mein Nachbar? Oder jeder Mensch? Zu Letzterem müsste die Bibelstelle allerdings heißen "Du sollst alle Menschen lieben wie dich selbst". So heißt sie aber nicht. Also ist nicht jeder mein Nächster. Klare Sache. Z.B. ist der Herr Kardinal Schönborn nicht mein Nächster und ich bin nicht sein Nächster, das würde mir gerade noch fehlen.

Was meint Schönborn in seiner Sonntagspredigt? Die Liebe ist das "Lebenselixier". Sie gibt allem erst das rechte Maß. Paulus sagt von ihr: "Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, … sie bläht sich nicht auf, … trägt das Böse nicht nach… Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf".

Dass sich Liebe anordnen lässt, sagt er nicht. Und daran, dass sich Liebe nicht anordnen lässt, weder zu einem bösartigen preußischen König, noch zu einem bösartigen biblischen Gott, noch zu jedem beliebigen Menschen in deiner Umgebung, scheitern die beiden Gebote des HErrn Jesus. Die hingebungsvollen Gotteslieber sind und waren immer psychisch bedingte Raritäten, die meisten Menschen leben die meiste Zeit in der irdischen Wirklichkeit. Sich gegenseitig behilflich zu sein, ist eine übliche Verhaltensweise, derentwegen man niemanden zu "lieben" braucht. Und wenn man jemanden wirklich gern hat, dann hat das mit der christlichen Nächstenliebe rein gar nichts zu tun. Die christliche Nächstenliebe ist hauptsächlich Bestandteil des salbungsvollen sonntäglichen Predigergeheuchels. Amen.

Padre Benedetto, der Schweizer Parodist, kann das Heucheln vorzüglich!

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Das 44. Wort zum Sonntag, den 16. Oktober 2011

Mt 22, 15-21: In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

Heute haben wir wieder eine recht alberne Bibelstelle zu behandeln. Wem gehört das Geld? Den Leuten, die darauf abgebildet sind? Auf den Euro-Münzen und -Banknoten ist niemand abgebildet, die gehören daher niemandem und die EU-Bürger brauchen keine Steuern zahlen? Aber in der Schillingzeit, da war z.B. auf dem letzten Tausender der Entdecker der Blutgruppen, der Nobelpreisträger Karl Landsteiner abgebildet. Haben damals alle Tausender seinen Nachkommen und Erben gehört? Glaub ich nicht.



Hier ein Denar mit dem Bild von Kaiser Augustus, der war dem Kaiser zu geben, daneben eine Schillingmünze aus der Nachkriegszeit, diese hätte nach christlicher Lehre demnach den Sämännern ausgefolgt werden müssen, ich hab sie damals lieber dem Eismann ausgefolgt. Oder versteh ich das jetzt viel zu direkt und nicht die allegorische Botschaft, die dahintersteckt? Dass sich Jesus für die Trennung von Staat und Religion einsetzt? Dass eben das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Dann müsste ich heute verkünden: Ich bin mit Jesus!

Aber vermutlich ist es wieder einmal so: wenn man die Bibel wörtlich ernst nimmt oder die daraus die naheliegenste Interpretation zieht, dann hat man sie falsch verstanden.

Schönborn erklärt uns die Bibel natürlich richtig: "Was gehört dem Kaiser, und was Gott? Dieses Wort Jesu hat Weltgeschichte gemacht. Es geht weit über die Steuerfrage hinaus. Denn es hat eine Unterscheidung in die Welt gebracht, die ganz weitreichende Folgen hat: der Kaiser ist nicht Gott. Gott ist größer als alle weltliche Macht. Der Kaiser ist zu ehren und zu achten, aber nicht anzubeten."

Wo steht das, dass Gott größer ist als der Kaiser? Davon hat Jesus kein Wort gesagt. Er hat keine Rangordnung festgelegt, sondern eine Trennung vorgenommen.

Schönborn schließt mit: "Jesus hat Gott und den Kaiser klar unterschieden. Der Kaiser ist nicht Gott. Die Politik ist nicht das Heil. Sie ist ein Dienst für die Menschen, für Gerechtigkeit und Frieden. Mehr soll sie nicht wollen. Aber auch nicht weniger. In Österreich hat es sich bewährt, dass der Staat und die Religionsgemeinschaften zusammenarbeiten, in gemeinsamer Verantwortung, aber auch im gegenseitigen Respekt vor den verschiedenen Aufgaben, die Politik und Religion haben. 'Gebt Gott, was Gott gehört', sagt Jesus. Gott ist das letzte Ziel des Menschen - und der Garant seiner Freiheit."

In seinem Schlusswort hebt Schönborn also das Jesuswort auf. Er redet nicht von Trennung zwischen Kaiser und Gott, sondern von Zusammenarbeit zwischen Staat und Religion, er postuliert abschließend: "Gott ist das letzte Ziel des Menschen". Nein, danke, Gott ist nicht das Ziel des Menschen. In einer demokratischen Republik braucht sich wahrlich niemand mehr einem Kaiser zu unterwerfen und es braucht niemand mehr einem Gott irgendwas zu geben. Zu biblischen Zeiten herrschte noch dieser doppelte Despotismus: Gebt dem Kaiser, gebt Gott.

In einem demokratischen Gemeinwesen sollen die Bürger für ihre gemeinsamen Anliegen
(Steuern und Sozialabgaben) geben und für irgendwelche Götter zu geben, soll vollständig freiwillig geschehen. Darum: die Denare der Bürger für die gemeinsamen staatlichen Angelegenheiten, Denare für Religionen nicht aus der Staatskasse, sondern ausschließlich aus den Brieftaschen der Gläubigen! Amen.

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Das 43. Wort zum Sonntag, den 9. Oktober 2011

Mt 22, 1-14: In jener Zeit erzählte Jesus den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert, eingeladen zu werden. Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein. Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. Als sie sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte. Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen. Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen. Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.

Der König in diesem Gleichnis ist weit weg von der Realität.
Wenn ein Königssohn heiratet, dann strömt das Volk zuhauf und alle, die gerne die Regenbogenpresse lesen, wollen zur Hochzeit eingeladen sein. In der Geschichte, die der Jesus den Hohenpriestern erzählt, wehren sich die Leute mit Händen und Füßen gegen die Teilnahme und werden dafür umgebracht, ihre Städte niedergebrannt. Eine Vorgangsweise, die wohl historisch eher verhältnismäßig selten vorgekommen sein wird, vermutlich mit starker Tendenz gegen null. Aber auch einem Gottessohn fällt nicht für jeden Sonntag ein halbwegs vernünftiges Gleichnis ein.

Die Aussage für die Gläubigen soll wohl sein:
der HErr nimmt eh alle in sein Paradies auf, aber sie müssen sich entsprechend anpassen. Wer es nicht tut, der muss heulen und zähneknirschen, also der Lieblingsbeschäftigung nachgehen, die Jesus für alle verordnet, denen er wurscht ist. Wer sich nicht rufen lässt, ist außerdem nicht nur nicht auserwählt, er wird auch bestraft!

Was sagt Herr Schönborn dazu? Er wird wieder antijudaistisch: "Die ersten Geladenen, das ist das jüdische Volk, seine Anführer. Gott ist der König, Jesus der Königssohn. Gott lädt sein Volk zum Fest des Glaubens. Jesus, sein Sohn, soll den Bund schließen mit dem Volk Gottes. Sie sollen an ihn glauben und ihn annehmen. Aber sie haben ihn abgelehnt. Er wird getötet."

Also sind die jüdischen Gottesmörder nicht auserwählt. Der König, also Gott, beruft aufs Neue, Schönborn: "Gott lädt andere zur Hochzeit seines Sohnes: Menschen aller Völker. Aber auch unter ihnen gibt es welche, die die Einladung nicht ernst nehmen und unwürdig daher kommen." Im Gleichnis war es nur ein Einziger, der gerufen, aber nicht auserwählt wurde, was dann doch nicht so recht zur Realität passt. Weil so richtig wunschgemäß festlich gekleidet sind auch die meisten Katholiken nicht.

Schönborn fasst das Gleichnis zusammen: "Was spricht das Gleichnis heute an? Zwei Formen, Gott Verachtung zu zeigen. Die erste ist die Gleichgültigkeit. Alles andere ist wichtiger als die Einladung des Königs zum Hochzeitsmahl seines Sohnes. Wie oft kommt Gottes Ruf an letzter Stelle! Arbeit, Sport, Unterhaltung und Geschäft, alles hat Vorrang vor der Teilnahme am Fest, zu dem Gott uns einlädt. Was ist daran so schlimm? Dass wir Gott beleidigen? Sicher auch. Aber mindestens so schwer wiegt, dass wir uns selber schaden. Besinnungslos hasten wir Arbeit und Vergnügen nach, und übersehen, was unserem Leben Halt und Sinn gibt.
Die zweite Form der Verachtung zeigt der Mann, der es nicht einmal der Mühe wert findet, sich festlich anzuziehen. Ohne Respekt, als wäre er in Bierzelt. Er hält es nicht für nötig, berührt zu sein, sein Leben zu ändern.
In beiden Formen kommt eine Geringschätzung Gottes zum Ausdruck. Die Zuhörer Jesu damals waren über diese Worte recht empört. Sie sind auch heute keine leichte Kost. Wer sie aber annimmt, dem tun sie gut. Der darf die Freude des Festes mit Gott erleben, wie bei einer gelungenen Hochzeit."

Ja, da wird es viel Geheul und Zähnegeknirsche geben! Weil "Sinn und Halt" im Leben hat nur der christkatholische Gläubige. So ein Pech, dass immer mehr Menschen ihrem Leben einen Sinn geben können und ihren Halt selber finden, ohne dazu Jesus und Co zu benötigen. "Geringschätzung Gottes"? Kann man etwas, das es nicht gibt, hoch oder gering schätzen? Das kann man! Dazu ein bildliches Gleichnis mit drei fiktiven Gestalten, Jesus, Donald Duck und der brave Soldat Schwejk.


hoch geschätzt: vom linken Bild der Zeichner Haderer, bei den anderen Bildern sowohl die Zeichner Carl Barks und Josef Lada, als auch die Abgebildeten. Amen.

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Das 42. Wort zum Sonntag, den 2. Oktober 2011

Mt 21, 33-44: In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder? Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.

Heute haben wir wieder einmal den bösartigen Jesus, der keine Feinde liebt, sondern sie zerschmettert und zermalmt. Irgendwie hinkt das Gleichnis, weil sich die Frage nicht stellt, ob es außer der Arbeit im Weinberg noch eine andere Arbeit gibt. Weil der Gutsbesitzer hat den Weinberg und die Leute, die nicht an ihn glauben, sind Weinbergräuber und Sohnesmörder. Irgendwie so verquer könnte man das obige Gleichnis verstehen. Man müsste außerdem anfügen: Die Juden werden zermalmt, weil sie den Sohn des Weinbergbesitzers ermordet haben.

Heutzutage ist aber der Zerschmettergott nimmer up to date. Das heißt, in Pfarren wie Windischgarsten und Kopfing wird der Zerschmettergott vermutlich noch amtieren. Schönborn hält in seiner Predigt den Juden schon auch noch in alter Tradition vor, das Gleichnis meine die Juden als auserwähltes Volk, für das Gott einen Weinberg selber gepflanzt und umzäunt hat. Und Jesus habe der damaligen Obrigkeit gesagt, "es gibt noch eine letzte Chance. Gott hat euch seinen letzten Boten gesandt: seinen eigenen Sohn! (..) Und gleichzeitig Gottes letztes Angebot genannt: Hört wenigstens auf mich, den Sohn Gottes! Wir wissen, wie es ausging. Jesus wurde getötet. Der Weinberg wurde anderen anvertraut. Wir, die Christen, sind diese 'anderen Winzer', die es besser machen sollen, die dem Weinbergbesitzer 'die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist'."

Die nunmehr weinberglosen, vom HErrn verdammten Juden, kommen im Schönborntext bezüglich ihres jetzigen Verhältnisses zum nun zu den Christen übergelaufenen Judengottes nicht mehr vor. Wäre ja auch heutzutage irgendwie peinlich, darauf näher einzugehen.

Schönborn wendet sich flugs an die jetzigen Weinbergbetreiber, an die Christen. "Machen sie es besser als die Juden damals? Bringen sie guten Ertrag? Kann Gott, der Eigentümer des Weingartens, mit den Früchten der Christen zufrieden sein? Eines ist sicher: Wir haben keinen Grund, uns über jene Juden zu erheben, die damals die Tötung Jesu betrieben haben. Wie ginge es Jesus heute bei uns?"

Ja, solche Jesuse laufen eh immer wieder herum, gründen Sekten, ertragreiche oder weniger erfolgreiche, oder werden psychiatrisch betreut.

Schönborn weiter: "Das Gleichnis Jesu ist eine große Anfrage an den Einzelnen und an das 'Volk Gottes', die Kirche. Bringe ich den Ertrag, den Gott von mir erhofft? Mein Leben ist wie ein Weinstock, den Gott gepflanzt hat. Wurde daraus ein fruchtbarer Weinstock mit guten, saftigen, süßen Trauben?"

Da können wir Schönborn versichern: Der katholische Weinberg trägt keine guten, saftigen, süßen Trauben und hat sie niemals getragen. In der Frühzeit gab es möglicherweise eine Früchtehoffnung für Mühselige und Beladene, die auf die baldige Wiederkehr des HErrn warteten, die Wiederkehr fand nicht statt, aber die katholische Kirche wurde zur Staatsreligion und die Arbeiter am Weinberg dazu gezwungen, das saure und faulige katholische Fallobst zu loben und zu lieben - mit sonstiger Drohung irdischer Strafen und der ewigen traubenlosen Verdammnis. Letztere ist heute weitgehend abgeschafft und der Weinberg des HErrn findet ständig steigend weniger Interesse.

Die faden und schalen Früchte der christkatholischen Religion sind entbehrlich. Man lebt gänzlich problemlos ohne diese Produkte. Und wer unbedingt irgendein religiöses Obst braucht, findet ein breites Angebot von anderen seltsamen Früchten. Amen.

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Das 41. Wort zum Sonntag, den 25. September 2011

Mt 21, 28-32: In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

Eigentlich freut's mich heute gar nicht. Die letzten Tage hab ich immer die Reden vom Ratzinger in Deutschland gelesen, das katholische Herumgefrömmel nervt einfach. Die heutige Bibelstelle kann wieder dafür genutzt werden, dass die predigenden Pfarrer sich ganz tief nach unten zu den Sündern herablassen können. Weil die Letzten werden die Ersten sein und all dieses Geheuchel.

Schreiben tu ich trotzdem was, weil ich seinerzeit als Schüler, der an nix geglaubt hat, aber durch den damals noch herrschenden sozialen Terror der christkatholischen Religion so tun musste, wie der oben geschilderte erste Sohn. Ich musste "ja" sagen zu den religiösen Aufträgen, die ich im Religionsunterricht erhielt, ich durfte mir bloß denken: "Leck mich am Arsch!". Und das zwölf Jahre lang. Dass ich hier als aggressiver Krawallatheist agiere, hat seinen Ursprung in dieser mir damals aufgenötigten Unterwerfung unter die katholische Jesuspropaganda.

Was meint der Schönborn zur obigen Bibelstelle? Er zitiert dazu seinen Apostel Paulus, der irgendwo geschrieben hat: 1.: "In Demut achte einer den andern höher ein als sich selbst." 2.: "Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen."

Wozu sich wieder die Frage stellt: warum macht das die katholische Kirche nicht so, warum halten sich die christlichen Parteien nicht daran? Das sonntägliche Gesäusel übern Jesus hat immer zwei Möglichkeiten: entweder es betrifft irgendwas Absurdes oder Bedrohliches oder es hört sich vielleicht gut und hochmoralisch an, aber die katholische Kirche praktiziert es nicht. Amen.

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Das 40. Wort zum Sonntag, den 18. September 2011

Mt 20, 1-16a: In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste Stunde und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, dir dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen von den letzten, bis hin zu den ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin? So werden die Letzten die Ersten sein.

Dieses Gleichnis ist sicherlich eines der dümmsten im ganzen NT. Die Aussage soll es zwar sein, dass auch der, der sich sozusagen erst ganz am Schluss zum christkatholischen Glauben bekehrt, vom Jesus in den Himmel aufgenommen wird. Aber die dazu erzählte Geschichte handelt von etwas Banal-Irdischem. Man könnte sagen, das Gleichnis lehrt, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit falsch ist.

Das hat auch Schönborn erkannt, er titelt seine Predigt mit "Lass den Neid!" und zitiert diesen Satz so: "Warum erzählt Jesus dieses Gleichnis, das erschütternd die soziale Wirklichkeit seiner Zeit widerspiegelt? Ich denke, Jesus will zwei Dinge deutlich machen. Da ist zuerst die 'Neidgenossenschaft'. Die Arbeiter, die den ganzen Tag in der Hitze gearbeitet haben, finden es ungerecht, dass die so spät Angeworbenen den gleichen Lohn bekommen. 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' - so fordern sie."

Die "Neidgenossenschaft" kennen wir ja alle aus der Propaganda der ÖVP, der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung, weil wenn Forderungen auftauchen, dass Multimillionäre auch ein bisschen mehr Steuern zahlen könnten, dann plärrt die ÖVP schon los "Neidgenossenschaft"!

Wie geht es in der Predigt vom Schönborn weiter? "Neid ist eines der am weitesten verbreiteten Laster unserer Gesellschaft. Wir müssen klar unterscheiden: Kampf gegen Ungerechtigkeit ist nicht Neid. Wenn Frauen schlechter entlohnt werden als Männer, so ist das eine Ungerechtigkeit, die zu Recht zu bekämpfen ist. In der Geschichte, die Jesus erzählt, geschieht den Arbeitern der ersten Stunde kein Unrecht. Sie erhalten den vereinbarten Tageslohn. Ihr Protest entspringt dem Neid. Und der ist ein böses Gift: 'Bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?' - fragt der Gutsherr, der nicht will, dass die Spätgekommenen hungrig weggehen müssen. Gottes Güte ist das eigentliche Thema der Erzählung Jesu. Stört uns Seine Güte? Sind wir neidisch, wenn Er Seine Gaben frei verschenkt? Lass den Neid! Freue dich an Gottes guten Gaben, die er anderen schenkt!"

Also noch einmal: dieses Gleichnis ist blödsinnig und lässt sich auf die göttlichen Schlussfolgerungen gar nicht übertragen. Wenn der, der eine Stunde arbeitet, dasselbe bekommt wie der, der den ganzen Tag arbeitet, dann ist das nicht gütig, sondern ungerecht. Wenn einer sein Leben lang arbeitet und dabei nicht reich wird und der andere lebt vom Familienvermögen, dann ist das auch ungerecht. Wenn ein Manager extreme Bonuszahlungen dafür bekommt, Leute einzusparen und die Verbliebenen ständig noch mehr antreiben zu lassen, dann ist das ebenfalls ungerecht und die Kritik daran entspringt nicht dem Neid, sondern dem Sinn für Gerechtigkeit!

Der Gutsbesitzer fördert mit seinem Verhalten nicht den Neid, sondern er lässt die Arbeitskräfte, die den ganzen Tag gearbeitet haben, als Idioten dastehen
, die ihre Arbeitskraft im Vergleich zu den später Kommenden fast verschenken mussten. Laut Wikipedia war ein Denar im 1. Jahrhundert nach heutiger Kaufkraft etwa 20 Euro wert. Den ganzen Tag für 20 Euro arbeiten, war also ein Hungerlohn, eine Stunde dafür zu arbeiten, war eine gute Bezahlung. Die fordernde Schlussfolgerung aus dem Gleichnis wäre daher: 10 Euro Mindestlohn pro Stunde für alle, das wären brutto 1.733 Euro im Monat und netto etwa 1.270 Euro, also in echtem Geld ca. brutto 23.850, bzw. netto 17.500 Schilling (der österr. Mindestlohn liegt zurzeit bei brutto 1000 Euro im Monat).

So eine Forderung wäre eine Forderung aus der "Neidgenossenschaft", die nicht nur gleichen Lohn für gleiche Arbeit verlangt, sondern auch dem Gutsherrn seine vielen Denare missgönnt und fragt, woher er diese habe. Sonntagsprediger Schönborn könnte gemeinsam mit der ÖVP und dem Schutzverband der Multimillionäre einen Dankesgottesdienst abhalten, weil die Gewerkschaften so krasse Fragen gar nimmer stellen und schon froh sind, wenn vom Tisch des reichen Prassers fallweise wenigstens eine Inflationsabgeltung fürs arbeitende Volk abfällt ...

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Das 39. Wort zum Sonntag, den 11. September 2011

Mt 18, 21-35: In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.

Das Verzeihen der Sünden war früher die Hauptbeschäftigung der katholischen Kirche. Zuerst wurde den Leuten eingeredet, der HErr stecke sie ins Ewige Feuer, darauf eilten sie zum Pfarrer, beichteten und der Herr Pfarrer war vom HErrn ermächtigt die Sünden zu vergeben. Die Verdammnisdrohung war vermutlich die erfolgreichste Gehirnwäsche in der Menschheitsgeschichte. Beichte und Buße waren Neueinführungen. Weil dem Jesus sein Vater hat es mit dem Sündenvergeben nicht so gehabt. Wegen einer verbotenerweise verspeisten läppischen Frucht wurden Adam & Eva aus dem Paradies vertrieben und alle ihre Nachkommen mittels Erbsünde bestraft, Ungehorsame wurden hingeschlachtet, zeitweise im Holocaust-Ausmaß (Sodom und Gomorrha), bzw. griff Gottvater gleich zum Massenmord an der Menschheit (Sintflut). Juniorgott Jesus konnte danach leicht barmherzig tun. Allerdings auch nicht immer, weil es gibt genug Stellen in den Evangelien, wo er mit ewiger Rache droht, siehe dazu Höllenlos.pdf und Bergpredigt.pdf. Dass die katholische Kirche was verzeiht, passiert eigentlich nie. Egal ob es um frühere Besitztümer geht oder um die aktuelle Ungehorsamsdebatte, die kirchlichen Institutionen benehmen sich keineswegs so, wie es mit Mt 18, 21-35 steht. Ganz was Banales in Sachen Schuldvergebung: warum werden in Österreich jedes Jahr Tausende geklagt, die den Kirchenbeitrag nicht zahlen? 2010 wurden 30.691 Klagen eingebracht und 12.130 Exekutionen geführt. Lauter Ausgeburten von Barmherzigkeit?

Schönborn säuselt natürlich wie gewohnt herum. Überschrift:
"Die Macht des Verzeihens".
Passenderweise ist heute der 11. September 2011, er kann daher vom wiedergeborenen Christen George W. Bush nachträgliche zu Mt 18, 21-35 kompatible christliche Antworten fordern: "Als Präsident Bush stattdessen dem Terror den unbarmherzigen Krieg erklärte, war ich entsetzt. Soll das die Antwort eines 'christlichen Landes', eines 'christlichen Präsidenten' sein?"

Aber klar doch! Hat die katholische Kirche nicht sogar auch für Großdeutschland gebetet und die Waffen der deutschen Wehrmacht gesegnet? Und - sofern sie darum gebeten wurde - die Waffen jeder anderen Armee? Bloß die Sowjetarmee hat den Krieg ohne katholisch gesegnete Waffen geführt und ihn sogar gewonnen.

Schönborn schließt mit:
"Es gibt freilich einen gewichtigen Einwand: Politik folgt anderen Gesetzen! Ja, das Leben überhaupt spielt sich anders ab. Wer verzeiht, zieht den Kürzeren. Wer nicht sein Recht gegen das Unrecht einfordert, wird über den Tisch gezogen. Das stimmt - und stimmt doch nicht! Das Recht muss das Recht bleiben. Unrecht muss beim Namen genannt werden. Am 11. September 2001 ist schwerstes Unrecht geschehen. Von einzelnen. Von einer Terrororganisation. Hat das die blutige Kriegsspur gerechtfertigt, die seither nicht endet? Jesus ruft zum Verzeihen auf. Das ist scheinbar die schwächere Position. Im Kleinen wie im Großen ist sie dennoch die einzig zukunftsträchtige."

Nun, der Krieg gegen den Irak wurde nicht von Al Quaida verursacht, sondern von G.W. Bush und seinen Freunde mit Erdöl-Connections. Die Islamisten halten sich jedoch auch an ihr heiliges Buch und an den darin beschriebenen heiligen Krieg. Sie handeln also genauso wie die katholische Kirche gehandelt hat, solange sie die Machtmöglichkeiten dazu hatte. Seit dem Ende des Klerikalfaschismus hat sie diese Macht nirgends mehr. Darum schleimt sie jetzt auf Barmherzigkeit und Vergebung.

Wie wird sich dies in Sachen Ungehorsamsaufruf (siehe Info Nr. 563) der Pfarrerinitiative auswirken? Da kann's der Schönborn direkt in seinem eigenen Verein ausprobieren, die Macht des Vergebens und Verzeihens, speziell dann, wenn die rebellischen Pfarrer die ihnen vorgehaltene Schuld nicht bezahlen. Aber derweilen wird vorwiegend gedroht (siehe Info Nr. 579 und 584).

Stellen wir uns lieber was Besseres vor: A world without religion:

Amen.

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Das 38. Wort zum Sonntag, den 4. September 2011

Mt 18, 15-20: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Heute ist eine Bibelstelle dran, die vermutlich in der Praxis hauptsächlich von den Zeugen Jehovas befolgt wird. Dort besuchen die Brüder einen unsicheren Mitbruder und nehmen ihn sich zur Brust: Zurechtweisung und Drohung mit dem Ausschluss aus der Gemeinschaft. Da Zeugen Jehovas meist unter sich leben, weil private Kontakte zu anderen Menschen höchst unerwünscht sind, bedeutet ein Ausschluss oder ein Austritt auch die Isolierung aus dem bisherigen sozialen Umfeld.

Auf christkatholisch wird die obige Bibelstelle nicht praktiziert. Zumindest habe ich noch nie gehört, dass zwei oder drei Katholerer einen katholischen Mitbruder besuchten, um ihn zurechtzuweisen, weil er am Sonntag nicht zur Messe geht oder weil er ehelos in Partnerschaft lebt oder weil er sich in der Fastenzeit der Völlerei hingibt oder was auch immer. Über katholische Zurechtweisungen mit Ausschlussdrohungen ist nichts bekannt.

Warum eigentlich? Ist ja schließlich eine klare Weisung vom Jesus. Schönborn redet nur um den Brei herum. Zuerst schreibt er in dieser Bibelstelle gehe es "um Grundregeln des Zusammenlebens", dann meint er bloß: "Wie schwer tun wir uns, jemanden persönlich und direkt auf einen Fehler hinzuweisen, eine Verfehlung zu benennen! Wie leicht tun wir uns, über eben diese Fehler mit anderen zu reden! Und leider allzu oft mit Menschen, die das gar nichts angeht. Meist erfährt der eigentlich betroffene als Letzter von unserer Kritik. Es gehört Mut dazu, persönlich, von Angesicht zu Angesicht, einen anderen auf seine Fehler hinzuweisen."

Und wenn der Zurechtgewiesene sich nicht zurechtweisen lässt?
"Dann sag es der Gemeinde - und nicht den Medien! Immer noch soll in der Gemeinschaft nach einem Ausweg gesucht werden. Erst wenn all diese Schritte nichts fruchten, dann sollt ihr an einen Ausschluss denken, weil der Bruder, die Schwester sich selbst außerhalb der Gemeinschaft gestellt haben."

Und wie läuft das in der Praxis ab? Wenn der Herr Pfarrer mit dem Pfarrsekretär und dem Vorsitzenden vom Pfarrgemeinderat alle aufgesucht haben, die am Sonntag nicht zur Kirche gehen, ehelos zusammenleben, beim Vögeln Verhütungsmittel nehmen, in der Fastenzeit völlen oder bei der Arbeit fluchen und sie über das jeweilige Wort des HErrn dazu belehrt haben und die Betroffenen fahren trotzdem fort, nicht in die Kirche zu gehen, Unkeuschheit zu treiben usw., werden die dann vom Pfarrgemeindesekretär aus dem Taufbuch gestrichen und brauchen keine Kirchensteuer mehr zu zahlen?

Wohl kaum. Was heißt "wohl kaum"? Sicher nicht! Sowas gibt's überhaupt nicht! Solche Zurechtweisungen hat die christkatholische Kirche seit dem Ende des Klerikalfaschismus nimmer gemacht! Damals haben die Leute noch darauf hören müssen! Und jetzt? Keinerlei Zurechtweisungen für Glaubensschwache! Das obige Wort des HErrn wird einfach missachtet! Mein Lieber!! Das gibt dereinsten eine saftige Strafe. Mindestens 5000 Jahre Fegefeuer für'n Kardinal Schönborn, weil er keine Zurechtweisungordnung eingerichtet hat! Heulen wird er und mit den Zähnen knirschen! Weil "mein ist die Rache und die Vergeltung für die Zeit, da ihr Fuß wanken wird; denn nahe ist der Tag ihres Verderbens" (5.Mose 32:35).

hier heult er gerade, der Schönborn, zähnegeknirscht wird später

Also los, Herr Kardinal! Bewahren Sie sich vor der Rache des HErrn! Spuckt sie aus die Heiden und die Zöllner! Reduziert die katholische Kirche auf den harten Kern der wahrhaft Katholischen!
Der HErr will das so. Amen.

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Das 37. Wort zum Sonntag, den 21. August 2011
- berichtigt am 28. 8. - siehe unten

Mt 16, 13-20: In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage die: Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den Jüngern, niemand zu sagen, dass er der Messias sei.

Ein bisschen einen Durcheinander gibt's heute bei der Schönbornschen Sonntagspredigt, weil er predigt auf der Homepage der Wiener Diözese was anderes als in der Kronenzeitung. Biblische Nachforschungen ergaben, dass die Predigt auf der Homepage zu Markus 8, 29-38 und nicht zu Mt 16, 13-20 gehört, da hat sich jemand im Predigtarchiv vergriffen! An die Kronenzeitung wurde die richtige Predigt versandt (die beiden angeführten Bibelstellen behandeln auf unterschiedliche Art dasselbe Thema). Aber man lernt daraus: der Herr Kardinal bekümmert sich um solche Dinge gar nicht, er hat einen Pool mit passenden Predigten zu jeder Bibelstelle, die wahrscheinlich fallweise aktualisiert werden, und darauf wird zugegriffen. Pech, wenn sich wer vergreift und dann Schönborn auf der Diözesan-Homepage was Verkehrtes verkündet.

<< Berichtigung vom 28.8.: Der obig geschilderte Durcheinander bezog sich nicht auf Markus 8, 29-38, sondern auf Mt 16, 21-27. Diese Stelle hat denselben Inhalt wie die Stelle bei Markus, war aber eine Woche später dran und Schönborn predigte daher auf der Homepage der Diözese Wien an zwei Sonntagen hintereinander dasselbe. Aber heute am 28.8. spar ich mir mein Sonntagswort und pausiere bibelmäßig. Amen. >>

Aber sei's drum. Die obige Bibelstelle ist sicherlich eine der späteren Ergänzungen, weil die kritische Beforschung der Bibeltexte davon ausgeht, dass Jesus - sofern er als historische Figur überhaupt erfassbar wäre - keine Kirche gründen wollte, sondern so eine Art damaliger Pfarrer Schüller war, der bestehende Zustände in der mosaischen Glaubensgemeinschaft kritisierte. Außerdem war er ein Weltuntergangsprophet und solche Propheten brauchen keine Felsen. Die Urchristen haben das Ende der Zeit erwartet und nicht die Errichtung der römisch-katholischen Kirche.

Aber für die heutige Kirchenführung ist diese Bibelstelle sehr wichtig. Weil sie beschwört Kontinuität und Unveränderbarkeit. Der Jesus sagt's dem Petrus, der Petrus wird Papst, der heutige Petrus heißt Ratzinger und alle machen das, was ihnen Jesus gesagt hat. Also: was will die "Pfarrerinitiative"? Einen Fels kann man nicht mit papierenen Protesten verändern.

Schönborn verwendet das auch so: "Mich tröstet und ermutigt immer dieses so klare Wort Jesu: "Ich werde meine Kirche bauen!" Sie ist weder das Geschäft des Petrus, des Papstes, noch das des Erzbischofs von Wien, noch irgendwelcher Gruppen. Sie ist Seine Kirche, und Er baut sie auf. Deshalb darf ich vertrauensvoll die Kirche in Seine Hand legen. Er ist ihr Chef und Baumeister!"

Schließlich hat der Jesus es ja selber gesagt, dass er der Messias ist und seine Kirche auf Felsen baut. Für gläubige Katholiken sind katholische Götter klarerweise wahrhaftig, darum hat der Schönborn recht und nicht der Schüller. Ganz einfach und theologisch logisch. Für Atheisten wieder ein Anlass mehr, über die katholische Kirche zu lachen. Aber das tun wir eh das ganze Jahr. Amen.

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Das 36. Wort zum Sonntag, den 14. August 2011

Mt 15, 21-28 In jener Zeit zog Jesus sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie von ihrer Sorge, denn sie schreit hinter uns her. Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, du hast Recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

War Jesus bei der FPÖ? Heute wäre er sicherlich dabei und würde gemeinsam mit HC Strache für ein "Abendland in Christenhand" kämpfen!

ein vergleichsweise zur Bibelstelle sehr gemäßigtes FPÖ-Wahlplakat (Wien 2010)

Aber der obige Text zeigt eigentlich in erster Linie auf, dass dieser Jesus als jüdischer Sektenprediger aufgetreten ist, der niemals die Absicht hatte, die "christliche" Religion zu gründen. Die Juden haben nie missioniert, ihre Religion war auf ihre Gemeinschaft begrenzt, dieser Jesus jedoch offenbar ein Extremist, ein nationalistischer Fanatiker, der andere Völkerschaften als Untermenschen, als Hunde betrachtete. Der sogenannte Taufbefehl (Mt 28, 18-20) "Geht hinaus in die ganze Welt und ruft alle Menschen dazu auf, mir nachzufolgen! Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!" ist eine Erfindung aus späteren Zeiten, die zu anderen Stellen der Evangelien (z.B. eben auch der obigen) im totalen Widerspruch steht.

Wie windet sich Kardinal Schönborn aus dem obigen xenophoben und rechtsextremistischen Text heraus? Er fängt gleich kräftig an: "Von Jesus lernen! Das ist der eigentliche Weg, Christ zu werden." Darum ist wohl auch HC Strache zum eifernden Christen geworden, deutschnationale Burschenschaftler sind ja eigentlich sonst nicht sehr christlich. Aber gegen die ausländischen Hunde ist auch der Strache! Und er ist - genau wie Jesus - fallweise auch ein bisschen barmherzig. Wenn die Ausländer fleißig arbeiten, dann vergönnt auch er ihnen ein paar Brotreste vom Tisch des Herrn!

Wie windet sich Schönborn weiter? "Die Frau lässt nicht locker. Sie wirft sich vor Jesus hin, fleht um Hilfe für ihre leidgeplagte Tochter. Jetzt müsste doch Jesus seine Grenzen überschreiten und sein Herz auch für die Andersgläubige öffnen! Stattdessen wirft er ihr ein beleidigendes Wort hin: Das Brot ist für die Kinder, nicht für die Hunde! Die Frau reagiert aber nicht gekränkt. Im Gegenteil: Sie gibt ihm völlig recht: Zuerst müssen die Kinder ihr Brot bekommen, ehe die Hunde dran kommen. Aber etwas fällt bei den Kindern doch immer unter den Tisch. Das dürfen die Hunde haben. Da ist Jesus überwältigt: Frau, dein Glaube ist groß!"

Dann braucht der Katholikenchef noch eine Kurve, er schließt ab mit: "Den christlichen Glauben ernst nehmen, das heißt auch Grenzen anerkennen. Jesus will wohl, dass wir Christen wirkliche Christen sind. Heißt das Verachtung, Schlechtmachen der anderen Religionen? Jesus zeigt uns etwas Anderes. Er staunt über den tiefen Glauben, den er bei dieser kummergeplagten Heidin findet. Er zeigt uns, seinen Jüngern, die oft nur oberflächlich tolerant sind, was es Schönes und Großes ist, echten, gelebten Glauben auch außerhalb der Grenzen unserer Religion zu finden. Und hilft uns so, dadurch selber im eigenen Glauben zu wachsen."

Kein Wort dazu, dass sich die Bittstellerin selber zum Untermenschen degradieren muss, dass sie sich selber den Hunden gleichsetzen muss, damit der Herrenmensch Jesus ihr Speisereste vom Herrenmenschentisch zukommen lässt.

Was für ein widerwärtiger Sektenprediger!
Wenn von der FPÖ irgendwelche Funktionäre heute verkündeten, es ginge nicht an, Brot österreichischen Kindern wegzunehmen und ausländischen Hunden vorzuwerfen, dann gäbe es sicherlich ein Strafverfahren wegen Verhetzung. Mit Recht. Beim Jesus war's einfacher: da degradierten sich die Ausländer freiwillig zu Hunden und Herr Schönborn lobt die kanaanäische Hündin für ihren großen Glauben.

Aber Schönborn macht das ohnehin immer so, wenn diese Bibelstelle dran ist, hier ein Ausschnitt aus der Nr. 3/2005 des damaligen Vereinsblattes der oö. Freidenker "Jessasmaria", dort geht es auf genau dieselbe Art um genau dasselbe Thema! Widerlich.

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Das 35. Wort zum Sonntag, den 7. August 2011

Mt 14, 22-33: Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg. Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrieen vor Angst. Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.

Die heutige Sonntagsstory ist die Fortsetzung von der Geschichte der letzten Woche. Vorige Woche speiste Jesus 5.000 Männer samt Familien mit zwei Fischen und fünf Broten, diesen Sonntag geht er zu Fuß über den See. Da kann man wieder anmerken: für einen Drittelgott, der zusammen mit Vater & Hl. Geist das Universum erschaffen haben soll mit 100 Milliarden Galaxien, ist zu Fuß über einen See zu gehen, ist keine erwähnenswerte Leistung. Warum ist er nicht geflogen oder hat sich teleportiert? Nunja, geflogen sind damals die Menschen noch nicht und auch Teleporter aus Science-Fiction-Heftln wie dem "Perry Rhodan" waren damals natürlich auch noch unbekannt.

Bemerkenswert ist auch, dass Jesus am Berge gebetet hat. Der katholische Gott ist bekanntlich ein einheitlicher Gott in drei Falten - in Wikipedia steht unter "Dreifaltigkeit": "Er (Gott) ist ein Wesen in drei Personen, die alle drei gleich Gott sind: des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes". Warum und wie betet dann eine Falte zum dreifaltigen Gott? Wenn der Jesus eh "gleich Gott" ist wie die anderen zwei Falten, warum betet er überhaupt und betet er dann zum dreifaltigen Gott - also auch zu sich selber - oder ist der bebetete Gott dann nur zweifaltig? Muss ich einmal einen Theologen fragen!

Schönborn befasst sich natürlich nicht mit so dummen Gedanken. Der freut sich darüber, dass - wenn er sich abrackert wie die Ruderer im See - ihm Jesus das Gefühl vermittelt, dieser habe auch für ihn gebetet, ihn im Gebet getragen, damit er nicht untergehe und durchhalte, "in mühsamen Momenten hilft es, daran zu denken: Herr, Du trittst für mich ein!"

Wobei sich die Frage stellt: Was soll so mühsam sein am Leben eines Kardinals? Okay, vielleicht die befohlene sexuelle Enthaltsamkeit, der man entweder mit Schwindel und Heuchelei begegnen muss oder sich fallweise handgreiflich helfen könnte. Das ist bestimmt mühsam, aber einen angejahrten Kardinal wird das auch nimmer so plagen.
Aber sonst in den Tagesgeschäften? Die katholische Religion ist ein von der jeweiligen aktuellen Strömung im Vatikan verordnete Weltanschauung. Man plappert sie nach und verdreht dabei fromm die Augen und wenn Gott nicht will, hilft das gar nix. Selber kann man sowieso nie was dafür. Leibhaftig übers Wasser zu gehen, braucht ein Kardinal nicht.

Interessant der Fiebertraum am Schluss, Schönborn: "Ich erinnere mich an eine solche Nacht, tief in Indien, mit 42 Grad Fieber: Hier kommst du nicht lebend heraus! Todesangst. Alles fremd, weit vom sicheren zu Hause. Und da, gegen Morgen, 'um die 4. Nachtwache' - die Erfahrung einer tröstenden Gegenwart. Es war als sagte der Herr selber zu mir: 'Hab Vertrauen, ich bin es, fürchte dich nicht'."
Statt die Frage zu stellen, warum der liebe Jesus nicht aufgepasst hat, dass sich der liebe Schönborn so eine hochfiebrige Infektion zuzog, freut er sich übers morgendliche Nachlassen. Was wäre in derselben Situation einem Muslim oder Atheisten passiert? Der eine hätte nicht Jesus, sondern Allah gedankt, der andere hätte sich gefreut, dass sein Körper die Infektion ausgehalten hat und sich vielleicht vorgenommen, nimmer nach Indien zu fahren, weil dort die hygienischen Verhältnisse eher ungewohnt sind. Ein glaubensfreier Freund von mir hat nämlich Ähnliches wie Schönborn erlebt und danach so gedacht. So war das. Amen.

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Das 34. Wort zum Sonntag, den 31. Juli 2011

Heute wäre eigentlich Mt 14, 13-21 zu verkünden, das ist die Story von den 5.000 Männern plus Frauen und Kinder, die der Herr Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen gespeist habe. Obwohl es für einen Gott, der das ganze Universum geschaffen haben soll, wohl keine große Kunst sein könnte, mittels einer wunderbaren Brot- und Fischvermehrung einen Haufen Leute abzufüttern, macht sich Kardinal Schönborn in seiner Kronenzeitungspredigt eigens die Arbeit auch die modernere theologische Ansicht zurückzuweisen, "manche meinen, das Wunder habe darin bestanden, dass Jesus so herzbewegend über das Teilen und die Nächstenliebe gepredigt habe, dass alle ihre Jausenpackerln mit den anderen geteilt hätten - und so seien alle satt geworden". Für Schönborn kann das nicht so gemeint sein: "Alles spricht dafür, dass es tatsächlich ein überwältigendes Wunder war, das Jesus da vollbrachte und das die Apostel beim Austeilen der Brote sozusagen mit Händen greifen konnten." Also noch einmal: ein Schöpfergott, der Milliarden Galaxien geschaffen hat, der wird doch auch ein paar tausend Menschen füttern können. Schönborn bemerkt allerdings diese gewaltige theologische Ungleichgewichtigkeit überhaupt nicht.

Aber sei's drum, hier wird heute ohnehin ein anderes Evangelium verkündet:
Das Glaubensbekenntnis der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters (FSM)!

Wir glauben an ES, das Fliegende Spaghettimonster. ES hat die Welt erschaffen, so wie sie ist. ES hat sich uns nicht gezeigt und uns glauben gemacht, die Welt wäre entstanden und hätte sich selber geschaffen. All dies ist falsch, wie ES uns jetzt gezeigt hat. Denn ES hat sich uns offenbart. Wir sind die einzigen, die den wahren Glauben erkennen und weitergeben. Beten Sie ES an, denn ES ist Schöpfer und der Herr in der Nudelsauce. RAmen!
Für die FSM-Gläubigen, genannt Pastafarian, ergeben sich folgende Vorteile gegenüber anderen Religionen:
Flauschige moralische Standards.
Jeder Freitag ist ein religiöser Feiertag. Wir arbeiten an einer bundesweiten Anerkennung.
Unser Himmel ist weit besser: wir haben eine Stripperfabrik und einen Biervulkan.

Folgt diesem Wort! Näheres siehe unter Info Nr. 549 und denk daran! Spaghetti werden auch für Deine Sünden gekocht!

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Das 33. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 24. Juli 2011

Mt 13, 44-52: In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie. Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg. So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja. Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.

Schon wieder ein Text mit Heulen und Zähneknirschen! Wie letzten Sonntag! Aber heute kann sich Kardinal Schönborn an diesem Aspekt leichter vorbeipredigen. Die "Bösen", die in den "Ofen" geworfen werden, "in dem das Feuer brennt" und die dort heulen und mit den Zähnen knirschen werden, kommen in Schönborns Predigt überhaupt nicht vor. Da werden Sünder und Ungläubige ewiger Folterstrafe unterworfen, pow, was geht das einen Kirchenfürsten an, der glaubt zwar an die Bibel, aber das ist ihm zu heikel, weil da wäre sein lieber Jesus ja ein abgrundtief bösartiger Schurke, letzten Sonntag hat er ja auch nur ganz abstrakt von der Sünde und nicht von den konkreten Sündenstrafen laut Bibel gepredigt..

Heute redet Schönborn von Leuten, die Äcker mit Schätzen kaufen. Wobei er immerhin zugibt: "Besonders ehrlich ist der gute Mann nicht. Statt dem Eigentümer des Ackers den Fund zu melden, versteckt er ihn wieder, wo er war und lässt den Besitzer in Unwissenheit", aber sowas zu tun, ist keine Sünde, zumindest keine, die der Herr Kardinal anprangert. Der Perlensammler wird dann gleichgesetzt mit Leuten, die alles aufgeben, um für Jesus auf Mission zu gehen, weil der Jesus ihre Perle ist.

Vom Fischernetz redet Schönborn vorsichtshalber gar nix, da schließt er lieber mit der Perle einen Kompromiss: "Wie steht es mit den Vielen, die sich bemühen, Christen in ihrem Alltag zu sein, ohne deshalb gleich radikal alles aufzugeben, sich auf das Abenteuer der Nachfolge Jesu total einzulassen? Und gehöre ich nicht selber eher zu diesen Vielen, die ihr Christsein mit so manchen Kompromissen zu leben versuchen? Ich hoffe, dass meine Antwort kein fauler Kompromiss ist, sondern in den Augen Jesu Gnade findet. Nicht alle kommen im Leben zu Radikalentscheidungen. Aber alle stoßen wir täglich auf kleine Entscheidungen, die in Summe auch zu einer großen Lebensentscheidung werden.
Ein Beispiel: Täglich muss ich mich entscheiden, ob ich meiner Laune, meiner Unlust, meinem Grant nachgebe oder sie überwinde durch ein freundliches Wort, eine aufmerksame Geste, einen liebevollen Blick. Kleinigkeiten? Gewiss! Aber in Summe machen sie Großes aus. Und auch da leuchtet die Freude auf, den Schatz im Acker, die kostbare Perle gefunden zu haben."

Ja, das kann er, der Herr Kardinal, ein freundliches Gesicht schneiden, mit den Händen segnen und andere Hände schütteln, die Augen zum Himmel verdrehen. Das ist dann das Große, das er zu bieten hat. Die aufleuchtende Freude kann sich allerdings bei dem Anblick des den Grant verbergenden fröhlich-freundlichen Gesichtes in Grenzen halten. Dazu sieht es zu antrainiert und unglaubwürdig aus, siehe Wikipedia-Bild rechts. Der freut sich nicht von Herzen, der ist bloß ein schlechter Schauspieler. Amen.

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Das 32. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 17. Juli 2011

Mt 13, 24-30 / 36-43: In jener Zeit erzählte Jesus der Menge das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zum Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Weizen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich zu den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune. (die Verse 31-35 - Gleichnisse vom Senfkorn und vom Sauerteig - wurden weggelassen) Dann verließ er die Menge und ging nach Hause. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. Er antwortete: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt wird und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

Heute haben wir wieder einmal eines der ganz bösen Jesusworte, es wird im Feuer geheult und zähnegeknirscht. Sonst redet Schönborn üblicherweise darum herum, weil das brennende Höllenfeuer wird heutzutage nimmer so richtig hochgeschätzt. Ja früher! Da lebte der ganze Katholizismus vom Gott, der alles sieht und weiß und die Sünder ins Ewige Feuer schmeißt! Diese Schmeißerei hat sich bekanntlich nach dem 2. Vatikanum ziemlich aufgehört. Bei der heutigen Stelle des Evangeliums geht das aber schwer. Weil da hat der böse Teufel mitgesät. Und diese bösen vom Teufel gesäten Unkräuter verführen dann auch noch die guten Kräuter, die der HErr gesät hat. Unkräuter sind zum Beispiel Atheisten, die Gottes Gesetze übertreten. Speziell den Paragraphen 1 der Zehn Gebote. Die glauben einfach nicht an einen Gott! So ein Unkraut! Und womöglich äußern sie noch öffentlich, es gebe gar keine Götter und verführen damit andere! Darum: ins Feuer! Heulen! Zähneknirschen!

Schönborn endet seine heutige Predigt mit:
"Der gute Samen, das sind 'die Söhne des Reiches', das heißt wohl: die Menschen, die Gottes Wort aufnehmen, die versuchen, Gott in ihrem Herzen und Leben Raum zu geben. Dann gibt es die, die sich 'der anderen Seite', dem Bösen, geöffnet haben. Und solange es noch nicht Erntezeit ist, wird beides nebeneinander wachsen. Immer wird das Unkraut des Bösen seine schlimme Macht entfalten. Ja, leider, dieses Unkraut verdirbt nicht. Auch nicht in mir selber! Auch in meinen Herzen wächst so manches üble Unkraut. So sehr ich mich bemühen muss, es zu bekämpfen, ganz bekomme ich es nie weg. Aber einmal wird Erntetag sein. Einmal wird Gott all das Böse dieser Welt beseitigen. Einmal wird das Gute ganz siegen. Wie wird der Erntetag bei mir aussehen? Diese Frage gibt mir Jesus mit!"

Wozu man wieder einmal den alten Witz servieren kann: Die Erntetage für religionsfreie Menschen und gläubige Katholiken werden ganz gleich aussehen. Die Religionsfreien kommen nicht in den Himmel, weil sie nicht dran glauben, die Gläubigen kommen nicht in den Himmel, weil es keinen gibt. Amen.

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Das 31. Atheisten-Wort zum Sonntag, den 3. Juli 2011

Mt 11, 25-30: In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

Der Evangelist Matthäus hat es mit den Einfältigen. An anderer Stelle (Mt 5,3) lobt er die "Armen im Geiste", was Anlass war, die Einheitsübersetzung der christlichen Bibel zu zensieren und auf "Selig sind die, die arm sind vor Gott" zu verfälschen, weil den treugläubigen Dummen wollte man ihre geistige Schlichtheit nimmer so direkt vorhalten. Aber an der obigen Stelle blieb die Deklaration von Gläubigen als "Unmündige" erhalten.


auf diesem Kirchenfenster wurde der Bibeltext noch nicht zensiert

Zu den "Unmündigen" eine rechtliche Definition: "Von Unmündigkeit spricht man, wenn ein Mensch noch nicht die Reife besitzt, um die Folgen seiner Handlungen einschätzen zu können."
Emanuel Kant definierte so: "Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"

Schönborn hat darum wieder einige Mühe mit diesem Thema. Er redet zuerst von den "Großkopferten", geradezu als ob ein "Großkopferter" kein Trottel sein kann. Man denke etwa an George W. Bush junior. Zu den "Weisen und Klugen" hat er sicherlich nicht gehört, aber zu den Christen. Weiter führt Schönborn aus: "Jesus ist voll Freude, dass die 'Unmündigen' Zugang zu Gott haben, dass Gott in ihrem Leben Platz hat, sich ihnen 'offenbaren' kann. Es gibt Menschen, die für Gott offen sind. Und Jesus weiß: das sind nicht die, die von sich so eingenommen sind, dass sie nur sich selber sehen."

Ja, wer von sich so "eingenommen" ist, dass er sich seines eigenen Verstandes bedient, der wird schwer einen Zugang zu den biblischen Geschichtchen finden können, weil dazu bedarf es wahrhaft eines schlichten Gemütes oder einer entsprechenden Konditionierung im frühen Kindesalter. Man könnte daher das Christentum als Religion für Dick und Doof sehen, aber damit täte man dem genialen Komikerduo schon allein deswegen unrecht, weil das Christentum bei weitem nicht so lustig ist!


Was Stan hier vorführt, ist kein Kreuzzeichen, dafür aber lustig

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