Jeden Sonntag predigen die Pfarrer in der Kirche über die im aktuellen Kirchenjahr vorgesehene Stelle in der Bibel. Sogar Menschen, die nie in die Kirche gehen, können diese Predigten in der Heiligen Kronenzeitung nachlesen, denn dort predigt Kardinal Schönborn eigenhändig. Was ihm allerdings nicht viel Arbeit macht, weil seine Predigt eh auf der Homepage der Diözese Wien steht, die besorgen sich die Kronenzeitungsmacher per copy & paste ohne besonderen Aufwand.

Aber gerade das reizt auch Atheisten. Zu den Bibeltexten fällt einem nämlich oft ganz was anderes ein als dem Herrn Schönborn. Darum wird hier auf ATHEISTEN-INFO recht häufig auch ein Wort zum Sonntag losgelassen.


Wegen der Länge der Dateien werden diese regelmäßig geteilt
Teil 3 - Nr. 61 bis 90

Die Sonntagsworte von Juli 2010 bis Juni 2011 sind auf sonntag1_30.html zu finden, von Juli 2011 bis Februar 2012 auf sonntag31_60.html, von Februar bis September 2012 hier, von September 2012 bis März 2013 auf sonntag91_120.html, von März bis Oktober 2013 auf sonntag121_150.html, von Oktober 2013 bis Mai 2014 auf sonntag151_180.html und von Mai bis November 2014 auf sonntag181_210.html, von Ende November 2014 bis Mai 2015 auf sonntag211_240.html, von Mai 2014 bis Ende 2015 auf sonntag241_270.html, von Dezember 2015 bis Ende Mai 2016 auf sonntag271_300.html, von Ende Mai bis Anfang Dezember 2016 auf sonntag301_330.html, von Anfang Dezember 2016 bis Ende Mai 2017 auf sonntag331_360.html, die aktuelle Site ist unter sonntag.html zu finden.


. Die aktuellen Sonntagsworte sind auf sonntag.html.


Das 90. Wort zum Sonntag, den 9. September 2012

Mk 7, 31-37: In jener Zeit verließ Jesus das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis. Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden. Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt. Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Der obige Text zeigt wieder einmal die Einfalt der damaligen Zeit. Dass ein Taubstummer deswegen nicht sprechen kann, weil er wegen seiner Taubheit das Sprechen nicht erlernen hatte können, das war den Evangelisten und darum auch dem Jesus nicht klar, da waren die Ohren zu und die Zunge gelähmt, es lagen also zwei von einander unabhängige Krankheiten vor.

Sowas fällt natürlich dem Schönborn in seinen Sonntagspredigten niemals auf. Schließlich darf ein Evangelist, der Gottes Wort verkündet, kein ahnungsloser Dummkopf sein. Schönborn verlegt sich in seiner heutigen Predigt auf die christliche Liebe zu den Behinderten. Eine Liebe, die offenbar der Jesus nicht hatte, weil der obigen Erzählung nach hat er den Behinderten ja zu einem Nichtbehinderten umgebaut.

Der österreichische Oberbischof verströmt sich freudevoll über die Behinderungen, lobt Eltern, die behinderte Kinder betreuen und verdammt diejenigen, die Embryos mit Gendefekten nicht austragen und es lieber noch mal versuchen, unbehindertes Leben zu zeugen. Wobei er sich offenbar gar keine Gedanken darüber macht, dass ein ausgetragenes behindertes Kind dann ja sozusagen das Produkt des zweiten Versuches verhindert, also ein nichtbehindertes Kind deswegen nicht geboren wird, weil das behinderte Kind ausgetragen wurde. Letzteres nicht zu tun, ist eine schwer Sünde, weil wem Gott ein behindertes Kind schenkt, der muss in demütiger Gottesliebe dieses Kreuz auf sich nehmen oder so irgendwie.

Frauen erzeugen in ihrem Leben ein paar hundert befruchtungsfähige Eizellen, die nahezu alle unbefruchtet bleiben, Männer stoßen bei jedem Verkehr etwa 300 Millionen Samenzellen mit dem DNA-Code aus, von diesen Zellen gelangen in der Regel im Laufe eines Männerlebens kaum mehr als null in eine weibliche Eizelle. Mein Großvater mütterlicherseits zeugte achtzehn Kinder, eine enorme Anzahl, aber das sind bloß 0,00000006 eines einzigen Geschlechtsverkehrs. Der Großvater hat mit 29 geheiratet und ist 70 geworden. Nehmen wir an - da er sehr katholisch war - habe er nur in der Ehe und nur einmal in der Woche seine Samenblase entleert, dann hat mein Großvater 0,000000000028125 seiner 639.600.000.000 Samenfäden mit Erfolg zur Befruchtung verwendet. Alle anderen hatten keine Nachkommen. Die Samenfäden des Herrn Schönborn wurden sämtliche zweckwidrig verwendet.

Aber lassen wir diese spaßhaften Rechnereien, die ich mit Excelhilfe versucht habe und lauschen wir dem zusammenfassenden Schlussabsatz der kardinalen Sonntagspredigt: "'Öffne dich!' sagt er zum Taubstummen und heilt ihn. 'Öffne dich!' sagt er auch uns. Öffne dein Herz für die Behinderten. Morgen schon kannst du einer von ihnen sein und im Rollstuhl sitzen. Die Offenheit für die Not anderer, die du heute lebst, möchtest du dann auch dir gegenüber erleben. Blick zum Himmel auf, von wo dir in allen Seufzen und Mühen Hilfe kommt. Dann werden sich auch dir die Ohren, der Mund und vor allem das Herz öffnen."

Ah, da hätte ich gleich ein Anliegen! Seit zwei Unfällen, die jedes Mal meinen rechten Unterschenkel heftig trafen, bin ich nur noch eingeschränkt mobil, also wo ist der Jesus und ersetzt mir die Platte im Unterschenkel durch gesunde Knochen und wiederbelebt auch noch den abgestorbenen Unterschenkelnerv?

Selbst wenn ich ein devoter Gläubiger wäre und jahrelang seufzend Rosenkranz betete, nach Lourdes, Medjugorje und zum Papst nach Rom wallfahren täte, die Platte und die 13 Nägel verschwänden nicht und der Nervus Peroneus feierte keine Auferstehung.

Wenn man die Sache allerdings säkular betrachtet:
Es lag ein Arbeitsunfall vor,
deshalb erreichten die Seufzer meiner bedrängten Kreatur die Unfallversicherung und die UVA kam mir zur Hilfe - mit Operationen, Therapien und einer Unfallrente. Der Jesus repariert keine Knochen und zahlt keine Renten, weder sonntags noch unter der Woche. Amen.


Das 89. Wort zum Sonntag, den 2. September 2012

Mk 7, 1-8.14-15.21-23: In jener Zeit hielten sich die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, bei Jesus auf. Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen. Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen? Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen. Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen. Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage: Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

Seinerzeit war es üblich, irgendwelche gesetzliche Vorschriften als göttliche Weisungen zu deklarieren, weil wenn es von Gott kommt, dann gibt es keine höhere Instanz mehr. Zum Beispiel wurde auch bei den Urvölkern das Inzestverbot nicht als Anordnung vom Häuptling oder vom Medizinmann, sondern als höhere Weisung höherer Mächte eingeführt und dem Volke so eingehämmert, dass allein schon aus Gottesfurcht keiner mehr seine Schwester vögelte. Im Alten Testament sind ja auch diesbezügliche göttliche Weisungen enthalten, siehe 3. Moses-Buch 18, 6-19 und 20, 11-21. Diese Vorschriften waren wohl deshalb entstanden, weil man bemerkt hatte, dass Inzucht zu behinderten oder nicht lebensfähigen Kindern führen kann. Warum, wusste man nicht, also wachte das Totem-Tier darüber oder hat es eben Gott verboten, der Wille des HErrn geschehe, amen. Dass dreckige Hände Krankheitserreger auf Speisen übertragen, wusste man im Detail auch nicht, aber es war beobachtet worden, dass Händewaschen dem Erbrechen und dem Durchfall vorbeugt. Man konnte den Menschen nicht erklären, Ihr Dreckfinken wascht Euch die Hände, bevor Ihr nach Speisen greift, damit Ihr keine Krankheiten erregende Bakterien fresst, weil diesen Zusammenhang wusste man selber nicht, also gab's eine Gottesanordnung zum Händewaschen und Ende der Debatte!

Der allwissende Jesus hatte klarerweise ebenfalls keinerlei Ahnung von den Hintergründen der Hygiene, wie alle Götter war er genauso dumm wie seine Schöpfer. Die Schöpfer des Gottesbefehles zum Händewaschen waren jedenfalls wissender als dieser Jesus bzw. als der Evangelist Markus, der diesen Unsinn - reines Herz statt reine Hände - aufschrieb.

Was dazu führte, dass die Unterscheidung von wichtigen und unwichtigen Gottesgesetzes falsch dargestellt wurde. Händewaschen ist eine sinnvolle Verhaltensweise, ein hinterlistiger und boshafter Dieb hat sich auch damals nicht von seinen sündhaften Taten durch Händewaschen reingewaschen, aber einer der ein habgier- und mordlustloses Herz hatte, konnte trotzdem eine fürchterliche Scheißerei bekommen, wenn er zwar mit reinem Herzen, aber ungewaschenen Händen speiste. Hygiene und Strafgesetz haben heute nichts miteinander zu tun. Im damaligen jüdischen Gesetz gab es insgesamt 613 göttliche Vorschriften, das reichte vom Händewaschen, über den Schadenersatz für Flurschaden bis zu Mord und Todschlag und der Steinigung von Leuten, die die Sabbatruhe nicht einhielten (siehe zu Letzterem 2. Moses-Buch, 31, 12-14), alles war durch Gottesgesetz geregelt.

Klarerweise versteht der Schönborn diesen hier geschilderten Hintergrund nicht und schwafelt daher allerlei übers gute Herz herum, sein Schlusssatz: "Gott schaut nicht auf die gewaschenen Hände, sondern auf das lautere Herz!" Nu, dann soll der Schönborn, falls er einmal operiert werden sollte, die Ärzte ersuchen, ihn mit lauterem Herzen, aber dreckigen Fingern aufzuschneiden. Es könnte dann sein, dass er in der Folge das Händewaschgebot versteht und auch merkt, dass sein Jesus (bzw. der Textverfasser Markus) keine Ahnung hatte, wovon er überhaupt redete. Amen.


Das 88. Wort zum Sonntag, den 26. August 2012

Johannes 6, 60-69: Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören? Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Das ist ein sehr aktuelles Thema! Das findet auch Bischof Schönborn, denn das Weglaufen der Jünger ist heute das Hauptmerkmal der Religionen in Europa - wenn man von den zugewanderten Islamisten absieht, die laufen noch nicht so viel davon, weil die kommen ja aus vorreformatorischen Verhältnissen, dort wird das "Opium des Volkes" noch mit Begeisterung konsumiert.

Ich habe das oben Beschriebene als Kind direkt erlebt. Allerdings nur teilweise. Da ich aus einem religionsfreien Elternhaus stammte, Taufe und Religionsunterricht nur aufgrund der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse - Religionslosigkeit war im ländlich-dörflichen Umfeld schlimmer als Aussatz - über mich ergehen lassen musste, war der obige Satz "Wer kann das anhören?" fester Bestandteil in meinem Schülerleben, zwölf lange Jahre musste ich mir zweimal wöchentlich dieses unerträgliche Jesus-Geschwätz anhören, freilich war ich logischerweise keine Jünger, sondern ein Opfer klerikalfaschistischer mittelalterlicher Traditionen.

Worüber freut sich Schönborn heute, was gibt ihm Zuversicht und Gottvertrauen? Da die heutige Sonntagsgeschichte die Fortsetzung der Geschichten vom 12. und vom 19. August ist, geht's dem Herrn Kardinal weiterhin um das Verspeisen des HErrn. Die Jünger hätten sich was anderes erwartet gehabt, eine Hilfe auf Erden, statt Versprechungen über jenseitige Götterspeisen.

Nach einigem Gebrabbel darüber der heutige Schönborn-Schlusssatz: "Ist das mit heute vergleichbar? Ja und nein! Die heutige Abkehrbewegung gilt meist der Kirche, nicht Jesus direkt. Und doch ist auch heute die Abwendung von der Religion oft damit verbunden, dass sie nicht das zu bringen scheint, was viele sich vom Leben erwarten. Und so fragt Jesus heute wie damals: 'Wollt auch ihr weggehen?' Wie Petrus antworten Menschen auch heute: 'Zu wem sollten wir gehen?' Wir haben viele Wege versucht. Nirgendwo haben wir gefunden, was nur du uns geben kannst. Einen Besseren fanden wir nirgendwo."

Hier liegt der österreichische Oberbischof zwar nicht ganz falsch, aber eindeutig schief. Die heutige Abkehr von der Religion ist in der Hauptsache weder eine Abkehr von der Kirche, noch von Jesus, sondern schlichtes Desinteresse an religiösen Weltsichten. Die reaktionären Zustände in der katholischen Kirche ärgern zwar auch viele aktive Kirchenmitglieder, aber der Verlust an religiöser Substanz ist bei den liberalen Protestanten sogar noch höher. Und der liebe Jesus spielt im Denken der breiten Masse der Europäer eigentlich kaum noch eine wirkliche Rolle. Dass das Verspeisen seines Leibes eine jenseitige Belohnung bringt, eine solche Schlichtheit des Denkens hat eben ihre Grenzen. Da verschwenden Menschen mit illusorischen Gefühlswelten ihre diesbezüglichen Gedanken lieber an Horoskope, Bachblüten oder buddhistische Meditationen. Die Suchenden sind heute eindeutig weniger als in den Zeiten wo Religion noch das "Opium des Volkes" war und wer heute abergläubische Stützen sucht, der findet schnell was als interessanter Erscheinendes. Amen.


Das 87. Wort zum Sonntag, den 19. August 2012

Joh 6, 51-58: In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

Das ist heute die Fortsetzung vom 12. August. Auch damals ging es schon um das Verspeisen des HErrn. Innerhalb der diversen christlichen Kirchen und Sekten wird dazu unterschiedlich Stellung bezogen, bei manchen ist es so wie bei den Katholischen, bei anderen ist ihr Jesus symbolisch dabei oder das "Abendmahl" gilt als Gedächtnisfeier. Dadurch gibt es bei den ökumenischen Zusammenkünften keine gemeinsamen vollständigen Messfeiern, weil die Jesusspeise keinen einheitlichen Charakter hat.

Kommen dürfte der Glaube an ein tatsächlich leibliches Verspeisen des Jesus aus archaischen Zeiten. In der Urgeschichte gab ein verspeister Bär vermeintlich auch Bärenkräfte und ein verspeister Feind musste seine Kräfte ebenfalls dem Verspeiser übertragen. Ebenso glaubte man in diesen Zeiten, das Verspeisen Verstorbener (Vorfahren, Kinder) sichere diese im eigenen Körper. Das Essen von Körperteilen von Toten, z.B. von Hingerichteten, war lange Jahre auch aus vermeinlichen medizinischen Gründen beliebt, Menschenhirn sollte etwa gegen Epilepsie helfen. Noch im späteren 19. Jahrhundert gab es Grabräuber, die aus frischen Gräbern Körperteile und Blut für solche magisch-kannibalische Rezepte raubten.

Der katholische Glaube hält an solchen vorgeschichtlichen Vorstellungen fest, man verspeist die durch den Priester bei Wandlung in der Messe in den tatsächlichen Leib Christi verwandelte Oblate (oder ein sonstiges Brotgebäck) und nimmt vermeintlich damit wirklich den Leib Christi in seinen Körper auf, vereint sich dadurch mit dem ewigen Gott. Der Einzug des Jesus in das Kommunionsgebäck erfolgte in der seinerzeitigen lateinischen Messe durch den Priesterspruch, "qui pridie quam pateretur, accepit panem in sanctas ac venerabiles manus suas, et elevatis oculis in coelum ad te Deum Patrem suum omnipotentem, tibi gratias agens, benedixit, fregit, deditque discipulis suis, dicens: Accipite, et manducate ex hoc omnes: Hoc est corpus meum" ("er nahm am Abend vor seinem Leiden Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, erhob die Augen gen Himmel zu dir, Gott, seinem allmächtigen Vater, sagte dir Dank, segnete es, brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet hin und esset alle davon: Das ist mein Leib".) Aus dem Wandlungsspruch "hoc est corpus meum" wurde - irgendwie sehr logisch - volkstümlich der "Hokuspokus".


Schönborn muss sich daher herausreden, denn ein unvoreingenommener Mensch könnte meinen, "einer, der sein Fleisch anderen zum Essen gibt - das ist doch pervers! Erinnert das nicht an diese grauenhafte Geschichte vor einigen Jahren, als einer im Internet sich zum kannibalischen Essen anbot?" Die Kurve versucht der Wiener Bischof dann so zu kratzen: "Jesus spricht hier offensichtlich von einer unbeschreiblichen Verbindung zwischen ihm und den Menschen. Wer sein Fleisch isst, sein Blut trinkt, hat das Leben in sich. Wie hat Jesus das verstanden? Er sagt selber: 'Wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben'."

Damit scheint dem Kardinal alles klar zu sein: "Darunter konnten sich seine Jünger etwas vorstellen. So haben sie ihn erlebt: als einen Menschen, der ganz aus seiner Gottverbundenheit lebt. Jesus hat einmal gesagt, es sei seine Nahrung, seine Speise, den Willen des Vaters zu tun. War das also in diesem Sinn zu verstehen, wenn Jesus sagt: 'Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm?'"

Aber das war zuviel Kurve und noch unverständlicher, darum der Schlussabsatz: "So wild, so ungeheuerlich diese Worte klingen, nicht alle waren davon total abgestoßen. Aber ich muss zugeben, leichte Kost, bequeme Rede ist das nicht. Die Versuchung ist groß, das alles abzuschwächen, umzudeuten, damit es weniger anstößig ist: Dass Jesus das mit seinem Fleisch und seinem Blut symbolisch gemeint habe, nicht so direkt und wörtlich. Doch dagegen sperren sich die letzten Worte Jesu. Er hätte selber ja leicht die Empörung seiner Zuhörer abfangen können, indem er einfach erklärt hätte, er habe niemanden schockieren wollen, er habe hier nur bildhaft gesprochen. Im Gegenteil: 'Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank.' Jesus meint, was er sagt. Als er im Abendmahl Brot und Wein nahm, sagte er: 'Das ist mein Leib; das ist mein Blut'. So glauben wir es bis heute, wenn wir die Kommunion empfangen."

Somit bleibt's dabei, das Verspeisen des Leib des HErrn ist religiöser Kannibalismus und keine symbolische Handlung, man frisst seinen Gott und dadurch setzt sich das ewige göttliche Leben des verspeisten Gottes im Körper des Gläubigen ab und vereinigt sich mit ihm. Die katholische Religion ist ein makabrer steinzeitlicher Hokuspokus, amen.


Das 86. Wort zum Feiertag "Maria Himmelfahrt", am 15. August 2012

Lk 1, 39-56: In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Die heutige Geschichte ist was Wunderschönes, weil hier prallen im Evangelium und in der Interpretation durch Kardinal Schönborn biblische Einfalt und bischöfliche Weltfremdheit auf das Schönste zusammen. Vor Freude hüpft der Fötus des späteren als "Johannes der Täufer" ins Neue Testament eingezogene Predigers und die vom HErrn mit gottessöhnlicher Leibesfrucht beglückte Maria hält eine klassenkämpferische Rede.

Zwar hat die christkatholische Kirche in ihrer ganzen Geschichte es immer mit den Reichen und den Mächtigen gehalten, unter christlichen Parteien versteht man die Interessensvertretungen der Großagrarier, Banken und Konzerne. Als dieser Tage die SPÖ wieder einmal das Thema Vermögenssteuer für Reiche (mit mehr als einer Million Euro Vermögen - das wären in richtigem Geld 13.760.300 Schilling) anschnitt, haben sich die ÖVP-Christen sogleich mit wildester Entschlossenheit vor die Reichen und gegen die Niedrigen positioniert, denn schließlich haben sie ja eine ausgezeichnete christkatholische Moralausbildung, denn christliche Politiker beschenken die Reichen und lassen die Niedrigen - wenn sie ihnen nichts mehr wegnehmen können - leer ausgehen.

Schönborn jedoch hat solches Tun bisher nicht wahrgenommen. Denn schließlich gibt's fallweise Klostersuppe für Obdachlose. "Maria Himmelfahrt" existiert erst seit 1950, damals hat nämlich Papst Pius XII. verfügt, es sei ein Dogma, das jedweder Katholik zu glauben habe, dass die Gottesmutter Maria leiblich in den Himmel aufgefahren sei. Der 15. August ist in Österreich ein Feiertag, in acht Schweizer Kantonen und in Deutschland im Saarland und in 1.700 Gemeinden in Bayern, auch in einigen traditionell katholischen Ländern wie Italien, Polen, Spanien etc.

Schönborn fragt zuerst, was es am 15.8. zu feiern gäbe und meint dann: "Wer genauer hinschaut, findet reichlich Gründe, heute zu feiern. Ich versuche, aufzulisten, was mir an diesem Fest wichtig ist, für Österreich!" Was dem Bischof wichtig daran ist, kann unsereinem ja egal sein, was ist wichtig für Österreich?

Hier die Liste des Herrn Kardinals: "Eine Frau, die keine Macht hat, kein Vermögen, keine Berühmtheit, besingt die Macht und Größe Gottes, der nicht auf irdische Größe schaut, sondern der sich der Kleinen erbarmt, und der die Demütigen groß macht. In ihrem Lied verweist Maria alle, die sich in dieser Welt groß und wichtig machen, auf ihren Platz. Ihr Lied ist wirklich umstürzend: 'Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen'.
In Zeiten wie diesen bekommt das Magnificat einen besonderen Klang. "Hochmut kommt vor dem Fall", sagt das Sprichwort, und Maria preist Gott dafür, dass er die hochmütigen Herzen "auffliegen" lässt. Die ihre Macht Missbrauchenden lässt Gott straucheln, sodass sie von ihren selbstgemachten Thronen stürzen. Und die Reichen, die immer noch mehr wollen, lässt Gott leer ausgehen, weil sie nichts von allem, was sie angesammelt haben, einmal mitnehmen können.
In einem von Krisen und Skandalen heimgesuchten Österreich tut es gut, auf Maria, die Schutzfrau Österreichs zu schauen, und ihr mutiges Lied zu singen, das Reformprogramm, das wir brauchen und das uns wirklich hilft."

Und? Wo ist wer vom Thron gestürzt? Der Kärntner Landeshauptmann? Aber der ist eher ein Trottel als ein Mächtiger und derweilen taumelt er noch heftig und will gar nicht stürzen. Und die Spekulanten, die lässt Gott leer ausgehen? Wo? Und wo wurden die Niedrigen erhöht? Ein bisschen ein Beispiel sollte man dazu schon anführen können, eins wenigstens!

Ah, jetzt versteh ich's, die Reichen können dereinsten nix mitnehmen, wenn sie in die Grube fahren! Und im Paradies werden die Niedrigen getröstet und erhöht werden. Mein Lieber, das hat Gott aber weise eingerichtet! Das ist ein Bombenprogramm für Österreich! Darüber sollte die ÖVP viel mehr reden! Esst Klostersuppe und freut Euch aufs ewige Leben. Oder arbeitet fleißig bis zum Umfallen und seid den Reichen nur ja nix neidig, weil Neid ist eine Todsünde, im Himmel wird das alles ausgeglichen werden, dort zahlen Reiche 100% Vermögenssteuer. Das ist das katholische Reformprogramm der Frau Gottesmutter, aber nicht für Lebende, sondern für Tote, amen.


Das 85. Wort zum Sonntag, den 12. August 2012

Joh 6, 41-51: In jener Zeit murrten die Juden gegen Jesus, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen? Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen. Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.

Man fasst es irgendwie nicht. Es gibt tatsächlich auch heute noch Menschen, die glauben das wörtlich. Der Gottessohn Jesus ist zuerst Mensch und dann Brot geworden und wer an den Jesus glaubt und das Jesusbrot isst, der lebt ewig. Schwindlich könnte einem davon werden, wende man anfinge darüber den Kopf zu schütteln. Der Schönborn ist natürlich selig, weil er glaubt an den Jesus, isst den Leib Christi täglich und kommt deshalb zum Jesus ins Paradies. Und jeden Sonntag sagt er das auch den Kronenzeitungslesern. Er merkt immerhin an: "Damals, als Jesus so zu den Leuten sprach, haben ihn viele verlassen und gefunden, dass er Unsinniges rede." Allerdings hat ein historischer Jesus - falls es einen solchen gegeben hat - nie was davon erfahren, dass er das Brot des Lebens ist. Der Evangelist Johannes hat das erst anfangs des 2. Jahrhunderts niedergeschrieben, in seinem Text stehen viele schöne Sprüche und Reden, die in den anderen drei Evangelien, die deutlich früher entstanden sind, nicht enthalten sind. Der religiöse Unsinn ist daher noch abgehobener.

Aber machen wir's kurz, der Schlussabsatz vom Kardinal: "Brot ist zum Leben da. Ohne Lebensmittel können wir nicht leben. Jesus sagt den Menschen damals wie heute: Ohne mich könnt ihr nicht ewig leben. Die irdische Nahrung erhält uns am Leben. Und doch müssen wir einmal sterben. Das Brot vom Himmel gibt mehr als die irdische Lebenserhaltung. Ist es nicht schön und sinnvoll, das zu glauben, darauf zu vertrauen?"

Da ärgere ich mich immer, dass es leider nicht möglich ist, wenn der Schönborn einstens verbleicht, sein dummes Gesicht zu sehen, wenn er als Toter merkt, dass er nimmer lebt und auch nicht beim Jesus ist. Er kann's ja leider nicht bemerken und wird es nie erfahren, dass er seine ganze einmalige menschliche Lebenszeit mit einer sinnlosen Fantasterei vertan hat. Amen.


Das 84. Wort zum Sonntag, den 5. August 2012

Joh 6, 24-35: In jener Zeit als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

Heute geht's um die Fortsetzung der berühmten Speisung der 5.000. Heute geht's nicht um kostenlose Brote und Fische, sondern ums Himmelreich, wo die Leute von und mit dem Jesus gefüttert werden.

In Wikipedia heißt es zum Manna:
"Im Neuen Testament (Joh 6,30-35 EU) bezeichnet sich Jesus Christus unter Hinweis auf Manna als "Brot des Lebens". Im Christentum steht daher Manna als Symbol für die Eucharistie. Gemäß einer modernen Auffassung ist Manna ein Ausscheidungssekret der Schildläuse, eine weißliche, zuckerreiche Flüssigkeit, die meist in kristallisierter Form aufzufinden ist (siehe Honigtau). Eine ältere Deutung interpretiert Manna als die Thalli der im Nahen Osten verbreiteten, essbaren Mannaflechte (Lecanora esculenta)".

Da läge jetzt ein Scherz nahe, laut Lehre der katholischen Kirche werden die katholischen Hostien (aus ungesäuertem Weizenmehl gefertigte flache Scheiben) durch den katholischen Priester in den "Leib Christi" verwandelt, warum macht der Hostienbäcker solches Gebäck, warum sammelt man dafür nicht Honigtau? Zu Honigtau heißt es in Wikipedia: "Er ist reich an Zuckern, vor allem an Frucht-, Trauben- und normalem Zucker (Saccharose), daneben kommen auch Maltose, Fructomaltose und Melezitose sowie weitere Oligosaccharide in kleineren Mengen vor. Daneben enthält der Honigtau Fermente, organische Säuren, Vitamine und Adenosinphosphate." Weiters ist dort zu erfahren, dass der dunkle Waldhonig viel von den Bienen gesammelten Honigtau enthält, das heißt, wenn jeder Kommuniongeher ein Stück Waldhonigbrot erhielte, wäre das dem Manna viel näher und sicherlich wohlschmeckender, so einen süßen Jesus würden die braven Christen viel mehr genießen! Aber natürlich mach ich diesen Scherz nicht, dazu bin ich viel zu feinfühlig!

Was erzählt uns heute Schönborn in der Kronenzeitung dazu? Ihm geht's um den Satz "was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu verbringen?" Die richtige Antwort auf diese Frage lautet: "gar nichts", aber diese Antwort kennt der Herr Kardinal klarerweise nicht, er meint, heutzutage würde diese Frage zuwenig gestellt, "sie ist aber die entscheidende Frage. Denn alle Lösungen, die wir Menschen uns selber ausdenken, sind auf Sand gebaut, wenn sie nicht zuerst nach dem Willen Gottes fragen."

Mein Lieber, wenn die Menschen immer nach dem Willen Gottes - also nach dem Willen der heiligen katholischen Kirche - gefragt hätten, wäre das Ende des Mittelalters längst noch nicht absehbar. Reformation, Aufklärung, Modernismus waren bestimmt nix, das dem Willen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes und des Papstes und der Bischöfe und der Pfarrer entsprochen hätte, da säßen wir schön in der Scheiße.

Schönborns nächste Frage ist der Glaube an Gott, der nicht ein Glaube, dass "es schon etwas Höheres geben muss", sein darf. Dabei ist sowas  weit verbreitet, allerdings nicht in der Muss-Form, sondern dass "es vielleicht etwas Höheres geben könnte". Dagegen positioniert der Bischof von Wien seinen Standpunkt, er weiß nicht nur, dass es "etwas Höheres" gibt, sondern auch, dass dies der dreifaltige Katholikengott ist, mit dem er eine sehr nahe Beziehung hat: "Die Frage, die Gott mir stellt, lautet schlicht und einfach: Rechnest du damit, dass ich in deinem Leben da bin, in jeder Lage, an jedem Tag. Das ist es, worum es im Glauben geht."

Und der Schlussabsatz lautet: "Aber die Leute wollen es genau wissen: 'Welches Zeichen tust du, damit wir glauben können? Wer sagt mir, dass ich Gott vertrauen kann? Dass Glauben keine Täuschung ist?' Die Antwort Jesu: Ich bin das Brot des Lebens! Wer an mich glaubt, wer mir vertraut, wird nicht hungrig und durstig übrig bleiben."

Damit ist alles völlig klar. Wenn's der Jesus selber sagt, dann muss es stimmen, weil der Jesus wird doch den Schönborn nicht anlügen! Der logische katholische Schluss lautet daher: es ist wahr, weil es wahr ist, amen.


Das 83. Wort zum Sonntag, den 29. Juli 2012

Joh 6, 1-15: In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele! Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren. Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Eigentlich wollte ich heute gar nix schreiben. Der Schönborn-Text dazu war so langweilig, dass ich mir dachte, ich verscheiß eh schon viel zu viel Zeit mit meiner Homepage, lass ich's heute bleiben. Aber dann tauchte im Hinterkopf eine vage Erinnerung auf, dass der Herr Kardinal einstens zur wunderbaren Brotvermehrung eine andere Antwort, eine - theologisch betrachtet - gegensätzliche gegeben hätte. Und es stimmt!

Ich suchte mir die Sonntagspredigt vom 31. Juli 2011 heraus, da ging's um Mt 14, 13-21 und dort geht's auch um die wunderbare Brotvermehrung. Damals schrieb ich u.a.: Schönborn mache sich eigens die Arbeit die modernere theologische Ansicht dazu zurückzuweisen: "manche meinen, das Wunder habe darin bestanden, dass Jesus so herzbewegend über das Teilen und die Nächstenliebe gepredigt habe, dass alle ihre Jausenpackerln mit den anderen geteilt hätten - und so seien alle satt geworden". Für Schönborn kann das nicht so gemeint sein: "Alles spricht dafür, dass es tatsächlich ein überwältigendes Wunder war, das Jesus da vollbrachte und das die Apostel beim Austeilen der Brote sozusagen mit Händen greifen konnten."

Und was macht er rund ein Jahr später, hier die letzten zwei Absätze:
"
Die Jünger geben her, was sie haben. Sie übergeben Jesus die armseligen fünf Brote und zwei Fische, die der Bub bei sich hatte. Kaum der Rede wert für so viele. Und doch: das Wunder kann geschehen. Wenn viele ihre kleine Hilfe geben, wird es möglich, vielen zu helfen. Wenn nicht jeder nur daran denkt, wie er für sich möglichst viel behalten oder bekommen kann, dann kann sich das Wunder von damals wiederholen.
Wir werden nicht all die großen Krisen der heutigen Welt lösen können. Aber wenn viele neu die Solidarität entdecken, wirklich zu geben bereit sind, zu verzichten und zu teilen, dann sind echte Wunder möglich. Keiner müsste hungern, wenn viele nach Jesu Vorbild teilen, was sie haben."

Was hat diesen Umsturz verursacht, dass der Oberbischof heuer plötzlich der von der Befreiungstheologie vertretene Variante zustimmt, das "Brotwunder" sei als Solidaritätsaktion zu verstehen, also genau das, wozu er 2011 ein Nein predigte. Könnte es vielleicht damit zusammenhängen, dass der neue Glaubenswächter Müller sich dieser Tage dafür ausgesprochen hat, der Befreiungstheologie nimmer so ablehnend gegenüber zu stehen? In Südamerika sind schließlich schon in mehreren Ländern linke Regierungen an der Macht, wenn dort die katholische Kirche weiterhin die gewohnte Rolle auf der Seite der Reichen spielt, dann könnte ihr das weh tun. In Europa nicht, da sind die christlichen Parteien zwar die unsozialsten, aber das fällt der Kirche nimmer auf den Kopf, weil die Kirchen nimmer als gesellschaftlich gestaltend wahrgenommen werden. Da sind dann im Problemfall alleine die Schwarzen schuld, nicht die Pfaffen.


Das 82. Wort zum Sonntag, den 22. Juli 2012

Mk 6, 30-34: Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfahren, und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.

Antwortpsalm nach der 1. Lesung Ps 23, 1-3.4.5.6: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. - Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. - Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher. - Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Heute verkünde ich Euch gleich zwei Bibelstellen, das Sonntagsevangelium und den Psalm nach der 1. Lesung dieser Sonntagsmesse, weil der so schön zu den Schafen im Evangeliums passt. Den Schönborn erspar ich mir wieder einmal, er predigt heute über den Urlaub und das Ausspannen und darüber, dass der Jesus aus lauter Liebe zu den Menschen auch im Urlaub gepredigt hat, obwohl gerade er die Erholung am meisten gebraucht hätte. Wozu einem zwei Frage einfallen könnten: 1. warum hat der allwissende Gottessohn nicht gewusst, dass sein Publikum ihn auf der anderen Seeseite erwarten würde und 2. was ist das schon für eine Leistung für einen allmächtigen Gottessohn und dreifaltigen Schöpfergott, wenn er ein paar Überstunden macht?

Aber lassen wir das, sondern wenden wir den Blick zu den Schafen. Schafzüchter gibt es auch heute. Sie züchten Schafe, damit es ihnen wohl ergehe auf Erden, natürlich den Züchtern, nicht den Schafen! Die Schafe werden geschoren, gemästet, geschlachtet, Fell und Fleisch verwertet. Nach biblischer Lehre müssen die Schafe den Hirten und den Schafzüchtern dafür dankbar sein. Also ich bin der Überzeugung, dass da zumindest die Dankbarkeit umgekehrt sein müsste, so einen Psalm wie oben würde wohl kein Schaf anstimmen, wenn es Psalmen anstimmen könnte. In der Realität müsste der Schaf-Psalm ungefähr so lauten: "Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen, damit meine Wolle und mein Fleisch wachsen, deswegen füttert und tränkt er mich, passt auf, dass mir vor der Schlachtung kein Unheil zustößt, mich mit Stock und Stab beherrschend sind die Schafzüchter voller Zuversicht, mich Schaf ordentlich rupfen und verwerten zu können. Der Herr pflegt mein Fell, um schöne Wolle zu gewinnen und ich Schaf muss bis zum Abstechen im Stall des Herrn hausen und soll mich darüber auch noch freuen."

Schafe gelten als schafsdumme Tiere. Wohl gerade deshalb kommen sie in den Predigten ihrer Hirten recht häufig vor. Darum hier ein anderer Antwortpsalm, der einst gesungen wurde, als sich manche der zu Schafen Gemachten noch gegen ihre Hirten und Herren zu wehren wagten, aus den 1930er-Jahren von einer alten Schellack-Platte mit Ernst Busch stammt dieser kämpferische Psalm von Bert Brecht:

Amen.


Das 81. Wort zum Sonntag, den 15. Juli 2012

Mk 6, 7-13: In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie. Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Die Juden missionierten nicht, aber innerhalb ihrer Gemeinschaft gab es Prediger, die wie in der obigen Bibelstelle zur Umkehr aufriefen und säkular gewordenen Juden den Glauben nachtrugen. Die Welt zu missionieren, hatten solche Reformprediger nicht vor, denn schließlich hatte nach der mosaischen religiösen Lehre Jahwe ja nur einen Bund mit dem jüdischen Volk abgeschlossen, nicht mit der ganzen Welt. Der jüdische Prediger Jehoschua ben Joseph, ein paar Jahrhunderte nach seinem Tod weltberühmt geworden unter seinem lateinisierten Namen "Jesus", hatte seine Anhänger niemals dazu aufgefordert, die Welt zu missionieren, er hatte sogar ausdrücklich befohlen, nur die israelischen Schafe zu belästigen, z.B. Mt. 15,24: "Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen Israels". Der berüchtigte Taufbefehl Mt. 28,19: "Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes", ist eine Erfindung des Matthäus, bzw. in dieser Form eine spätere Einfügung.

Für Kardinal Schönborn ist die obige Aussendung der zwölf Apostel natürlich der Beginn der Weltmission. Die allerdings nicht von Leuten mit Sandalen, einem Hemd und keiner Vorratstasche begangen wurde, sondern von einem kolonialistischen Unterdrückungssystem. Die Welt lernte es, dass die Musketen und Kanonen der Jesusleute die Verkündigung des wahren Glaubens wirkungsvoll unterstrichen. So ein Gott war offenbar sehr mächtig und darum war es gut, ihn sich zum Freund zu machen.

Schönborn übertitelt seine heutige Sonntagspredigt mit "Mission impossible", auf Latein müsste das allerdings heißen "missio impossibilis", somit meint er wahrscheinlich die TV-Serie. "Mission impossible" war eine US-Agentenserie, die in 171 Folgen vom TV-Senders CBS 1966-1973 ausgestrahlt wurde (deutscher Titel "Kobra, übernehmen Sie"), 1996 gab es auch einen gleichnamigen Kinofilm. In Wikipedia ist zu lesen: "In der Serie geht es um die so genannte Impossible Missions Force, ein Team von freiberuflichen Geheimagenten, die rund um den Globus geheime Aufträge bekommen, die sie mit Hilfe von technischen Spielzeugen durchführen, mit denen sie ihre Gegner in die Irre führten." Die Verkünder des Christentums machten es auch so. Sogar ohne technisches Spielzeug führten sie die Leute in die Irre, mit weltlicher Macht, mit leeren Versprechungen vom ewigen Paradies und teuflischen Drohungen von der ewigen Verdammnis.

Bei Schönborn natürlich nicht. Er merkt zwar an, "Ich verberge nicht meine Begeisterung für die Geschichte der christlichen Mission. Ich weiß, jedes Mal wenn ich darüber schreibe, bekomme ich sehr kritische Post. Man hält mir alle dunklen Seiten dieser Geschichte vor. Ich bestreite gar nicht, dass es diese dunklen Seiten gegeben hat". Aber er kennt auch einen Missionar, der 50 Jahre in Madagaskar ganz friedlich werkte. Und zum Schluss kommt klarerweise wieder der Bezug auf die aktuellen katholischen Missionspläne: "Ruft Jesus nicht auch heute Menschen, sich senden zu lassen? Es muss ja nicht ein Ruf in ein fernes Land sein. Es kann auch nur der Auftrag sein, hinauszugehen - ohne viele Worte, einfach zu unseren Nächsten".

Wird sich der Nächste darüber freuen? Oder wird er nicht viel eher den Kopf schütteln und seinem nächsten Nächsten erzählen: mein Nachbar spinnt jetzt, läutet er mich einfach heraus und erzählt mir was vom Jesus! Schau durch den Türspion, wenn's bei dir läutet und wenn's der ist, dann bist eben nicht daheim oder hast momentan überhaupt keine Zeit. Amen.


Das 80. Wort zum Sonntag, den 8. Juli 2012

Mk 6, 1b-6: Jesus kam in seine Heimatstadt; seine Jünger begleiteten ihn. Am Sabbat lehrte er in der Synagoge. Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, staunten und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen! Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie. Und er konnte dort kein Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte.

Mit "Verwunderlicher Unglauben" titelte Schönborn seine heutige Predigt in der Kronen Zeitung. Verwunderlich ist dieser verwandtschaftliche Unglaube natürlich nicht. Die ganze Verwandtschaft kennt den Prediger, sie wird ihn daher eher für einen Wichtigtuer, Scharlatan oder für verrückt halten als für einen Propheten. Diese Erfahrungen kann jeder "Verkünder" selber machen: ich bin auch in meiner familiären Umgebung eher als schrullig bekannt und nicht als atheistischer Prophet. Wer tut sowas schließlich mit solchem Aufwand und Eifer, wenn er keinen Vogel hat? Und erst recht ein Endzeitprediger, der vom nahenden Gottesreich redet, der muss ja noch einen bedeutend größeren Vogel haben. Oder ganz prosaisch: z.B. eifrige Sammler von alten Motorrädern, Radios, PEZ-Zuckerlspendern oder alten Comics, werden vielleicht mit ihren Sammlungen hin und wieder in Medien wegen ihrer Sammelleidenschaft und Fachkenntnis gerühmt, ihre Verwandtschaft wird's jedoch eher als Manie, als Narretei sehen, das ganze Grundstück, die ganze Wohnung vollgestopft mit irgendeinem alten Klumpert.

Und dass der Jesus in seinem Dorf keine Wunder tun konnte, ist auch ganz einfach zu erklären: er konnte es auch anderswo nicht, aber daheim hätten sie ihn ausgelacht, wenn er behauptet hätte, Wunder tun zu können. Sie hätten gesagt, na dann leg los! Wikipedia dazu: "Hic Rhodus, hic salta! (lat. Hier ist Rhodos, hier springe!) bedeutet: Zeig hier, was du kannst. Die Worte stammen ursprünglich aus der Fabel "Der Fünfkämpfer als Prahlhans" von Äsop und galten als Aufforderung an einen Fünfkämpfer, der wiederholt auf herausragende Leistungen beim Weitsprung in Rhodos hingewiesen hatte. Als seine Gesprächspartner genug von seiner Prahlerei hatten, forderten sie ihn auf, das Geleistete hier und jetzt zu wiederholen." Darum hat auch Jesus in seinem Heimatdorf keine Wunder getätigt. So einfach ist das echte Leben. Wenn es in der Bibel konkrete Namens- und Ortsangaben zu einem "Wunder" gibt, kommt mehrfach der Satz vor, Jesus habe die Beteiligten aufgefordert, darüber zu schweigen (siehe z.B. das PS zum Sonntagswort Nr. 79), "Wunder", die z.B. im Evangelium des Johannes stehen, konnten problemlos alles Mögliche enthalten, weil die Zeit des angeblichen Geschehens schon so weit zurücklag, dass sicherlich keine Zeitzeugen mehr lebten. Und es gibt in den Evangelien "Wunder", die heute nie als solche wahrgenommen würden: z.B. war damals der Aberglaube an "Wunderheiler", die Epileptikern Dämonen austrieben, weit verbreitet.

Ganz aktuell zu den Propheten, die kein Ansehen in ihrer Heimat haben: Bischof Schönborn freut sich regelmäßig über die "Marienerscheinungen" in Medjugorje, seine für diesen Ort zuständigen Amtsbrüder, die Bischöfe der Diözese Mostar-Duvno, Pavao Zanic und Ratko Peric kritisierten und kritisieren diese Erscheinungsgeschichte öffentlich, sie wissen, dass hinter dem ganzen Zirkus nichts Transzendentes steckt - siehe dazu die Texte von Bischof Ratko Peric.

Nebenbeianmerkung: Die zahlreichen Geschwister vom Jesus, die in dieser Bibelstelle Erwähnung finden, werden üblicherweise als Cousins und Cousinen uminterpretiert, damit die Jungfrauenschaft von der Maria nicht in Bedrängnis kommt.

Was dichtete Schönborn für seine heutige Predigt? Dazu wieder sein Schlussabsatz: "Was ich mir für Österreich wünsche: eine neue Neugierde auf Jesus! Was sagt er wirklich? Was will er? Nicht nur damals in Nazareth, als seine eigenen Leute ihm ablehnend begegneten. Sondern heute! Oft stelle ich mir die Frage: Wie würde Jesus heute handeln? Und dann wird die Frage noch direkter: Wie spricht er mich an, durch das Evangelium? Durch Menschen, denen ich begegne? Wie sehe ich die anderen, wenn ich versuche, sie mit den Augen und dem Herzen Jesu zu sehen? Und dann merke ich: Nicht nur in Nazareth ist Jesus angeeckt, sondern auch bei uns. Seine Barmherzigkeit, aber auch seine Forderungen, die stoßen auf ganz schön viel Widerstand. Nicht nur bei den sogenannten 'Kirchenfernen'. Sondern auch im eigenen Haus, in unserer Kirche. Wundert sich Jesus auch über unseren Unglauben?"

Nein, kein Jesus wundert sich heute darüber. Wenn er wirklich gelebt hat, dann ist er längst tot und hat nie erfahren, dass er in einer jüdischen Sekte, die durch eine Verkettung unglückseliger Missstände zur Weltreligion wurde, sogar zum "Sohn Gottes" befördert wurde. Schönborn braucht sich nicht fürchten, sein Jesus handelt heute nicht, er mischt sich nicht in die Amtsgeschäfte vom Ratzinger. Und wer heute an Jesus oder an andere Götter glaubt, ist selber schuld daran, amen.


Das 79. Wort zum Sonntag, den 1. Juli 2012

Das heutige Evangelium Mk 5, 21-43 ist recht umfangreich, daher hier in Kurzfassung das Wesentliche: Ein Synagogenvorsteher namens Ja￵s läuft dem Jesus nach, weil seine Tochter im Sterben läge, Jesus ist von vielen Leuten umzingelt, einer an Blutungen Leidende, der auch gegen viel Geld kein Arzt helfen konnte, gelingt es, das Jesus-Gewand zu berühren und allein davon wird sie geheilt, Jesus sagt dazu "Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen." Die Menschenschar kommt dann zum Haus des Synagogenvorstehers, die Tochter namens Talita ist inzwischen gestorben, der Jesus erweckt sie zum Leben, verbietet jedoch den Hausbewohnern, jemanden davon zu erzählen.

Somit hab ich diese Geschichte in 480 statt in 2269 Zeichen erzählt.

Was erzählt uns heute der Schönborn dazu? Er ist ganz begeistert, weil die eine Frau schon durch bloße Gewandberührung geheilt wurde. Was so ein Gottessohn doch alles kann! Über den Placebo-Effekt schreibt der Herr Kardinal nix, dabei hilft bei Placebos ja auch der Glaube! Allerdings nicht der Glaube an Jesus, sondern der Glaube an ärztliche Hilfe und medikamentöse Wirkungen! So eng sieht Schönborn das natürlich nicht, darum schwärmt er von den "Wunderheilungen" in Lourdes.

68 anerkannte "Wunder" in Lourdes! Na bum!
Etwa seit 1860 gibt's die Lourdes-Pilgerei, 1862 hat der dortige Bischof das erste "Wunder" anerkannt, der Zustrom stieg an, heutzutage fahren pro Jahr bis zu sechs Millionen Wundergläubige dorthin. Vor rund 20 Jahren wurde kirchlich das letzte Mal ein "Wunder" anerkannt, der für Lourdes zuständige Bischof beklagte sich darüber, dass es wegen der von der heutigen medizinischen Wissenschaft gesetzten Anforderungen nicht mehr  gelinge,  "Wunder"  durchzubringen, früher ging infolge mangelhafter medizinischer Kenntnisse sowas viel leichter. Aber trotzdem: 68 "Wunder" in 150 Jahren? Was macht die Gottesmutter dort den ganzen Tag? Das sind etwa 55.000 Tage, somit pro Tag 0,00124 Wunder? Und in 20 Jahren mit zumindest 100 Millionen Besuchern gar keins? Bin tief beeindruckt. Nicht vom Jesus und seiner Mutter, sondern von der Einfalt der sonntäglichen Predigt des Herrn Schönborn.

Vorsichtshalber redet er sich allerdings in seinem restlichen Predigttext darauf aus, Jesus könne Hoffnung geben, sei also so eine Art Talisman für christlich Gläubige. Ein Fußballer, der immer seinen rechten Fußballschuh zuerst anzieht, ist auch davon überzeugt, dass das enorm dazu beiträgt, dass er dann ein Tor schießt. Wenn er keins schießt, dann weil er den linken Socken verkehrt angezogen hat. Spirituell muss man sein! Womit ist egal, toi, toi, toi.

PS: Warum es im heutigen Bibeltext im Vers 43 heißt: "Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren", erklärt uns der Herr Erzbischof nicht. War es dem so wundertüchtigen Gottessohn zu viel Arbeit, noch ein paar Wunder zu tun? Oder stand das deshalb im Markustext, weil in der Zeit von dessen Verbreitung noch Zeitzeugen lebten, die den Synagogenvorsteher Ja￵s kannten und die nie von diesem "Wunder" was gehört hatten? Weil wenn's der Ja￵s nicht hat erzählen dürfen, dann hat's ja keiner wissen können. Alles klar? Amen.


Das 78. Wort zum Sonntag, den 24. Juni 2012

Heute einmal was anderes. Die Bibelstelle für den 24.6.2012 handelt von der Geburt eines gewissen "Johannes des Täufers", der wie historisch vermutet werden kann - ähnlich wie Jesus - ein Sündenprediger, Bußaufforderer und Endzeitankündiger war. In die christlichen Kirchen wurde er wohl deshalb eingebaut, weil ihn wahrscheinlich mehr Leute kannten als den Jesus. Gleichzeitig degradierte man ihn in den Evangelien zu einem zweitklassigen Prediger, schließlich konnte nur der Jesus alleine bei seinem Aufstieg zum Gottessohn erstklassig sein. Aber weder die Bibelstelle (Lk 1, 57-66) noch die Schönbornschen Weisheiten dazu bieten irgendwas Unterhaltsames, darum wendete ich heute meinen Blick auf die kronenzeitungsliche Protestantenseite, dort gab Ingrid Tschank, eine evangelische Pfarrerin aus dem Burgenland ihre Sonntagsworte von sich. Und die waren recht lustig.

Sie nahm sich die zurzeit ablaufende Fußball-Europameisterschaft zum Thema und stellte fachkundig fest, "in der Bibel kommt der Fußball nicht vor". Gut beobachtet! Sie versucht dann trotzdem aus den Aposteln ein Fußballteam zu nominieren, aber das war noch nicht so lustig, das kam später.

Sie kennt als Protestantin nämlich einen ganz anderen Gott als die Bibel. Im Gegensatz zum Fußball gäbe es in der Kirche nur Gewinner, denn: "Dort wird gesagt: Du hast gewonnen. Gott hat alles für dich getan, es kann dir nichts geschehen, Gott ist auf deiner Seite. Das ist sehr schön, aber manchmal auch ein wenig langweilig."

Da hat sie recht! Wenn man all diese Jesus-Sager vom Heulen und Zähneknirschen der auf ewig ins Höllenfeuer verdammten Sünder und Ungläubigen weglässt, dann wird das Christentum ganz schön langweilig. Weil da erübrigt sich sogar die Pascalsche Wette und keiner braucht sich vor nix mehr fürchten, jeder kann atheistisch leben, auch wenn er sich nicht sicher ist, ob's einen Gott gibt oder nicht! Wozu sollte er seine Zeit bei der Sonntagsmesse verscheißen? Frau Pfarrerin bringt damit den Ist-Zustand der durchschnittlichen protestantischen Kirchen in Europa aufs Tapet. Wenn bei Gott eh jeder gewinnt, nu, wen kümmert dann dieser Gott?

Sie fährt fort: "Im Glauben gibt es nur Gewinner, weil Gott jeden von uns so annimmt, wie er oder sie ist. Es kann nie 1:0 für Gott stehen, denn Gott verzichtet uns gegenüber auf seinen Sieg. Seit dem Tag, als er versprochen hat, dass er diese Erde nicht mehr zerstören wird, hat er aufgehört über uns zu triumphieren. Er hat einen ewig gültigen Bund mit uns geschlossen und zum Zeichen dafür den Regenbogen in den Himmel gesetzt."

Jetzt bring ich ein Gleichnis: So ein Regenbogengott, der jeden gewinnen lässt, ist wie ein Fußballspiel, wo 22 Spieler mit 22 Bällen spielen. Aber die 22 Spieler werden schnell zu spielen aufhören. Wie in der evangelischen Kirche, dort treten auch immer mehr Leute aus als aus der katholischen Kirche. Um katholisch zu sein und zu bleiben, bedarf es familiärer Traditionen, einer frühkindlichen Konditionierung, eines gewissen Ausmasses an dreifaltiger Einfalt und Selbstunsicherheit, die sich in Gottesfurcht äußert. Um evangelisch zu sein, bedarf es familiärer Traditionen und für das Bleiben braucht man nichts Weiteres mehr, höchstens noch ein bisschen christliche Einfalt. Die die Pfarrerin offenbar hat. Weil sie müsste ja in der Schule irgendwann was über die Lichtbrechung gelernt haben und wissen, woher der Regenbogen kommt.

Das allwissende Wikipedia verkündet dazu: Ein Regenbogen ist ein atmosphärisch-optisches Phänomen, das wahrgenommen wird als kreisbogenförmiges Lichtband, dessen radialer Farbverlauf eine den Spektralfarben ähnliche Abfolge zeigt. Die Erscheinung entsteht durch die Spiegelung und eine wellenlängenabhängige Brechung in den annähernd kugelförmigen Wassertropfen einer Regenwand oder -wolke. Der Beobachter hat dabei die Regenwand vor und die Sonne hinter sich. Manchmal erscheint über einem kräftigen Hauptregenbogen noch ein schwächerer Nebenregenbogen mit umgekehrter Farbfolge. Auch können auf der blauen Seite des Regenbogens gelegentlich weitere schmale Lichtbänder sichtbar werden, die Interferenzstreifen oder überzähligen Regenbögen.


Ein Zeichen Gottes ist der Regenbogen nicht. Regenbögen gab es schon, bevor es Götter gab. Amen.


Das 77. Wort zum Sonntag, den 17. Juni 2012

Mk 4, 26-34: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da. Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können. Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

Diese Bibelstelle spiegelt hauptsächlich den dortigen Zustand der Landwirtschaft vor 2000 Jahren wieder. Man hatte keinen Nilschlamm und kein Bewässerungssystem wie im Zweistromland, die Leute mussten säen und dann warten, ob was wächst. Kein sehr intelligentes Gleichnis, aber der liebe Jesus hatte eben auch keine Ahnung von den Möglichkeiten einer produktiveren Landwirtschaft. Er war ja schließlich nur ein jüdischer Wandererprediger mit einem Hang zur Weltenende-Prophetie und kein allwissender Gottessohn. Darum sein törichtes Gleichnis vom Senfkorn, das er wachsen lässt, ohne zu wissen warum es wächst. Sogar ein Mann wie Schönborn könnte das heute seinem Gott erklären, weil ein bisschen Biologieunterricht wird der Kardinal ja gehabt haben.

Aber das wieder einmal nur nebenbei. Wie schon öfters hier angemerkt: Götter sind immer genauso dumm wie die Menschen, von denen sie geschöpft wurden, Markus und Jesus waren gleich allwissend, respektive ahnungslos. Was entnimmt Schönborn dieser biblischen Anekdote? Er allegorisiert sie natürlich. Mit dem "Reich Gottes". Weil mit dem Reich Gottes ist es wie mit dem Ackerboden und dem Samenkorn. Karl Valentin hat einmal ebenfalls so ein Gleichnis gebracht, im berühmten Sketch "Der verhexte Scheinwerfer" sagte er: "ein Scheinwerfer, der wo nicht brennt das ist genau als wie irgendwas anderes!"

Womit die Sache soweit geklärt wäre. Anfügen kann man noch, was Schönborn in seinem Schlusssatz meint: "Wie oft werden Eltern ungeduldig mit ihren Kindern. Sie haben sich bemüht, den guten Samen der Erziehung, des Glaubens ausgesät. Und jetzt müssen sie Geduld haben. Gott lässt wachsen, was sie gesät haben. Jetzt gilt es, auf Gott zu vertrauen: Er macht es schon! Mich tröstet dieses Gleichnis Jesu sehr. Viele von uns Priestern, Bischöfe, engagierten Laien, haben den Eindruck, dass wir uns vergeblich mühen. Man sieht kaum Erfolg. Da sagt uns Jesus: habt Geduld und Vertrauen! Die Saat wächst ohne euer Bemühen nur durch meine göttliche Kraft. Das zweite Gleichnis verstärkt das noch: Das Reich Gottes scheint manchmal so winzig klein wie ein Senfkorn. Aber wie groß wird der Senfstrauch, wenn er ausgewachsen ist! Gott ist am Werk! Vertraut nur!"

Ojeh, das war heute aber ganz schwach! Weil was machen er und sein Jesus, wenn die Eltern das Senfkorn des Glaubens gar nimmer säen? Das ist heute doch fast allgemein üblich! Man indoktriniert kleine Kinder nimmer mit religiösem Senf, man düngt Kinderhirne nimmer mit religiösem Dung! Und dann wächst auch kein religiöses Kraut. Amen.


Das 76. Wort zum Sonntag, den 10. Juni 2012

Markus 3, 20-35: Jesus ging in ein Haus und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen. Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen. Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen. Es saßen viele Leute um ihn herum und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir. Er erwiderte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Ach Gott, was für ein Käse! Dass der Gottessohn Jesus eine Mutter hatte, ist ein wichtiges katholisches Glaubenselement, weil die Gottesmutter Maria ist deutlich wichtiger als dieser Heilige Geist, der kommt im katholischen Glauben viel seltener vor und wenn, dann nur eher als Abstraktum. Die Brüder vom Jesus, die hier im Markustext erwähnt werden, die gibt's auf katholisch überhaupt nicht! Das sind entweder die Söhne vom Josef aus früheren Beziehungen oder Cousins. Das muss so sein, sonst ging ja die ganze Geschichte mit der Jungfrau Maria gar nicht!

Aber das ist nur ein Nebengeschichterl. Der längere Teil der obigen Bibelstelle handelt von Dämonenaustreibungen, das war damals ein beliebtes Gebiet bei den Wanderpredigern und Wunderheilern. Epilepsie und Huntingtons Chorea ("Veitstanz"), wo die daran Leidenden in Krämpfe verfielen, konnten durch diverse Schamanenbeschwörungen scheinbar behandelt werden: weil die Anfälle hörten ja wieder auf und dann hatte der behandelnde Schamane eben den Dämonen vertrieben, bis zum nächsten Anfall. Den Teufel mit dem Beelzebul (oder Beelzebub) auszutreiben, ist heute sprichwörtlich und beschreibt wohl auch die damaligen nutzlosen Schamanenbehandlungen.

Auch das ist nur ein Nebengeschichterl. Weil heute geht's wieder einmal darum, dass alle Christen die Verwandtschaft vom Jesus sind! Aber nur wenn sie schön brav den Willen Gottes erfüllen. Den Willen Gottes, den kennen der Papst und sein Büro. Was auch heißt, die Christen sind dann auch Brüder, Schwestern, Eltern und Kinder vom Ratzinger und der ganzen vatikanischen Verwandtschaft vom Jesus. Sowas zu sein, ist eher kein so großer Anreiz, nicht einmal für einen Christen.

Zum Jesus-Spruch von der Verwandtschaft fiel mir eine Gedichtzeile ein, nach der hab ich gegoogelt und die Quelle, Heinrich Heine, "Die Grenadiere" gefunden. Das Gedicht handelt von zwei in Gefangenschaft geratenen Grenadieren aus Napoleons Armee:
Was schert mich Weib, was schert mich Kind,
Ich trage weit bessres Verlangen;
Lass sie betteln geh'n, wenn sie hungrig sind -
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!

Also für sehr moralisch würd' ich so eine Einstellung nicht halten. Der katholische Gott ist eine noch weit schlimmere Ikone als Napoleon im Gedicht des jungen Heine (1821). Schönborn redet das selbstverständlich schön und hobelt alles glatt: "Aus dieser Beziehung zu Gott, seinem Vater, schöpft Jesus die Kraft, nicht bitter und hart zu werden, trotz aller Ablehnung, trotz allem Unverständnis. Und nur das sagt er seiner Mutter, seinen Verwandten und letztlich uns allen: Meine Familie seid ihr, wenn ihr mit meinem Gott und Vater verbunden seid. Denn von ihm seid ihr angenommen und geliebt. Macht es den anderen gegenüber ebenso!"

Der Jesus ist ja bekanntlich eine Falte des dreifaltigen Christengottes. Seltsamerweise ist er biblisch betrachtet trotzdem keine emanzipierte und gleichberechtigte Gottesfalte, sondern unterwürfig, sein Vater ist sozusagen Napoleon, er nur Grenadier. Und die lieben Christen können sich wieder einmal über ihre eigene Kleinheit und die göttliche Größe freuen. Schaudernd und verzückt blicken sie nach oben und kriechen im Staub. Wozu man mit leicht abgewandelten Gedichtzeilen von Heine schließen kann:
Es wächst hienieden Brot genug für alle Menschenkinder,
auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust und Zuckererbsen nicht minder.
Ja, Zuckererbsen für jedermann, sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir den Pfaffen und den Spatzen
.

So soll es sein! Amen.


Das 75. Wort zum Sonntag, den 3. Juni 2012

Mt 28,16-20: Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Was hat dieser Satz "geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern" für Leiden und Qualen über die Welt gebracht? Unermessliche! Die einen wurden gezwungen, sich dem neuen Gott mit drei Falten zu unterwerfen, die anderen wurden umgebracht, weil sie sich nicht unterwarfen und die große Masse der christlich Gewordenen wurden durch Jahrhunderte mit den Verdammnisdrohungen psychisch gefoltert. Die Ausbreitung des Christentums erfolgte ab dem 4. Jahrhundert nicht durch Mission und freiwillige Bekehrung, sondern als römische Staatsreligion und seine Verbreitung war bis zum Ende des Klerikalfaschismus im 20. Jahrhundert vorwiegend eine Machtfrage!

Aus Verchristlichung Amerikas stammt der Bericht über den Häuptling Hatuey eines Stammes namens Taino.
Wegen seiner Weigerung, sich taufen zu lassen, stellte man ihn auf Kuba auf den Scheiterhaufen, einer der Verkünder, der zu Völkern unterwegs war, um sie zu Jüngern zu machen, forderte ihn auf, Jesus sein Herz zu öffnen, um in den Himmel zu kommen, statt in die Hölle hinab gestürzt zu werden. Häuptling Hatuey antwortete: wenn der Himmel der Ort der Christen sei, dann ziehe er die Hölle vor. Hatuey wurde am 2. Februar 1512 bei lebendem Leib verbrannt.

Am Portal des Capitolio in Havanna: die Verbrennung von Hatuey durch die Spanier - Hatuey gilt als das erste Mordopfer im organisierten Widerstand gegen die Kolonialisierung und Christianisierung Amerikas. "Macht alle Menschen zu meinen Jüngern". Was für ein unmenschliches Verbrechen!
Die Christen handelten durch die Jahrhunderte so, wie es heute die Salafisten in der islamistischen Religion fordern.

Schönborn kommt auf sowas klarerweise nicht.
Der glaubt ja tatsächlich, die Menschheit habe durch das Christentum was gewonnen. In seiner Predigt befasst er sich mit der Dreifaltigkeit, weil der aktuelle Sonntag heißt "Dreifaltigkeitssonntag". Und wegen der heiligen Dreifaltigkeit geraten echt gläubige Kleriker gerne in Ekstase. Weil das ist sowas von großartig und so was von unfasslich und unbegreiflich, dass man als guter Kleriker vor lauter Begeisterung über diesen unbegreiflichen Gott einen Orgasmus bekommt. Ein Gott in drei Personen, die nur ein Gott ist! Wobei man seinerzeit ja jahrhundertelang in der christlichen Kirche darüber gestritten hatte, ob der Jesus nur Sohn sei oder auch wahrer Gott und der Dritte im Dreifaltigkeitsbund, der Hl. Geist, war eine noch spätere Erfindung der Kleriker. Es wäre vermutlich vernünftiger gewesen, die "Gottesmutter" Maria auch zu einer Gottesfalte zu machen und dafür den Hl. Geist wegzulassen, dann hätte man wenigstens eine schöne Götterfamilie wie beim Zeus.

Laut Schönborn ist der Glaube an die Dreifaltigkeit "das Kennzeichen des Christentums", das haben die anderen Religionen nicht! Die Römer hatten einen zweigesichtigen Gott namens Janus, der zeitweise auch als Quadrifrons (der Vierstirnige) bezeichnet wurde, im heutigen Kalender kommt er als "Januar" noch vor, aber keine Theologen befassen sich damit, wie herrlich kompliziert und unbegreiflich ein vierstirniger Gott ist.

Schönborn fasst zusammen: "Für mich ist dabei Jesus entscheidend. Wer ist er? Was bedeutet er für mein Leben? Christsein heißt an Christus glauben und den Weg mit Christus gehen. Seinem Vorbild folgen. Mich an Ihm orientieren. Mich vertrauensvoll an Ihn wenden. Zu Ihm beten. Ihn lieben. Christsein heißt nicht nur, an eine höhere Macht glauben, die uns lenkt und leitet. Christsein bedeutet, mit dem Apostel Thomas, dem Zweifler, zu Jesus sagen: 'Mein Herr und mein Gott!' Christsein heißt, mit dem Apostel Petrus bekennen: 'Du bist der Messias, der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes'."

Und? Was hat er davon, wenn er den Sohn des lebendigen Gott in seiner Kirche hat? "Sehr oft bleiben wir Christen hinter dem Vorbild Christi zurück. Da soll es uns helfen und trösten, dass Er, der Sohn Gottes, uns schwache Menschen nicht verlässt", meint der Herr Kardinal in seinem Schlusssatz. Sein Freund Harvey, siehe Predigt Nr. 72, verlässt den österreichischen Oberbischof nicht. Amen.


Das 74. Wort zum Sonntag, den 20. Mai 2012

Joh 17, 6a.11b-19: In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Jetzt schreib ich schon in acht Tagen dreimal was zum Evangelium. Gebe zu, dass ich einen ziemlichen Vogel habe, komm mir schon so vor wie ein antiglaubenseifriger Antitheologe. Warum tu ich mir das an, statt dass ich was Interessantes lese oder einfach still in der Nase bohre? Vermutlich ist es meine teuflische Bösartigkeit, die mich dazu zwingt, fortgesetzt gegen die diversen wahren und alleinseligmachenden Glauben zu hetzen. Wenn ich was Antiislamisches schreibe, dann wird mir eh gleich vorgehalten, ich sei ein Rechtsextremist, der ausländische kulturelle Bereicherungen nicht liebt. Komischerweise liebe ich aber auch die inländische kulturelle Tradition des Katholizismus nicht. Das ist wahrscheinlich Linksextremismus. Hoffe sehr, dass mich das Bundesamt für Verfassungsschutz dementsprechend überwacht.

Zum obigen Geseier  des Johannes findet Schönborn heute sogar Widersprüche zur Wirklichkeit. Der Wunsch von seinem Jesus nach Einigkeit ist nämlich in der Realität nicht wahrnehmbar. Sogar im Reichtum der Schöpfung findet Schönborn Vielfalt statt Einfalt, 'tschuldigung, statt Einheit. Sind Religionen Spaltpilze?, fragt er, "so zeigt sich ein widersprüchliches Bild, widersprüchlich wie das Leben selbst: der Traum vom eins sein - und die schmerzliche Erfahrung der Uneinigkeit, im Persönlichen, in den Beziehungen, der Ehe, der Wirtschaft, den Religionen."

Aber wie immer siegt im Schlussabsatz die Zuversicht: "Das 'Testament' Jesu macht eines sehr klar: Wir sind auf Gottes Hilfe und Schutz angewiesen. Zu groß sind die Gefahren in uns und um uns! Wir schaffen es nicht alleine. Zu schwierig sind die Herausforderungen unserer Zeit, als dass wir sie mit guten Willen allein bewältigen könnten. Aber mit Ihm, Jesus, mit Gott, seinem und unserem Vater, ist es möglich, sogar mit Freude!"

Ja, da kann er ja gleich beten gehen, der Herr Kardinal, auf dass ihm Gott Schutz und Hilfe sende, zum Beispiel in Sachen Uneinigkeit zwischen ihm und der Pfarrerinitiative. Dabei hat Gott dazu ja schon eine Entscheidung getroffen, er hat den Papst wissen lassen, dass die Bischöfe zuständig seien, aufmüpfige Pfarrer zu disziplinieren. Aber gerade sowas wird Schönborn sicherlich nicht mit Freude bewältigen, dazu redet er viel zu gerne salbungsvoll fromm, statt böse zu bellen. Vielleicht sollte er doch warten bis zum Jüngsten Gericht, wo der HErr dann entscheiden wird, wer der Verdammnis zufällt: Helmut Schüller oder Joseph Ratzinger? Dann wäre Christoph Schönborn aus dem Schneider, niemand könnte ihm vorwerfen, er hätte so oder so gesagt, denn er war sich einig. Amen.

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Das 73. Wort zum Feiertag am 17. Mai 2012

Apg 1,1-11: Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er (in den Himmel) aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Heute fällt einem unchristlichen Besucher als Erstes auf, dass Herr Schönborn für seine Christi-Himmelfahrt-Predigt nicht das Evangelium, sondern die sog. "1. Lesung" vom Beginn der Feiertagsmesse als Bezug für die Predigt verwendet. Denn das Evangelium Mk 16, 15-20 hätte wieder einmal einen ganz bösen Satz enthalten, es heißt dort im Vers 16 "Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden", sowas sagt man heute nimmer, so richtig verdammt - wie's geschrieben steht im heiligen Christenbuch - hat der liebe Jesus nur bis zum 2. Vatikanum, seither ist er ein braver Teddybär.

So kann sich Schönborn mit der "Himmelfahrt" seines lieben Jesus auf die nette Weise befassen. Er erklärt seiner Leserschaft (und im Stephansdom seinen Zuhörern), dass man sich die "Himmelfahrt" nicht als Raumfahrt vorstellen kann, sondern als "Heimkehr zu Gott". Wozu einem klarerweise wieder eine törichte Frage einfällt: wenn Jesus als Gottessohn eine Falte des dreifaltigen Christengottes ist und sich sowieso schon als von den Toten Auferstandener in anderen Sphären bewegt, wie war er dann von den beiden anderen Gottesfalten getrennt, zu denen er jetzt heimkehrt? Aber das sagt uns der Herr Kardinal nicht.

Dafür verkündet er: "Wer zu Gott heimkehrt, ist nicht mehr sichtbar auf Erden. Aber auch Gott ist nicht sichtbar bei uns. Und doch glauben die, die an Gott glauben, auch an seine Gegenwart. Wenn wir einander mit den Worten 'Grüß Gott' ansprechen, dann meinen wir nicht jemand Abwesenden, sondern wünschen dem Gegrüßten Gottes Segen und Nähe."

Gut, dass mir das endlich wer erklärt! Dauernd sagen irgendwelche Leute zu mir "Grüß Gott!", ich hab mir schon oft vorgenommen, endlich einmal darauf zu antworten, "ich glaube nicht, dass ich Ihren Gott treffe und ihn von Ihnen grüßen kann". Aber das würde dann die Leute wohl doch etwas zu sehr verwirren, die sagen dieses österreichische "Grüß Gott" schließlich auch nur aus Gewohnheit und nicht mit religiösem Vorsatz. Vor einigen Jahrzehnten grüßten die Leute mit "Heil Hitler", was auch nix half, Hitler wurde nicht geheilt und das Unheil der damaligen Zeit kam trotzdem über die Gegrüßten. "Grüß Gott" ist bestimmt auch nicht nützlicher. Aber ich schweife schon wieder vom Thema ab.

Schönborn schließt mit: "Vom Himmel trennen uns nicht die Weiten des Weltalls, sondern der Mangel an Glaube, Hoffnung und Liebe. Wo diese fehlen, ist das Leben auf Erden finster. Ja es kann zur Qual, zur Hölle werden. Jesu 'Himmelfahrt' ist sozusagen der Brückenschlag zwischen unserer Welt und dem 'Himmel'. Er hat es ja versprochen: 'Ich bin bei euch, alle Tage!' Und seinen Freunden hat Jesus gesagt: 'Ihr werdet meine Zeugen sein,… bis an die Grenzen der Erde'. Christi Himmelfahrt - ein schöner freier Tag. Noch schöner ist er, wenn wir ein wenig vom Himmel mit in unseren Alltag nehmen - zum Beispiel durch mehr Liebe!"

Ojeh, richtig finster war's in unseren Breiten im finsteren Mittelalter, als das Christentum alles voll in der Hand hatte! Da war die Höllenqual auf Erden allerorts zu finden, weil da saß der Jesus allen im Pelz! Die christliche Liebe kann heute die Menschen nimmer so richtig drangsalieren, wie der heutige Feiertag heißt, ist den Menschen egal, er stiftet ein Zwickeltagwochenende und das lieben die Leute. Amen.

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Das 72. Wort zum Sonntag, den 13. Mai 2012

Joh 15, 9-17: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

Heute kann ich wieder ein schönes Gleichnis anbringen! Denn Kardinal Schönborn steigert sich in seine Freundschaft mit Jesus hinein. Als er 1991 Weihbischof von Wien geworden sei, habe er sich als Bischofsmotto das "Wort Jesu" erwählt: "Euch aber nenne ich Freunde"! Er führt dann was aus über die wirklichen Freunde, die man im Leben hat, er kommt zum Schluss, dass Jesus zeige, wie weit dieser Einsatz für den Freund gehen kann: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt". Was zwar für einen unsterblichen Gottessohn ja keine sehr bedeutende Kunst ist, ein Unsterblicher könnte ja jeden Tag zwölfmal sterben ohne Schaden zu erleiden.

Schönborn schließt mit: "Was macht Freundschaft haltbar? Wenn die Freunde in ihrem Willen übereinstimmen, wenn sie ihre Freude darin finden, mit dem Freund eines Willens zu sein. Freundschaft mit Jesus heißt deshalb: 'Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage'. Noch eine Frage: kann man mit Gott Freundschaft haben? Er - unsichtbar und ewig. Wir - sterbliche Menschen! Genau diesen Abstand hat Jesus überbrückt. Er ist ja Gott und Mensch. So können wir sogar Freunde Gottes werden."

Das erinnerte mich heftig an einen Film aus den 1950er-Jahren, er basiert auf dem Theaterstück "Mein Freund Harvey" von Mary Chase. Die Handlung lt. Wikipedia: "Als der liebenswert-schrullige und zu allen unerschütterlich freundliche Elwood P. Dowd auf einer Party seinen Freund Harvey, einen Puka (einen ungefähr zwei Meter großen, unsichtbaren, weißen Hasen) vorstellt, beschließt seine Schwester Veta, ihn in ein Sanatorium einweisen zu lassen. Doch als sie aussagt, Harvey ab und zu selber zu sehen, wird nicht Elwood, sondern sie selbst eingewiesen. Dr. Chumley korrigiert seinen Fehler jedoch und macht sich auf die Suche nach Elwood. Als er ihn aufspürt, kommt es zu einer Reihe von Verwicklungen, während deren Elwood auch erzählt, wie er Harvey kennengelernt hat. Dr. Chumley erkennt schließlich, dass Harvey wirklich existiert. Währenddessen soll Elwood ein Serum verabreicht werden, das ihn wieder 'normal' machen soll, und er willigt zur Freude seiner Schwester ein. Veta wird jedoch durch das Eingreifen Harveys vor den Wirkungen des Serums gewarnt und kann dadurch im letzten Moment dessen Verabreichung an Elwood verhindern. Dadurch erkennt auch sie, dass Harvey wirklich existiert. Im Laufe der Handlung werden auch zwei Paare zusammengeführt."

Auch Schönborn hat seinen unsichtbaren Hasen, nur heißt der Jesus und nicht Harvey. In der Filmkomödie wird Harvey für die handelnden Personen zum wirklichen Hasen und wirklichen Freund. Aber das Leben des Herrn Schönborn ist keine Filmkomödie, er glaubt im echten Leben an den unsichtbaren Jesus-Hasen und nicht nur 104 Minuten auf der Leinwand. Ist das nicht tragisch?

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Das 71. Wort zum Sonntag, den 6. Mai 2012

Joh 15, 1-8: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Heute haben wir wieder einmal eine schöne Stelle, wo der liebe Jesus wieder einmal teuflisch böse ist. Heutzutage glaubt zwar fast niemand mehr an diesen Kern der christlichen Lehre, nämlich an Teufel und Verdammnis, aber es ist noch nicht sehr lange her, dass das so gepredigt wurde, wie es in der Bibel geschrieben steht. Ich bin von 1953 bis 1965 zur Schule gegangen, mir wurde noch klar gesagt, dass zum Beispiel Glaubensabfall mit ewiger Verdammnis im Höllenfeuer bestraft wird: ich wäre also noch eine weggeworfene und verdorrte Rebe gewesen, die ins Feuer wandert. Heute glauben nach einer Umfrage vom April 2012 in Österreich nur noch zwei Prozent an die Hölle. Und der verschwundene Höllenglaube führt klarerweise auch zum Verschwinden der Gottesfurcht und dadurch auch zur Bedeutungslosigkeit der Religionen. Wenn's nicht bestraft wird, geh ich bei rot über die Kreuzung, vögle mit Verhüteli und schlaf am Sonntag bis Mittag.

Wie aber redet sich heute Schönborn heraus? Was sagt er zu den Reben im Feuer? Wie zu erwarten war: er sagt dazu gar nichts: "Rebzweige, die vom Weinstock abgeschnitten sind, vertrocknen in kürzester Zeit. (..) 'Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.' Kein Mensch kann ohne Wurzeln leben. Wir brauchen die Verbundenheit mit einem Wurzelgrund, aus dem wir leben. Dazu gehören die Familie, die Freunde, die Zugehörigkeit zu einem Land, zu einer Sprache und Kultur, zu einer Religion. All das gibt Halt und Heimat. Weh dem Menschen, der ohne es leben muss. Er gleicht einem abgeschnittenen Rebzweig."

Und weiter? Alles kann man verlieren laut Schönborn, nur den Jesus nicht: "Hier aber geht es nicht um irgendeinen Wurzelgrund. Die Heimat können wir verlieren. Viele kennen das heute. Die Familie kann zerbrechen. Sprache und Kultur können uns fremd werden. Jesus aber bleibt: 'Ich bin der wahre Weinstock'; und: 'Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht. Denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun'. Nichts? Können wir ohne ihn, ohne Jesus, ohne Gott, wirklich nichts tun?"

Natürlich können die Leute ohne Jesus wunderbar leben! Die o.a. Meinungsumfrage erbrachte auch, dass nur 30 % an die Auferstehung vom Jesus glauben. Rund 70 % der Bevölkerung sind katholisch oder gehören einer anderen christlichen Gruppe an - was also heißt, das auch ein ziemlicher Teil der Kirchenmitglieder nicht an einen Weinstock namens Jesus glaubt. Diese Leute haben kein Problem damit, Kirchenmitglieder sind sie eben aus Traditionen oder aus Gründen der sozialen Beziehungen, nicht jedoch wegen eines göttlichen Weinstockes.

Schönborn braucht natürlich seinen Weinstock: "Gott ist der Grund meines Lebens. Jesus ist der Weinstock, aus dem mein Leben Saft und Kraft bekommt. Ich kann zwar versuchen, sozusagen auf mein eigenes Konto zu leben, jede Abhängigkeit ablehnen, mein eigener Herr, meine eigene Chefin zu sein versuchen. Aber das ist ebenso unsinnig wie eine Rebe sein zu wollen, ohne am Weinstock zu bleiben."

Womit er von seiner Position aus recht hat. Katholischer Kardinal kann man nur als Weinrebe am Weinstock Jesus sein, auf eigene Kosten weinstocklos leben, das kann er nicht, wer sollte ihn dafür bezahlen? Er hätte ein leeres Konto! Es gibt natürlich eine Menge weinstockloser Kleriker. Aber nur undercover. Wer schon viele priesterliche Dienstjahre hat, kann nimmer wechseln, er wäre ein Fall für Sozialhilfe und Mindestpension. Weil priesterliche Kirchenangestellte zahlen nicht in die Pensionsversicherung ein. Darum ist es für ältere Geistliche auf jeden Fall besser, am Weinstock zu hängen: "Ein schöner, an reifen Trauben praller Weinstock ist etwas Herrliches. So will Gott uns Menschen. Dazu hat er uns Jesus als den guten, wahren Weinstock gegeben. Mit ihm will er uns fest verbunden wissen." Was soll er sonst machen? Er ist materiell vom kirchlichen Weinstock abhängig. Nichtkleriker sind es nicht, sie sind keine Reben am Weinstock, sie müssen sich nicht pflanzen lassen, sie sind sozusagen eigenwertige Pflanzen und haben ihre eigenen Wurzeln. Hallelujah.

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Das 70. Wort zum Sonntag, den 29. April 2012

Joh 10, 11-18: Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.

Heute geht's wieder einmal um einen ehernen Grundsatz des Christentums, der HErr ist der Hirte und die Gläubigen sind die Schafe. Schafe sind Tiere, die gerne als Symbol für Einfachheit, Folgsamkeit, Dummheit, Feigheit genommen werden, "dummes Schaf" oder "ängstlich wie ein Schaf" kann man fallweise als entsprechende Vergleiche hören. Eine Religion, die ihre Anhänger als trottelige furcht- und folgsame Tiere einstuft, die einen strengen Aufseher brauchen, hat keinerlei Hochachtung vor den Menschen. Und vor allem: die Schafherden werden ja vom Hirten nicht betreut, damit sie ein schönes Schafleben haben, sondern damit sie eine schöne Wolle entwickeln und sie ertragreich geschoren werden können, irgendwann werden sie geschlachtet, Fleisch und Fell wird verwertet. Aus anderen Gründen existierten Schafherden unter menschlicher Aufsicht nie.

Eine Religion, deren Gott ein Schafzüchter ist, deren Gläubige geschoren und zum Lammkoteletts verarbeitet werden, ist eine schafsdumme Religion.

Schönborn sieht das in seiner Sonntagspredigt klarerweise nicht so. Dass die christliche Religion ihr Publikum zu Schafen vertrottelt, hat er nie bemerkt.
Er freut sich nur über den guten Hirten, der die Schafe zu ihrem Besten behütet und sein Leben für die Schafe gibt. Dass im wirklichen Leben die Schafe ihre Wolle, ihr Fell und ihr Leben für den Besitzer der Schafherde geben müssen, ist ihm noch gar nicht aufgefallen. Weil sonst müsste er zumindest sagen, dass dieses Gleichnis von Gott und Mensch als Hirte und Schaf nicht nur ausgesprochen dämlich, sondern vor allem extrem unmenschlich ist.

Schönborn steigert sich sogar noch hinein und deutet die heutige Bibelstelle politisch!
Er schließt mit: Jesus übt sein Hirtenamt aus. Er ist jedem Menschen nahe. Wir können auf seine Hirtensorge für uns vertrauen, wie er Psalm sagt: "Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen!" Und zweitens ist er das große Vorbild für alle, die ein weltliches oder kirchliches Hirtenamt ausüben. Trotz aller (oft auch zu harter) Kritik: viele in Politik und Kirche bemühen sich, dieses Vorbild des guten Hirten nachzuahmen. Ein Segen für alle, wenn es ihren halbwegs gelingt!

Ja, die Hirten mühen sich, auf dass es den Aktienkursen gut geht auf Erden, auf dass das neoliberale Gesellschaftssystem die Ausbeutung noch mehr steigern kann, die Schafherde noch mehr geschoren, das Fell noch widerstandsloser über die Ohren gezogen werden kann. Die heutigen Hirten sorgen dafür, dass die Leithammel ein schönes Leben haben und die Herdenbesitzer sich im Paradies wähnen dürfen. Die Schafe? Die fressen zuviel Gras, werden nicht schnell genug fett und die Wolle wächst zu langsam. Ein Segen für alle wäre es, wenn sich die Menschen nicht als Schafe behandeln ließen und gegen diese Scheißhirten und Ausbeuter Widerstand leisteten. Sei kein Schaf, amen!

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Das 69. Wort zum Sonntag, den 22. April 2012

Lk 24, 35-48: Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren, erzählten den Elf und den anderen Jüngern, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach. Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen. Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist. Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift. Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür.

Sonntagsprediger Schönborn startet seine heutige Predigt so: "Wie kommen Menschen zum Glauben? Wie geht das? Auf einmal, plötzlich? Oder in Etappen, allmählich? Für viele ist es ein Hineinwachsen, vom kindlichen Glauben in der Familie zum reifen Glauben längerer Lebenserfahrung. Oft bleibt der Glaube unterentwickelt, oder gar unentwickelt. Die Traditionen tragen nicht mehr, die Glaubensweitergabe von Großeltern über die Eltern zu den Enkeln bricht irgendwo ab. So sieht es heute zum Teil in Österreich aus."

Immerhin: Schönborns Betrachtung tendiert in Richtung Wirklichkeit! "Plötzlich" kommt wohl ziemlich selten wer dazu, christlich zu werden. Und das Hineinwachsen funktioniert fast ausschließlich über den Kinderglauben. Dem allerdings dann nach "längerer Lebenserfahrung" viel eher der Verlust dieses Kinderglaubens folgt als das, was Schönborn einen "reifen Glauben" nennt. Sowas gibt es eher nicht, dieser "reife Glaube" wird in der Regel was Unhinterfragtes sein, etwas, das nie wirklich angezweifelt und worüber nie wirklich nachgedacht wurde. Eben das geronnene Produkt unreflektierter kindlicher Naivität. Was auch Schönborn erkennt, ihm ist irgendwie klar, die Traditionen tragen nicht mehr. Eltern und Großeltern haben eben überwiegend keinen "reifen Glauben", sondern zumindest erhebliche Zweifel oder einfach keinen Bedarf für Religiöses. Die Weitergabe des Glaubens bricht ein und das ruiniert die Religionen.

In seinen weiteren Ausführungen konzentriert sich der Herr Kardinal freilich gerade auf diese Glaubensweitergabe:
"Wenn Eltern (oder Großeltern) ihren Kindern (ihren Enkeln) erzählen können, was der Glaube in ihrem Leben bedeutet, wird er auch für die jüngere Generation glaubwürdig. Wir können Jesus nicht so berühren wie die Apostel damals, zu Ostern, als er ihnen erschien. Aber er macht sich 'berührbar' im eucharistischen Brot, in der heiligen Kommunion, die sein Leib ist. Und auch heute sagt er: 'Ihr seid Zeugen dafür'."

Aber was macht man, wenn der Glaube den Eltern und Großeltern nix mehr bedeutet? Wenn die biblischen Legenden keine Rolle im wirklichen Leben mehr spielen? Was wollen die Christenkirchen dagegen tun? Zwingen geht nimmer und freiwillig befassen sich immer weniger damit. Wozu auch? Wofür oder wogegen soll der liebe Jesus helfen? Nach einer aktuellen Umfrage glauben nur noch 30 %, dass der Jesus auferstanden sei. Was werden die anderen 70 % ihren Kindern erzählen? Vermutlich was vom Rumpelstilzchen und vom Tapferen Schneiderlein, weil Märchen für kleine Kinder wenigstens einen gewissen Unterhaltungswert haben. Und wenn die Kinder lesen können, werden ihnen Comics sicherlich weitaus mehr zusagen als biblische Anekdoten, auf die Idee, die Bibel zu lesen, werden sie nicht kommen. Und wenn sie diese im Religionsunterricht lesen müssen, werden sie davon wenig beeindruckt sein, Donald Duck und Lucky Luke sind weitaus interessanter. Wahrhaftig! Amen.

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Das 68. Wort zum Sonntag, den 15. April 2012

Joh 20, 19-31: Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Jeden Sonntag irgend so ein biblischer Schmarrn! Ach Gott, ach Gott, warum habe ich mir diese Seite angefangen! Als seinerzeit die Jesus-Sekte wegen Hinrichtung ihres Gründers zu einem Ende gekommen schien, passierte es leider, dass einige der Eifrigeren begannen, das Gerücht zu verbreiten, ihr Anführer sei eh gar nicht tot und werde alsbald wiederkehren. So wurde im Laufe der folgenden Jahrzehnte aus einem gescheiterten Messias, der ein Gottesreich angekündigt hatte, ein auferstandener kurzzeitig tot gewesener Gottessohn, der demnächst oder ein bisschen später und schließlich irgendwann in der Zukunft wiederkommen würde. Gezeigt hat er sich dabei laut den vier Evangelisten auf verschiedene einander widersprechende Arten einigen seiner Anhänger. Celsus, ein früher Kritiker des Christentums aus dem zweiten Jahrhundert, hatte dazu schon geschrieben: "Wäre Jesus wirklich auferstanden, so hätte er, wenn er doch eine wahrhaftig göttliche Kraft erscheinen lassen wollte, den Schmähern selbst und dem Verurteiler und überhaupt allen erscheinen müssen."

Da hilft es herzlich wenig, wenn anstatt dessen die Geschichte vom ungläubigen Thomas erzählt wird.
Wenn mir einer erzählt, Elvis Presley wäre gar nicht tot, sondern habe sich nur aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, dann würde ich das sicherlich glauben, wenn ich ihn sehen könnte und der inzwischen 77 Jahre alte Herr seine Elvis-Identität mittels DNA-Test bewiese.


Die obige Zeitungsmeldung von 1988 oder das angebliche Elvis-Foto aus dem Jahre 2009 haben dieselbe Beweiskraft für einen lebenden Elvis wie die biblischen Texte von einem auferstandenen Jesus, nämlich keine. Dabei hat der Suchbegriff Elvis lebt auf Google 938.000 Fundstellen, Jesus lebt aber nur 548.000!

Kardinal Schönborn erfreut sich am heutigen Evangelium vor allem am Satz "Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert". Es wäre wesentlicher humaner, wenn er sich dafür ganz tief schämen täte. Gerade dieser Satz hat durch viele Jahrhunderte unermessliches Leid über Menschen gebracht, die das wirklich geglaubt hatten. Und die Kleriker konnten sich als Unterdrücker und psychische Folterknechte mit göttlicher Macht aufspielen. Wenn dieser Jesus in dieser Sache was Vernünftiges sagen hätte wollen, dann hätte dieser Satz heißen müssen, "wenn du jemandem Unrecht getan hast, dann entschuldige dich und mache den Schaden wieder gut." Aber das wäre menschlich gewesen und nicht christlich. Amen.

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Das 67. Wort zum Ostersonntag, am 8. April 2012

Joh 20, 1-9: Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.

Über die berühmte Geschichte von der "Auferstehung" eines jüdischen Endzeitpredigers hat schon seinerzeit der Hauptschuldige an der Christentumsgründung, ein gewisser Paulus von Tarsus, geborener Scha'ul, geschrieben: 1. Brief an die Korinther 15,12-19: Wenn aber von Christus verkündigt wird, dass er von den Toten auferweckt worden ist, wieso sagen dann einige unter euch: "Es gibt keine Auferstehung der Toten."? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, so ist unsere Predigt leer, leer auch euer Glaube. Wir würden aber auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferweckt werden. Denn wenn die Toten nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nichtig, dann seid ihr noch in euren Sünden. Folglich sind auch die in Christus Entschlafenen verloren. Wenn wir nur in diesem Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, sind wir bemitleidenswerter als alle Menschen.

Damit ist alles gesagt.
Euer Glaube ist nichtig. Ihr seid bemitleidenswert. Amen.
Den Schönborn erspar ich mir heute.

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Das 66. Wort zum Palmsonntag, am 1. April 2012

Mk 11, 1-10: Es war einige Tage vor dem Osterfest Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien am Ölberg, schickte Jesus zwei seiner Jünger voraus. Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor uns liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los, und bringt ihn her! Und wenn jemand zu euch sagt: Was tut ihr da?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn; er lässt ihn bald wieder zurückbringen. Da machten sie sich auf den Weg und fanden außen an einer Tür an der Straße einen jungen Esel angebunden, und sie banden ihn los. Einige, die dabeistanden, sagten zu ihnen: Wie kommt ihr dazu, den Esel loszubinden? Sie gaben ihnen zur Antwort, was Jesus gesagt hatte, und man ließ sie gewähren. Sie brachten den jungen Esel zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier, und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf der Straße aus; andere rissen auf den Feldern Zweigen von den Büschen ab und streuten sie auf den Weg. Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!

Von einem Erlöser erwarteten damals die Juden die Befreiung von der römischen Besatzung. Was ein jüdischer Endzeitprediger, der möglicherweise Jeschua ben Josef hieß (in der Sprache der römischen Besatzungsmächte "Jesus" genannt), wirklich beabsichtigte, lässt sich aus den geschichtlichen Quellen nicht ermitteln. Denn es gibt keine. Die sog. "Evangelien" entstanden Jahrzehnte später und sind bestenfalls eine Mischung aus Erzählungen vom Hörensagen über sieben Ecken und religiösen Ausschmückungen. Die Geschichte vom Einzug in Jerusalem auf einem Esel hatte beispielsweise ihren Ursprung in einer Stelle in den jüdischen Schriften, wo es heißt "siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig und er reitet auf einer Eselin."

Was immer dieser Jeschua beabsichtigt hatte, es ging jedenfalls schief, er hatte es sich sowohl mit den herrschenden Clan der Pharisäer vertan und war auch den Römern lästig. Also weg mit ihm. Damit war dieser Messias für die Juden erledigt. In einer der groteskesten Windungen der Geschichte breitete sich ausgerechnet im römischen Reich die Jesus-Sekte unter Nichtjuden aus und wurde durch weitere geschichtliche Missgeschicke dann sogar zur diktatorischen römischen Staatsreligion, was nicht nur furchtbares Leid über die Menschheit brachte, sondern die Menschen auch in ihrer geschichtlichen Entwicklung um 1000 Jahre zurückwarf.

Die staatliche Rundfunk- und Fernsehanstalt ORF ließ am Karfreitag in ihren Sendungen Gedenkminuten ablaufen. Nicht etwa für die unzähligen Millionen physischen und psychischen Opfer der christlichen Tyrannei, sondern für einen jüdischen Prediger, der letztlich nicht viel dafür konnte, wofür man im Laufe der Jahrhunderte seinen Namen verwendete. Die ORF-Gedenkminuten waren religiöse Propaganda, obwohl es in Österreich schon lange keine Staatsreligion mehr gibt und der Mehrheit der Menschen der Jesus zumindest ziemlich wurscht ist.

Aber was meint heute der Schönborn in seiner Predigt? Er freut sich zuerst einmal über den Esel: "Sieht so der Einzug eines Mächtigen aus? Auf einer jungen Eselin kommt er geritten." Er weiß allerdings auch, wofür der Esel benötigt wird, nämlich um eine Stelle im "Alten Testament" (Sacharja 9:9) zu "beweisen".

Und freuen tut sich der Herr Kardinal darauf, dass auch heuer sein Jesus wieder vom Kreuzestod auferstehen wird, er schließt mit "Heute gehen viele Menschen im ganzen Land zur Palmprozession, lassen ihre "Palmkatzerln" segnen. Nur ein schöner Brauch? Ich erlebe etwas anderes. Auch wenn der Kirchenbesuch in Österreich allgemein sinkt, so nimmt die Zahl derer zu, die sich auf den Weg einlassen, der heute, mit dem Einzug Jesu in Jerusalem beginnt. Es ist spannend, die Tage der Karwoche innerlich mit-zu-leben, sich mit Jesus auf den Weg zu begeben. Da kommt das letzte Abendmahl Jesu am Gründonnerstag, der ernste Karfreitag mit dem Kreuzestod, der stille Karsamstag der Grabesruhe, die lange Feier der Osternacht, und schließlich der freudige Ostersonntag der Auferstehung. Wer diese Tage mitfeiert, kann erleben, dass Jesu Einzug, ganz real ist, im eigenen Leben, bei mir."

Und diese Freude haben die braven Christen Jahr für Jahr, ich aber schließe mein Wort zum Palmsonntag mit wahrlich, wahrlich, ich sage Euch, viele Jahrhunderte hat die Welt unter den Jesus-Bräuchen Furchtbares erlitten, Zwang, Verdummung, Unterdrückung, Ausbeutung. Wir leben jedoch in einem Zeitalter, indem niemand mehr der Eselsparade folgen muss, freuet Euch über die Freiheit von der Jesustyrannei und frohlocket!

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Das 65. Wort zum Sonntag, den 25. März 2012

Joh 12, 20-33: In jener Zeit traten einige Griechen, die beim Osterfest in Jerusalem Gott anbeten wollten, an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen. Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht auf die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen. Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: Es hat gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet. Jesus antwortete und sagte: Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Das hat zwar jetzt nix mit der Predigt vom Schönborn zu tun, aber trotzdem einen Unterhaltungswert: Aus dem Messbuch, das die Abläufe der katholischen Sonntagsmessen beinhaltet, nach seinem Verfasser "Schott" genannt, hab ich mir folgenden Text zur heutigen Sonntagsmesse herauskopiert:
"Zur 1. Lesung Am Sinai hatte Gott mit Israel einen Bund geschlossen, Israel war sein heiliges Volk geworden. Als Satzung des Bundes hatte es die Zehn Gebote empfangen. Aber diesen Bund hat Israel hundertmal gebrochen, und es hat keine Möglichkeit mehr, ihn zu erneuern. Nun aber, in einer Zeit der Krise und des Gerichts (um 600 v. Chr.), verkündet der Prophet, dass Gott einen neuen Anfang machen will; er wird alle Untreue vergeben und dem Volk ein neues Herz schenken und einen neuen Geist. So wird es auf neue Weise wahr: 'Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein'."
Das muss man sich einmal vorstellen, dieser Gott, der da einen neuen Bund schließen will, müsste ein Universum mit 100 Milliarden Galaxien geschöpft haben, damit er dann auf einem kleinen Planeten einer mittelmäßigen Sonne auf einem Nebenzweig einer Galaxie mit einem durch den Nahen Osten wandernden kleinen Volk einen Bund abschließt. Weil dieses Volk diesem großmächtigen Schöpfer unzureichend gehorcht, braucht es nun einen neuen Bund, der durch Jahrhunderte vorbereitet wird und danach muss sich der Juniorgott vom alten Jehova erst recht ein neues Volk suchen, weil sein altes damit nix zu tun haben will. Und der neue Bund ist dann der Bund vom Jesus mit seinen Christen. Allein von den Proportionen her fällt es schon schwer, sich noch was Absurderes vorzustellen.

Aber sei's drum.
Schönborn verlegt sich heute aufs "Jesussehen" und spricht dazu auch das nicht übernommene Bilderverbot des Alten Testamentes an. Dort hatte es in den "Zehn Geboten" nämlich ganz klar geheißen, "Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde." Wenn man das wörtlich nähme, dann wäre heute sogar das Fotografieren verboten. Im Judentum und im Islam besteht zumindest das Gottesbildverbot bis heute, Fotoapparate verwenden allerdings sowohl Juden als auch Muslime. In den meisten Varianten des Christentums sind Gottesbilder erlaubt. Ich habe daher versucht, im Internet entspr. theologische Begründungen zu finden, warum dieses Gottesgebot aufgehoben wurde, es ist mir nicht gelungen. Der Hinweis, damit hätte der Götzendienst unterbunden werden sollen, liegt völlig daneben, da gerade die christliche Bilderverehrung blanker Götzendienst ist, man denke an die aberwitzigen Zahlen von ausgehängten & aufgestellten Gottesmüttern, Gottessöhnen und die Bataillonen von Heiligen, vor denen Gebete gesprochen und Kerzen abgebrannt werden.

Nach dieser zweiten Abschweifung das Schlusswort vom Schönborn:
"Die Griechen, die Jesus sehen wollen, sind die Vorboten der zahllosen Menschen aus allen Völkern der Erde, die kommen werden, um Jesus zu kennen. Aber dazu muss Er zuerst sterben. Sonst bleibt Er allein wie ein unausgesätes Weizenkorn. Sein Tod wird reiche Frucht bringen. Und viele werden von Ihm lernen, dass das Leben nur fruchtbar ist, wenn es sich verschenkt, wie das Weizenkorn..."

Wenn man das Christentum an seinen praktischen Auswirkungen misst, fällt es jedoch eindeutig unter die Kategorie Unkraut. Früher überwucherte und erstickte es die Vernunft, drückte die Menschen zu Boden und zwang sie zum Götzendienst. Heute belästigt das Christentum immer noch die Menschheit, in vielen Gegenden überwuchert es immer noch die Vernunft. Im aufgeklärten Europa liegen wir besser, das christliche Unkraut wird zwar nicht Unkraut genannt, aber es wird kurz gehalten und der Weizen der Vernunft darf spießen. Amen.

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Das 64. Wort zum Sonntag, den 18. März 2012

Joh 3, 14-21: Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat. Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

Man müsste eigentlich annehmen, dass diese Worte als Droh- und Verdammungstext zu verstehen sind: "Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat." Also sind beispielsweise wir Atheisten schon gerichtet und natürlich auch alle Hindus, Buddhisten, Muslime und was sonst noch fleucht und kreucht. Eigentlich sind nur die wirklich gläubigen Katholiken gerettet, weil die haben eine alleinseligmachende Kirche. Extra ecclesiam salus non est - außerhalb der Kirche gibt es kein Heil. So heißt es in einem auf der Kirchenversammlung von Florenz (1438-1445) beschlossenen Dogma, das auch heute verpflichtender katholischer Glaubensbestandteil ist, bzw. sein müsste.

Aber sowas wird heute vorsichtshalber nimmer laut verkündet. Heute werden die Sätze "denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat - denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird" forciert. Schönborn macht sich daher Sorgen um den Weltuntergang, Armut und Klimakatastrophe werden von ihm angesprochen, dann meint er: "Die Welt kann also gerettet werden. Sie ist nicht verloren. Gott hat sie nicht abgeschrieben. Er liebt sie. Sie ist ihm wert, gerettet zu werden. Und Gott lässt sich diese Rettung etwas kosten, viel sogar, alles, Sein Kostbarstes, Seinen Sohn."

Vor 2000 Jahren einen unsterblichen Gottessohn zu opfern, ist keine besondere göttliche Leistung, das müsste so ein Gott eigentlich jede Ostern machen können in seiner Allmacht. Was der geopferte Jesus gegen Armut und Klimawandel tun könnte, weiß auch Schönborn nicht. Darum steigt er um: "Und geht es Jesus seinerseits um die Rettung des Klimas? Verheißt er nicht vielmehr das ewige Leben, und nicht eine irdische Rettung? Sicher, Jesus spricht vom ewigen Leben, aber auch von dieser Welt. Er spricht von einem Gericht, das jetzt schon stattfindet. Und dieses Gericht wird von uns entschieden. Jesus spricht von Licht und Finsternis, von guten und bösen Taten, von Wahrheit und Lüge. Heute schon entscheidet sich, ob wir Menschen 'die Finsternis mehr lieben als das Licht', die Lüge mehr als die Wahrheit. Das Böse scheut das Licht: 'Jeder, der das Böse tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden'. Es ist im Großen wie im Kleinen: Lassen wir das Licht der Wahrheit zu oder scheuen wir es, damit die Wahrheit nicht aus Licht kommt? Die großen, dramatischen Weltprobleme wie auch die Probleme des eigenen Lebens können nur gelöst werden, wenn sie ehrlich angegangen werden. Der Glaube gibt uns dazu den Mut, dass Wissen, dass Gottes Liebe uns nie fallen lässt. Sie rettet die Welt!"

Was ist jetzt also? Wer rettet was? Mit der Finsternis der bösen Taten hat die katholische Kirche ja viele Jahrhunderte extrem intensive Erfahrungen gemacht und sie hat diese Taten bisher zumindest insoweit fast immer erfolgreich zu bewältigen vermocht, dass Blicke in die katholische Finsternis selten Folgen hatten. Ausrutscher wie die Gerichtsverfahren gegen klerikale Kinderschänder in den USA mit sehr hohen Geldbußen sind Ausnahmen, in Österreich wickelte man dieses Verbrechensgeschehen nicht behördlich ab, sondern eine kircheneigene Kommission durfte im Gottesschatten abwiegeln. Aber am Sonntag redet man vom katholischen Gotteslicht. Wozu man wieder einmal sagen kann, zu schade, dass es den lohnenden und strafenden katholischen Gott nicht gibt. Weil der bräuchte zur Unterbringung der katholischen Heuchler und Finsterlinge eine sehr große Hölle. Amen.

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Das 63. Wort zum Sonntag, den 11. März 2012

Joh 2, 13-25: Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus, und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte. Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen, als sie die Zeichen sahen, die er tat. Jesus aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen ist.

Die Leute, die den Text des Neuen Testamentes geschichtlich und textkritisch lesen, vermuten, dass sich mit dieser Tempelstürmung ein möglicher historischer Wanderprediger, der posthum den lateinisierten Künstlernamen Jesus Christus erhielt, den Zorn der herrschenden Jerusalemer Priesterschaft und der römischen Besatzungsmächte zuzog, während der Tempelstürmer vielleicht als eine Art Wutbürger zu agieren versucht hatte, aber mit seiner Aktion zuwenig Aufruhr hervorrief und die Herrschenden ihn ohne größere Schwierigkeiten bald danach aus dem Verkehr ziehen und hinrichten konnten. Seine Anhänger hatten sich inzwischen verlaufen, setzen aber später ihre Tätigkeit im vermuteten Sinne ihres Predigers fort, was durch eine Reihe von unglückseligen Umständen zuerst zur Gründung einer populistischen Weltuntergangssekte führte, deren toter Anführer im Laufe der Jahre bis zum Sohn Gottes hinaufstilisierte wurde und die Sektenlehre schließlich durch unglückselige Ereignisse im Römischen Reich zur Staatsreligion. Die Menschheit leidet heute noch an dieser historischen Fehlentwicklung.

Soweit das Historische. Nun wieder das Übliche: was sagt Schönborn dazu? Er freut sich darüber, dass Jesus von seinem Vater redet, dem alten Gott der Juden. Das Evangelium des Johannes, das Papst Ratzinger als Hauptstück des Neuen Testamentes betrachtet, entstand etwa um die Wende zum 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, es kann daher angenommen werden, dass es keine noch lebenden Zeitzeugen über die Auftritte eines Jesus im ersten Drittel des 1. Jahrhunderts gegeben haben wird, die Geschichte vom "Sohn Gottes" konnte daher mit viel leichterer Hand hingeschrieben werden als in den drei anderen Evangelien, wo solche Bezüge in der Regel entweder nachträglich hinzugefügt wurden oder was anderes bedeuteten, "Sohn Gottes" könnte auch die Bezeichnung für einen besonders religiösen Menschen sein oder überhaupt für jeden Menschen, in meiner Schulzeit nannte ein Religionslehrer die ganze Klasse häufig "Kinder Gottes" und wir hielten uns trotzdem für keine Gottessöhne.

Schönborn macht sich natürlich auch Sorgen über Dombesucher mit Eis oder Bierflasche und erwähnt sogar die Marktstände mit Devotionalien in den Wallfahrtsorten. Aber als Schlusspointe wählte er klarerweise den Tempelabriss und seinen Neuaufbau als "Tempel seines Leibes".
Denn: "Damit weist er auf zwei Dinge hin. Jeder noch so schöne von Menschenhand errichtete Tempel, ob Kirche, Moschee oder anderer Art, ist vergänglich. Er mag schön sein, aber er ist nur die äußere Hülle. Was bleibt, was Bestand hat, das ist der lebendige Tempel: Christus, der gestorben und auferstanden ist. Und alle, die Gott, die Christus in ihrem Leben Raum geben: dort wohnt Gott unter uns!"

Da konnte Herr Schönborn eine sich selbst mähende Wiese bearbeiten, weil alle braven Christen sind Jesustempeln. Da kann der Herr Kardinal wahrlich seine Augen mit Stolz zum Himmel verdrehen! Bei ihm hat der Jesus eine schöne Wohnung. Amen.

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Das 62. Wort zum Sonntag, den 4. März 2012

Mk 9, 2-10: In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.

Als Erstes ist mir heute in der Kronenzeitung dieser Satz aus der heutigen Bibelstelle ins Auge gesprungen: "seine Kleider wurden strahlend weiß". Das kenn ich! Darum hab ich gleich "strahlend weiß" gegoogelt und dabei u.a. auf der Homepage der Firma Henkel diesen Slogan gefunden und einen Screenshot davon gemacht:


Der obigen Bibelstelle ist allerdings zu entnehmen, Persil hat Jesus nicht erfunden, weil seine Wäsche blieb nicht strahlend weiß! Die kritische Bibeltextforschung meint zu den mehrfach in den Evangelien vorkommenden Stellen, wo Jesus seinen Jüngern verbietet, über irgendwelche Wunder oder Erscheinungen zu berichten, dies sei deswegen in die Texte eingeflossen, weil es ja zurzeit der Entstehung der ersten dieser Texte (etwa 40 Jahre nach dem Tode Jesu) noch lebende Zeitgenossen gegeben haben könnte, die dann wohl gesagt hätten, von solchen Sachen nie was gehört zu haben. So konnten sie nichts gehört haben, weil keiner was sagen durfte, ganz einfach!

Schönborn darf was sagen, was meint er heute? Eigentlich nix Besonderes, er schreibt von "Verklärung" und "Metamorphose" und schließt mit: "Es ändern sich Menschen zum Besseren. Die Verklärung Christi ist wie ein Leitstern. So soll es auch bei uns werden. Gott will in unserem Leben aufleuchten, es zum Leuchten bringen. Dabei wird das Leid nicht ausgespart. Jesu Weg ging über das Kreuz. Das Ziel aber war Verwandlung. Ein gutes Ziel für die Fastenzeit!"

Naja, dann leuchtet zu Ostern vielleicht der Schönborn. Amen.

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Das 61. Wort zum Sonntag, den 26. Februar 2012

Mk 1, 12-15: In jener Zeit trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm. Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Laut Schönborn hat Jesus seine 40 Tage Fastenzeit alleine in der Wüste verbracht: "Nur mit Gott. Mit der Schöpfung. Mit den 'guten Geistern', den Engeln. Und mit dem Versucher, Satan." Seltsam, da der HErr Jesus laut katholischer Lehre ja selber "Gott" ist, nämlich die zweite Falte der hl. Dreifaltigkeit. Von Markus stammt das spärlichste der vier christlichen Evangelien, zwei von seinen drei Kollegen schrieben bei ihm ab und dichteten hinzu, der Vierte (Johannes) dichtete selber was Neues.

Bei Markus ist also alles recht schlicht, in seinen Urtexten wusste dieser Evangelist noch nix davon, dass der von Staats- und Besatzungsmacht liquidierte Prediger Jeschua ben Yosef im Laufe der Jahrzehnte von seinen Anhängern vom Verkünder Gottes zum Sohn Gottes befördert werden wird. Jesus wird bei Markus, Matthäus und Lukas vom Satan in Versuchung geführt, bei Johannes nimmer, weil einen allmächtigen Gott kann ein Teufel nicht in Versuchung führen, bei den anderen drei Evangelisten war Jesus noch nicht so hoch hinauf befördert worden.

Bei Markus geht es dann recht schnell zum tatsächlichen Wirken dieses lateinisiert "Jesus" genannten Predigers, da sein Kollege und Gesinnungsfreund Johannes der Täufer (nicht ident, verwandt oder verschwägert mit dem Evangelisten Johannes) inhaftiert war, verkündet er nach der Fastenzeit in Vertretung für diesen eine Endzeitlehre, das Reich Gottes - was das auch immer sein mag - sei nahe. Die Meinungen darüber gehen auseinander, sollte das die Wiederkehr eines mosaischen Gottesstaates sein oder das Weltenende, gewesen ist es keines von beiden, das "Reich Gottes" ist auch 2000 Jahre später immer noch nicht näher gekommen.

Das Christentum hatte bloß das Glück (und die Menschheit das schreckliche Pech), dass diese Religion durch den Lauf der Umstände im vierten Jahrhundert römische Staatsreligion wurde
und durch Abschaffung der Religionsfreiheit und die Errichtung einer religiösen Diktatur Zug um Zug eine religiöse Weltmacht, deren Niedergang noch eine Weile andauern wird müssen bis die Menschheit von dieser Plage befreit sein wird. Hätte Kaiser Konstantin 312 die Schlacht gegen seinen Rivalen Maxentius verloren, wären uns vermutlich die Gräuel des Christentums und das finstere Mittelalter erspart geblieben, die Menschheit wäre heute in ihrer Entwicklung um Jahrhunderte weiter.

Was meint Schönborn sonst noch zum heutigen Evangelium? Man soll in der Fastenzeit die Stille suchen, der Versuchung widerstehen, betenderweise allein sein mit Gott. Übergewicht abzubauen, sieht er nicht als Sinn der Fastenzeit.

Was hat die Fastenzeit für einen Sinn? In alten Zeiten begannen im ausgehenden Winter die Vorräte weniger zu werden, man musste daher sparsamer mit ihnen umgehen. Damit man bis zum Frühjahr halbwegs über die Runden kam und dann wieder auf die Jagd gehen konnte oder dem Osterhasen die Ostereier wegfressen. Die Fastenzeit hatte einen ökonomischen Ursprung, keinen religiösen. Amen.

Anmerkung: auch der Fastenmonat "Ramadan" bei den Muslimen lag ursprünglich im angehenden Frühjahr, durch den fehlerhaften islamischen Mondkalender wandert er aber durchs ganze Jahr. Im christlichen Bereich ist die Fastenzeit 40 Tage vor Ostern, Ostern kann frühestens am 22. März und spätestens am 25. April sein. Die christliche Fastenzeit ist dadurch näher an die ursprünglichen Fastentraditionen der frühen Völker gebunden.

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