Ein neuer Atheismus?

Sowas glaubt ein gewisser Tim Leeb aus Bad Vöslau in Niederösterreich entdeckt zu haben. Unter dem Künstlernamen Ananda Krsna dasa brahmacari hat er eine Homepage und verbreitet über YouTube seine Predigten. "Brahmacari" kommt laut Wikipedia von: "Brahman", das  "bezeichnet in der hinduistischen Philosophie die unveränderliche, unendliche, immanente und transzendente Realität, welche den ewigen Urgrund von allem darstellt, was ist."

Er verkündet hier in einer ca. 21 Minuten langen Predigt: Der neue Atheismus, angeführt von Richard Dawkins und Konsorten wird von einer weicheren Version abgelöst. Das was dieser Tim Leeb auf Stirn und Nase trägt, ist kein Mikrofon, sondern eine brahmacari-Bemalung.


Er redet natürlich von seiner göttlichen transzendente Realität, den Atheismus widerlegt er wie es auch die christlichen Prediger tun, er stellt zuerst Thesen auf, die von den Atheisten gar nicht vertreten werden, dann widerlegt er sie. Wie z.B. die liebe Geschichte, dass das Leben nicht aus Zufall entstanden sein kann. Das Leben ist aus den realen materiellen Möglichkeiten entstanden, diese Möglichkeiten folgen der Wahrscheinlichkeit und dann gibt's eben Leben. Der Mond umkreist die Erde und die Erde umkreist die Sonne nicht weil irgendein Schöpfer das so eingerichtet hat, sondern weil diese Körper sich im Gleichgewicht zwischen Anziehung und Fliehkraft befinden, also weder abstürzen, noch davonfliegen. In Abermillionen Jahren passiert das eben, dass Materie in solche Abhängigkeiten gelangt.

Natürlich stellt auch ein Brahman keine Frage danach, woher seine unveränderliche, unendliche, immanente und transzendente Realität komme, er unterstellt nur, sie wäre die Ursache für das materiell Reale. Aber wenn er - wie die christlichen Welterklärer die ihre - seine brahmanische Realität nicht erklären kann, dann kann er mit der brahmanischen Realität auch sonst nichts erklären. Denn auch bei Brahmanen gilt der Satz von Betrand Russell "Wenn alles eine Ursache haben muss, dann muss auch Gott eine Ursache haben. Wenn es etwas geben kann, das keine Ursache hat, kann das ebenso gut die Welt wie Gott sein, so dass das Argument bedeutungslos wird."

Der obige YouTube-Clip wurde hier eingebaut, damit auf dieser Homepage sozusagen das Spektrum des religiösen Aberglaubens erweitert wird, was der niederösterreichische Brahman über den stückweisen atheistischen Rückzug sagt, ist natürlich auch aus seinem Weltverständnis geformt. Es gibt jedoch keine verbindliche atheistische Lehre, wir Atheisten dürfen denken und äußern, was wir wollen, wir haben keinen Papst und keinen Buddha und keinen Oberbrahmanen.

Die im Clip so eifrig angesprochene menschliche Moral ist im Prinzip die Organisation von gesellschaftlichen Prinzipien. Das hat der alte jüdische Gott scheinbar in den Büchern von Moses getan, dort stehen nicht zehn Gebote, sondern 613, diese regeln religiös-rituellen Vorschriften, Strafbestimmungen und das, was heute im "bürgerlichen Gesetzbuch" steht. Schon im alten Babylonien gab es das Gesetzbuch des Hammurabi, heute gibt's eben die staatlich-säkularen Regelungen des Zusammenlebens. Eine göttliche Moral braucht dazu niemand. Und Atheisten ohne religiöse Moral sind viel ungefährlicher als religiöse moralische Fanatiker. So, das wär's, over and out.